richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Der Hofnarr und das Geschrei am Hofe des Königs oder: Wer hat Angst vor 9/11?

rkb in NYC

Als ich 1993 New York City besuchte, da war ich dann doch überwältigt, von der Größe, aber auch enttäuscht, weil die (Electronic und Games) Stores gar nicht so supersized waren, wie ich mir erträumte. Immerhin konnte ich Filmplakate erstehen, die es in Österreich einfach nicht gab, genausowenig wie das Schnurlostelefon mit Anrufbeantworter (Huh, die damalige Post hätte mich an den Ohren aufgehangen, hätten sie mich mit dem nicht genehmigten Teil erwischt). Auch standen ein paar Kinofilme am Programm, die erst Wochen oder Monate später in die heimischen Kinos kommen sollten (wie zum Beispiel Jurassic Parc oder Posse oder Cliffhanger oder The Last Action Hero).

Beinahe 20 Jahre später, dank einer überbordernden virtuellen Informationsflut (wir nennen es Internet), wird mir Stück für Stück klar, dass die Dinge nicht so sind, wie sie auf dem ersten, vielleicht sogar zweiten Blick scheinen.

Manchmal, wenn ich mir so den Kopf über dies und das zerbreche, dann frage ich mich still und heimlich, ob es nicht besser gewesen wäre, ich hätte Pandoras Box nicht geöffnet und wäre dieser naive junge Kerl, der sich für Rollenspiele und Kinofilme interessierte und die Mediensicht auf die Welt für bare Münze nahm. Anders gesagt: Aus dem Internet vertrauenswürdige und gesicherte Informationen zu bekommen verhält sich analog eines Durstigen, der aus einem Feuerwehrschlauch trinken möchte. Am Ende ist er nass, aber noch immer durstig. Diese hübsche Analogie stammt leider nicht von mir.

Kommen wir nun zum eigentlich Thema. Zeit ist ein knappes Gut. Also, ich habe mir gedacht, dass ich vielleicht die nächsten Wochen hin und wieder ein paar Meinungs-Schnippel zu interessanten Verschwörungstheorien blogge. Schadet nichts, oder? Damit trete ich freilich in die Fußstapfen der amüsanten Hofnarren, die sich als Einzige erlauben durften, dem König und seinem Gefolge ein paar hässliche »Wahrheiten« an den Kopf bzw. die Köpfe zu werfen. In den Worten von Billy Wilder hört sich das dann so an: Wenn du Leuten die Wahrheit sagst, sei witzig, oder sie werden dich in der Luft zerreißen. Hm. Dummerweise geht den meisten Leuten aber der Humor ab, wenn es um historisch relevante Ereignisse geht. Oder es fehlt einfach das vitale Interesse, die hundertste Version einer „es war ganz anders“-Theorie zu hören oder zu lesen.

Die Frage, die sich jetzt stellt, ist, warum ich mir das antue? Werde ich mit Ru(h)m und Ehre überschüttet? Oder wenigstens mit klingenden Münzen? Werde ich bejubelt und beklatscht? Werde ich der Retter der Nation sein? Hm. Seien wir ehrlich. Ich werde mir höchstwahrscheinlich die Finger verbrennen und mich großartig lächerlich machen, weil, naja, weil manche Wahrheitswächter nur eine einzige Wahrheit zulassen können und das ist die Wahrheit der Masse und der Presse.

Ich will es heute für gut sein lassen, möchte aber nur einen klitzekleinen Seitenhieb ins Feld führen, das dem einen oder anderen vielleicht kurz die Stirn runzeln lässt. Hoffentlich. Dummerweise ist es nicht sonderlich lüstig. Okay, vielleicht schaffe ich es, die nächsten Male ein wenig Witz in die morbide Angelegenheit zu bekommen. Also, nehmen wir an, ein institutionelles Gebäude in der Hauptstadt würde lichterloh brennen und die Regierung und die Medien benennen die Schuldigen dieses offensichtlichen Brandanschlages innerhalb kurzer Zeit, ohne dass Beweise oder Fakten angeführt werden. Gewiss, es gibt eine Reihe von illustren Zeugenaussagen, die in eine Richtung zeigen. Würden Sie in den Chor der Mehrheit/Presse einstimmen? Oder würden Sie kurz inne halten und sich fragen, was zum Teufel da vor sich geht? Später wird dann von der Regierung gefragt, ob die Bürger den totalen Krieg wollen. Ich schätze, hier aufzustehen und die Frage zu verneinen, wäre sehr unpatriotisch gewesen. Und hätte wohl dazu geführt, dass man dem Slogan »Arbeit macht frei« am eigenen Leib erfahren hätte. Apropos Arbeit, da fällt mir ein, dass es tatsächlich progressive Vordenker gibt, die meinen, dass Arbeit in naher Zukunft ein wenig anders ausfallen wird. Einfach, in dem wir weniger arbeiten und dadurch mehr Lebensqualität zurückbekommen – oder weil Jobs, wie wir sie heute kennen, schlicht obsolet werden. Okay, klingt nach einem Witz, nicht? Na, bitte, jetzt haben Sie aber gelacht, nicht?

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4 Antworten zu “Der Hofnarr und das Geschrei am Hofe des Königs oder: Wer hat Angst vor 9/11?

  1. Heinrich Sonntag, 18 September, 2011 um 3:50

    Lieber Richard,
    ich bin schon oft vom Feuerwehrschlauch fort gespült worden. Dieser Wucht kann nicht einmal eine alte Eiche standhalten.

    Aber ich bin nie verdurstet, weil ich mich immer, wenn ich Durst habe, etwas „außerhalb“ aufhalte, dort wo Menschen wie Richard K. Breuer mit einem Schirm oder einer Plane den Sprühregen auffangen und zu Trinkwasser aufarbeiten! 🙂

    Gruß Heinrich

    • Richard K. Breuer Montag, 19 September, 2011 um 9:01

      Hübsch gesagt, Heinrich. Das freut natürlich den Schreiber dieser Zeilen ungemein. Weil man sich ja hin und wieder fragt, wofür man all die Mühen auf sich nimmt. Andererseits, manche Sachverhalte gehören einfach diskutiert. Ich bin kein „unter den Teppich Kehrer“. Naja, vielleicht hin und wieder bin auch ich zu faul, den Staubsauger aus dem Schrank zu holen.

  2. Heinrich Montag, 19 September, 2011 um 17:08

    manche Sachverhalte gehören einfach diskutiert.
    Selbstverständlich.
    Ich musste auch grinsen, als ich in Ihrem heutigen Artikel las:

    Gewiss, eine breite Masse kippt in das genaue Gegenteil und lässt sich nur noch berieseln.

    Ich gehöre nicht (mehr) zu den hyperaktiven Jongleuren und schäme mich auch nicht dafür. Ich muss mich nur noch darum kümmern, wem ich mein Vertrauen schenke, „für mich zu diskutieren“ wenn mir die Sachverhalte über den Kopf wachsen und sie dann mit meinen Möglichkeiten zu unterstützen. Aber die Auswahl vertrauenswürdiger Kämpfer wird immer geringer. 😉

    • Richard K. Breuer Montag, 19 September, 2011 um 19:45

      Dann wird es Sie vielleicht freuen zu hören, mein guter Heinrich, dass ich überlege, ein „Sachbuch“, besser ein „Non-Fiction“-Buch über wichtige und relevante Sachverhalte in dieser Welt schreibe, freilich mit verschwörungstheoretischen Ansätzen. Kleine grüne Männchen vom Mars kommen darin nicht vor. Aber who knows, was die Zukunft für uns bereit hält – besser: die Illusionsmaschine der Elitisten und ihren Handlangern 🙂

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