richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Der Preis eines E-Books, geadelte Piraten und trotzige Verlage

Natürlich hat jeder Hersteller eines Produkts das gute Recht, einen beliebigen Preis festzusetzen. Der Markt, so heißt es, würde schon dafür sorgen, dass der fairste Preis ermittelt und verlangt wird. Tja. Das war wohl zu einer Zeit, als noch niemand wusste, dass es mal digitale Produkte geben würde, die prinzipiell unendlich vervielfältigbar sind, ohne dass es zu weiteren Herstellungskosten kommt. De facto bedeutet dies, dass  jedes digitale Produkt, sei es E-Book, sei es ein MP3-Musikstück oder ein MPEG-Film oder ein JPG-Foto, immer und zu jeder Zeit verfügbar sein müsste. Es kann demnach keinen Engpass in der Produktion geben. Wenn man den Sachverhalt weiterspinnt, kommt man zum Schluss, dass jedes digitale Produkt ein unendliches Überangebot darstellt und somit der marktkonforme Preis eigentlich gegen 0,- streben müsste.

Ja, das müsste er, gäbe es da nicht eine Besonderheit zu berücksichtigen: das Urheberrecht. Dadurch wird Text, Musik, Bild und Film geschützt. Aber wenn man es sich so überlegt, dann ist das Erstaunliche, dass der Urheber sein geistiges Erzeugnis nur einem Verwerter vertraglich überantwortet, der wiederum dieses Erzeugnis gegen Geld verkaufen kann. Gut. Das war schon immer so. Aber wäre es nicht vorstellbar, dass der Urheber mehreren Verwertern das Recht einräumt, sein geistiges Erzeugnis zu verkaufen? Dann würde vielleicht ein Buch, ein Musik-Album von zwei oder drei Verlagen angeboten werden, die  in direkter Konkurrenz treten müssten und erst dann wäre ein fairer Wettbewerb gegeben. Aber im gegenwärtigen System gibt es keine Konkurrenz und damit haben wir es mit einer Monopolstellung zu tun, was in einem kapitalistischen System verhindert werden muss. Ich denke, das steht schon in der Bibel. Yep.

Gut. Wollen wir uns zum springenden Kern begeben. Immer öfter fällt mir auf der US-Seite von amazon auf, dass die kindle-E-Books ein wenig teurer als die gedruckten Taschenbücher sind. Seltsam nicht? Aber aus Unternehmersicht natürlich verständlich: die auf Lager liegenden Bücher verschlingt Kosten, das eingesetzte Schuld-Kapital verursacht natürlich Zinsen  – Woher kommt es eigentlich, dass jemand Zinsen verlangen darf? Jedes Buch, das nicht verkauft wird, ist ein Verlust. Würde also der Kunde ein E-Book dem Taschenbuch vorziehen, so würde es bedeuten, dass im Kaufpreis des E-Books auch die Kosten für das nicht verkaufte Taschenbuch eingerechnet werden müssten. Das ist natürlich Theorie. Dachte ich bis heute.

Finde den Fehler!

Im Web bin ich gestern auf ein Buch gestoßen, das mich zu interessieren begann: Ein populäres Sachbuch, wie es nur die Amerikaner schreiben können. Also klickte ich mich auf amazon.com ein. Huh. Was musste ich feststellen? Der vom Verlag festgelegte Ladenpreis für das digitiale E-Book orientierte sich am Hardcover-Preis und beträgt schlappe $ 27,- während das Taschenbuch auf $ 18,- kommt. Zwar ist amazon so freundlich, den Preis des Verlages zu reduzieren (der Verlag erhält trotzdem den Rabatt vom veranschlagten Listenpreis), interessanterweise ist die Reduktion für das Hard-Cover größer als für das E-Book. So kostet nun das Hardcover $ 17,82 während das E-Book $ 21,06 und das Taschenbuch $ 12,24 zu Buche stehen.

Wie auch immer man zur Preispolitik der großen Publikumsverlage stehen möchte, es zeigt eine verbohrte Haltung, die man vielleicht auch als Trotz deuten kann: „Ihr wollt E-Books? Okay, meinetwegen, die sollt ihr haben. Aber dafür zahlt ihr ordentlich! Und jetzt trollt euch!“

Kein Wunder also, wenn sich die kritischen Stimmen der kindle-Benutzer mehren. Sie kauften sich den E-Reader im Glauben, die digitalen Bücher wären günstiger als die gedruckten. Tja. Sieht nicht so aus. Und jetzt kommen die Indie-Autoren, die ihre E-Books um 99 Cent anbieten. Etabliertere Autoren vielleicht um ein paar Dollar mehr. Gut möglich, dass Verlage alsbald feststellen müssen, dass ihnen die profitable Monopolstellung auf Dauer nicht mehr helfen wird. Zum Einen gibt es kostengünstigste Alternativen durch die vorher genannten Indie-Autoren und Kleinverlage  (primär gilt es natürlich im belletristischen Bereich, nicht unbedingt im Fach/Sachbuch-Bereich), zum anderen gibt es das E-Book vielleicht um billig Geld, da draußen irgendwo. Billig Geld? Umsonst. Dass nennt man dann Piraterie. Ja, das ist hässlich. Aber es gab mal eine Zeit, da wurden Piraten von der Krone geadelt – oder gehängt. Somit muss es einen Unterschiede gegeben haben, zwischen den Gehängten und den Geadelten, nicht wahr? Ach ja, je nach dem, welches Handelsschiff aufgebracht und versenkt wurde. Hm. Ein Glück, dass wir jetzt in aufgeklärten Zeiten leben.

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27 Antworten zu “Der Preis eines E-Books, geadelte Piraten und trotzige Verlage

  1. DominikDom Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 11:26

    Man sollte bei dem Beispiel nicht außer Acht lassen, dass die Preise nicht vom Verlag, sondern von Amazon festgelegt wurden – denn in den USA gibt es keine Preisbindung.

    Das angesprochene Monopol liegt zunächst mal beim Urheber – was selbstverständlich ist. Das Monopol wird dann durch einen Exklusivvertrag an den (einen!) Verwerter/Verlag übertragen. Für den Urheber ist es nicht von Interesse, Konkurrenz bei seinem Produkt zu erzeugen, denn das würde (ohne Preisbindung) einen Preiskampf bedeuten und damit weniger Geld für ihn.

    Es ist aber wichtig, dass der Urheber mit seinem Werk Geld verdienen kann, sonst wird er den Aufwand, den es bedeutet ein Werk zu verfassen, in vielen Fällen nicht mehr betreiben (können). Natürlich gibt es Werke denen niemand nachtrauern würde, insgesamt wird aber wohl niemand bezweifeln, dass das ein kultureller Verlust sein dürfte.

    Im Übrigen gibt es auch heute bereits (zumindest eingeschränkte) Konkurrenz bei Büchern. Denn es gibt oft bei Lizenzpartnern die Bücher günstiger in etwas abgewandelter Ausstattung. So beispielsweise bei Weltbild oder dem Club.

    • Richard K. Breuer Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 13:15

      Hm. Die Preise werden zwar durch amazon festgelegt, aber der entscheidende Faktor ist natürlich der vom Verlag „empfohlene Verkaufspreis“. Dieser Preis wird herangezogen, um die Rabatte für die Verlage zu berechnen. Natürlich kann amazon den Preis festlegen, weil es keine Preisbindung gibt, aber am Ende müssen sie auch auf ihre Kosten kommen.

      Beinahe bin ich versucht zu sagen, die Verlage setzen die Preise deshalb so hoch an, damit amazon gar nicht erst in die Lage kommt, das E-Book günstiger als das gedruckte Buch anzubieten.

      Leider ist es ja eine Mär, dass die Urheber von ihren künstlerischen Werken leben könnten. Monopole helfen nur den Bestseller-Autoren und ihren Verlagen. Der Rest dümpelt am Existenzminimum oder darunter herum. Siehe dazu den Beitrag: https://1668cc.wordpress.com/2011/04/30/e-book_piraterie_mythos/

      • DominikDom Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 13:52

        Es ist richtig, dass nur sehr wenige Urheber von ihren Werken leben können. Das bedeutet aber nicht, dass diejenigen, die nur wenig Geld damit verdienen, noch weniger verdienen sollen…

        Sie sind doch selbst Schriftsteller – bieten Sie Ihre Werke als kostenlosen PDF-Download an?

      • Richard K. Breuer Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 14:15

        Nope. Meine Werke biete ich nicht kostenlos zum Download an – abgesehen vielleicht von ein paar Kostproben oder Kleinigkeiten. Ich glaube, die Monopolisierung/Exklusivität hilft vor allem den Verlagen, nicht unbedingt den Urhebern. Darüber werde ich mir sicherlich mal Gedanken machen und das Ergebnis bloggen.

      • DominikDom Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 16:00

        Die Verlage profitieren, keine Frage – aber mit ihnen auch immer die Urheber. Die Urheber und die Verwerter gehen eine Zweckgemeinschaft ein von der beide profitieren.

        In Ihrem Fall legen Sie den Preis fest – Sie sind dabei Ihr eigener Verlag. Sie legen einen Preis fest, wollen also für Ihr Werk entlohnt werden, was auch richtig ist. Nun stellt sich aber die Frage, wie man damit umgeht wenn der Mechanismus, der bislang dafür gesorgt hat, dass das System funktioniert, umgangen wird.

        Sicherlich muss es neue Lösungen geben, dabei darf aber nicht vergessen werden, dass sowohl der Urheber als auch der Verwerter eine Leistung erbringen, die sich für sie lohnen muss – denn sonst werden sie schlichtweg damit aufhören. Das Urheberrecht, wie es heute ist, muss sicher überdacht werden. Aber es gibt dafür einfach noch keine gute Lösung.

  2. Matthias Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 11:27

    Ich glaube, dass die Verlage nicht einmal ahnen, wie sehr sie sich mit ihrer eBook-Preispolitik selbst das Wasser abgraben. In meinem Bekanntenkreis lesen inzwischen viele Menschen eBooks, einige haben sich wie ich einen dezidierten Reader gekauft, die meisten nutzen Pads, was ich für Kindle-Editionen inzwischen auch tue. Alle diese Leser sind keineswegs Diebe und Kriminelle, sie sind auch keine IT-Spezialisten. Trotzdem wird immer offener darüber geredet, dass man eBooks einfacher und schneller auf Piratenseiten bekommt, als im offiziellen Handel, wo vieles überhaupt nicht vorhanden ist. Piraten scannen nämlich nach wie vor auch selbst, wenn ein Buch von den Verlagen nicht digital angeboten wird. Diese einfache Verfügbarkeit von Piratenkopien ist ein mindestens so gewichtiges Argument wie der Preis. Der Buchhandel sollte deshalb dringend auch in die Usability seiner eBook-Shops investieren. Was man hier so erlebt, lässt sich auf Dauer kein Kunde bieten.

    • Richard K. Breuer Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 13:19

      Yep. Würde ich auch so sehen, Matthias. Aber langsam sickert es auch die Idee in den Vorstandsetagen durch, dass man es nicht hauptsächlich mit Kriminellen und Verbrechern zu tun hat, sondern mit interessierten Menschen, die nicht über den Tisch gezogen werden wollen.

      In den USA gibt es bereits Abomöglichkeiten, um sich Filme über das Internet anzugucken. Legal. Der Preis ist monatlich zu bezahlen und – soweit ich gehört habe – in Ordnung.

      Größtes Problem ist, dass die Geschäftsleute immer nur ihre Marktanteile im Kopf haben. Würde also der bestehende, längst aufgeteilte Markt in Gefahr geraten, werden (so gut wie) alle großen Marktteilnehmer dagegen steuern.

  3. DominikDom Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 11:47

    Volle Zustimmung für Matthias – die Verfügbarkeit ist ein großer Punkt.
    Das hat man auch bei Musik gesehen und iTunes hat hier viel geleistet. Das muss auch für Bücher klappen. Der Preis ist eine andere Geschichte.

    • DominikDom Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 17:42

      Was ich als Nutzer toll finden würde und was vielleicht auch von Anbieterseite umsetzbar wäre, wäre sowas wie Spotify für Bücher… Also ein Abomodell mit definierten Grenzen zu einem attraktiven Preis.
      Hier ist dann aber die Frage, inwieweit das mit der Preisbindung vereinbar ist.

      • Matthias Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 17:58

        Mit der Preisbindung geht das nicht. Ich glaube allerdings nicht, dass sie bei eBooks ewig zu halten sein wird. Wahrscheinlich wird sie sogar generell verschwinden, weil ihr wichtigster Zweck, Bücher überall verfügbar zu machen, in der Welt 2.0 anders und besser zu erreichen ist.
        Letztendlich werden es Abomodelle, Flatrates usw. sein, die in Zukunft den Medienkonsum bestimmen werden.

  4. Jo Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 15:04

    Warum die E-Books genau oder teilweise teurer sind, als die gedruckten Versionen, ist mir ein Rätsel. Deine Theorie in Ehren, aber ich denke, dass es hinter der Preispolitik keine Logik gibt, es ist schlichtweg Preistreiberei. Das Phänomen haben wir doch bei allen neuen Medien bereits erlebt. In den 90er Jahren haben Mobiltelefone richtig Geld gekostet, auch wenn sie von den Betreibern subventioniert wurden, heute kriegt man die Dinger hinterher geschmissen. Mit Sicherheit ist hier auch die Verlagslobby am Werk. Bei denen geht es schliesslich auch ums Image und es sind ja nicht nur die Verlage, hier kommt ja ein ganzer Rattenschwanz hinterher. Ich wollte gestern ein E-Book auf meinen Kindle laden, als ich den Preis von 14,99 Euro gesehen habe, wurde das Buch nicht gekauft. Warum auch? Das Taschenbuch ist günstiger. Nur, was bringt es dem Verlag? Das E-Book habe ich nicht gekauft, weil ich mich aufgeregt habe, das Taschenbuch habe ich bis jetzt auch nicht bestellt. Fazit: Das Geschäft ist dem Verlag und auch Amazon entgangen. Selbst die 7,99 Euro für das Taschenbuch. Ich denke hier funktioniert das Nachfrage – Angebot-Prinzip schon, aber mittlerweile ein bisschen anders.

  5. Matthias Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 15:22

    Irgendwann werden wir uns ernsthaft mit einer Kulturflatrate befassen müssen. Ich habe noch keine endgültige Meinung dazu und ich weiß auch nicht, wie sie in der Praxis auszugestalten wäre, vor allem, wie man eine gerechte Verteilung erreicht, aber das herkömmliche „Angebote-Nachfrage“-Regulativ ist in einer digital vernetzten Gesellschaft ein untaugliches Instrument. Wer sich eine solche Flatrate heute noch nicht vorstellen kann, möge sich zurückerinnern und fragen, was er jemandem gesagt hätte, der ihm vor 15 Jahren prophezeite, dass es im Jahr 2011 preiswerte, volumenunbegrenzte Tarife für das Surfen im Netz geben würde. Ich hätte solche Spinner wahrscheinlich für verrückt erklärt. 😉

  6. michael Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 15:25

    Ich habe auch beobachtet, dass der Kindle Preis etwas höher liegt als der Preis der gebundenen Ausgaben, allerdings in den meisten Fällen nur um 1-2 Dollar.

    Anyway, den Grund dafür sehe ich bei der Vermarktung des Kindle.

    Amazon hat ja absichtlich mit dem Kindle ein eigenes Device entwickelt, weil man a´la Apple die gesamten Verwertungskette inklusive DRM Verwaltung, properitäres Format etc. nicht aus der Hand geben möchte. In einem geschlossenen System ist auch viel leichter mit den Verlagen zu verhandeln, da diese ja auch Ihre Rechte gewahrt wissen wollen.

    Siehe analog dazu Apple iTunes, welches wegen der strikten Abschottung und perfekten DRM Kontrolle erst die Major Lables dazu bewegen konnte, ihre gesamten Bibliotheken zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig einen wettbewerbsfähigen Preis zu ermöglichen.

    Ähnliches wird mit Kindle ebenfalls passieren, aber nach den Regel des Marketings wird in der ersten Phase der Early Addopter noch mit den technischen Vorzügen geködert, die einen höheren Preis sowohl bei der Hardware als auch beim Content rechtfertigen sollen.

    Zum Beispiel – kein Versand, eBook sofort verfügbar.
    Gesamt Bibliothek in einem Gerät.
    Zusatzfeatures usw, usw……

    Natürlich zielt die eBook Strategie langfristig darauf ab die Distributionskosten entscheidend zu verringern, aber diesen Preisvorteil wird man erst in einer späteren Phase an die Kunden weitergeben.

    Wieso?

    Weil das im Marketing immer so gehandhabt wird.
    Weiterführende Infos einfach mal unter „marketing stages“ googlen.

    • DominikDom Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 16:03

      Geringere Distributionskosten für wen?
      Nicht für die Verlage, denn die bezahlen ja Amazonl wie auch Apple ihre Gewinnmarge – bei eBooks genauso wie beim normalen Buch.

      • Richard K. Breuer Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 16:24

        Aber es entfallen die Kosten für die Vertreter und die Auslieferung, evtl. Lagerung, was geschätzt um die 15 % liegen dürfte. Und auch nicht unwesentlich: die Buchhändler haben die Möglichkeit, ihre vom Verlag eingekauften Bücher wieder zurückzuschicken, gegen Erstattung. Die Remissionen können hässliche Löcher ins Budget reißen und Überbrückungskredite notwendig machen. Bei elektronischen Büchern entfällt dieser Unsicherheitsfaktor.

      • DominikDom Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 17:36

        Es gibt keine Vertreter, die Amazon besuchen, Amazon ist ja keine Buchhandlung in dem Sinn. Es gibt Kundenbetreuer für Kunden wie Amazon. Diese Kundenbetreuer sind aber auch notwendig, wenn es um eBooks geht. Dass die Produktion, Vertrieb etc. von eBooks so viel billiger ist als die von normalen Büchern, das ist die große Mär.

        Ganz abgesehen davon, dass normale Bücher in Deutschland nur 7 % MwSt. kosten, eBooks aber 19 %.

        Dazu müssen momentan in Verlagen riesige Investitionen getätigt werden, um Infrastruktur, Know-How etc. für die eBook-Produktion bereitzustellen. Denn mit eben mal Datei hochladen ist es leider nicht getan.

      • Matthias Donnerstag, 16 Juni, 2011 um 17:53

        Die Argumente kommen mir sehr bekannt vor. Haben wir sie vor Jahren nicht schon mal von der Musikindustrie gehört?
        Den Käufer schert es nicht. Er sieht nur, dass er bei einem eBook ein Produkt mit Eigenschaften erwirbt, die es deutlich weniger wertig machen als das Printexemplar. Ist doch logisch, dass er einen günstigeren Preis erwartet.
        Die Diskussion zeigt vor allem eins: Mit den herkömmlichen Strategien werden die Verlage scheitern. In der digitalen Welt braucht es völlig neue Strategien, Märkte zu bedienen und damit Geld zu verdienen. Ist ja nicht so, dass es die nicht gibt – nur halt noch nicht im Buchmarkt.

      • DominikDom Freitag, 17 Juni, 2011 um 9:25

        Wir sind absolut einer Meinung, Matthias.
        Der jetzige Stand ist aber nunmal leider der, dass die Verlage und die ganze Branche noch nicht so weit sind. Und man kann sagen was man will, das liegt auch mit an den Konsumenten. Wenn mehr eBooks gekauft werden würden und die Akzeptanz dafür größer wäre, würde das alles schneller gehen. Die Wahrheit ist aber leider, dass der eBook-Markt in Deutschland nur 0,5% des Umsatzes ausmacht. Da sind die Amerikaner einfach weiter. Das deutsche Kindle-Angebot wird hier sicher noch mal Druck machen und auch einige kleinere Start-Ups sehen vielversprechend aus.

        Was erschwerend hinzu kommt – die Buchbranche wird sich schwerer tun als die Musikbranche, weil hier die Margen für die Verlage deutlich kleiner sind – da ist nicht viel Spielraum.

  7. Jo Freitag, 17 Juni, 2011 um 7:53

    In dem Fall muss ich Matthias zustimmen. Die Investitionen, die die Verlage an der Stelle tätigen müssen, können gar nicht so hoch sein, wie momentan die Maschinerie, die eine Printausgabe publiziert und in den Markt drückt. Allein die Herstellungs-, Material- und Lagerkosten entfallen vollständig und damit nun mal auch Arbeitskräfte. Wenn es sich andersrum verhalten würde, nämlich Print teurer als Digital wäre es zumindest logisch, da die Verlage die Produktionskosten auf weniger Auflage umlegen müssen.
    Die Steuer ist auch nur ein vorgeschobenes Argument, denn die läßt sich gewollter Weise anpassen.

  8. Richard K. Breuer Freitag, 17 Juni, 2011 um 11:50

    „Was erschwerend hinzu kommt – die Buchbranche wird sich schwerer tun als die Musikbranche, weil hier die Margen für die Verlage deutlich kleiner sind – da ist nicht viel Spielraum.“

    Ich frage mich ja schon immer, wie hoch die Margen in der Musikbranche sind. Wer weiß es?

    • DominikDom Freitag, 17 Juni, 2011 um 13:13

      Ich weiß es leider nicht, aber nach dem was man hört dürften sie deutlich geringer geworden sein.

      Dass die Margen höher sind als in der Buchbranche kann man aber gut an einigen Punkten erahnen:
      – wie viel Geld wird ausgegeben für die Werbung, die für Produkte gemacht wird
      – wie viel wird für Vermarktung/Gestaltung des Produkts investiert (Stichwort Musikvideos etc.)
      Als Faustregel gilt dabei natürlich, je mehr Geld investiert wird, desto höher müssen hinterher die Margen sein.

      Was man dabei auch nicht vergessen sollte: Die Musikbranche hat de facto einen globalen Markt auf dem ihre Produkte vertrieben werden. Die Buchbranche ist ziemlich auf regionale Grenzen beschränkt.

  9. michaeleriksson Freitag, 17 Juni, 2011 um 15:41

    Ein wichtiges Kriterium bei der Preissetzung ist die Preissegmentation (vgl. etwa http://michaeleriksson.wordpress.com/2010/11/13/price-segmentation/ ): Basierend auf Produkt und Preis werden sich unterschiedliche Menschen unterschiedlich interessieren, und es gilt, den Gewinn mit einem Blick hierauf zu maximieren. Ein typisches Trick ist mit hohen Preisen anzufangen, die von Fans mit einem dicken Geldbeutel bezahlt werden, um die Preise nach und nach zu senken, und hierdurch weniger zahlungswillige Menschen zum Kauf zu bringen. Am Ende fallen die Preise zu dem Punkt, wo ein weiterer Verkauf kein Gewinn bringt—und das Produkt wird von Markt genommen oder durch eine erneut sehr teuere Luxusedition ersetzt. Hierbei gilt natürlich, dass man bei ähnlichen Produkten aus dem selben Hause (etwa E-Book/Hardcover/Pocket) sich nicht selbst unterbieten möchte.

  10. Roland Freitag, 17 Juni, 2011 um 19:34

    Hallo!
    Ich wollte nur kurz anmerken das es in Amerika und auch in England eine Buchpreisbindung gibt, aber nur für Ebooks. Dies ist mit dem Einstieg von Apple in den Ebook Markt aufgekommen, als Apple das sogenannte Agency Model ( google stichworte: apple agency model ebook) mit der Einführung des Ipads durchgedrückt hat.
    Seitdem sind alle großen US-Verlage (Big Six) auf das Agency Model eingeschwenkt. Amazon hat sich gegen dieses Model soweit wie möglich gewehrt und nahm für kurze Zeit sogar Penguinbooks aus dem Sortiment.
    Im Gegenzug wurden dann von Amazon Selbstverlegenden Autoren 70% vom Verkaufspreis eingeräumt wenn diese sich innerhalb eines bestimmten Preisbandes halten.
    Mittlerweile verkauft Amazon US mehr Ebooks als normale Bücher. Borders hat Pleite gemacht und Barnes & Nobles vernachlässigt den Printbereich und setzt voll auf den hauseigenen Nook E-reader.
    Für mehr dazu empfehle ich das Blog von kristine kathryn rusch (einfach den Namen googeln)…

    Mal sehen wie das hier in Deutschland weitergeht…

    Übrigens Ebooks sind in Deutschland nicht an den Printpreis gebunden. Die Verlage können sogar viel viel flexibler ihre Preise in Amazon Ändern als das beim Printbereich mögliich ist.. (innerhalb weniger Tage). Die Buchpreisbindung soll nämlich den Wettbewerb zwischen den Buchhändlern verhindern nicht aber den Wettbewerb zwischen Verlagen stoppen. Einfach mal Buchpreisbindung unter Wikipedia nachlesen und den über den dortigen Link den eigentlichen Gesetzestext lesen, dann wird vieles klarer.

    • Richard K. Breuer Freitag, 17 Juni, 2011 um 22:30

      Hey Roland. Ich habe mir das noch mal angesehen, und meine, dass es keine dezidierte Buchpreisbindung in den USA gibt, vielmehr legt der Verlag den empfohlenen Preis fest, erhält dafür die veranschlagte Lizenzgebühr (ca. 35 % über $ 8,99, wenn ich mich recht erinnere) und das war’s. Amazon kann nach eigenem Ermessen den End-Verkaufspreis festsetzen. Deshalb dürften die Verlage horrende Verkaufspreise für ihre E-Books festlegen, weil sie wissen, dass amazon sowieso rabattiert.

      Bei Apple sollte das Agency Modell greifen, das heißt, die Verlage legen den Verkaufspreis fest und dieser wird nicht mehr verändert. Von diesem Preis erhält der Verlag – wie bei amazon – die Lizenzgebühr.

      Hier ist es anschaulich erklärt: http://www.quora.com/How-much-do-Apple-iBooks-and-Amazon-Kindle-book-prices-typically-differ

      Die Buchpreisbindung für E-Books in D/Ö dürfte eigentlich nur pro Format und ISBN gelten. Theoretisch könnte ein Verlag das kindle-ebook teuerer oder günstiger anbieten als das epub-Format. Mit dem Printpreis müssen die E-Book-Preise natürlich NICHT mehr übereinstimmen.

      Der Blog von K. Rusch ist super. Danke für den Tipp! http://kriswrites.com/

      • Roland Freitag, 17 Juni, 2011 um 23:21

        Hm – die Lage ist noch voll in Bewegung. Die nach meinen letzten Informationen waren die big 6 alle auf agency eingeschwenkt. Nachdem ich den Kommentar geschrieben hab, bin ich nochmal auf die Suche nach dem „Preis wurde vom Verlag festgelegt“ gegangen. Tatsächlich konnte ich es nur bei einer UK Ausgabe von „Way of Kings – B. Sanderson“ finden.
        Trotzdem war das agency model eines der Großen Themen im Ebook markt 2010 – das es nun von vielen Amerikanschen Verlagen nicht mehr durchgesetzt wird hat wohl mit der steigenden Bedeutung der Ebooks zu tun…

        Nur zur Erinnerung, die Verlage waren an diesem Model so sehr interessiert
        weil Amazon systematisch alle NYT- Bestseller (hardcover) für unter 10$ als Kindle Ebooks angeboten hat – egal ob Sie dabei noch in der Gewinnzone lagen oder nicht.

        Bei dem Satz: „Mit dem Printpreis müssen die E-Book-Preise natürlich mehr übereinstimmen.“
        Komme ich nicht ganz mit. Wieso erschließt sich diese Notwendigkeit aus der Buchpreisbindung? Ein anderes Format ist ein anderes Format. Nur Frankreich hat wohl ein Gesetz am laufen das einen Einheitpreis für Ebooks und Print vorschreibt. (Weiß nicht ob es schon verkündet worden ist.)

        Weitere gute Blogs aus der Amerikanischen Schriftstellerecke sind bei
        joe konraths „a newbies guide to publishing“ zu finden. (na ja jedenfalls ist es eine Blog sammlung 😉 )
        Das Blog von Konrath ist auch für sich sehr lesenswert.

        Gegenwärtig lese ich aber auch immer wieder gerne die Einträge von passive guy in „www.The Passive Voice.com“ – ein ehemaliger Rechtsanwalt der sich sehr informativ mit den gegenwärtigen Veränderungen in der Vertragspraxis der US-Verleger und der großen Literaturagenten auseinandersetzt.
        Ich bin auf ihn übrigens über einen Verweis von Kris Rusch gestoßen…

        P.S.
        Ebooks brauchen keine ISBN, können aber eine haben. Belegexemplare werden vermutlich von Amazon digital an die Deutsche Bibliothek verschickt – die Infrastruktur dafür war jedenfalls mal geplant.

      • Richard K. Breuer Freitag, 17 Juni, 2011 um 23:35

        Stimmt. Ich hatte diesen heftigen Disput zwischen Amazon und den großen US-Verlagshäusern ein wenig verfolgt. Dachte eigentlich auch, dass es nun das Agency-Modell geben würde. Aber vermutlich sagen sich die Verlage: soll amazon ruhig auf Teufel komm raus rabattieren und Verluste schreiben 😉

        Ich hatte ein „NICHT“ zuvor vergessen: Preise von Print und E-Book müssen natürlich NICHT übereinstimmen. Genausowenig wie Taschenbuch und Hard-Cover nicht ident sein müssen. Andere Ausstattung, anderer Preis.

        ISBN verlangen manche E-Book-Shops, wie zum Beispiel Apples iBookstore; amazon wiederum nicht; E-Books mit ISBN kann man ins VLB eintragen, das von manchen Shops ausgelesen wird, soweit ich weiß.

        Okay. Deine Link-Empfehlungen gucke ich mir dann mal an.

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