richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

EM 2012 Spieltag 1 – RUS : CZK – Prager Frühling

RUSSLAND : TSCHECHIEN 4:1

Eigentlich können wir es kurz machen, erinnert das Spiel doch frappant an den Prager Frühling von 1968 in der damaligen CSSR. Zu aller erst wähnte man die Tschechen im Vorteil. Vielleicht weil man sie immer auf der Rechnung haben musste. Aber diese tschechische Mannschaft, naja, dürfte wohl schon längst ihren Zenith überschritten haben. Vermutlich passierte es bei der EM 2008 als (aha, schon wieder die Türken), als sie sich schon als Sieger sahen, um dann noch in den letzten Minuten nicht nur den Ausgleich, sondern auch den türkischen Führungstreffer zu kassieren. Der Startorhüter Chech patzte damals – und ich befürchte, die vier Jahre, die dazwischen liegen, haben ihn nicht besser gemacht. Aber so ist das. In der Vereinsmannschaft (FC Chelsea) hui, in der Nationalmannschaft pfui (wobei, was hätte er schon gegen die russische Übermacht tun können? Hätten dem russischen Stürmer Kherzakov nicht das Schusspech auf seinen Schuhen geklebt, wär’s für die Tschechen ganz, ganz bitter geworden).

Also? Wie gesagt, wir machen es kurz und bündig. Die Tschechen träumten und die Russen marschierten. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die tschechischen Spieler einen Fußball spielten, den schon die Österreicher vor zehn Jahren ad acta gelegt haben: einfach aufs Geratewohl spielen und laufen und sich gar keine ernsthaften Gedanken über Taktik und Mannschaftsgefüge zu machen. Aber vielleicht waren sie – wie 1968 – überrascht, dass die Russen ernst machten.

Jetzt müsste ich natürlich über das russische Angriffsfuriosum Lobreden halten, aber um ehrlich zu sein, der tschechische Hühnerhaufen war keine große Herausforderung. Eher könnten die Griechen den Russen zeigen, wie man eine Flutwelle ordentlich bricht. Aber weil Fußball nun mal vorrangig im Kopf entschieden wird, also mental, werden wir wohl wieder ein polnisch-russisches Déjà-vu erleben. Ist zwar schon eine Weile her und die Deutschen halfen damals kräftigst mit, aber im nationalen Unterbewusstsein der Polen ist er noch immer präsent, dieser heimtückische Überfall aus dem Osten. Aber wollen wir besser die Kirche im Dorf und die Geschichtsbücher im verstaubten Bücherregal belassen. Sagen wir einfach: Wenn die Russen aufmarschieren, sollten sich die Gegner warm anziehen. Ein Glück, dass Griechenland reich an heroischen Abwehrkämpfen ist. Da reichen dann schon mal nur 300 Recken, um eine Armee für eine Weile aufzuhalten. Dumm, dass Persien nicht bei der EM mitspielt.

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