richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Ein Platzsturm, dumme Menschen und ein Lösung im Kleinen #Rapid Wien

Im TV den Spielabbruch zwischen Rapid Wien und Austria Wien im Hanappi-Stadion verfolgt. Ein Derby. Immer emotionsgeladen. Deshalb ist so ein Fußballspiel an Dramatik nicht zu überbieten, auch wenn sich am Spielfeld oftmals nicht viel tut. Diesmal tat sich viel. Ohne dass ein Fußball im Spiel gewesen wäre. Dafür mit maskierten jungen Anhängern, vulgo Fans, auf der einen und behelmte Sicherheitskräfte, vulgo Polizisten, auf der anderen Seite. Und man muss sich fragen: What the fuck?

update: Guter Artikel über die Ereignisse von Martin Blumenau auf FM4.

Wahrlich. In anderen Ländern setzen junge Menschen ihr Leben aufs Spiel, um sich von senilen Diktatoren oder  blutrünstigen Regimen zu befreien. In Spanien halten Leute zentrale Plätze friedlich besetzt. In Griechenland ist das Klima schon rauer, aber die staatlichen Repressalien genauso. Und im Hanappi Stadion? Da ging es für die Rapid Mannschaft um nichts mehr. Kein Meistertitel. Kein Europaplatz. Punkt. Für die Austria, dem Erzfeind der Rapidler, ging es um den Meistertitel. So ist das im Sport. Einmal ist der eine oben, das andere Mal unten. Wer das nicht versteht, versteht gar nichts. Nichts vom Spiel. Nichts vom Leben.

Die TV-Bilder haben mich schockiert. Ja, wie konnte das geschehen? War es das erste Mal, dass aggressive Aktionen auf den Fußballrängen durchgeführt wurden? Mitnichten. Aber man wählte bis jetzt immer die österreichische Methodik: nur nicht zu viel, nur nicht reizen. Das mag in vielen Bereichen durchaus angenehm und sinnvoll sein und ich bin froh, dass die öster. Exekutive sich in Zurückhaltung übt. Aber interessant ist, dass Vandalismus und Raufhandel im Zuge eines Fußballspiels zumeist nicht auf eine Weise geahndet werden, wie sie abseits geahndet werden würden. Man stelle sich vor, eine vermummte Truppe würde ein Einkaufszentrum stürmen oder eine Bankfiliale. Ich schätze, es würde ein anderer Ton angeschlagen werden. Period!

Aber das Schlimmste ist, dass einige hundert Leute, vermutlich geistig und seelisch derangiert, Auswirkung auf die gesamte Gesellschaft haben. Man wird wohl nun härter durchgreifen müssen. Mehr Überwachung. Mehr Kontrolle. Höhere Eintrittspreise. Mehr Sicherheitskräfte. Mehr Gesetz. Und eh man sich versieht, wirst du am helllichten Tag in der U-Bahn kontrolliert oder für ein paar Stunden (oder Tage) festgehalten, weil irgendwer irgendwo meinte, du würdest eine Gefahr für die Staatssicherheit darstellen. Tja.

Das ist das Dilemma. Deshalb müsste es im Sinne aller friedlichen Bürger sein, dass sich Gewalt nicht verbreitet. Weder auf der verbrecherischen, noch auf der gesetzlichen Seite. Und wenn man im Buch »The Tipping Point« nach einer Lösung blättert, wie zum Beispiel New York City die Kriminalität in der U-Bahn wieder in den Griff bekommen hat, nun, dann hat es mit kleinen Dingen begonnen, nicht mit großen.

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7 Antworten zu “Ein Platzsturm, dumme Menschen und ein Lösung im Kleinen #Rapid Wien

  1. Sina Hawk Sonntag, 22 Mai, 2011 um 18:05

    Hach nee … immer diese Fußballchaoten und das überall … aber guter Beitrag

  2. Andrea Montag, 23 Mai, 2011 um 13:29

    Ach, auf gut Österreichisch: Des san anfoch ane Dodln. Armselige noch dazu. Jetzt ist der österreichische Fußball eh schon so lahm und dann noch so ein Schwachsinn. Geht gar net. Ich war in grauer Vorzeit einmal Rapid-Fan (bei Auswärtsspielen in Graz im wilden Hooligan-Sektor, jaja.. 😉 ), aber mittlerweile ist es mir schade um die Zeit. Die „Ultras“ halte ich für minderbemittelte Typen, die im Leben nichts Besseres zu tun haben, als sich dumm und dämlich zu saufen und solche blödsinnigen Aktionen zu schießen. *ärger*
    In dem aktuellen Fall ist aber auch die Frage, wieso es keine wirklichen Sicherheitsmaßnahmen gegeben hat. Die Ordner waren weg. Bestochen??

    • Richard K. Breuer Montag, 23 Mai, 2011 um 14:46

      Also, die Polizei wollte nicht „Gewehr bei Fuß stehen“, weil die Einsatzleiter die Befürchtung hatten und haben, dass man dadurch erst recht die Fans provozierte. Ja, das ist die Crux an der Politik der De-Eskalation. Man agiert nicht, man reagiert auf Aktionen. Ob das gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt. Es hat alles ein Für und ein Wider.

      Oha. Eine attraktive Studentin im Hooligan-Sektor? Schlapperlot. Ich frage mich ja immer, was Frauen daran reizt. Vermutlich dieses Gemisch an Schweiß und Testosteron 😉

      By the way: die Ordner sind ja auch nur unterbezahlte Hansln. Ich würde mich da auch nicht gestörten Volldodeln in den Weg stellen. Bringt nix.

      • Andrea Montag, 23 Mai, 2011 um 21:21

        Bitte, ich war damals noch Schülerin und fern von jeglicher Attraktivität…
        Weiß ehrlich gesagt auch nicht mehr, was der Reiz war. Das „Männliche“ daran aber eher nicht. Es ist das Mitfiebern. Ich geh heute gar nicht mehr ins Stadion. Das regt mich zu sehr auf.

        Wenn die Ordner nur unterbezahlte Hansln san, die dann gleich Reißaus nehmen, dann darf man die aber auch nicht „Ordner“ schimpfen… 😉

      • Richard K. Breuer Montag, 23 Mai, 2011 um 21:56

        Würde man auf ihre grellgelben Jacken „Hansln“ draufschreiben, würden die „Ordner“ ihren letzten verbliebenen Rest an Respekt verspielen, oder? 😉

        Ach, Schülerin also. Schau, schau.

  3. Pingback: Über Trotteln und Trantüten oder Warum dich Facebook depressiv macht und Google+ dich befreit. « richard k. breuer

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