Wulff, Kerkeling, Zuckerberg und der mediale Affenzirkus

Also, wenn es stimmt, was der gute Hape Kerkeling sagt, so hat ihm der gute Zuckerberg sein privates Facebook-Konto gesperrt. Der Grund dürfte ein längerer pro-Wulff Kommentar sein. Hören wir, was er dazu zu sagen hat:

Nun muss die ganze Chose einen schon recht nachdenklich stimmen, wenn es sich tatsächlich so zugetragen hat. Damit steht außer Zweifel, dass Facebook eine „Überwachungsfunktion“ implementiert hat, die dann anspringt, wenn die Hit-Anzahl vermutlich in den dreistelligen Bereich geht. Gut möglich, dass populäre Querdenker auf einer Blacklist stehen und jeder Eintrag von einem (privaten) GESTAPO-Konsortium überprüft wird. Fakt ist, wenn ich auf meinem Facebook-Profil die tollsten Lobeshymnen für Präsident Wulff spinne, geschlossen wird es in hundert Jahren nicht. Warum? Weil meine Person weder in den Medien präsent ist, noch eine ordentliche Fanbasis aufweist (hätte mich wohl anstrengen müssen, was?) – Jakobsweggeher und Bestsellerautor Hape Kerkerling hingegen genießt einen populären Ruf und das macht ihn für das Establishment gefährlich – falls er einmal querscheißt, pardon, querschießt.

Der gewöhnliche Bürger – also du und ich – wir werden niemals herausfinden, was in der hohen Politik (und darüber hinaus) gespielt wird und gespielt wurde. Ob Präsident Wulff zu recht oder zu unrecht medial verprügelt wird, kann ich deshalb nicht sagen. Aber ich weiß, dass die Kacke am Dampfen ist, wenn es zu einer medialen Hinrichtung kommt. Deshalb würde ich frecherweise Präsident Wulff die Daumen halten. Ja, soweit ist es schon gekommen, wenn der Bürger gegen seinen Medienapparat zu Felde ziehen muss, um für Gerechtigkeit zu sorgen. What the heck!

Zu guter Letzt: Wenn wir also das Vergehen von Herrn Wulff ahnden, wäre es dann nicht auch Zeit, all die anderen Verbrechen der Politiker und Wirtschaftsleute aufzuzeigen? Wie wäre es, wenn wir Kriegsverbrecher (Bush jr., Cheney, Rumsfeld), Betrüger (Wall Street, u.a. das Goldman Sachs Management, die FED) und Lügner (Barack Obama) an den Ohren ziehen?

Einwand: StM. meinte, die Schließung des Accounts könnte damit zusammenhängen, dass die Administratoren von Facebook der Meinung waren, hinter dem Profil »Hape Kerkeling« verstecke sich ein Hans Wurst, mit anderen Worten, jemand gäbe sich nur für den berühmt berüchtigten Entertainer aus. Gut. Ist natürlich ein zwingender Punkt, darüber kurz nachzudenken. Wobei sich freilich die Frage stellt, wie jemand seine Identität nachweist. Werden wir in Zukunft allesamt unsere Dokumente einscannen und Herrn Zuckerberg zukommen lassen müssen? Aber auch ein Scan kann technisch manipuliert werden (siehe Birth Certificate von Mister Obama). Also? Müssen wir vielleicht bei der nächsten Polizeistelle unseren Account anmelden? Mit Fingerabdrücken und Scan der Netzhaut? Wie dem auch sei, der Einwand nimmt natürlich meinen böswillig gedachten Fingerzeig-Übungen den Wind aus den Segeln. Schade, schade.

Im Grundgesetz stehen wunderschöne Bestimmungen über die Freiheit der Presse. Wie so häufig, ist die Verfassungswirklichkeit ganz anders als die geschriebene Verfassung. Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Journalisten, die diese Meinung teilen, finden sie immer. Ich kenne in der Bundesrepublik keinen Kollegen, der sich oder seine Meinung verkauft hätte. Aber wer nun anders denkt, hat der nicht auch das Recht, seine Meinung auszudrücken? Die Verfassung gibt ihm das Recht, die ökonomische Wirklichkeit zerstört es. Frei ist, wer reich ist. Das ist nicht von Karl Marx, sondern von Paul Sethe. Aber richtig ist es trotzdem. Und da Journalisten nicht reich sind, sind sie auch nicht frei (jene wenigen Oasenbewohner ausgenommen).

Dr. Paul Sethe, Hamburg
Gründungsherausgeber der FAZ
5.5.1965 – Leserbrief im „Der Spiegel“

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4 Kommentare zu „Wulff, Kerkeling, Zuckerberg und der mediale Affenzirkus“

  1. Ich widerspreche. Facebook ist fraglos kein Kirchenclub. Ich frage mich allerdings, was ein Richard K. Breuer davon hielte, wenn jemand in seinem Namen ein Facebookkonto eröffnet und politische Stellungnahmen abgibt, die, um etwas drastisches als Beispiel zu nennen, G. Bush als großen Feldherren und verantwortungsvollen Wirtschaftspolitiker feiern. Ich finde es sachlich richtig, das Facebook versucht, herauszufinden, ob da jemand mit einer falschen Identität Schaden anrichtet. Hape hat nicht mitgespielt. Als Entertainer kann er sich das leisten.

    1. Damit hast du es ja auf den Punkt gebracht: Facebook ist kein Kirchenclub. Für alles andere gibt es freilich ein Für und ein Wider. Will ich Facebook & Co entlasten, dann ist es „sachlich richtig“ die Identitäten seiner Mitglieder nachzuprüfen. Will ich Facebook & Co ans Bein pinkeln, dann ist hier eine heimliche Zensurpolitik am Werk. Die Wahrheit liegt – wie immer – dazwischen. Aber die Frage ist wohl erlaubt, warum die Prüfung der Identität nicht bei der Profil-Eröffnung erfolgte, sondern erst sehr viel später? Und was, wenn es einen Hape Kerkeling gibt, der mit dem berühmten Kerkeling nichts am Hut hat? Damit will ich keine Diskussion starten, eher nur dezent darauf hinweisen, dass die Sache mit den realen Identitäten in virtuellen Welten noch einiges Kopfzerbrechen auslösen wird. Es sei denn, wir werden in Zukunft unsere Accounts bei der nächsten Polizeidienststelle eröffnen. Fingerabdrücke inklusive.

  2. Man könnten auch ertragen lernen, das Namen im Netz nur Schall und Rauch sind; Das der Inhalt des Geeschriebenen die Bedeutung trägt und nicht der Name des Schreibers. Da stimme ich dann wieder zu: ‚…die Sache mit den realen Identitäten in virtuellen Welten wird noch einiges Kopfzerbrechen bereiten…“

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