richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Google+, facebook, twitter, XING oder: Hört mir jemand zu?

schwarzkopf taschenbuch und ebook

Gibt's noch!

Heute, um 12h45, habe ich auf Google+ den Hinweis gepostet, dass auf amazon gerade noch ein Exemplar von meiner Krimicomedy Schwarzkopf zu haben ist.*) Das ist natürlich eine zweischneidige Sache. Weil es verdächtig nach Schleichwerbung riecht. Oder nach „jetzt will der mir auch noch was andrehen!“. Ich fühle mich ja auch nicht gerade wohl, so eine Message zu posten. Aber es könnte ja jemand da draußen sein, der nur darauf wartet, diese eine Buch abzustauben. De facto verdiene ich an diesem Kauf nichts, weil die Bücher bereits an den Barsortimenter KNV verkauft wurden. Mit anderen Worten, mir wäre (finanziell) viel mehr geholfen, wenn man das Buch über mich bestellen würde. Wirklich.

Aber darum geht es ja eigentlich gar nicht. Primär will ich mit diesem Beitrag all jenen die Augen öffnen, die noch immer meinen, man müsse nur mal etwas über seine Bücher (oder Musik oder Fotos) posten und schwuppdiwupp würden sich die Interessierten einstellen. Nun, dem ist nicht so. Überrascht? Wohl kaum. Und falls doch, naja, dann sind Sie vermutlich noch nicht lange beim Club. Social Media, you know.

Das soziale Medium eröffnet kreativen Menschen ungeahnte Möglichkeiten. Yep. Wir sind in der Lage die ganze Welt zu erreichen. Das muss man sich mal vorstellen! Die ganze Welt auf einen Knopfdruck! Was hätten die klugen Köpfe aus vergangenen Tagen nicht für so ein Wunder gegeben? Wie konnten diese klugen Köpfe auch ahnen, dass sich dann auch selten dumme Vögel und auf sich aufmerksam machende Wiener Indie-Autorenverleger auf diesen sozialen Plattformen herumtreiben, die um Aufmerksamkeit und nur um Aufmerksamkeit gieren? Tja.

Mit Google+ hat das Gezeter und Geschrei neue Ausmaße angenommen. Jeder darf mit jedem herumtun. Und jeder will mit jedem herumtun. Naja. Oder wenigstens so tun als ob. Mit einmal wird das Kommunizieren zu einem Fulltime-Job. Glücklich all jene, die dafür bezahlt werden. Teuflisch für all jene, die meinen, ohne soziale Verknüpfungen nicht mehr auszukommen, aber gleichzeitig ihre realen Schäfchen ins Trockene bringen müssen. Während früher einmal die Geschäfte der freischaffenden Einzelkämpfer im Kaffeehaus abgewickelt wurden (der Oberkellner hielt Papier und Bleistift für die Stammgäste bereit; die Schanis oder Zuträger erledigten Handlanger-Dienste), mit genauen „Dienstzeiten“, ist es heute, als würde man 24/7 im Kaffeehaus sitzen, weil man befürchtet, ein wichtiges Gespräch, eine lebensnotwendige Information oder – wesentlich – den medialen Multiplikator zu versäumen. Und eh man sich versieht, verplaudert man angeregt unaufgeregt seine Zeit. Tja. Dumm gelaufen. Weil es ja noch ein reales Leben gibt, das gestemmt werden muss.

Als ein wunderbar positives Beispiel für die Verwendung der sozialen Medien – in diesem Falle facebook – ist die Autorin und Übersetzerin Zoë Beck, die es auf stolze 1843 Kontakte bringt. Zoë schafft es beinahe täglich Statusmeldungen und Kommentare abzusetzen, die amüsant und aus dem Leben gegriffen sind. Mehr noch, man hat den Eindruck, dass sie etwas von sich preisgibt. Und sie geht im Normalfall auf die Kommentare der anderen ein. Das ist auch nicht gerade selbstverständlich. „Ich könnte vor Nervosität kotzen“, antwortete sie auf meine Frage, wie es ihr so ginge, rund eine Woche vor Erscheinen ihres neuen Krimis. Ja, das wirkt auf mich sehr sympathisch und ist nicht abgehoben oder distanziert. Schön. Aber wie viel Energie und Zeit steckt sie in diesen „Job“, den sie vermutlich gerne macht? Ich werde versuchen, sie zu einem Kommentar zu bewegen. Mal schauen.

Was ich mit dem Beispiel sagen will, ist, dass Social Media für einen noch unbekannteren oder noch nicht von der Masse wahrgenommenen Autor (oder Musiker oder …) nicht einfach zwischendurch erledigt werden kann. Es brauch viel viel Zeit. Viel viel Leidenschaft. Und das Glück, dass man auf die richtigen Leutchen trifft, die bereitwillig mitspielen. Denn ehe man sich versieht, tauchen im Windschatten kreative Trittbrettfahrer auf, die von deinem mühsam zusammengetragenen Publikum mitnaschen wollen. Tja. Wobei, wann ist jemand ein Trittbrettfahrer und wann einfach nur ein freundlicher Zeitgenosse, der plaudern will? Meine Kommentare, die ich hin und wieder bei Zoë Beck mache, könnten natürlich als Trittbrettfahrerei wahrgenommen werden. Schwierig, hier die Grenze zu ziehen.

Conclusio gibt es heute keines. Steht ja schon alles im Beitrag, nicht? Außer, dass es 14:43 ist, und das eine Exemplar Schwarzkopf noch immer auf amazon herumdümpelt.

*) tatsächlich hat es zwei positive Kommentare zu meinem Info-Posting gegeben. Das klingt jetzt natürlich nicht gerade nach viel, ist aber ziemlich, ziemlich gut. Wirklich! Wenn Sie mir nicht glauben wollen, dann probieren Sie’s aus. Sie werden sehen, wie schnell Sie nicht mal ignoriert werden. Und sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

Advertisements

2 Antworten zu “Google+, facebook, twitter, XING oder: Hört mir jemand zu?

  1. rachel lindenbaum Dienstag, 12 Juli, 2011 um 15:21

    schöner post. und das gilt im übrigen nicht nur für kreative, sondern für alle, die irgendwie an diesem märchenhaften social media verdienen wollen.
    je mehr solche posts, desto eher kommt die nachricht hoffentlich in den köpfen derer an, die im social web nur eine riesige einnahmequelle sehen wollen und ihre „kunden“ dort ähnlich behummsen wie im wirklichen leben.
    danke!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: