EM 2012 – Spieltag 4 – UKR : SWE – Pensionsantrag verschoben

Ukraine : Schweden 2:1

Hoppla. Ich gestehe, ich hätte keinen Pfifferling auf den Co-Gastgeber Ukraine gesetzt. Nicht, nach dem sie so klang und sanglos gegen Österreich verloren hat. Zugegeben, es war nur ein Freundschaftsspiel, aber trotzdem zeigte es mir, dass es nicht weit her ist, mit der fußballerischen Qualität, made in Ukraine.

Aber erstens kam es anders und zweitens als der Fußballexperte denkt. Vielleicht waren es auch die Schweden, die ihren Gegner unterschätzten, im Besonderen, als sie das Führungstor machten und weitere Chancen vernebelten. Tja. Was mir an der Ukraine gefiel, das war ihr unbändiger Wille. Sie gaben sich nicht auf, kämpften beherzt und spielten giftig. Das freut den neutralen Beobachter und Fußball-Feinschmecker, der generell zu den Underdogs hält. Ei, am Ende hat’s mich gefreut, dass der gute alte Shevchenko die beiden Treffer zum Sieg beisteuerte. Jener ehemaliger Stürmer, der einmal zu den Besten seiner Zunft gehörte. Aber das ist schon ein Weilchen her. Und wäre er nicht dem Geld gefolgt und in Italien geblieben, er hätte sicherlich noch ein paar Jahre mehr zu den Größten gehört. Aber so wurde er kurzerhand in der englischen Millionärstruppe von Chelsea aufs Abstellgleis geschoben. Gewiss, ein äußerst lukratives.

Vielleicht, wer weiß, startet die Ukraine ihrerseits ihr Sommermärchen. Wenn ich mir da die Engländer und Franzosen so anschaue, dann dürften diese durchaus zu schlagen sein (besser: die Engländer schlagen und sich mit den Franzosen auf ein Unentschieden einigen – dumm, dass ihr nächstes Spiel gegen die Franzosen ist).

Und die Schweden? Na, sie hatten es in der Hand, besser: am Fuß und am Kopf. Und wenn man bedenkt, dass sie in den letzten Minuten noch zwei hochkarätige Chancen vernebelten, dann sind sie wohl selber Schuld, an der Malaise, nicht? Aber ein wenig gab es mir schon zu bedenken, dass die ukrainische Mannschaft es nicht für nötig hielt, gegen Ende des Spiels die Schotten dicht zu machen. Statt sich mit 10 Mann vor dem Strafraum zu postieren, standen sie kreuz und quer am Spielfeld herum und trabten seelenruhig zurück, während die schwedische Garde aufs Tor zustampfte. Vermutlich hat niemand den Spielern der Ukraine erzählt, wie die Schweden in deutschen Landen gewütet hatten und dabei keine Gefangenen machten. Gut, dass ist schon ein Weilchen her, aber trotzdem sollte man die Nordmänner nicht unterschätzen, nur weil sie so hübsch blond und blauäugig sind, nicht?

EM 2012 – Spieltag 4 – ENG – FRA – Tea for two

Frankreich : England 1:1

Natürlich hatte ich (und vermutlich viele andere Fachleute) mir mehr erwartet, von diesem Schlager. Ja, die Vergangenheit spielt im Fußball immer noch eine große Rolle – und wird es auch weiterhin tun. Viele Mannschaften zehren von ihren längst verblichenen Siegesserien. Nehmen wir England, das Mutterland des Fußballs, das Jahrzehntelang de facto unbesiegt war – sei es am Kontinent, sei es auf der Insel. Wenn ich mich recht erinnere, dann war es die Nationalmannschaft eines kleinen Landes, das die englischen Superstars auf der Insel besiegten. Äh, ja, das war Österreich, damals, in den 1920ern/1930ern, als unsereins ein Wunderteam hatten. In den 1950ern gab es ebenfalls ein österreichisches Wunderteam – und während die deutsche Nationalmannschaft ihr Sommermärchen fixierte und Weltmeister wurde, musste sich das Team mit Platz 3 begnügen (oder war es 4?). Ja, so war das damals. Und ich schätze, die Engländer baden genauso in diesen vergangenen Triumphen und Höhenflügen (»Wembley-Tor, irgendwer?«).

Zurück zur Gegenwart. Die Engländer spielten eigentlich recht ordentlich, also schnörkellos und zurückhaltend, immer darauf wartend bzw. hoffend, dass der Ball in den Strafraum gelangt und einem Engländer vor die Füße oder auf den Kopf fällt. So ist es dann auch geschehen. Ein, pardon, Klingone namens Lescott köpfte den Führungstreffer. Aber nicht lange und ein Franzose namens Nasri konnte mit einem beherzten Schuss ausgleichen. Ab diesem Zeitpunkt spielten eigentlich nur noch die Franzosen, aber denen fiel leider auch nicht all zu viel ein, um die englische Infanterie aus ihrer Deckung zu locken. Mit anderen Worten: Ich habe mir mehr erwartet, aber das sagte ich ja schon, nicht? Hoffen wir, dass es mit Rooney besser wird.