richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Hotel Lux von Haußmann und mit Herbig

Gerade auf der Wiener Filmpremiere der neuen Tragikomödie HOTEL LUX von Leander Haußmann gewesen. Wenn mir schon das Produzenten-Brüderpaar B. eine Karte zukommen lässt, muss man sich natürlich mit einer Filmkritik revanchieren. Gefälligkeit ist das freilich nicht, weil, gleich vorweg, der Film eine Empfehlung ist. Eine dringende noch dazu.

Hotel Lux spielt in den 1930ern, zuerst in Berlin, danach in Moskau. Wer die Zeit zu deuten weiß, der ahnt, wohin es einem da verschlägt. Vom rechten Regen in die rote Traufe – Nass wurde man freilich so oder so. Je nach dem.

Über die Qualität des Films gibt es nichts zu rütteln. Haußmann versteht sein Handwerk und setzt die technischen Möglichkeiten gekonnt ein. Gleich zu Beginn des Films eine beeindruckend Kamerafahrt über das Moskau der 1930er. Der Film selber  mag sich leicht und schwungvoll, komödiantisch im besten Sinne, geben, aber die Thematik legt sich wie ein dunkler Mantel über die Handlung. Das ist auch das Besondere, dieses Pendeln zwischen Amüsement und Tragik, zwischen Witz und Tod. Das Timing der Wortspiele ist übrigens ausgezeichnet, eine Seltenheit im deutschen Komödienfach, vermutlich, weil es Training und Erfahrung und Genauigkeit braucht

Wir können davon ausgehen, dass Haußmann Anleihen genommen hat, vor allem bei Ernst Lubitsch und die Hitler-Farce To be or not to be (Sein oder Nichtsein) aus dem Jahr 1942 (!) – Wer den Film noch nicht kennt, tja, der bekommt als Hausübung, diesen sich anzusehen. Unbedingt. Schon ein Billy Wilder wollte so gute Filme wie Lubitsch machen und das soll etwas heißen, nicht? In die selbe Kerbe schlägt dann natürlich Mel Brooks Remake aus dem Jahr 1983 und durchaus The Producers mit dem Stück im Stück Springtime for Hitler aus dem Jahr 2005. Last but not least natürlich die bekannteste Hitler-Parodie von Charlie Chaplin The Great Dictator (Der große Diktator).

Hervorstreichen muss man einfach die Intelligenz der Umsetzung und der unaufdringliche tragikomische Witz. Da ich mich gerade mit konspirativen Themen beschäftige, die unwirklich scheinen, aber leider sehr real sind, ist es immer gut, wenn man sich die nähere Vergangenheit vor Augen führt. Wie kann es sein, dass ein Mann namens Stalin, Genosse Stalin, eine Säuberungsaktion in ganz Russland durchführen konnte, die den Terror eines Robespierre zur Französischen Revolution wie einen Kindergeburtstag aussehen lässt? Ich glaube, den größten Fehler, historisch betrachtet, begeht man dann, wenn man Führerpersönlichkeiten für etwas verantwortlich macht. Tatsächlich aber geht es immer um ein System. Wenn man den Film mit diesen Augen sieht, wird es einem sehr deutlich  (auch wenn es vielleicht nicht die Intention von Haußmann war). In meinem neuen Buchprojekt bin ich nämlich genau darauf durch Zufall gestoßen, dass es nicht um die Menschen geht, sondern, was ein System  (auch das gegenwärtige!) aus den Menschen macht. Deshalb ist es wichtig, dass auch eine jüngere Generation HOTEL LUX guckt. Gut möglich, dass diese noch nicht die Punkte verbinden können, aber es ist wichtig, sie dahingehend anzutippen. Und vielleicht wird dann wenigstens einer die Frage stellen: „Warum haben die da mitgemacht?“

Ja, warum?

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3 Antworten zu “Hotel Lux von Haußmann und mit Herbig

  1. Lukas Batthyany Freitag, 28 Oktober, 2011 um 0:05

    Freue mich, dass von so einem excellenter Schriftsteller wie Richard K. Breuer eine solche erfreuliche Kritik kommt.

    Danke Richard und bitte weiterempfehlen!

    Herzlichst
    L.F.K Batthyány

  2. Pingback: Fundstücke « Heinrichs Blog

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