richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Kinofilm In Time mit Justin Timberlake oder Die Frage nach der richtigen Seite!

Wir haben nicht mehr viel Zeit!

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Heute durch Zufall auf den neuen Trailer von In Time gestoßen. Justin Timberlake? Uh. Amanda Seyfried. Okay. Der Trailer dauert beachtliche 4 Minuten, was schon ziemlich anders ist. Generell flimmern die Gustostückerln etwa 2 Minuten und 30 Sekunden über den Schirm und das ist zumeist ausreichend. Hin und wieder lähmend. Hin und wieder mitreißend. Und oftmals besser als der ganze Film. Gut. Wollen wir wieder zurückkommen zu In Time. Die Regie und das Drehbuch verfasste ein gewisser Andrew Nicol, der uns bereits eine Reihe von kritischen Filmen unter die Nase hielt, wie da wären …

Die Truman Show
Mit all der gegenwärtigen Reality-Big-Bro-Kommerz-Show-Scheiße, pardon, müssen wir feststellen, dass der Film von 1998 heute bereits näher an die Realität heranreicht, als wir uns eingestehen wollen. Und seien wir mal ehrlich: Stück für Stück werden moralische und ethische Hindernisse aus dem Weg geräumt. Was wir heute auf der Mattscheibe sehen, wäre noch vor dreißig Jahren undenkbar gewesen. Progressiv war zum Beispiel die TV-Serie von Gene Roddenberry Star Trek / Raumschiff Enterprise, wo man hin und wieder gesellschaftskritische Aussagen einfließen lassen konnte – es handelte sich ja um Außerirdische Zivilisationen, damit konnte ja unmöglich die USA oder die Erde gemeint sein, richtig? Und dass es in der Zukunft spielt, machte die Sache für die Produzenten einfacher. Einen Russen, Chinesen und eine Schwarzafrikanerin zu zeigen, die nicht der Mafia oder einer Gang angehörten, war damals schon allerhand. Wie dem auch sei, das TV ist einerseits ein Spiegel der gegenwärtigen Gesellschaft, andererseits die Illusion einer kleinen Gruppe von Elitisten. TV-Programme, die sich ernsthaft mit den Problemen und Zuständen dieser Welt beschäftigen, sind rar gesät. Ob sich das jemals ändern wird? Deshalb der sehr ernst gemeinte Tipp, sich Charlie Brookers How TV ruined your life von BBC anzugucken, um zu wissen, wie der Hase im TV-Biz läuft. Freaking Funny!

Terminal
Gut, ich bin jetzt kein Tom Hanks Fan. Und auch der Film, der auf einer wahren Geschichte basiert, reißt mich nicht vom Hocker, zeigt aber deutlich, wohin diese staatlich territoriale Abgrenzung führen kann: Du bist nur Mensch, wenn du einen Reisepass besitzt, der von einem Staat ausgestellt wurde, der von einem anderen akzeptiert wird. Wenn du Pech hast, steht dein Land morgen auf der weltweiten Watchlist, weil eine Regierung an die Spitze kommt, die du nicht gewählt hast, aber für die man dich verantwortlich macht. Demokratie ist ein hübsches Wort. Aber manchmal dünkt einem, dass  nur noch  mediale und politische Elitisten entscheiden, welche demokratische Wahl ordnungsgemäß ist und welche nicht.  Erinnern wir uns an die Sanktionen der Europäischen Länder im Jahr 2000 gegen Österreich? Und erinnern wir uns 1938, als gerade einmal Mexiko Protest erhob, weil sich das Deutsche Reich das kleine Österreich einverleibte. Es gibt immer eine Agenda. Äh, ja, der Autor dieser Zeilen nimmt sich davon nicht aus. Mal schauen, was heute im Kalender, pardon, auf meiner Agenda steht.

Lord of War – Händler des Todes
Nicolas Cage als schmieriger Waffenhändler. Coolio. Leider kann ich mich jetzt gar nicht mehr an das Ende erinnern. Aber wenn ich mich recht besinne, erstaunte mich diese Kaltschnäuzigkeit, die der Film an den Tag legte. Immerhin wird das Thema ja von den Mainstream-Medien geflissentlich ignoriert. Man sieht zwar, wie sich die eine Seite mit der anderen bekriegt und zerfleischt, fragt aber nicht, woher eigentlich diese die teuren Waffen haben. Und Munition ist auch nicht beim Diskonter ums Eck zu bekommen. Irgendwo wird also massenhaft Tötungsmaterial produziert, als würde es kein morgen geben. Satte Profite inklusive. Vermutlich auch noch von den Staaten subventioniert. Es geht ja um Arbeitsplätze und Kommunalabgaben. Ich weiß, es ist lächerlich, auf diese Situation hinzuweisen, aber kommt einem das nicht ein wenig absurd vor, wenn man, sagen wir, ne hübsche semi-automatische Automatik herstellt, samt der Munition und sie einem Psychopathen verkauft. Sie werden natürlich sagen: Hey, von irgendwas muss ich ja meine Familie schließlich ernähren, oder? Stimmt natürlich. Dummerweise besucht Tage später der Psychopath ihre Familie und pustet ihrer Frau und ihren Kinder mit seiner Automatik das Hirn aus dem Schädel. Tja. Blöd gelaufen, oder? Und wenn Sie es im Vorfeld wüssten, dass so  etwas geschehen würde, seien Sie ehrlich, würden Sie dann immer noch die Semi-Automatik produzieren? Oder vielleicht doch Teddybären herstellen und sich um Essensmarken anstellen? Your choice!

In Time
Der Film startet Ende Oktober 2011 und ich kann anhand der Synopsis bzw. des langen Film-Trailers nur erahnen, worum es geht, aber das allein reichte schon aus, um mich hellhörig werden zu lassen. Kurz gesagt gibt es in diesem Zukunftsszenario kein Geld mehr. Schön. Bezahlt wird mit Lebenszeit. Im Alter von 25 Jahren stirbst du. Es sei denn, du kannst dir weitere Lebenszeit erarbeiten. Im wahrsten Sinne des Wortes ist nun eine bezahlte Tätigkeit existenziell, willst du nicht verrecken. Natürlich wird der gute Justin Timberlake von korrupten Spezialeinheiten der Ordnungshüter gejagt, weil er durch Zufall über hundert Jahre auf sein Konto laden konnte. Das darf freilich nicht sein. Wo kämen wir da hin, wenn jeder plötzlich hundert Jahre leben könnte?

Der hübsche Punkt ist aber, dass mit dem Film einer breiten (jungen) Masse vor Augen geführt wird, wie das Geldsystem funktioniert. Man sieht Timberlake einen monotonen Scheiß-Job in einer Fabrik machen und wie er dafür ein paar Plusstunden auf sein Zeitkonto gutgeschrieben bekommt, mokiert sich aber, dass sein Salär immer knapper ausfällt (kommt einem das nicht bekannt vor?). Und in einem Coffeeshop beschwert er sich, dass der Kaffee wieder um ne Minute teurer geworden ist.  Take it or leave it, sagt der nette Barista. Gut, natürlich werden manche nicht den Umkehrschluss ziehen können und sich denken: »Gut, dass wir Geld als Zahlungsmittel haben.« – Aber ich bin sicher, dass es auch jene geben wird, die zum Nachdenken anfangen und sich fragen werden, ob denn unser Geld-Bezahlsystem um so viel besser als dieses ominöse Zeit-Bezahlsystem ist. Wer bestimmt, wer wie viel Zeit gutgeschrieben bekommt, für welche Tätigkeit? Wer bestimmt, wie viel Zeit einem abgezogen wird, wenn man einen Apfel essen möchte? Gute Frage, wa?

Gewiss, die gegenwärtige Antwort lautet schlicht und einfach, dass es der freie Markt ist, der für die Preise sorgt. Fein. Ist das gerecht? Ist das fair? Jeder bekommt seine Chance, heißt es dann. Ach? Ist das so? Man stelle sich vor, du würdest der Sohn eines Banksters sein. Freilich, das macht dich nicht automatisch zu einem glücklichen Menschen, aber deine Möglichkeiten, etwas im Leben zu erreichen, etwas zu bewirken, sind um Vieles größer, als würdest du in einem Ghetto mit der falschen Hautfarbe aufwachsen oder in einem Haus wohnen, das auf einem Gebiet steht, das nette Bürger für sich in Anspruch nehmen, weil sie die Erlaubnis in einem antiquarisch erstandenen Buch gelesen haben. Ja, die Welt ist nun mal nicht fair, kommt es dann achselzuckend. Ich weiß. Aber gesetzt dem Falle, ein Timberlake-Groupie guckt sich den Film an und hängt dann mit ihrer Clique herum und sie bestellt sich einen Cafe latte und ärgert sich, weil das Glas schon wieder um fünfzig Cent teurer geworden ist, könnte es nicht sein, dass sie bemerkt, dass es dem guten Justin im Film auch nicht anders ergangen ist? Und hat sie nicht auch einen Scheißjob?

Wenn also das Timberlake-Groupie die richtigen Schlüsse zieht, könnte es interessant werden. Ja, auf diese Diskussion warte ich schon seit längerem. Wir akzeptieren das gegenwärtige System, in dem wir leben, weil es vorrangig keinen Grund gibt, etwas zu beanstanden. Wir haben die richtige Hautfarbe und leben nicht im Ghetto. Yeah. Und die in den asiatischen Sweatshops billigst hergestellte Kleidung gibt’s um wenig Geld und macht uns frei. Okay, es macht andere unfrei, aber who cares? Und was könnten wir schon dagegen tun, ha?

Ja, diese Visionslosigkeit ist für mich die größte Ödnis in unserer Welt. Gewiss, mit jeder Vision steigt die Gefahr, dass sie sich jemand zu nutze macht. Die Vergangenheit führt es uns ja deutlich vor Augen, wie wenige mit hübschen Visionen die Vielen manipulierten. Und ja, das Leben war mit Sicherheit nie fair, nie ausgeglichen. Immer gab es wenige, die sich über viele hinwegsetzten. Immer gab es viele, die sich den wenigen unterwarfen. Aber in den Köpfen der Leute gab es eine Hoffnung. Es einmal besser zu haben. Wenn schon nicht im Dasein, dann eben im Jenseits.  Hie und da blutete man für das Wagnis, mehr zu fordern, vom Kuchen (wer verteilt ihn?).

Schauen wir uns doch nur um. Versuchen wir hinter die Kulissen zu sehen. Das ist nicht schwer. Oder? Versetzen wir uns in den Charakter von Justin Timberlake, der gerade mit seinem Buddy abhängt und völlig geschafft ist, von seinem verf*** Job. Man stelle sich vor, man würde ihm eine Vision anbieten, über eine Welt, in der jeder nach seinen Talenten und seiner Facon glücklich werden darf. Würde er es als Idiotie abtun? Als blühende Phantasterei? Als Schwachsinn?

*

Zugegeben, wenn ich solche systemkritischen Beiträge schreibe, fühle ich mich auf der richtigen Seite (wer definiert mir, was richtig ist?), fühle ich mich gut. Aber gleichzeitig fühle ich mich auf der falschen Seite, fühle ich mich schlecht. Ich weiß – oder glaube es zu wissen, dass die Welt anders geordnet werden könnte, um jedermann und jederfrau gleiche Voraussetzungen zu gewähren. Ich weiß – oder glaube es zu wissen, dass jeder Versuch, eine Welt neu zu ordnen in ein blutiges Chaos führt.

Die Revolutionäre der Französischen Revolution von 1789 hatten noch die Vision von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Aber in späterer Folge stellte sich heraus, dass es viele Fraktionen gab, die alle für sich ihre Freiheit, ihre Gleichheit und ihre Brüderlichkeit in Anspruch nahmen und dabei meinten, nur sie wären auf der richtigen Seite. Ja, immer diese Gefahr, zu glauben, man sei auf der richtigen Seite und könne dadurch andere überzeugen. Und wenn nicht durch Worte, dann durch Gewalt. Die richtige Seite hat vermutlich mehr Leid über die Welt gebracht, als die falsche – das meinte ja auch schon Machiavelli und der hatte ja noch nicht mal die Gräuel des 18. und 19. und 20. und 21. Jahrhunderts erlebt. Der Mensch, es steht zu befürchten, funktioniert noch immer nach den selben Schematas wie vor tausend Jahren. Und wenn wir uns die Boulevard-Presse, die Celebrity-Casting-Reality-TV-Shows, das Social Media Geplapper und die banale Literatur so angucken, dann sollte es uns nicht sonderlich wundern, wenn wir keine Visionen mehr hervorbringen, die eine Masse in Verzückung versetzt. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Amen.

dd…

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4 Antworten zu “Kinofilm In Time mit Justin Timberlake oder Die Frage nach der richtigen Seite!

  1. Andrea Mittwoch, 10 August, 2011 um 13:13

    ad „Und wenn wir uns die Boulevard-Presse, die Celebrity-Casting-Reality-TV-Shows, das Social Media Geplapper und die banale Literatur so angucken, […]“:
    Und sehe ich mir die heutige „Jugend“ so an, schlottern mir die Knie, wenn ich an unser aller Zukunft denke. Kein Interesse an irgendwas, die Birne zudröhnend mit Trash-TV und Facebook, keine Ahnung von der eigenen Muttersprache (weil einfach kein Interesse), etc.etc.etc. Mir graut. Echt.

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 10 August, 2011 um 19:17

      Naja, ich denke, wir haben in unseren Jugend-Jahren auch einigen Blödsinn gemacht – in den Augen der Älteren. Das Problem liegt eigentlich gar nicht so sehr bei den jungen Leutchen, sondern vielmehr in den Konditionierungs- und Ablenkungs- und Verdummungsversuchen des „freien Marktes“. Den Verantwortlichen gehörte mal ordentlich in den Allerwertesten getreten. Verdienen sich ein goldenes Kokain-Näschen und tun so, als würde sie das alles nichts angehen. „Wir machen nur, was die Jugend haben will“, heißt es dann achselzuckend. Davor graut mir. Sehr.

  2. Andrea Mittwoch, 10 August, 2011 um 20:41

    Sicher haben wir auch blödsinnige Sachen gemacht, aber, hey, in meiner Jugend hatte ich noch kein Handy und da gabs noch nicht einmal Internet… 😉 Und ja, man will die Jugend absichtlich verblöden und ihnen die Kohle aus der Tasche ziehen. Was mich nur so daran ärgert ist, dass sie zu 90% auf diese Masche reinfallen. Und warum fallen sie drauf rein? Weil sie es nicht besser wissen. Und warum wissen sie es nicht besser? Weil sie am liebsten nix wissen wollen… ach ich reg mich schon wieder auf, sorry, ein leichtes PMS spricht da wohl mit aus mir raus.. 😉

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