richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Zum heutigen Geburtstag von J. von N. und ein seltsamer Gedanke, der die Welt auf den Kopf stellt

Ehrlich gesagt, ich habe mich mit der christlichen Religion so gut wie überhaupt nicht beschäftigt, sagen wir: ich wurde in jungen Jahren damit beschäftigt. Österreich war einmal ein erzkatholisches Land, inklusive Morgengebet in der Volksschule, Holzkreuz in der Klasse, verpflichtende Kirchenbesuche (inklusive Besuch des Beichtstuhls, was mir damals sehr unangenehm war) und Religionsunterricht, in der man zum Auswendiglernen gewisser Gebete angehalten wurde. Wenn ich mir das so überlege, war das schon allerhand, von der Religion so vereinnahmt worden zu sein. Noch dazu, wo man sich in den 1970ern als aufgeklärtes Volk gab. In den späten 1980ern, als ich die Sonntagsmesse in einem burgenländischen Grenzenort besuchte, musste ich feststellen, dass nach alter Tradition die Männer und Buben auf der einen, die Frauen und Mädchen auf der anderen Seite saßen. Ich war ziemlich schockiert, zuckte aber mit der Schulter und dachte mir, dass es nun mal traditionelle, sprich konservative, Wertvorstellungen gab. Wie dem auch sei, in letzter Zeit, seit ich an dem Con$piracy-Buch arbeite, kommen mir immer wieder seltsame Gedanken. Ausgelöst freilich durch Lektüre oder Vorträge kluger und kritischer Köpfe.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber in jungen Jahren habe ich viel in Frage gestellt. Besser: ich verstand das eine oder andere nicht. Die Antworten, die ich erhielt, befriedigten mich in keiner Weise. Freilich, ich akzeptierte das Gesagte, das Gelesene, aber tief innerlich spürte ich, dass es nicht die Wahrheit war. Mit der Zeit vergisst man natürlich die Zweifel oder tut sie als unwichtig ab. Wird einem nicht tagtäglich gesagt, über was wir nachzudenken haben? Wenn Sie meinen, dass Mainstream-Medien nicht in der Lage sind, die Gedanken der Leser oder Zuseher zu kontrollieren, so stimmt das. Aber sie können kontrollieren, worüber die Leser oder Zuseher nachdenken (und diskutieren). Das ist die Macht der Medien. Vergessen wir das nicht!

Kommen wir zu einem dieser unbefriedigten Antworten zurück, auf die Frage, wie es (der historische) Jesus von Nazareth (Happy Birthday) innerhalb kürzestes Zeit schaffte, eine Bewegung auszulösen, die in späterer Folge zu einer Religion wurde, die die halbe Welt akzeptierte. Die Antwort, die ich damals erhielt, war eine metaphysische (religiöse): Jesus war der Sohn Gottes, der Prophet und so weiter und so fort. Wahrlich, diese Antwort beantwortete nicht meine Frage. Aber ich erhielt keine andere. Also nahm ich diese zur Kenntnis und beschäftigte mich mit Dingen, die mir wichtiger waren bzw. die mir wichtiger gemacht wurden.

Und jetzt, Jahrzehnte später, reift ein faszinierender Gedanke heran, den ich gerne teilen möchte. Ich weiß nicht, ob dieser Gedanke politisch korrekt ist oder religiös akzeptabel, aber ich bin der Meinung, dass es erlaubt sein muss, historische Überlegungen anzustellen. Um auf meinen Punkt zu kommen, muss ich vorderhand eine Passagen zitieren. Die Passage entstammt dem Evangelium nach Matthäus, »Kapitel 21 – Die Auseinandersetzung mit den Gegner in  Jerusalem«:

Jesus ging in den Tempel und trieb alle Händler und Käufer aus dem Tempel hinaus; er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und sagte: »In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber macht daraus eine Räuberhöhle.« Im Tempel kamen Lahme und Blinde zu ihm und er heilte sie. Als nun die Hohenpriester und die Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder im Tempel rufen hörten: »Hosanna dem Sohn Davids!«, da wurden sie ärgerlich und sagten zu ihm: »Hörst du, was sie rufen?« Jesus antwortete ihnen: »Ja, ich höre es. Habt ihr nie gelesen: Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob?« Und er ließ sie stehen und ging aus der Stadt hinaus nach Betanien; dort übernachtete er.

Nun ist es so, dass der Tempel in Jerusalem nicht gerade klein und überschaubar war. Die damalige Tempelanlage soll etwa 1/5 der gesamten Stadtfläche von Jerusalem ausgemacht haben. Möchten wir also glauben, dass ein einziger Mann diese Fläche gesäubert haben soll? Gab es damals keine Ordnungskräfte? Hätte nicht eine Hand voll Männer genügt, um diesen Randalierer festnehmen oder abhalten oder zusammenschlagen zu können? Definitiv. Warum ist es also nicht geschehen? Und hier gebe ich mich mit keiner metaphysischen Antwort zufrieden, sondern spinne einfach eine Überlegung, die mich zu einer befriedigenden Antwort gelangen lässt. Bereit?

Jesus von Nazareth, diese historische Person, dürfte eine Bewegung initiiert haben, die innerhalb kürzester Zeit regen Zuspruch in der breiten Bevölkerung erhalten hat. Wie kann das sein? Was vereint die breite Masse? Jerusalem war in der damaligen Zeit vom Römischen Imperium besetzt, aber die Säuberung am Tempelberg richtet sich nicht gegen die Besatzer – es sind einheimische Händler und Käufer. Im oben angeführten Evangelium wird von einer Räuberhöhle gesprochen. Wie kann es sein, dass vor den Augen der Besatzer und der heimischen Ordnungskräfte eine verbrecherische Organisation akzeptiert wird, die auf einer heiligen Stätte operiert?

Vielleicht, weil diese Verbrechen legal waren? Legal im Sinne der Gesetze. Aber (moralisch) illegal im Sinne des Volkes? Was wäre demnach ein Verbrechen, dass von einer Elite – Hohenpriester und Schriftgelehrte – betrieben wird? Völlig im Einklang mit den Gesetzen? Irgendeine Idee? Irgendeine Vermutung?

Es muss die Geldwirtschaft, also das Schuld- und Kreditwesen, gewesen sein. Gerade damals quetschten die Römischen Besatzer ihre eroberten Gebiete schamlos aus, um in Rom jeglichen Luxus zu finanzieren. Die breite Masse der Bevölkerung, die von landwirtschaftlichen Erträgnissen abhängig waren – und somit von Wettereinflüssen – musste sich in schlechten Zeiten Geld borgen, um die Steuern bezahlen zu können. Schulden machen ist keine Erfindung der Neuzeit, bitteschön. Eine Schuld eingehen konnte man schon immer. Natürlich wurden die aufgenommenen Kredite mit Zinsen (Aufschlägen) gegeben. Und der Wucher, die Einräumung von Krediten gegen unerhörte Zinsen/Aufschläge, blüht vor allem dort, wo den Menschen keine andere Wahl bleibt. Das Römische Imperium und ihre (lokalen) Eintreiber kannten kein Pardon. Wer nicht zahlte, musste in die Sklaverei (oder jemand aus der Familie).

Die Vermutung, die ich anstelle (und ich bin nicht unbedingt der Einzige), ist jene, dass die breite Bevölkerung überschuldet war. In einem Ausmaß, dass sie keinen anderen Weg mehr sahen, als aufzubegehren. Der (historische) Jesus von Nazareth führte demnach eine Bewegung an, die diese (erdrückenden) Schulden abzuschütteln gedachte. Deshalb stürmte der Mob, wenn man so will, den Tempelberg – jener Ort, wo vorrangig Geldgeschäfte (Räuberhöhle) denn  Messen abgewickelt wurden. Man könnte sagen, der Tempelberg war die Wall Street von Jerusalem und Syria.

Ich weiß, das alles klingt sehr weit hergeholt. Gut, wir dürfen nicht vergessen, dass das Römische Imperium die Religionen glättete, mit anderen Worten: nach ihren Gutdünken veränderte – weil, welches Imperium würde eine Religion tolerieren, die eine Besatzungsmacht hinterfrägte.

Zu guter Letzt noch jene Zeile, die im Gebet des »Vater unser« enthalten ist – eines Gebetes, welches laut NT Jesus von Nazareth seinen Anhängern lehrte. Ich habe mich früher oft gefragt, was es mit „Schuld und Schuldigern“ auf sich hat. Warum soll ich jemanden eine Schuld vergeben? Hat mir jemand etwas getan? Hm?! Erst wenn man es mit einer Geld-Schuld übersetzt, macht alles plötzlich Sinn.

Unser tägliches Brot gib uns heute;
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;

Damit beende ich den historisch konspirativen Exkurs und wünsche ein besinnliches Weihnachtsfest mit vielen Geschenken. Geschenke, die uns mit Zeit, Gesundheit und Freiheit beglücken, nicht mit materiellem und geistigem Müll.

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2 Antworten zu “Zum heutigen Geburtstag von J. von N. und ein seltsamer Gedanke, der die Welt auf den Kopf stellt

  1. ckaufmann Samstag, 24 Dezember, 2011 um 13:55

    Jesus quasi als Gründer der occupy wallstreet Bewegung – interessanter Gedanke.

    Frohe Weihnachten!

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