richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Im Wendekreis des Verlegers oder Was macht der Kundera auf dem Bücherhaufen?

Wer ein neues Domizil bewohnt, kann schon interessante Begegnungen haben. Wie so oft im Leben, wenn man den geradlinigen Weg verlässt und sich durch ein Gestrüpp aus Fragezeichen und Stirnrunzeln schlägt, dann erwarten einen – hin und wieder – erfreuliche Überraschungen. Diese Überraschungen sind es, die das kreativ künstlerische Leben befeuern. Würde man stupide seinen gedanklich im Vorhinein geordneten Ablauf folgen – nur nicht nach rechts oder links gucken, immer schön geradeaus weitergehen – es würde nichts Besonderes geschehen können (es sei denn, das Schicksal versperrt mit einem kleinen, eigentlich recht unbedeutenden Malheur den eingeschlagenen Weg). Wer also Künstler sein will (und nicht nur »Kohle schaufelnder Egomane«), der hat auch die Verpflichtung, vom Wege abzukommen. Für kleine Mädchen mit einem roten Käppchen ist das freilich nicht zu empfehlen. Aus Gründen.

Jedenfalls, wie ich mir meinen Weg zum Fenster bahne, entdecke ich Milan Kundera am Stapel liegen. Aha. Diese unerträgliche Leichtigkeit des Seins, wie man immer wieder hört, muss man gelesen haben. Wobei, müssen tut man freilich gar nichts, außer sterben (vermutlich liegt nicht von ungefähr Thomas Manns Tod in Venedig daneben). Also kurz reingeblättert und bemerkt, dass Stil und Satzkompositionen durchaus gefällig wirken – jedenfalls auf den ersten Seiten. Ach ja, als kreativ künstlerische Egomane möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass meine Schreibe einen gewisse Ähnlichkeit mit der seinen hat, aber als Literatur-Chamäleon tanze ich ja bekanntlich auf vielen Hochzeiten, nicht? Jedenfalls werde ich den Kundera zum Stapel der Bücher legen, die gelesen werden wollen. Und weil genau gegenüber des neuen Domizils eine moderne Bücherei der Stadt Wien ihre Niederlage (ja, so hieß Filiale im alten Wien) hat, sollte mir der Lesestoff in hundert Jahren nicht ausgehen. Gewiss, Wendekreis des Steinbocks von Henry Miller borgte ich mir in der Bücherei meines alten Heimatbezirks. Ja, jene alte Niederlage, in der ich schon als Schüler den Geruch alten Papiers einsaugte und hin und wieder verschämt feststellen musste, dass ich eines der geborgten Bücher zu Hause vergessen hatte. Natürlich muss sich ein Schriftsteller mit allerlei vergangenen Erlebnissen brüsten, die zeigen sollen, dass er bereits im zarten Alter der Jugend zu einem Literaten heranreifte. Bei mir reifte, ehrlich gesagt, recht wenig, abgesehen vielleicht von den kleinen Flausen. Und überhaupt: Der wahre Schriftsteller ist ein Stubenhocker, der beim schönsten Wetter zu Hause bleiben möchte. Wie sonst soll er jemals seinen Text zu Papier bringen?

Heute die E-Mail von O. erhalten, die mich als Verleger fragte, wie sie vorgehen soll, wenn sie ihren Text auf russisch (!) veröffentlichen möchte. Tja. EF. wiederum hat den Text zu einem Kinderbuch fertig und denkt lautstark über einen Selbstverlag nach (und hofft auf meine Unterstützung). Und ein Manuskript von FL., das bis Donnerstag gelesen werden möchte, liegt auch noch auf der (halben) Couch. Vom verlegerischen Drumherum, das hie und da erledigt gehört, ganz zu schweigen. Ja, so ist das. Hoppla, da fällt mir ein, dass nun endlich das Jugendbuch, an dem ich eine Weile am Layout arbeitete, diese Woche – ratzfatz – gedruckt werden wird. Hui. Ich bin mal gespannt, auf das Ergebnis.

 

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4 Antworten zu “Im Wendekreis des Verlegers oder Was macht der Kundera auf dem Bücherhaufen?

  1. Heinrich Montag, 14 Mai, 2012 um 0:47

    Lieber Richard,
    ich möchte mich für den Lesetipp bedanken! Der Kundera hat mir ausgezeichnet gefallen! Ich kann mich zur Zeit nicht mit einem anspruchsvollen Lesetipp revangieren. Als „alter Verschwörungstheoretiker“ würden Sie aber alles, was Sie über Amerikaner, Russen und Chinesen vermuten, in Klaus Seibels „Krieg um den Mond“ bestätig finden. 😉
    Gruß Heinrich

  2. Heinrich Montag, 14 Mai, 2012 um 11:24

    Ja, ich weiß, Sie meinen den Film von der gefakten Mondlandung. Ich kann das bestätigen, dass das real gar nicht stattgefunden hat. Erstens habe ich am 21. Juli 1969 mit meinem Feldstecher den ganzen Mond abgesucht – da war nichts, aber auch gar nichts zu sehen, und 2. hat mir sein Bruder Louis verraten, dass Neil am 21. bei seinem Trompetenkonzert in New York in der ersten Reihe gesessen hat. 😉

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