richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Der Autor als Verleger oder Weder Fisch noch Fleisch

In gewisser Weise sind Künstler und Dichter Egoisten, zumal ihr Kriterium (gegenüber anderen Werken) nicht darin besteht, was objektiv gut oder wichtig ist, sondern nützlich.
Hans Magnus Enzensberger
zeitzug.com

Richard K. Breuer im Kaffeehaus

Foto: Laurent Ziegler - in einer Egomanischen Bearbeitung vom Künstler höchstselbst

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Vor wenigen Tagen mit meinem Vertreter SF. im Schanigarten gesessen und den Lärm der Stadt an uns vorüberziehen lassen.  Wir haben über allerlei Projekte und Perspektiven geplaudert, über die Buchbranche, die Buchhändler und die Verlage und auch über meinen virtuellen Auftritt in diesem Blog. Ja, ja.

Weder Fisch noch Fleisch, brachte es SF. auf den Punkt, als es um die Ausrichtung meines Blogs ging. Stimmt. Ich nickte. Man muss sich nur die Themenvielfalt besehen, um zum Schluss zu kommen, dass der Kerl, der hier blökt, ein seltsam verquerer Zeitgenosse sein muss. So reichen die Themen von Internationalen Fußballgroßereignissen (EM, WM, UEFA-Cup-Finale und Frauenfußball-WM) über dunkle Doomster-Szenarien (Finanzkrisen, Ressourcenausbeutung, Erdölverknappung, Werbeverblödung, Mainstream-Medien-Verdummung) zu kritischen Polit-Diskursen (Wirtschafts -und Gesellschaftssystem), weiters Social Media Erklärungsversuchen (Google+ vs. facebook vs. Diaspora*, you know?) bis hin zu intimen Einblicke in das Autoren- und Verlegerleben, nebst E-Book-Befürwortungs-Kampagnen – die Werbeeinschaltungen (»mein neues Buch gibt’s jetzt offiziell zum Kaufen«) schieben wir jetzt besser mal auf die Seite.

Dieser seltsam anmutende Themen-Cocktail lässt den interessierten Leser ratlos zurück. Mag er oder sie oder es sich für Google+ interessieren (die Beiträge bekommen die meisten Zugriffe), mit Fußball oder Systemkritik hat das nichts zu tun. Und wenn ich über die großen Publikumsverlage herziehe, dann könnte man meinen, dass da ein Indie-Autorenverleger zu kurz gekommen wäre und sich in einem wütenden Geschreibsel Luft machen will. Jedenfalls, SF. meinte, dass der Autor und seine Künstleraura kaum zu sehen ist. Tja. Wie wahr.

Ich weiß ja nur zu gut, dass der gewöhnliche Konsument im Künstler das Besondere sieht (besser: sehen möchte). Kreative Leutchen, die sich wie ein konservativ spießiger Beamter geben, haben den Sexappeal einer Karotte. Wobei, ich will da jetzt eine Karotte nicht schlecht machen. Nein, nein. Aber der Künstler muss das gewisse Etwas haben. Soviel steht fest. Natürlich gehört ein qualitativ ansprechendes Werk zu seiner Aura dazu. Wobei, so wesentlich ist das auch wieder nicht. Es geht primär um den Schein. Wenn die Masse an Konsumenten (nennen wir sie Fans) dem Künstler das Attribut Künstler umhängt, ist schon viel gewonnen. Noch weiß ich leider nicht, wann und von wem einem das Attribut überreicht wird. Ist es, wenn man in einer Gratis- oder Tageszeitung erwähnt, vielleicht sogar abgelichtet wird? Wenn Multiplikatoren von einem schwärmen? Wenn Mütter ihren Kindern den Vornamen des Künstlers geben wollen?

Der wahre Künstler ist in erster Linie Künstler und ordnet seiner Kunst alles unter, auch sein Leben. Das klingt ein wenig überzogen, trifft aber den Kern. Der Künstler aber, der sich selber vermarkten, der sich selber verkaufen möchte (besser: muss), kommt damit unweigerlich in eine gefährliche Schieflage. Weil Bizness nun mal keine Allüren und Selbstüberschätzungen zulässt. Bizness ist trocken und grau – spätestens wenn man mit seinem Steuerberater zusammensitzt und über die Erklärung brütet (»Nein, Präservative können wir leider nicht von der Steuer absetzen.«) – oder wenn man mit humorlosen Geldgebern und profitorientierten Sponsoren über die nächsten Projekte feilscht (»Wie ist ›Du hast den Schwanz eines Pferdes‹ hier zu verstehen?«), wird einem das sonnenklar. Na, ich denk, Sie wissen, worauf ich hinaus will, oder?

Der Indie-Autorenverleger kann sich also nicht als Künstler gehen lassen. Die Bizness-Seite ist ziemlich schnell versenkt, da braucht es nicht viel. Die Fan-Seite, so man überhaupt eine Fan-Basis hat, ist natürlich enttäuscht, wenn sie merkt, dass der viel gepriesene Künstler auch nur ein seltsames Kerlchen ist, der sich lang und breit Gedanken über ein Loch in seinem Socken macht. Ja, der Aura des Künstlers ist das freilich abträglich. Es sei denn, er hat diese Aura schon übergestülpt bekommen. Dann sieht die Sache anders aus und die Fans zerreißen sich ihre Mäuler, dass auch ein Star über ein Loch im Socken angepisst ist (»Er ist ein Mensch wie du und ich … super!«).

Also gut. Was will ich Ihnen jetzt mit diesem Beitrag eigentlich sagen? Hm. Gute Frage. Zum einen kann ich nicht raus aus meiner Haut. Ich blöke Themen, die mich beschäftigen oder die ich für so wichtig erachte, dass ich sie der Öffentlichkeit nicht vorenthalten möchte. Man könnte sagen, dieser Blog zeigt die schillernden gedanklichen Mosaiksteinchen eines Richard K. Breuer – yep, that’s me, folk. Freilich, mit diesem Mosaik kann ich keinen Blumentopf gewinnen. Und schon gar keine künstlerische Aura. Gut, gut. Wie dem auch sei, vielleicht tut sich demnächst mehr, in diesem Theater. Und wenn der Vorhang fällt, heißt es nicht, dass die Vorstellung zu Ende ist. Es könnte gut sein, dass auf der Bühne die Requisiten herumgeschoben und der 2. Akt vorbereitet wird. Be prepared.

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4 Antworten zu “Der Autor als Verleger oder Weder Fisch noch Fleisch

  1. Andrea Sonntag, 31 Juli, 2011 um 20:42

    *harhar* eine „künstlerische aura“ wirst du vermutlich durch den blog nicht bekommen. die kriegst du erst, wenn du dich in eine hütte auf dem semmering zurückziehst und dich vor der Öffentlichkeit versteckst….die muss dich dann aber auch suchen wollen. sprich, alles nicht so einfach in meinen augen.. 😉 alles liebe, a.

    • Richard K. Breuer Sonntag, 31 Juli, 2011 um 22:24

      Ein Glück, dass du hinterm Semmering zu Haus bist, meine liebe Andrea, sonst würde ich dir mit meiner „künstlerischen Aura“ gleich mal den Hintern versohlen, Und das ist in meinen Augen ziemlich einfach. *harhar*

      Mais, mon amie, du könntest natürlich von Tiret und Brouillé in höchsten Tönen schwärmen. Das würde meiner künstlerischen Aura sicherlich gut tun. Peut-être. Oui, oui.

      • Andrea Montag, 1 August, 2011 um 20:36

        Deine Gelüste, mir den Hintern versohlen zu wollen, seien nun einmal dahingestellt. :-)Aber ich bleibe dabei, dass eine künstlerische Aura sicher gleichgesetzt werden kann mit einer geheimnisvollen Aura, die du wiederum nur bekommst, wenn du dich raaaaar machst.. 😉

      • Richard K. Breuer Montag, 1 August, 2011 um 21:54

        Ich soll mich *rar* machen? Geht weg-*zippen* auch? [okay, den Witz verstehen jetzt nur Nerds und Geeks]

        Meine Gelüste stehen ja hier nicht zur Debatte, meine liebe A. Gut. Du hast natürlich recht, ich müsste mich in Luft auflösen, mit einmal ein Rätsel und Mysterium werden. Aber ehe man sich versieht, merkt gar keiner, dass es dich nicht mehr gibt. Tja. Dumm gelaufen. Das heißt, zu erst musst du vielen Leuten auf die Zehen steigen oder ihnen süßliche Verse schmieden und dann, schwuppdiwupp, löst man sich auf. Hui.

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