richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Manstein und Miller oder Eros & Tanathos

Ein wenig seltsam mutet es auf dem ersten Blick an, wenn ich mir meine Bücher so besehe, die ich gerade lese. Zum einen Erich von Mansteins Verlorene Siege über seine Erfahrungen als Oberbefehlshaber Deutscher Truppen im Zweiten Weltkrieg, zum anderen Henry Millers Sexus über seine Erfahrungen als brotloser Herumtreiber im New York der frühen 1920er Jahre. Das eine Buch ist ein »origiastischer Hymnus auf die physische Liebe« (sagt der Klappentext, nicht ich), das andere eines der »bedeutendsten Werke über die Operation des Zweiten Weltkriegs« (sagt International Affairs, London). Wie das jetzt zusammenpasst kann ich nicht sagen, aber vielleicht hatte Reich-Ranicki ja recht, wenn er meinte, dass sich der Leser (vorrangig) nur für Liebe und Tod interessieren würde.

Eigentlich wollte ich auch über den Franz-Onkel schreiben, der als Soldat am Zweiten Weltkrieg teilnahm und in Kriegsgefangenschaft geriet. Er meinte, so hörte ich es jedenfalls, dass er das Schlimmste für Europa befürchte, würden die Deutschen (BRD & DDR) wieder zusammenkommen. Ich schätze, die bodenständige niederösterreichische und die weitausholende germanische Mentalität haben sich nicht wirklich vertragen. Aber eigentlich erwähne ich ihn an dieser Stelle nur deshalb, weil er nach dem Kriege bei einem Möbelgeschäft in St. Pölten gearbeitet hat. Sein Chef, ein gewisser Herr Leiner, wusste scheinbar Möbel zu verkaufen. Jahrzehnte später habe ich meine schmucke Sofa-Landschaft in einem seiner (für damalige Verhältnisse) luxuriös anmutenden Einkaufstempel erstanden. Aber auch das wäre jetzt keine sonderliche Erwähnung wert, würde ich mich nicht von der einen Hälfte trennen. Was mich wiederum zu allerlei Gedanken verführt, nämlich der Frage, warum es so einfach ist, Dinge zu kaufen, aber um so schwieriger und aufwändiger, diese Dinge wieder zu verkaufen oder (warum auch nicht?) zu verschenken?

Würden wir ein intaktes wirtschaftliches und gesellschaftliches System leben, dann würde sich unser Dasein nicht nur um das Produzieren und Konsumieren drehen, sondern, wie bestehende Dinge im Kreislauf verbleiben können, um Ressourcen und Nerven zu sparen. Aber da wir uns vorrangig Gedanken um Eros und Tanathos machen, tja, werde ich wohl auf meiner halben Couch sitzen bleiben. Hübsches Wortspiel, nicht?

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: