richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Wir laufen im Katastrophen-Modus oder Die Rückkehr zur Intuition

Lasst Kinder wieder Kinder sein
Oder: Die Rückkehr zur Intuition
ein Buch von Michael Winterhoff
Link zur Verlagsseit

update: Interview mit Winterhoff in der FAZ »Noch 1990 lebten wir in einer analogen Zeit«

Als mir Carsten Tergast, der Mit-Autor der Winterhoff-Bücher, das neueste Machwerk schickte, merkte er an, dass ich mich vielleicht über das Zitat auf Seite 21 des Buches freuen würde. In der Tat, ein schönes Gefühl, seinen Namen unter ein paar Zeilen zu sehen, in einem Buch, das sicherlich hunderttausende Menschen lesen werden. Ich bin erst bei der Hälfte, kann aber sagen, dass es den Kern der gegenwärtigen Sachlage in der (westlichen) Gesellschaft trifft. „Wir laufen im Katastrophen-Modus“, heißt es da so schön, weil wir beinahe 24 Stunden mit einer Kaskade an Entscheidungs-Dilemmate konfrontiert werden. Wir rotieren, um den Alltag gebacken zu bekommen. Und wenn wir endlich einmal die Füße hochlagern könnten, schaffen wir es nicht, weil immer im Hinterkopf die Frage lauert: „Ist es sinnvoll?“ oder „Bringt es mich weiter?“ oder „Was würden jetzt die anderen sagen, wenn sie mich so sähen?“ oder „Was muss ich morgen machen?“

Gewiss, eine breite Masse kippt in das genaue Gegenteil und lässt sich nur noch berieseln. Zynisch formuliert haben wir es hier mit lebenden Zombies zu tun, die nur noch funktionieren, aber nicht mehr leben. Und die anderen sind hyperaktive Jongleure, die keine Sekunde zur Ruhe kommen können. Die Frage, die auch im Buch gestellt wird, ist natürlich, ob diese ständige Bereitschaft, Entscheidungen treffen zu müssen, überhaupt seelisch (und später körperlich) gesund sein kann. Wir wissen, dass es das nicht ist. Intuitiv sehnen wir uns nach einem ruhigen Plätzchen, wo wir die Seele baumeln lassen können, ohne dunkle Gedanken an ein unbestimmtes Morgen zu hegen, wo wir einfach wir sind.

Dass die Gesellschaft vor Jahren einen falschen Weg eingeschlagen hat, wir uns heute mehr und mehr bewusst. Gottlob beginnen jetzt die Gespräche und die ersten ernsthaften Überlegungen, was man ändern könnte. Der Social-Media-Hype dürfte sich dem Ende zuneigen – wie man aus diesem Artikel entnehmen kann. Wir haben uns überfordern lassen. So einfach ist das. Und in den letzten Wochen habe ich mich auch aus dem Netz zurückgezogen, um meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Das heißt nicht, dass ich nicht mehr anwesend bin, aber ich entscheide jetzt, wann ich „zu Hause bin“. Darüber gilt es in späterer Folge noch zu schreiben.

Ich hätte gerne ein Foto des Buches gemacht, wie es auf meinem Schreibtisch liegt, aber der Aufwand, ich muss es klar und deutlich sagen, steht sich nicht dafür. Der Leser möge es sich vorstellen.

So nebenbei angemerkt, ich muss jetzt Schluss machen, für heute, habe ich die neue Ausgabe von frisch gespielt 2/2011 in die Druckerei geschickt. Eigentlich eine Anachronie, in Zeiten der virtuellen Spieleforen und Webseiten, noch ein 52-seitiges Hochglanzprodukt zu entwerfen, für Spiele, die (weitestgehend) ohne Strom auskommen und reale Leute um einen Tisch versammeln. Ja, man hört, dass es das noch geben soll.

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2 Antworten zu “Wir laufen im Katastrophen-Modus oder Die Rückkehr zur Intuition

  1. Jo Donnerstag, 22 September, 2011 um 16:25

    Bei dem Zitat „Wir laufen im Katastrophen-Modus“ musste ich schmunzeln.
    Ist es nicht interessant, dass ausgerechnet in unserer Zeit Sätze entstehen wie „Ich bin mal off.“ Oder „Ich lese meine Follower.“? Ob sich jemand ernsthaft Gedanken darüber macht, was er da schreibt? Manchmal zweifelt man. Vielleicht geht es nicht nur um die Entscheidungen, die man treffen muss/soll/kann, sondern auch die Informationsflut, die wir uns gerne selbst schaffen. Wollen und können wir uns mit allem und jedem beschäftigen?

    Wie Ernst kann man noch einen Blog-Artikel nehmen, der das Ende des Social-Media-Hype beschreibt und nebendran der dicke Twitter- und FB-Button prangert. Selbstironie unserer Tage. Sehr gefallen hingegen hat mir die folgende Aussage in einem Kommentar: „Das Problem der Blogs, ist ein Problem das ihr von der hiesigen Presse übernommen habt. Das Schlagwort ist “Gleichschaltung”.“

    Das Buch klingt interessant. Ist auf meine Liste gewandert.

    VG
    Jo

    • Richard K. Breuer Freitag, 23 September, 2011 um 7:58

      Na, man muss natürlich sagen, dass nie so heiß gegessen, wie gekocht wird. Will heißen: wenn es zuerst einen Hype gegeben hat, dabei zu sein, so entsteht vermutlich wieder ein Hype nicht dabei zu sein. Pendelbewegung, you know.

      Yep. Die Blogs haben – leider, leider – so gut wie alle negativen Aspekte von den kommerziellen Medien übernommen: selten schreibt einer, was ihm dringlich am Herzen liegt, sondern eher sucht man sich Themen, die „ankommen“ und für Clicks sorgen.

      „Ich bin dann mal off“ wird der Bestseller-Nachfolger von „Ich bin dann mal weg“ 😉

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