kleine und große Konspirationen oder Nur ein System

Durch eine Verkühlung konnte ich die letzten Tage leiser treten und Filme sehen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Allen voran der Polit-Thriller Z – Anatomie eines politischen Mordes (imdb) von Costa-Gavras und Jorge Semprún aus dem Jahre 1969. Der Film beschäftigt sich mit Griechenland der 1960er (obwohl im Film das Land nicht genannt wird) und dem von oben bestellten Mord an einem populären Parteivorsitzenden der linken Fraktion. Ein Staatsanwalt, der mit dem bedauerlichen Unfall betraut wird, bemerkt die Ungereimtheiten, beginnt zu recherchieren und deckt alsbald eine Verschwörung auf, die in die höchsten Polizei- und Militärkreise reichen – was aber nicht heißt, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden  – die letzten Minuten des Filmes führen eindrücklich vor Augen, wie sich der Prozess und alles Weitere gestaltet(e).

Man muss sich den Film auf der Zunge zergehen lassen – ein herrliches, wahres Stück konspirativer Politik. Dabei ist die Konspiration kein Meisterwerk subtil geplanter  Aktionen. Die Strippenzieher agieren vielmehr brutal, kaschieren ihre Lügen durch offizielle Pressemitteilungen, lassen Zeugen bedrohen, bezahlen, erpressen oder beschmutzen bzw. erfinden Zeugen, die mit einstudierten Aussagen Alibis von mutmaßlichen Tätern herstellen. Am Ende läuft es für einen Außenstehenden immer nur auf eine Frage hinaus: Wem vertraue ich mehr?

Dass die Vorkommnisse nicht aus der Luft gegriffen sind, sondern auf historische Ereignisse beruhen, sollte einen schon zu denken geben. Und wer es nicht weiß, der sollte sich klar werden, dass im Griechenland des Jahres 1967 Generäle und Militaristen einen Putsch unternahmen, um den sehr wahrscheinlichen (demokratischen) Wahlsieg der Vereinigung der Demokratischen Linken EDA zu verhindern. Ja, in Zeiten des Kalten Krieges konnte ein westeuropäisches Land nicht kommunistisch werden. Unmöglich.

Das hat mich zu der Erkenntnis gebracht, dass es nicht die Menschen sind, die gut oder böse per se sind, sondern vielmehr, dass es das System ist, das ihnen keine andere Wahl lässt. Analog eines Organismus und seinen Zellen. Die Generäle und Polizeibehörden lebten sich lange Zeit gut in einem rechten Staatsgebilde, das ihnen viele Freiheiten erlaubte und das von ihnen die Pflicht abverlangte, linke Subjekte zu drangsalieren. Eine neue linke Regierung hätte womöglich diese Vorkommnisse untersuchen lassen – den Generälen und Polizeiobersten blieb somit keine andere Wahl, diesen demokratischen Wandel zu verhindern, wollten sie weiterhin an der Macht bleiben und nicht vor Gericht gestellt werden. Deshalb, egal welche demokratischen Veränderungen wir als Bürger im Sinne haben, würden wir das bestehende System gefährden, würde es sich zur Wehr setzen. Brutal und ohne Pardon.

Ich will es damit vorerst einmal bewenden lassen.