richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Die Schulden von Griechenland und eine Hausübung.

Ehrlich gesagt, ich kenne den guten Mann nicht. Er heißt Andreas Popp und beantwortet Fragen zum Thema Wie es mit dem Euro und dem Dollar weitergeht. Nun, wenn man den Mainstream-Blätterwald so verfolgt (ich tue es nicht, zugegeben), dann kommt man zum Schluss: alles wie gehabt. Zum einen gibt es die rotzfrechen Griechen, die trotz horrender Verschuldung nicht sparen wollen. Zum anderen junge Spanier die auf vielen Plätzen in der Sonne liegen und nicht arbeiten wollen. Und die Isländer, die wollen für die Schulden nicht gerade stehen. Wer muss für all das bezahlen? Natürlich der gutmütige Steuerzahler aus Germanien oder der Ostmark. Hm. Klingt simpel und überzeugend, oder?

Die Wirklichkeit sieht natürlich vielschichtiger und komplexer aus. Aber warum sollte man den Konsumenten damit behelligen? Der Bürger will simple Antworten auf komplexe Fragen. Wobei es zwei Seiten gibt. Die einen machen es sich dahingehend leicht, in dem sie das Kauderwelsch der Politiker, Wirtschaftsbosse und ihren Medien für bare Münze nehmen. Die anderen machen es sich dahingehend leicht, in dem sie gar nichts mehr glauben und den Weltuntergang auf den nächsten Tag legen. Tja. Ich schätze, die Wahrheit (sagen wir besser: die Annäherung an die Wahrheit) liegt irgendwo dazwischen.

Auch wenn ich mich wiederhole, so muss jedem klar sein, dass unsere moderne Wirtschaft vorwiegend und hauptsächlich auf Glauben gegründet ist. Der Glaube an Geld. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir hier von Euro oder Dollar reden. Jeder, der einen bestimmten Geldbetrag in einer bestimmten Währung für seine verkauften Waren akzeptiert, setzt ein gehöriges Vertrauen in den Finanz-Währungs-Mechanismus. Das ist so. Und es mutet schon recht seltsam an, wenn man bedenkt, dass zumeist gottlose und verruchte Spekulanten die gläubigsten Leute sind.

Gut. Machen wir eine lange Geschichte kurz. Nehmen wir an, du bist Privatier, also Geschäftsmann. Deine Familienstiftung von rund 23 Milliarden Euro hat einen guten Teil davon in Griechische Staatsanleihen investiert. Warum? Hey, wer kann schon Renditen von über 10 % widerstehen? Und jetzt stelle man sich vor, deine Finanzberater-Gruppe macht sich Sorgen. Weil es sein könnte, dass sich der Staat Griechenland für bankrott erklärt. Das ist vor allem für die Kreditgeber schlimm, weil diese dann einen Großteil ihres eingesetzten Vermögens verlieren. Tja. Dumm gelaufen.

Und nun kommen wir zur Hausübung: Sie sind Geschäftsmann, der zu den reichsten Leuten der Welt zählt, dessen beachtliche Unternehmensbeteiligungen breit gefächert sind: Medien, Softwarehäuser, Internetfirmen, Banken, Waffenindustrie, Pharma und weiß der Teufel was noch. Sie dürfen davon ausgehen, dass sie gute Kontakte zu Politikern und anderen Top-Geschäftsmännern haben. Vermutlich gibt es auch Kontakte zu eher zwielichtigen Freunden. Sei’s drum. Mit all dem Geld, mit all dem Einfluss, würden Sie tatenlos zusehen, wie Griechenland bankrott macht? Oder würden Sie nicht versuchen, andere EU-Länder dazu zu bringen, Griechenland mit massiven Zahlungen herauszuhauen. Dann sind Sie fein raus:  Sie haben über die Jahre superbe Renditen auf die griechischen Staatspapiere bekommen (die deshalb so hoch waren, weil sie das Risiko eines Staatsbankrotts abgebildet haben) und erhalten das eingesetzte Kapitel auf Heller und Pfennig zurück. Wer hat gezahlt? Ach so, ja, das waren die Bürger der EU. Woher haben die so viel Geld? Haben sie ja nicht, ist ja alles auf Pump. Das kann Ihnen ja fürstlich egal sein. Je verschuldeter die Bürger sind, umso leichter sind sie und die Staaten zu manipulieren. Also, was würde Ihnen als Top-Geschäftsmann so einfallen, die Politiker und die Massen so zu beeinflussen, dass sie mit Freude Griechenland (und Spanien und Portugal und Italien und Irland) unter die Arme greifen.

Und als zweite Hausübung stelle ich die banalste aller banalen Fragen: Warum gibt es in einer aufgeklärten Welt Zinsgeschäfte? Sind Zinsen von Göttervater Zeus gegeben? Oder zwingen uns außerirdische Mächte dazu, Zinsen zu verrechnen? Nun?

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4 Antworten zu “Die Schulden von Griechenland und eine Hausübung.

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 1 Juni, 2011 um 11:17

      Aha. Danke für den Link. Wobei, dieses „Eso-Watch-Wiki“ sieht mir auch nicht so ganz lupenrein aus. Das ist das Dilemma des Webs. Nimm einen Kerl und du findest hundert Sachen die für und hundert Sachen die gegen ihn sprechen. Tja. Deshalb treibe ich mich virtuell in good ol‘ USA herum, wo es eine alternative Berichterstattung gibt, die nicht als esoterisch, rechtsgerichtet oder verblödet gilt. Und einen Noam Chomsky wird es leider so schnell auch nicht mehr geben.

      Aber im Interview schneidet der gute Mann schon die richtigen Themen an. Die anderen von ihm kenn ich ja nicht.

      ad Hausübung: nicht vom Nachbarn abschreiben, gell 😉

  1. Pingback: Das Problem der Linken? Sie wollen rechts überholen. « richard k. breuer

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