Der Autor als Verleger oder Weder Fisch noch Fleisch

In gewisser Weise sind Künstler und Dichter Egoisten, zumal ihr Kriterium (gegenüber anderen Werken) nicht darin besteht, was objektiv gut oder wichtig ist, sondern nützlich.
Hans Magnus Enzensberger
zeitzug.com

Richard K. Breuer im Kaffeehaus
Foto: Laurent Ziegler - in einer Egomanischen Bearbeitung vom Künstler höchstselbst

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Vor wenigen Tagen mit meinem Vertreter SF. im Schanigarten gesessen und den Lärm der Stadt an uns vorüberziehen lassen.  Wir haben über allerlei Projekte und Perspektiven geplaudert, über die Buchbranche, die Buchhändler und die Verlage und auch über meinen virtuellen Auftritt in diesem Blog. Ja, ja.

Weder Fisch noch Fleisch, brachte es SF. auf den Punkt, als es um die Ausrichtung meines Blogs ging. Stimmt. Ich nickte. Man muss sich nur die Themenvielfalt besehen, um zum Schluss zu kommen, dass der Kerl, der hier blökt, ein seltsam verquerer Zeitgenosse sein muss. So reichen die Themen von Internationalen Fußballgroßereignissen (EM, WM, UEFA-Cup-Finale und Frauenfußball-WM) über dunkle Doomster-Szenarien (Finanzkrisen, Ressourcenausbeutung, Erdölverknappung, Werbeverblödung, Mainstream-Medien-Verdummung) zu kritischen Polit-Diskursen (Wirtschafts -und Gesellschaftssystem), weiters Social Media Erklärungsversuchen (Google+ vs. facebook vs. Diaspora*, you know?) bis hin zu intimen Einblicke in das Autoren- und Verlegerleben, nebst E-Book-Befürwortungs-Kampagnen – die Werbeeinschaltungen (»mein neues Buch gibt’s jetzt offiziell zum Kaufen«) schieben wir jetzt besser mal auf die Seite.

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Bald zwei Bücher mehr im Stall oder der Vorteil von E-Books für Kleinverleger

kritzel kritzel

Gestern mit Chrys Punzengruber im Café Eiles zusammengesessen. Geplaudert. Über Gott und die Welt. Angenehm. Weil Chrys ein kluger Kopf ist, der sich mit vielen Themen beschäftigt (Zen, Descartes, Philosophie, Psychologie) und dabei mit beiden Beinen am Boden steht und hin und wieder in seiner Band race of the bees durch die Bass-Seiten pflügt. Ein Konzert habe ich im Chelsea besucht – meinen Eindruck natürlich gebloggt.

Chrys hat zwei Bücher geschrieben. Intime Innenansichten eines Suchenden, der sich nach Los Angeles aufmacht. Autobiographisch gefärbt. Nahe an der Wahrheit und ein Stück darüber. Dem ersten Band Suppe in L.A. folgte der zweite, den ich übrigens in ein hübsches Layout kleidete: Die Suppe danach. Das dritte Buch lässt auf sich warten, weil sich Chrys nun wieder verstärkt der Musik zuwenden möchte und die Schreiberei sein lässt. Sagt er. Ich denke, irgendwann wird er wieder zum Stift greifen. Wenn einem das Verlangen zwickt, kann man den Worten im Kopf nicht entkommen.

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Das Problem der Linken? Sie wollen rechts überholen.

Der Kapitalismus macht die schlechtesten Eigenschaften des Menschen – Gier und Konkurrenz – zu Tugenden.
Kardinal Faulhaber (1859-1952)

Ansichten sind nun mal kein Indikator für Gewaltbereitschaft. Die freie Gesellschaft wäre faktisch bankrott, wenn schon radikale Äußerungen polizeiliche Beschattung und Vorladungen zum Staatsschutz nach sich zögen.
Udo Vetter

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag nicht schreiben. Eigentlich. Aber als ich über den Beitrag von Misik stolperte, wurde ich hellhörig. Wie kann es sein, dass ein Aushängeschild der österreichischen Linken sich so im Ton vergreift? Ich gehe davon aus, dass die Musik des »Komponisten« Misiks der Erregung geschuldet ist, die durch die Anschläge in Oslo ausgelöst wurden. Ich denke, in ein paar Tagen wird sich Misik ruhiger geben und die eine oder andere Passage relativieren. Ja, davon gehe ich aus. Deshalb wollen wir nicht auf den Beitrag als solches eingehen, sondern uns vielmehr Gedanken machen, was denn eigentlich mit einer Gesellschaft los ist, die es besser wissen müsste.

Bevor es in medias res geht, muss ich ein paar Dinge vorausschicken, die mir sehr wichtig sind. Ich gehöre keiner Partei an und lehne es auf das Schärfste ab, einer Partei zugerechnet zu werden. Genausowenig will ich in eine Schublade gezwängt werden. Ich plädiere für einen klaren Menschenverstand, erachte die Aufklärung als sinnvoll und richtig, möchte aber auch die Seele nicht gänzlich außer Acht lassen. Ich plädiere für ein Welt, in der wir ohne Zwang und Gewalt leben dürfen, in der Freiheit kein Lippenbekenntnis ist und wo jeder die Möglichkeit haben soll,  seine Talente für die Gesellschaft einzusetzen.

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Bücher schreiben, Bücher lesen, Bücher besprechen, Bücher leben

Ich bin ganz gespannt auf Ihr Buch, insbesondere, da ich gerade Kurt Palm: „Bad Fucking“ gelesen habe. Österreichischer Humor und Ö- groteske sind so anders als hier.
AL.
Buchhandlung Pallas
Alfeld

eine fröhliche Nina

Gestern schickte mir Nina einen Link zu einem neuen Beitrag in ihrem Literatur-Blog. Sie war freudig überrascht, dass ein Zitat aus ihrer Besprechung von Tiret auf der Rückseite des Nachfolgebandes Brouillé abgedruckt war. Und wie man an den Kommentaren der geschätzten Lit.Blogger erkennen kann, dürfte es in der Tat eine Sache sein, für die viele ihre Großmutter eintauschen würden. Derweil gab es Zeiten, da wäre es jemanden unangenehm gewesen, namentlich auf einem selbstverlegtem Buch aufzuscheinen. Vielleicht ist das nun Zeichen einer Morgendämmerung für alle Indie-Autorenverleger. Ich bin sicher, die sich überschlagenden Nachrichten aus good ol‘ America über die Bestseller von Indie-Autoren am E-Book-Markt (vor allem amazon/kindle), lassen dann doch den einen oder anderen aufhorchen. Interessant auch die damalige Frage eines Lit.Bloggers: »Denkst du denn, dass das Buch mit den großen Publikumsverlagen mithalten könnte? Oder findest du die Schwächen zu dominierend?«

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Oslo, Amy, Gladio, Tonkin, das Christkind und der Journalismus, der abgesoffen ist

Anmerkung: Der Zwischenfall im Golf von Tonkin – US-Kriegsschiffe wurden von bewaffneten vietnamischen Schnellbooten angegriffen – führte 1964 zum Kriegseintritt der USA in Vietnam; später stellte Daniel Ellsberg fest, dass dieser Zwischenfall gar nicht stattgefunden hatte und es eine bewusste Falschinformation der damaligen US-Regierung war; welche Schwierigkeiten Daniel Ellsberg hatte, diese Vertuschung aufzudecken kann in vielen Dokumentationen und Büchern nachgelesen werden und ist spannender als jeder Polit-Thriller. Im Besonderen, wenn man auf Tonbandaufzeichnungen Präsident Nixon sagen hört, dass man diesen Hurensohn endlich zur Strecke bringen soll. Nice.

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