EM 2012 – Halbfinale 2 – DEU : ITA – Gladiator Balotelli schlägt zu

Deutschland : Italien 1:2

Na, das nenn ich mal ein ordentlich offensiv geführtes Fußballspiel. Mehr Spektakel als Sport. Welch Veränderung diese italienische Mannschaft erfuhr ist mit Worten kaum zu beschreiben und wenn ich diese Zeilen gerade niederschreibe, dann, hoppla, läuft mir eine Gänsehaut über den Rücken. Das hat viele Gründe. Zum einen, dass der deutschen Nationalelf die Grenzen aufgezeigt wurden. Sie ist eine sehr gute Truppe, keine Frage und hätte es weit bringen können, die Gegnerschaft voraussetzend. England hätte sie mit absoluter Sicherheit zertrümmert. Den Portugiesen hätte sie einen Sieg abgekämpft. Vielleicht wäre Russland im Offensivspiel ebenbürtig gewesen, aber die individuelle Klasse spräche eindeutig für Germania. Es gibt also nicht viele Mannschaften in Europa, die eine junge Löw-Truppe nicht schon zum Frühstück verspeist hätte. Aber genau darin liegt auch wieder das Problem. Wenn du immer nur Spanien im Fokus hast und über all die anderen Gegner drüberfährst, dann kann sich die Mannschaft nicht weiterentwickeln. Nur wer entscheidende Spiele gegen gewichtige, vielleicht übermächtige Gegner, für sich entscheiden mag (das Wie spielt – leider, leider – heutzutage ja keine Rolle mehr), mag sich steigern. So war es 1955, als dieses germanische Fußballmärchen in der Schweiz zum ersten Mal erzählt wurde – dass dabei das zweite österreichische Wunderteam aus den Augen verloren wurde, ist eigentlich eine große Demütigung. Weil sie vermutlich die beste Mannschaft des Turniers war – in spielerischer Hinsicht. Und hier sind die Grundsteine für die Zukunft gelegt worden. Die Deutschen haben aus ihrem glücklichen Endsieg (sic!) einen ersten kleinen Mythos gemacht und diesen mit Opferbereitschaft, Kameradschaft und unbändigem Siegeswillen garniert. Die Österreicher – mit hängenden Köpfen – haben ebenfalls ihren Mythos erschaffen: »des wird nie was, aber is eh wurscht!«Von da an ging es eigentlich mit dem österreichischen Fußball – auf internationaler Ebene – lange bergab, während die deutsche Nationalmannschaft sich stetig steigerte – immer im Bewusstsein 1955 das Unmögliche wahr gemacht zu haben. Wir sehen: Fußball wird vorrangig im Kopf und in der Brust entschieden. Aber das wissen Sie ja schon längst, nicht?

Aus dramaturgischer Sicht wäre es vielleicht besser gewesen, die Löw-Truppe hätte im Halbfinale – endlich, endlich – die Tiki-Taka-Spanier eliminiert und wäre dann im Finale auf Italien gestoßen. Ja, das wäre ein würdiges Finale gewesen. Weil beide Mannschaften gewillt waren, offensiv zu spielen, weil beide Mannschaften den Zug zum gegnerischen Tor suchten. Aber wenn wir beide Systeme vergleichen, die der Deutschen, die der Italiener, dann sehe ich wundersame Unterschiede. Es scheint mir, als würde Trainer Prandelli sich gedacht haben: Okay, für das neue Spielsystem fehlen mir die Ausnahmespieler, also krame ich in der Mottenkiste und hole ein System hervor, das schon ein wenig antiquiert wirkt. Aber es wirkt(e). Und wie!

Allen voran merkte Prandelli, dass er im Sturm ausgezeichnete Leute hatte, die es einzusetzen galt. Schlag nach bei den Holländern! Dort saß der Torschützenkönig der deutschen Bundesliga – Hunterlaar – nur auf der Ersatzbank. Für ihn war kein Platz im Spielsystem, das im großen und ganzen so gut wie alle Mannschaften praktizieren: Vorne ein Solo-Stürmer, dahinter ein breites Mittelfeld – je nach Courage mit offensiv ausgerichteten FlügelMITTELFELDspielern. Nicht zu verwechseln mit Flügelstürmern, die defensiv keine Aufgaben hätten. Aber das geht heutzutage nicht mehr. Jeder muss »nach hinten arbeiten«, wie es schön heißt. Damit kommt aber auch kein Druck nach vorne zustande und die Abwehrspieler – zumeist zwei oder drei Recken – haben keine Probleme, die Solo-Spitze zu entschärfen. Das bedeutet wiederum, dass du laufstarke Flügelspieler brauchst. Am besten zwei auf jeder Seite. Einmal im Mittelfeld. Einmal in der Flügelverteidigung. Aber daran scheitern die meisten Mannschaften. Solche laufstarken Spieler, die defensiv wie offensiv in der Lage sind, ein Spiel zu lesen, gibt es nicht wie Sand am Meer. An der Seite zu spielen ist viel anspruchsvoller als es vielleicht aussehen mag. Es ist schon seltsam, aber das System – nennen wir es 4 Verteidiger – 2 Abräumer im Mittelfeld – 3 Mittelfeldspieler – 1 Sturmspitze – ist gar nicht so einfach zu praktizieren. Als die Niederländer dieses System zur Perfektion brachten, hatten sie auch den dafür notwendigen Kader zur Verfügung (dunkel erinnere ich mich, wie ein van Bronkhorst, als Außenverteidiger, einen Sprint über das halbe Feld hinlegte, um eine gefährliche Spielsituation einzuleiten). Überhaupt kommt den Außenverteidigern eine zentrale Rolle zu. Hier hat Deutschland mit Lahm auf der linken Position natürlich ihren Heilsbringer. Aber auf der rechten Seite, tja, da muss ein gewisser Boateng die Lücke füllen. Hätte Löw va banque gespielt, hätte er Mut zum Risiko gehabt, er hätte längst einen Offensivspieler an dieser Position »angelernt«. Denn, jedem Trainer hinters Ohren geschrieben: du musst dich entscheiden! Entweder stellst du hier einen Offensiv-Spieler rein – mit der Gefahr, auf der Seite überrannt zu werden – oder du ziehst die Option, einen geschulten Innenverteidiger (wie Boateng) auf die Seite zu stellen – mit der Gefahr, dass nach vorne kaum Gefährliches zustande kommt.

Der italienische Trainer Pirandelli hat aus der Not eine Tugend gemacht und sieht die Stärke seiner Spieler vorrangig im Zentrum angesiedelt. Und damit kommen all jene Mannschaften, die ihr Hauptaugenmerk auf die Seiten gelegt haben, ziemlich ins Schwitzen. Spanien hingegen machte eine absolute Kehrtwendung und verzichteten gleich mal auf eine mittelmäßige Sturmspitze. Während also Italien auf zwei Sturmspitzen setzt, lässt Spanien erst gar keine auflaufen. Tja. Das ist Fußball im Jahr 2012.

Zurück zum gestrigen Spiel. Es hätte natürlich ganz anders kommen können. Wie viele Fans der deutschen Nationalelf werden sich die Haare raufen, ob der ersten Minuten, als Pirlo (schon wieder dieser Pirlo!), einer der dienstältesten des Turniers, den Ball auf der Linie abwehrte. Oder als Buffon, ja, der ganz große Buffon, einen Schuss nicht bändigen kann, den Ball nach vorne abprallen lässt, wo dieser wiederum auf einen italienischen Spieler trifft und von da zurück in Richtung Tor. Nicht ins Tor, aber so knapp daneben, dass sicherlich schon viele Zuschauer aufgesprungen sind. Ja, da hätte also bereits vieles entschieden sein können. Und es sah danach aus, als würde Italien nicht ins Spiel finden, als würde die deutsche Nationalelf wie ein D-Zug nicht zu bremsen sein. Aber so gut und druckvoll sie auch spielten, es fehlte an der Klasse, an der Routine, an der Abgebrühtheit. Man merkte ihr junges Gehabe und manchmal, da spürte man, dass ihre Ruhe und Sicherheit vielleicht doch nur (gut) gespielt war. Wie könnte es auch anders sein? Mit jugendlichem Elan kannst du (noch) kein Epos schreiben, nur kurze Erzählungen und Novellen.

Die italienische Nationalelf wirkte in der Defensive unsicher. Eigentlich standen sie in fast allen Spielen in der Defensive unsicher. Hin und wieder wirkte es unbeholfen, ja, dann und wann glaubte ich Schülerliga-Niveau zu erkennen. Andererseits, der Erfolg, wie man so schön sagt, gibt ihnen recht. Ei, wie es mich freut, dass endlich einmal ein neuer Wind in die verstaubten Gemäuer der Fußball-Systeme weht. Sollte Italien schlussendlich die Europameisterschaft gewinnen, dann werden wir über kurz oder lang herrlichere Zeiten entgegensehen. Vielleicht erinnern sich die Trainer, dass sie einmal in einem System spielten, dass auf Tore schießen ausgelegt war, nicht auf Tore vermeiden. Dahingehend muss man sich nur vor Augen führen, wie Italien, obwohl schon zwei Tore in Führung, noch immer den Weg nach vorne suchte. Damit kannst du jeder gegnerischen Mannschaft den Nerv ziehen. Weil mit jedem Pass, mit jeder Flanke die Gefahr erwächst, dass du in einen Konter läufst. Überhaupt, das Konter-Spielen mit nur einer Sturmspitze – die auch defensiv aushelfen muss –  ist ja geradezu lächerlich. Anders dagegen, wenn zwei Stoßstürmer auf einer Linie in der vordersten Reihe auf ihre Chance warten. Als Innenverteidiger muss dir da ordentlich mulmig werden. Weil du dich nicht mehr auf deinen Nebenmann verlassen kannst, da dieser ja den zweiten Stürmer im Auge behalten muss. Und damit sind Unstimmigkeiten vorprogrammiert.

Balotelli? Als ich gesehen habe, was der gute Balotelli an Chancen gegen die Engländer vergab, da wollte ich schon Di Natale an seiner Stelle wissen. Ja, man ist schnell und hart in seinen Entscheidungen. Seltsam, dass Di Natale das Tor gegen Spanien (im Gruppenspiel) machte, während Balotelli kläglich scheiterte und gestern, da war es Di Natale, der mustergültig eine Hundertprozentige daneben setzte. Wäre an dieser Stelle das dritte Tor gefallen, die deutsche Seele hätte ein Trauma erlitten. Aber ein knappes 2:1 ist akzeptabel (später liest man nur das Ergebnis und denkt sich seinen Teil). Also Balotelli! Was für ein Tor. Man muss es gesehen haben, um es zu glauben. Als er alleine auf Torhüter Neuer zulief – der kleine Lahm hechelte hinterher – und eine Granate ins Kreuzeck donnerte (120 km/h), dass einem Hören und Sehen verging. Und da riss er sich das Trikot vom Leib und stand da. Wie ein in Bronze gegossener Gladiator, der einen Löwen mit bloßen Händen erwürgte und den blutdürstenden Zuschauern signalisiert: Mich bekommt ihr nicht klein! Allein dafür, jeder deutsche Fan verzeihe es mir, hätte ich ihm, wäre ich Jupiter, den Sieg geschenkt.

Und nun? Spanien gegen Italien. Immerhin, in der Gruppenphase haben die Italiener den Spaniern bereits ein Unentschieden abgetrotzt. Aber wie mental Stärker sind die Italiener jetzt! Während die Spanier mühsamst einen Sieg gegen Portugal einfuhren, ihre Überlegenheit nicht mehr so zwingend ist, strotzen die Gladiatoren aus Rom vor Zuversicht, Selbstvertrauen und Mut. Sie wittern Blut. Und ich gehe davon aus, dass wir auch Blut sehen werden. Für Italien und der Elf steht alles auf dem Spiel. Biegen oder brechen! Die Spanier hingegen, diese hässlichen Primaballerinas des Fußballs, werden versuchen, tanzend den Schlägen und Hieben auszuweichen. Es wird grausam! Entweder wird der Tiki-Taka-Mythos endgültig ad acta gelegt und ein neues Zeitalter bricht heran – oder wir versinken wieder in die taktische Fußballhölle, wo Defensive Trumpf und Offensive ein Nice-to-have ist. Sì! Es werden also Gladiatoren sein, die um die Freiheit des Fußballs kämpfen. Wie passend, eh?

EM 2012 – Halbfinale 1 – SPA : POR – Tiki-Taka Medizin

Portugal : Spanien o:o n.V.  2:4  n.E.

Hm. Haben es die Spanier also wieder einmal ins Finale geschafft. Nicht unverdient, ja, ja, aber Portugal war an diesem Abend auch nicht schlecht und hielt anständig dagegen. Nach dem 5. Spiel der Spanier muss man sich unweigerlich die Frage stellen: Wer soll diese iberische Tiki-Taka-Dampfwalze stoppen? Italien und Portugal haben gezeigt, wie man dieser spanischen Kurzpass-Orgie mit Erfolg entgegenwirken kann (Ja, ein Unentschieden zu erreichen ist schon ein Erfolg!). Italien, man muss es sagen, hat zwar in der Defensive ordentlich geschwächelt – die Portugiesen ließen kaum Chancen zu – aber in der Offensive, da gaben sie den Spaniern hübsch zunder – im Gegensatz zu den Portugiesen, die nur sporadisch vors gegnerische Tor kamen. Ronaldo hatte es wieder einmal auf den Fuß – aber statt den Ball aufs Tor zu bringen, dürfte es der 3. Rang gewesen sein.

Das gestrige Spiel war bestimmt von Krampf und Kampf. Die Portugiesen brachten vermutlich die einzige Medizin gegen spanische Über-Kicker ins Feld, die es im Moment gibt: Rackern, beißen, spucken, krätschen, laufen, springen, stampfen und so weiter und so fort. Hin und wieder versuchen sich ja Mannschaften, die gegen Spanien antreten, mit einem konsequenten Mittelfeld-Pressing die Iniestas und Xavis vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Aber keine zehn oder zwanzig Minuten später stehen die Defensiv-Reihen vor dem Strafraum und lassen die Spanier kommen. Und wenn man sie einmal einlässt, bleiben sie bis zum bitteren Ende. Unhöflich, nicht?

Die Portugiesen machten das einzig Richtige: Pressing bis der Oberschenkel schmerzt. Laufen bis die Lunge ausgespuckt wird. In der Verlängerung – es war sicherlich weit nach 100 Minuten, lief der Spanier Pedro mit dem Ball allein auf den portugiesischen Torhüter zu. Aber ehe er noch Haken und Schuss ansetzen kann, sind drei Verteidiger der Portugiesen nach hinten gesprintet und räumten den Ball ab. Und der gute Pedro, also, der ist kein langsamer nicht. Damit will ich sagen: Jede Mannschaft, die in der Innenverteidigung nur behäbige Abräumer hinstellt, hat eigentlich gegen Tiki-Taka-Spanien schon verloren. Am eigenen Strafraum zu warten und zu hoffen, dass es für diesmal gut gehen wird, also, so eine Mannschaftstaktik kann sich vielleicht der 1. FC Vatikan erlauben, aber sonst niemand. Portugal hat es allen gezeigt. Du musst die Spanier bereits im Mittelfeld – noch besser an ihrem eigenen Strafraum – festnageln. Mit allen Mitteln. Koste es, was es wolle. So einfach sich das anhört, so schwierig ist die Umsetzung. Neben der Kondition ist nämlich die taktische Raumaufteilung und die Konzentration von größter Wichtigkeit. Wie aufgeschreckte Hühner dem Ball nachzulaufen und dem spanischen Spieler nachzugackern führt de facto natürlich zu gar nichts (naja, eventuell legt man sich ein Ei). Man muss sich einfach nur die Spanier zum Beispiel nehmen. Sie machen es vorzüglich – attackieren den Ballführenden der gegnerischen Mannschaft auf Teufel komm raus und machen die Räume um ihn so eng, dass dieser – völlig entnervt – den Ball nach vorne drischt, wo er dankend von den Spaniern in Empfang genommen wird. Tja.

Auch wenn wir jetzt das Rezept kennen, das gegen diesen Tiki-Taka-Juckreiz hilft, eines dürfen wir dabei nicht vergessen: ansehnlicher Fußball sieht anders aus! Gestern habe ich mir dabei folgende Analogie ausgedacht, die vielleicht nicht ganz treffend, aber in gewisser Weise des Pudels Kern trifft: Nehmen wir an, sie sitzen im Clubraum, wo gerade das Finale zur Schachweltmeisterschaft statt findet und warten gespannt auf die Eröffnungszüge. Aber der spanische Titelverteidiger nimmt ein paar Schachfiguren seines Gegners und beginnt damit zu jonglieren. Man ist beeindruckt, wie toll der Schachweltmeister mit den Figuren umzugehen versteht. Hui. Und was macht der Gegner? Er wartet. Hin und wieder versucht er eine Figur zu erwischen, aber da ist der Spanier schneller. Und ehe man sich versieht, fragt man sich nicht mehr, ob das alles noch mit Schach zu tun hat (immerhin jongliert er mit Schachfiguren, nicht mit Äpfel), sondern ob der Gegner jemals eine der Figuren erwischen kann. Verstehen Sie? Als die Italiener den Betonfußball namens Catenaccio anrührten, da schüttelte die Fachwelt den Kopf. Aber als sie damit Sieg um Sieg einfuhren, da musste die Fachwelt einräumen, dass diese Taktik zwar unansehnlich, aber effektiv und zielführend sei. Es heißt nicht umsonst, dass am Ende nur der Sieg zählt (andererseits könnte man sich fragen, wer solch eine Phrase gedroschen hat; waren es nicht Technokraten/Bürokraten, die  nichts vom Leben, aber sehr viel von Zahlen verstanden?).

Also, wie war das Spiel gestern? Naja. Die Portugiesen hielten dagegen – physisch, kämpferisch, läuferisch. Auch spielerisch waren einige Lichtblicke dabei. Immerhin glaubte ich erkannt zu haben, dass die spanischen Grundfesten schwankten, zitterten, aber erschüttert waren sie nicht. Dazu hätte es wohl ein Tor der Portugiesen gebraucht, aber wirkliche Torchancen waren Mangelware. Und so bestaunte man das Hin und Her. Das Hin und Her im Mittelfeld. Freilich, es war eine intensive Partie und gegen Ende waren die Spanier bestrebt, den Sack zuzumachen. Schlussendlich gelang es ihnen erst im Elfmeterkrimi. Wenigstens ist es Ronaldo erspart geblieben, am Elfmeterpunkt anzutreten. Wer weiß, wie es geendet hätte? So versagten die Nerven von Bruno Alves, der den Ball an die Latte donnerte, während ein gewisser Fabregas  den Ball via Innenstange ins Tor zirkelte. Spanische Maßarbeit, sozusagen.

Auch wenn ich dieser Tiki-Taka-Überheblichkeit rein gar nichts abgewinnen kann, die Portugiesen waren in jedem Fall die unterlegenere Mannschaft. Das ist bekanntlich nicht schwer, wenn man gegen Spanien spielt, aber ich meine, dass es auch Mut und Courage braucht, um gegen die spanische Übermacht zu bestehen. Dahingehend hatte Portugal noch ein Quäntchen gefehlt. Vielleicht war es auch, dass der Ausfall von Postiga im Sturmzentrum durch Almeida nicht wettgemacht werden konnte. Überhaupt, die Portugiesen sind an jeder Position top besetzt, nur der klassische Mittelstürmer, der ist ihnen irgendwie verloren gegangen. So ähnlich ist es ja auch Spanien ergangen, als Villa verletzungsbedingt für die EM ausfiel und Fernando Torres in Chelsea nur das Bankerlsitzen lernte, aber nicht, wie man Tore macht (trotzdem hat er das Spiel gegen die Iren praktisch alleine entschieden!). Als Alternative gab es einen Negredo – wie man gestern gesehen hatte, war er zwar physisch am Platz anwesend, aber irgendwie schien es, als würden die anderen ihn nicht mitspielen lassen; jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, ihn jemals am Ball gesehen zu haben. Weiters gäb’s dann noch einen Pedro, der beim FC Barcelona der Wasserträger von Messi & Co ist. Ja, ich schätze, die Spanische Tiki-Taka-Armada versenkte erst ab diesem Zeitpunkt alle ihre Gegner, als sie mit zwei exzellenten Stürmern aufwarten konnten. Wenn man sich die Ergebnisse ihrer letzten Ko-Spiele so anguckt, dann kommt man zum Schluss, dass den Spaniern gerade einmal ein Tor reicht – und mit Ausdauer, Zähigkeit und Tiki-Taka-Schwindlig-Spielereien dürfte es ihnen immer gelungen sein, dieses eine Tor zu machen. Respekt.

Finale? Ach ja. Wird der Gegner Deutschland heißen? Italien? Natürlich würde ich gerne sehen, wie die deutsche Nationalelf in den Jahren nach 2008 gewachsen ist. Aber wären sie ein ernsthafter Gegner für mental starke Spanier? Tja. Ich befürchte, dass die Löw-Truppe nach dem Abgang von Ballack zwar an spielerischen Qualitäten hinzugewonnen hat, aber ihre mentale »wir schaffen das«-Einstellung (vom Gegner zu einem Mythos erhoben!), die ist irgendwie flöten gegangen. Heute paniken die Gegner vorrangig, wenn es gegen Spanien geht. Die deutsche Elf ist ein mächtiger Gegner, keine Frage, aber unbesiegbar ist sie nicht mehr. Sollten sie mich aber Lügen strafen und heute die Italiener biegen und am Sonntag die Spanier brechen, ja, dann würde der alte neue Mythos wieder auferstehen. Aber ehrlich: ich glaub’s nicht!

EM 2012 – Viertelfinale 4 – ITA : ENG – tutto è bene ciò che finisce bene

Italien : England o:o 4:2 n.E.

Also, wenn mich LingoStudy nicht belogen hat, dann sollte obiges italienische Geplapper „Ende gut, alles gut“ heißen. Und ja, so war es gestern auch. Mir fiel ein großer Stein, der vermutlich das Gewicht Rooneys hatte, vom Herzen. Endlich obsiegte jene Mannschaft, die gewillt war, Fußball zu spielen. Wobei, so streng darf ich mit den Engländern auch wieder nicht sein – immerhin gestalteten sie das Spiel zu Beginn offen und verblüfften mich mit gutem, schnellen Pass-Spiel. Die erste Hälfte, wenn man so will, war nichts für schwache Nerven – vermutlich gingen die Herzinfarkt-Zahlen in den gestrigen Abendstunden sowohl in Italien als auch in England sprunghaft nach oben. Ja, so stellt man sich ein Viertelfinale vor. Endlich!

Mit der Zeit verfielen die Engländer wieder in ihre defensive Zweier-Reihe und ließen die Italiener zu Tode kombinieren. Die Statistik zeigt uns ein entsprechendes Bild: die italienische Elf donnerte rund fünf Mal mehr aufs gegnerische Tor als die englische. Natürlich dürfen wir nicht die Qualität der Chancen außer Acht lassen. Was nutzt es, hundert Mal den Ball übers Tor und in den Zuschauerraum zu befördern? Kaltschnäuzige Gegner mit imposanter Chancenauswertung sind bei spielstärkeren Teams ziemlich gefürchtet – schlag nach bei Griechenland. Da braucht es nicht viele Möglichkeiten.

Dass Italien nicht in der regulären Spielzeit den Sack zumachte und ein Tor erzielte, hätte sich beinahe gerächt. Ein Elfmeterschießen ist ja ein legales Glücksspiel – aber immer noch besser, als das Los zu befragen. Wer es nicht weiß: Ja, so wurde anno dazumal der Gewinner ermittelt. Eine falsche Münzseite oder das kurze Streichholz und schon durfte man mit hängendem Kopf die Heimreise antreten. Heutzutage hingegen wird den Zuschauern eine Verlängerung und ein Elfmeterschießen geboten. Gut möglich, dass es in naher Zukunft extra kosten wird. Analog der Kinobetreiber, die einen Zuschlag bei Überlänge von Kinofilmen verlangen. Ja, der gegenwärtige Fußball ist eine teure Angelegenheit. Mancher der Super-Clubs schwimmt nicht nur in Fußballstars, sondern auch in turmhohen Schulden.

Zurück zum Spiel. Italien hat mir außerordentlich gut gefallen – auch wenn sie in der Verteidigung löchrig wie geriebener Parmesan ist. Was waren das noch für Zeiten, als die italienische Defensive die besten Stürmer zur Verzweiflung  brachte. Maldini? Nesta? Cannavaro? Und wie sie alle hießen. Heute ist ein ehemaliger Außenverteidiger der Abwehrchef – gestern fehlte er verletzungsbedingt, was auch nicht gerade für Stabilität gesorgt hatte. Ich befürchte, um gegen eine deutsche Sommer-Offensive bestehe zu können, werden sich die Herren in den azurblauen Trikots steigern müssen. Oder sie suchen das Heil in der Flucht, pardon, ich wollte sagen: ihr Heil im Angriff. Da sieht es gar nicht mal schlecht aus. Der italienische Arnautovic mit Namen Balotelli glänzt mit vergebenen Chancen. Respekt. Respekt, dass der italienische Coach noch immer große Stücke auf ihn hält. Derweil gäbe es mit Di Natale einen kompletteren Angreifer auf der Ersatzbank. Und daneben würde mir der italienische Hoffer namens Giovionco, der sich dank seiner Größe im Gras verstecken kann, gut gefallen. Mit diesen beiden Offensivgeistern sollte jede Mannschaft zu knacken sein – so sie sich nicht mit Mann und Maus hinten reinstellt und die Schotten dicht macht. Deshalb erlaube ich mir die Prognose, dass das Halbfinalspiel ITA : DEU ziemlich spannend werden wird. Seltsam, dass die Italiener – wie die Franzosen – nach der WM 2006 ihren Kredit gänzlich verprasst haben. Ich sah es schon damals, dass die Routiniers, die „alte Garde“, auf beiden Seiten in die Jahre gekommen waren. Aber in der Euphorie zuckten die Betreuer und die Fans nur mit den Schultern. Ja, Fehler, die man heute nicht korrigiert, fallen einem später umso mehr auf den Schädel oder ins Tor.

Die Engländer? Haha. Was für eine Enttäuschung. Mittelmäßig bis in die kleinste Schuhspitze. Nur ein gewisser Rooney wird immer wieder aufs Podest gehoben. Knapp dahinter Gerrard, der Flankengott und Freistoßspezialist – aber er hinkt seiner Form hinterher. Ganz anders der italienische Mittelfeldregisseur, ein gewisser Pirlo, der zwar in die Jahre gekommen ist, aber eine Präsenz am Feld zeigt, die einem nur erstaunen kann. Er spielt seine Sache schnörkellos und ruhig – das ist man ja von den hitzigen Italienern eigentlich gar nicht gewohnt, nicht? Aber im Fußball ticken die Uhren anders. Vielleicht war es gerade diese Seelen-Ruhe, diese Abgeklärtheit, die die italienische Defensive in der Vergangenheit auszeichnete und zum (unrühmlichen) Weltruhm beisteuerte. Pirlo! Als er den jungen englischen Torhüter Joe Hart vom Elfmeterpunkt verlud, den Ball im Panenka-Stil in die Mitte des Tores schupfte, da musste man ihn einfach ins Herz schließen. Es sah so einfach aus. Dieser Schupfer. Aber wer es nicht im Kopf, nicht im Fuß hat, kann sich dabei nur grässlichst blamieren. Ich warne also vor Nachahmung.

Was wäre es wohl für ein Spiel geworden, hätte Di Rossi in den ersten Minuten nicht die Stange, sondern ins Tor getroffen. Ein sehenswerte Volley. Bumm. Hätte die Kugel eingeschlagen, die Engländer wären wohl in die Offensive gegangen. Ein Schlagabtausch wäre es geworden. So wurde es nur ein halber. Aber immer noch hundert Mal ansehnlicher als alle drei Viertelfinalspiele zusammengenommen.

Sonst? Wer wird also den Pott holen? Portugal? Spanien? Deutschland? Italien? Hm. Gar nicht einfach, die Rechnung ohne Spanien machen zu wollen. Ob Ronaldo und seine Mannen wirklich in der Lage sind, den iberischen Tiki-Taka-Kleinkrieg für sich zu entscheiden, bleibt abzuwarten. Da müssten die Portugiesen bis in die Zehenspitzen motiviert sein – nicht ängstlich und zaudernd auf der Bremse stehen (schlag nach beim Gruppenspiel gegen Deutschland). Natürlich könnte ein gut gespielter Konter von Ronaldo das entscheidende Tor bringen – aber gegen Spanien 90 Minuten zu mauern und zu blocken und zu warten, bis sich eine Chance auftut, also ich weiß nicht. So kann man vielleicht gegen Malaga oder Valencia spielen, aber sicherlich nicht gegen den 1. FC Barcelona im spanischen Team-Trikot. Andererseits, waren es nicht Engländer, die den spanischen Club aus der CL befördert haben? Mit mehr Glück als Verstand, muss man dazu sagen. Ja, das wird Portugal brauchen. Oder einen Drogba.

Also, im Normalfall, wenn die Löw-Truppe nicht Angst vor ihrer eigenen Courage hat, müsste sie das Halbfinalspiel gewinnen können. Die Italiener sind Außenseiter. Aber was für ein Außenseiter! Die Deutsche Elf hätte ihre englischen Kollegen Kiel holen lassen – es wäre für England wieder bitte gelaufen. Besser, sie verlieren gegen Italien knapp und können sich jetzt ein wenig bemitleiden, als wenn sie die Krauts aus dem Stadion geschossen hätten, nicht? So viel steht für mich fest. Und die Italiener? Sie sind gegenwärtig so unscheinbar, das man vergisst, dass sie Spaniern an den Rande einer Niederlage brachten (freilich, es gilt auch umgekehrt) und ihnen ein Unentschieden abtrotzten. Diese Leistung ist nicht von schlechten Eltern. Ich würde mit Italien rechnen. Nicht, weil sie spielerisch mit den anderen mithalten können. Sondern einfach, weil sie mir ans Herz gewachsen sind. Ein sympathischer Underdog. Kroatien hätte es auch sein können, wurde aber dummerweise mit Italien und Spanien in eine Gruppe gelost. Ja, die Europameisterschaft entscheidet sich nicht in den Gruppenspielen oder im Finale, sondern in der Gruppenauslosung. Sì, sì!

EM 2012 – Viertelfinale 3 – SPA : FRA – Merde!

Spanien : Frankreich 2:0

Voilà, damit haben wir das nächste mäßige Viertelfinalspiel gesehen. Alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Jetzt kann nur noch Italien und England für Spannung sorgen. Aber ich sehe es schon vor mir, wie England hinten sicher steht und die Italiener nichts zulassen. Mit anderen Worten: gähn.

Ich möchte gerne etwas Positives zu diesem Spiel und – vor allem – zu Spanien sagen, aber da fällt mir nicht viel ein. Wieder diese Tiki-Taka-Schiefe-Ebene, wieder dieses spanische Kurzpass-Spiel, das einem den Schlaf in die Augen treibt. Und die Franzosen? Ach ja, die gab’s ja auch noch. Hatten sie eine nennenswerte Torchance im ganzen Spiel? Non! Erbärmliche Vorstellung. Da lobe ich mir die Kroaten, die aufopfernd dagegen gehalten und Spanien an den Rand eines Unentschiedens gebracht haben. Die Franzosen dürften scheinbar nichts gelernt haben – oder dachten sich: Mais non, es ist égal, wir verlieren sowieso, wozü laufén, eh? Da hätte auch kein Zidane geholfen. Apropos, er feiert heute seinen 40. Geburtstag  und ist damit um ein paar Jährchen jünger als meine Wenigkeit. Tja. So vergeht die Zeit.

Im Halbfinale bekommen es die Spanier mit Portugal zu tun. Vermutlich sollte ich es andersrum formulieren, aber ich bin dermaßen schläfrig, das mir die Augen zufallen. Sehnsüchtig blickt man auf dramatische Spiele, wo es hin und her wogt, wo Chancen im Minutentakt entstehen, wo beide Mannschaften die Entscheidung suchen. Und ist eine Elf im Rückstand, geben sich diese nicht auf, sondern rackern, kämpfen, spucken, beißen, kratzen. Ja, das wünschte ich mir. Und was bekomme ich? Brühwarme Trainingsspiele. Vielleicht geht die EM erst mit den Halbfinal-Spielen so richtig los. Ich würde es mir freilich wünschen. Bon soir.

EM 2012 – Viertelfinale 2 – DEU : GRC – Gotterdämmerung auf dem Olymp

Deutschland : Griechenland 4 : 2

Was muss sich da in den oberen Etagen der Götterburgen abgespielt haben? Da die griechischen Götter, dort die teutonischen. Als die griechische Nationalelf aus dem Nichts den Ausgleich machte, nickte ich innerlich und schielte gen Himmel. Beinahe war’s mir, als hörte ich Zeus lachen. Genau sechs Minuten hatte der Olymp alles im Griff und sorgte für Spannung. Nicht, weil die griechischen Spieler über sich hinauswuchsen und mit Mann und Maus stürmten. Nein, nein. Sie spielten weiterhin ihr Defensiv-Spiel, das aber so mäßig betrieben wurde, dass man es gleich hätte einstellen können. Die deutschen Kicker hatten kaum Schwierigkeiten, in den Strafraum zu marschieren (Seltsam! Das Wort marschieren und Deutschland lässt so manchen Linksaußen zusammenzucken), besser: die Kreativabteilung dribbelte sich durch die griechische Phalanx, die äußerst durchlässig wirkte. Hin und wieder wollte man schon die UEFA anrufen, weil man der Meinung war, die Griechen würden mit weniger Spieler, die Deutschen mit viel mehr aufgelaufen sein. Frappant, möchte ich sagen, war es, den Deutschen zuzusehen, wie sie Spanien imitierten. Wenn es so weiter geht, in der Löw-Truppe, dann reichen sie bald der Spanischen-Barcelona-Elf das Wasser. Zu mindest in der Körpergröße: Lahm, Özil, Schürrle sind dahingehend durchaus Iniesta, Xavi und Silva ebenbürtig.

Nach sechs Minuten war der Kampf entschieden. Wotan kickte Zeus in den Olymp zurück, wo er und das griechische Volk heute ihr Unglück beweinen. Was muss wohl ein arbeitsloser, hochverschuldeter Familienvater aus Athen gedacht haben, als er gnädige Frau von Merkel vier Mal auf der VIP-Tribüne in Jubelpose sehen durfte? Die Zeit, als Politiker noch Contenance und Diplomatie in den Fingerspitzen hatten, ist ja bekanntlich längst vorbei. Es ist die Amerikanisierung der politischen Sitten, wo das Recht beim Stärkeren liegt und der das auch dem Schwächeren unmissverständlich klar macht. Die Krauts hatten es ja am eigenen Leib erfahren müssen, damals in Nürnberg. Heute sind sie, leider, leider, nur noch ein Anhängsel, made in USA. Wer das nicht glaubt, sollte seine rosaroten Scheuklappen ablegen und ein wenig nachforschen.

Zurück zum Spiel. Wobei, Spiel war es ja auch keines. Analog der gestrigen mäßigen Viertelfinal-Partie, die beide auf einer schiefen Ebene abliefen. Immerhin waren die Griechen torgefährlicher als die Tschechen. Auch schon was. Zwar kamen die Griechen nur selten vor das Tor eines gewissen Neuers, aber wenn, dann stockte jedem deutschen Fan der Atem. Ja, die griechische Nationalelf war nicht deshalb gefürchtet, weil sie so gut spielten, sondern weil sie so gut mit dem Schicksal würfelten. Ein wenig enttäuscht war ich dann aber schon, als ein Eckball der Griechen sang- und klanglos viel zu weit geschlagen wurden. Ein Eckball! Im Jahre 2004 war ein griechischer Eckball so etwas wie eine gute Torchance. Davor zitterten sie alle. Der baumlange Abwehrspieler Dellas war immer für ein Tor gut. Heutzutage haben die Griechen sogar das verlernt. Traurig, traurig.

Also haken wir das Spiel der Griechen ab. Natürlich war das nichts – und noch immer fragt man sich, wie es die Polen schafften, die Götter des Olymp zu wecken. Hätten sie so weitergespielt, wie sie begonnen hätten – druckvoll und mit dem Blick nach vorne, wir würden gestern die Polen gegen die Deutschen kämpfen gesehen haben (Wenn wir mal die alte »es wird zurückgeschossen«-Sachen ruhen lassen, so gab es doch diese berühmt-berüchtigte Wasserschlacht anno 1974 zur WM in Deutschland, in der die polnische Nationalelf am Gastgeberland scheiterte. Vermutlich, weil die Deutschen im Training Wasserball trainiert hatten.)

Die junge Löw-Truppe agierte entsprechend souverän. Bis jetzt wurde sie noch nicht ernsthaft gefordert. Vielleicht die letzte Viertelstunde gegen Portugal, als diese den Rückstand aufzuholen gedachten, da wackelte die teutonische Abwehr schon ein wenig. Aber sonst? Die große Frage: Ist die Mannschaft in der Lage den Pott zu holen? Hm. England und Frankreich würden im Normalfall kein Hindernis darstellen. Anders sieht es freilich mit Portugal aus. Diese sind spielerisch nicht so einfach zu knacken, aber mental haben sie ihre Schwächen. Italien kann spielerisch nicht mithalten, hat aber eine unglaubliche mentale Stärke – noch mehr, wo sie Spanien ihre Grenzen aufgezeigt haben. Ja, Italien ist im Moment nicht zu unterschätzen. Und Spanien? Olé! Man merkt, dass es nicht mehr so rund läuft wie noch vor Jahren. Die Gegnerschaft kratzt am Mythos des Tiki-Taka. Und Kroatien hat vorgezeigt, dass auch eine weit unterlegene Mannschaft durchaus mithalten kann – freilich, Glück wie Hans und Kondition wie Pferd vorausgesetzt.

Also, wenn die Götter aus Asgard auch ihre Späße mit uns Sterblichen treiben (Hm? Eher sieht man sie mit Schwert und Pflug in der Hand, nicht?), dann würden sie die Engländer gegen die Italiener gewinnen lassen. Und schon hätten die Deutsche Nation ihr Endspiel, weil, naja, England ist ja kein würdiger Gegner. Das macht diese natürlich auch wieder gefährlich. Sei’s wie’s sei. Hoffen wir auf bessere Viertelfinal-Spiele. Sind ja nur noch zwei übrig. Mon dieu, heute kommen die Franzosen und die spanischen Räder. Stichwort: Schiefe Ebene. Merde!