richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Bilderberg? Nur ein Häufchen Elite, Folks.

update: Bilderbullshitting the Public – Taki’s Magazine

update: Bilderberg 2011 – The tipping point – Guardian

Schon mal den Namen BILDERBERG gehört oder gelesen? Hm. Ja, wenn man sich mit alternativen Medien herumschlägt, dann taucht der Name immer wieder auf. Im gleichen Atemzug mit Weltverschwörung und New World Order. Hm. Wenn man sich das Who is who der Teilnehmer anguckt, die sich über die Jahrzehnte so versammelt haben, dann ist das schon recht ordentlich. Was hinter gut gesicherten und absolut verschlossenen Türen so palavert wird, nun, das weiß niemand so recht. Es darf vermutet werden, dass es nicht um das Wetter oder die anstehende Frauen-Fußball-WM in Germanien geht (wobei, die DFB-Damenauswahl hat nen hübschen Kalender gemacht, auf der die Damen, nun ja, recht freizügig abgelichtet wurden – also, für mich wäre das schon ein Gesprächsthema).

Keiner weiß also wirklich etwas, außer, dass sich sehr einflussreiche, sehr wohlhabende, sehr blaublütige, sehr angesehene, sehr interessante, sehr politische Menschen (zumeist natürlich Männer) für ein paar Tage treffen und palavern. Punkt.

Interessanter finde ich, wie über dieses Treffen in den Mainstream-Medien berichtet wird. Um ehrlich zu sein, ich glaube fast, dass der gewöhnliche Bürger von diesen Konferenzen (wollen wir sie mal so benennen) so gut wie nichts erfährt. Oder wussten Sie, dass die Konferenz für dieses Mal in der Schweiz, in St. Moritz, abgehalten wird? An diesem Pfingstwochenende? Immerhin, der Guardian schreibt darüber, wenn auch um den heißen Brei.

Jetzt könnte man natürlich sagen, diese Mitteilung ist von keinem medialen Interesse. Gut. Möglich. Aber nehmen wir den Fall, dass sich die Präsidenten und Spitzenfunktionäre der angesehensten Fußballvereine der Welt für drei Tage in eine Hotel-Anlage zurückziehen, wäre da nicht der Teufel los, im Blätterwald? Würde man da nicht beginnen, sich zu fragen, was zum Teufel die da besprechen? Und wozu sie sich treffen? Neugier ist schnell geweckt, wenn sich eine illustre Schar zusammenfindet. Das war schon immer so. Das wird auch immer so bleiben. Warum also bringen die Medien es nicht auf die erste Seite? Spekulieren über Inhalte und Themen und Agenden – zum Beispiel: über Griechenland und die EU und den Euro und die Probleme, die die Bankiers und Finanzleute alsbald haben werden. Oder über die USA, deren Wirtschaftslage gefährlich nach Depression aussieht. Oder über den arabischen Frühling und was er ausgelöst hat. Oder über die gegenwärtige inhumane Vermögensverteilung. Oder über die Gefahren des Internets und der E-Books … okay, streichen wir E-Books.

Die Welt ist komplex! Wirklich. Aber es gibt einen Wirkstoff, der in allen Ländern, in allen Köpfen funktioniert: Geld! Gut, gut, es gibt natürlich unerschrockene Leutchen, die nicht korrumpierbar sind. Aber was nutzt es, wenn du einen Unbestechlichen unter hundert Bestechlichen hast? Nichts. Eh man sich versieht, wird der Unbestechliche aus dem Rennen genommen. Ein medialer Skandal ist schnell gemacht. Und wenn das auch nichts nutzt, nun, für Geld lässt sich Vieles glatt bügeln. Yep. Das sollten wir nicht vergessen. Geld und Macht gehören zusammen. Wer Geld hat, hat auch Macht. Und wer Macht hat, hat auch Geld oder kann zu welchem kommen. Das ist wiederum nicht sonderlich komplex, oder?

Die Gefahr, mit so einem Blog-Beitrag als Verschwörungstheoretiker in eine Ecke gestellt zu werden ist groß. Sehr groß. Deshalb will ich hier und jetzt sagen, dass ich in keiner Weise daran denke, dass diese ausgesuchte Elite in irgendeiner Weise negativen wie positiven Einfluss am Weltgeschehen nimmt. Es sind nur ältere Herren, die sich für ein paar Tage eine Auszeit nehmen und das Leben genießen. Ja, das würde ich auch gerne.

Wer also ernsthaft wissen möchte, was wirklich wirklich hinter verschlossenen Hotel-Türen so besprochen wird, nun, der könnte ja eine freundliche Anfrage an einen der Herren richten. Zum Beispiel an Herrn Rothensteiner. Oder an Herrn Scholten.  Oder an Herrn Bronner. Oder an Herrn Nass. Oder an Herrn Steinbrück. Oder an Herrn Faymann. Ach so, ja, die beiden Letztgenannten sind demokratisch gewählte Politiker, die natürlich nur das Gemeinwohl ihrer Bürger im Sinn haben. Natürlich. Und wenn man sich die Leute anguckt, aus welchen Bereichen sie allesamt kommen, dann gibt’s dort alles, was man so zum Leben nicht braucht: Arzneimittelabfall, Lebensmittelmüll, Softdrinkabwasser, Elektroschrott, Autoschrott, Medienmüll und so weiter und so fort. Künstler oder Querdenker oder Philosoph oder Humanist konnte ich jedenfalls noch keinen ausmachen.Vermutlich haben sich diese als Hotelangestellte verkleidet und bedienen die Herrschaften für ein paar Münzen.

Also, ich geb zu, da kann einem schon schwindlig werden, wenn man die Liste durchsieht. Beinahe bin ich versucht, mir ein Kopfschmerzmittel einzuwerfen. Und wenn ich gerade dabei bin, frage ich mich gerade, wer die Preise für Arzneimittel, Lebensmittel, Softdrinks und dergleichen festlegt? Und wer prüft eigentlich, welche Stoffe sich denn so in den Lebensmittel, Softdrinks und Arzneimittel befinden dürfen? Und wer informiert eigentlich den Bürger? Hmm. Ja, da schmerzt der Kopf ordentlich.

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8 Antworten zu “Bilderberg? Nur ein Häufchen Elite, Folks.

  1. Victoria Samstag, 11 Juni, 2011 um 12:01

    Die Tribune de Genève hat darüber geschrieben (klar, in dem Land, wo die Chose stattfindet, gibt’s mehr Mediencoverage). Vor etlichen Jahren (2003? 2004?) als die Konferenz in Versailles stattfand, wurde zwar in den französischen Medien darüber berichtet, aber der Informationsgehalt war, soweit ich mich erinnere, im allgemeinen auch nicht beeindruckend . Liberation wollte damals eine tiefergehende Berichterstattungsserie machen (es wurde zumindest angekündigt), aber ob und wie das dann der Fall war, ist irgendwie an mir vorbeigegangen.

    Liebe Grüße
    V, die eine zeitlang in mittelbarer Nachbarschaft zu einem Bilderberghotel gewohnt hat. 😉

    • Richard K. Breuer Freitag, 17 Juni, 2011 um 11:25

      Schau mal einer an. Der Kommentar wurde verschwörungsverdächtig als SPAM eingeordnet. Schlapperlot. Aber der aufmerksame Admin – yah, that’s me – hat den Kommentar gerettet. Juhu.

      Aha. Die gute V. kennt die Chose und ein Bilderberghotel. Naja, als Autor muss man sich ja für die obskure Welt natürlich interessieren. Tue ich ja auch, wie man liest 😉

  2. Michael Horak Sonntag, 19 Juni, 2011 um 11:34

    Ich glaube, ich kann euch trösten… ein Treffen bei dem ausgewählte Leute in limitierter Anzahl anwesend sind, unter denen man aber dann doch eine Königin Beatrix und einen Faynachtsmann findet erinnern an eine Tupperparty die nur um Namedropping bemüht ist.

    Der einfachste Grund, warum Medien nichts berichten wäre, dass es keine Informationen gibt, die man verbreiten könnte. Das trifft auf seriöse Medien zu, um BILD, Krone usw mache ich mir aber schon Sorgen: wo waren die Verschwörungsmeldungen?

    Was kann man aus der Liste der bekanntgewordenen Teilnehmenden schließen?
    Querdenker sind keine dabei, das liege va daran, dass wirkliche Querdenker oft über zu wenig Expertise verfügen um in der Fachwelt mitdiskutieren zu können (vllt haben wir für den Begriff eine falsche Auffassung, aber ich kenne nur Querdenker, die sich selbst als solche bezeichnen und oft nüsse Ahnung von irgendetwas haben).
    Philosophen: jein, Finanzphilosophen oder so waren da, zB der allseits geliebte Kissinger.
    Firmenvertreter: komischerweise ist der Anteil an Firmenvertretern bei dem heurigen Meeting größer als in den letzten Jahren. Das kann daran liegen, dass man einfach mehr Leute erkannt hat, glaube ich aber nicht. Vermutlich gleitet das Meeting tatsächlich in ein billiges Networking-blabla ab.

    Ich wüsste nicht, ob man aus den Teilnehmern alter Meetings & darauf folgender Politik/Wirtschaftsbewegungen _irgendwas_ ableiten könnte, würde aber sehr auf „NEIN“ tippen. Zum einen liegt da daran, dass die paar Einzelpersonen (CEOs ausgenommen) nicht viel zu entscheiden haben, zum anderen, dass zumindest die Politiker dort ohnehin nur Marionetten sind, die ohne ihren Beratern keine geraden Sätze produzieren können.

  3. Richard K. Breuer Sonntag, 19 Juni, 2011 um 11:53

    Naja, nur weil es keine (gesicherten) Informationen gibt, heißt es nicht, dass man sich nicht darum kümmern könnte, welche zu besorgen, oder? Deshalb gibt es ja investigativen Journalismus. Man könnte ja den Beteiligten die Frage stellen, was denn da so abgeht, auf diesen Meetings. Der The Guardian Online tut es auf eine süffisante Art und Weise, die mir gefällt (natürlich ist hierin nur Spekulation zu finden), aber sie stellen wenigstens die richtigen Fragen. Andere Medien vernachlässigen da ihre Pflicht, würde ich meinen.

    Als aufgeklärter Bürger sollte man jede Machtkonzentration, egal in welchen Händen, kritisch beäugen. Und wenn sich dann diese Mächtigen innerhalb eines Wochenendes austauschen, dann gehört das erst recht kritisch hinterfragt. Dort entsteht vielleicht gerade die Idee, das Internetz rigoroser zu überwachen. Nur so ein Beispiel.

    Wie gesagt, vielleicht plaudern die Herrschaften nur über ihre sexuellen Vorlieben und lassen sich im Keller von hübschen Damen oder Jungs auspeitschen. Jedem Tierchen sein Plaisirchen. Das geht mich nichts an und interessiert mich in der Tat nicht die Bohne. Was mich aber sehr stutzig macht, ist, dass die Medien über diese Versammlung sehr sehr wenig aufhebens machen und wenn jemand auf diese Versammlungen hinweist, die Response äußerst harsch ausfällt und dieser Jemand dann als konspirativer Idiot hingestellt wird. Das gefällt mir ganz und gar nicht.

    • Michael Horak Montag, 20 Juni, 2011 um 22:43

      Aso wars gemeint!
      Ich glaub schon, dass es an der Hoffnungslosigkeit liegt, ohnehin keine Infos bekommen zu können: Journalisten hinschicken, die Leute belästigen die sie ohnehin ständig vorm Diktiergerät haben & nur dumme Sprüche anhören die man sonst nur als Fahrscheinkontrolleur zu hören bekommt.
      Aber evtl spielt eh auch mit, dass viele Betreiber von Medienhäusern schon mal dort waren. Warum aber dann keine kleinen, unabhängigeren? Für Falter & co wäre das ja nur zu einfach, wenn sich die Nicht-Info verkaufen ließe.

      Der Reflex der Medien auf eine suggestive Überschätzung des Meetings kommt eben aus der ganzen New World Order Verschwörungswelle, die die letzten Jahren durch christliche Fundis & Republikaner immer wieder lustige Bemerkungen mitschwemmt: Bilderberger, Juden und Club of Rome (!) ziehen die Fäden.

      Ja, ich halte auch extrem wenig von Bilderberger und anderen intransparenten Meetings. Es wäre schön, wenn man unseren Politikern nachsagen könnte, dass die in so kurzer Zeit extrem gute & viele Deals aushandeln, an dem plötzlichen Produktivitätsschub zweifle ich aber stark. Beschränke meine Kritik also hauptsächlich darauf, dass demokratisch gedachter Informationsfluss vernachlässigt wird & sowas Korumpierungen fördert.

      • Richard K. Breuer Dienstag, 21 Juni, 2011 um 19:29

        „New World Order“ ist leider so ein böses Wort, das man es besser nicht in den Mund oder in den Blog nimmt, um nicht Gefahr zu laufen, ausgelacht zu werden. Gewiss, ich halte es für Unwahrscheinlich, dass es da eine elitäre Gruppe gibt, die die Welt unterjochen möchte, eher gehe ich davon aus, dass es eine Eigendynamik gibt, die Strömungen und Tendenzen in gewisse Bahnen lenkt.

        Wer viel Geld hat, wird danach trachten es zu vermehren. Wer viel Einfluss hat, wird danach trachten, diesen zu vergrößern. Wenn dann noch ein universaler Glaube („das große Ganze“) greift, der natürlich nur zum Wohle der (auserwählten) Menschheit ist, dann haben wir jenes Gebräu, das ziemlich ekelig und totalitär schmeckt.

        Wir, als lächerlich kleines Fußvolk, sollten nicht den Fehler machen für „die da oben“ Partei zu ergreifen, wenn es um (absurde) Verschwörungsanschuldigungen geht. Die Verteidigung übernehmen sowieso deren (bezahlten) Handlanger, sei es in den Medien, sei es in der Politik.

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