richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

EM 2012 – Spieltag 2 – DE : POR – Deutsche Unergründlichkeit

Deutschland : Portugal 1:0

»Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen die Deutschen«, heißt es nicht umsonst bei den Fußball-Experten. Gestern wurde diese Weisheit wieder arg strapaziert. Na, wenn es um die Deutschen geht, kann man getrost davon ausgehen, dass jede Fußballer-Weisheit auf sie zutrifft. Zum Beispiel, dass die deutsche Nationalelf eine sogenannte Turniermannschaft sei. Schwach beginnen und im Finale den Pott, pardon, den Pokal, holen. So hätten sie’s natürlich gerne (und mit ihnen die germanischen Fans). Immer geht auch das – gottlob – nicht auf. Okay, ich bin befangen. Als Österreicher hegt und pflegt man den Habsburger Konkurrenzgedanke, der vermutlich in den Zeiten einer Kaiserin Maria-Theresia begonnen haben musste. Da war Preussen ja bekanntlich nur ein kleines Königreich im Norden der deutschen Landen. Wie sollte dieses dem mächtigen Österreich trotzen, ha? Tja. Mit Kartoffeln, eiserner Disziplin und unbedingtem Siegeswillen drehten die Friedrichs dieser Welt diese auf den Kopf. Aber wenn man genauer hinguckt, dann erkennt man, dass auch Glück im Spiel war. Wäre die russische Zarin nicht unerwartet gen Himmel gefahren, hätte ihr Nachfolger nicht Sympathie für die Preussen gehabt, wir würden (vermutlich) in einer anderen Welt leben. Aber genauso könnte man argumentieren, dass die Sache, die fußballerische anders verlaufen wäre, hätte Pepe nicht so genau den Ball an die Innenlatte gezirkelt oder wäre die abgerissene Flanke nicht an die Latte, sondern hinter Neuer ins Tor gefallen. So war es eine abgerissene Flanke (besser: abgefälscht), die Gomez (wer hätte gedacht, dass solch ein Name, neben Özil, Kedhira, Boateng – nach deutscher Gefährlichkeit klingt? Da lobe ich mir Schweinsteiger, Müller, Lahm, Badstuber, Hummels, Neuer, Götze – da weiß man, was einen erwartet, nicht?) auf den Kopf fiel und den Ball ins Tor ablenkte. Zugegeben, das hat er schon ziemlich gut gemacht. Nicht umsonst hat er den FC Bayern auf den zweiten Platz der Bundesliga geschossen. Hm.

Portugal? Die übliche Malaise von zögerlich, zurückhaltend, abwartend. Gut, gut, die Deutschen waren da nicht anders. Bis zum ersten Tor eigentlich eine maue Partie. Wie gesagt, hätte Pepe ins Tor getroffen, wir hätten ein ganz anderes Spiel erlebt – wenigstens in der zweiten Halbzeit. Aber so ging es recht zögerlich weiter. Bis eben jener Gomez ins Tor köpfte. Ärgerlich. Weil es dann doch recht spät war. Hätte der Führungstreffer nicht irgendwann in der 23. Minute fallen können? Dann hätten wir ein munteres Spielchen gesehen. So reduzierte es sich vielleicht auf die letzten 15 Minuten, in denen die Portugiesen begriffen, dass man die Deutschen auch unter Druck setzen konnte, wenn man nur gewillt ist, es zu tun. Hui. Da machte die Deutsche Hintermannschaft Schwimmübungen im eigenen Strafraum. Aber irgendwie war ihnen das chealsesche Bayern-Schicksal erspart geblieben.

Und Christiano Ronaldo? Ja, der spielte auch brav mit und zeigte, warum immer mehr Frauen den Portugiesen die Daumen drücken. Ich frage mich ja, wie die germanischen Damen im Herz ticken? Würden Sie einen Ronaldo von der Bettkante stoßen und sich dafür mit einem, sagen wir, Neuer oder Müller vergnügen? Also, wenn ich es mir recht bedenke, haben die meisten Teutonninen vermutlich solche Schnarchnasen sowieso auf der Bettkante liegen. Aber wollen wir mal nicht so sein. Wer weiß denn schon, wie das Testosteron verteilt ist. Gut möglich, dass ein Müller im Bett den Dampfhammer ausfährt. Vielleicht bewahrheitet es sich auch hier, dass ein Spiel 9 Minuten dauert und am Ende …

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