EM 2012 – Spieltag 6 – GER : NL – Holländischer Käse, der zum Himmel stinkt

Deutschland : Niederlande 2:1

Meine Güte, was für ein trostloses Fußballspiel. Immer dieser gekünstelte Hype um das eine oder andere Spiel und dann, wenn es los geht, merkt man nichts davon. Jedenfalls nicht am Fußballfeld. Da wird der Ball hin- und hergeschoben, da wird abgewartet, da wird taktiert. Derweil hätte die Niederlande ordentlich Gas geben müssen. Gerade gegen eine erstarkende deutsche Mannschaft. Aber die spielerischen Qualitäten ließen zu wünschen übrig. Im Besonderen in der Defensive. Erinnern wir uns daran, dass noch vor Jahren ein Flügelverteidiger namens van Bronckhorst die linke Seite ordentlich bestürmte. Dass es die Niederländer waren, die das moderne Flügelspiel perfekt beherrschten. Tja. Die Zeiten sind wohl endgültig passé. Was nutzen ein (ego-zentrierter) Robben, ein (ver)spiel-machender Snijder und ein (un)glücklicher van Persie, wenn die Defensivabteilung völlig verblasst. Van Bommel, dieser sonst so emotionsgeladene Sechser (die Position liegt zwischen Verteidigung und Offensives Mittelfeld und soll den Raum für mögliche Angriffe im Zentrum eng machen), von ihm war nichts zu sehen, nichts zu hören, nichts zu spüren. De Jong? Der zweite Sechser! Auch nicht besser. Und die Vierer-Kette? Zum Vergessen.

Wäre ich Niederländer, ich würde weinen. Weil man es scheinbar verabsäumte, rechtzeitig frisches Blut in das Althergebrachte zu pumpen. Ich sagte es schon vor zwei Jahren, als die Niederländer im Finale der WM spielten. Sie hatten mehr Glück als Qualität, so weit zu kommen. Jetzt rächt es sich, immer nur auf die Offensiv-Abteilung vertraut zu haben. Während der Trainer vorne zwischen Huntelaar und van Persie wählen muss, kann er hinten nur nehmen, was einigermaßen robust aussieht, tätowiert ist und laufen kann. Rein theoretisch könnten es die Niederländer sogar noch ins Viertelfinale schaffen – dazu müssten sie »nur« gegen die Portugiesen gewinnen und die Dänen verlieren. Schwupp, schon sind sie dabei. Wir wollen es zwar nicht hoffen, aber es gibt ja bekanntlich nichts tristeres als einer Mannschaft zusehen zu müssen, wie sie sich redlich abbmüht, eine gute Leistung abzurufen, obwohl es ja um nix mehr geht. Es sei denn, die Mannschaft kann einer anderen noch ans Bein pinkeln. Da kommen die Portugiesen vielleicht gerade recht. Legendär das Spiel, besser: Schlacht von Niederlande gegen Portugal bei der WM 2006, als der Schiedsrichter zwölf gelbe und vier gelb-rote Karten austeilte. Das war Emotion auf höchstem Niveau. Noch jetzt habe ich auf meinem PC eine TV-Zusammenfassung dieses Spiels und sehe es mir hin und wieder an.

Und die deutsche Elf? Hat gewonnen. Nicht überragend gespielt. Schnörkellos. Durchaus mit Fehlern im Defensiv-Spiel. Aber Gomez macht Tore, die andere vernebeln. Beinahe unheimlich, wie man solch einen Lauf haben kann. Im nächsten Spiel, da reicht ja schon ein Unentschieden, geht es gegen die Silvesterkracher aus Dänemark. Gut möglich, dass die Nordmänner ein ernsthafterer Test für die Löw-Truppe wird, als es am Papier steht. Vielleicht ist hier auch der Wunsch Vater des Gedanken. Aber die dänische Effizienz ist nicht von schlechten Eltern.

EM 2012 – Spieltag 6 – DEN : POR – Christiano Chancentod

Portugal : Dänemark 3:2

Ja, es war ein durchaus munteres Spielchen, auch wenn man die Emotion auf Seiten der Dänen vermisste. Vermutlich, weil sie wussten, dass mit einer Niederlage noch nichts verloren ist, während die Portugiesen mit dem Rücken zur Wand standen. Bei einer Niederlage wäre es vorbei gewesen, mit den hochtrabenden Träumen eines Viertelfinaleinzug. Trotzdem – oder deshalb – agierten zu Beginn die Portugiesen vorsichtig. Es ist ja immer diese Gradwanderung, zwischen offensiv und defensiv, zwischen vor und zurück, wenn es eigentlich bereits um die Wurscht geht. Immer diese Befürchtung, diese Angst, man könnte ins offene Messer laufen und damit alle Chancen vertun. Andererseits, wer sich vor seiner eigenen Courage fürchtet, sollte erst gar nicht zur EM fahren dürfen. Aber ich weiß ja, dass heutzutage so viel am Spiel steht. Nicht nur die Fußballer-Ehre, nein, auch lukrative Bonuszahlungen und gehypte Medienrummelei stehen da im Vordergrund. Gerade ein Christiano Ronaldo kann davon ein Lied singen, von diesem Druck, der da auf ihn lastet. In Schlagzeilen wird er tagtäglich ermahnt, dass er der beste Spieler des Turniers sei und somit die Verantwortung für das Weiterkommen der portugiesischen Mannschaft trägt. Tja. Was kann ein Spieler schon ausrichten, ha?

Nun, im Spiel hätte es Ronaldo tatsächlich zwei Mal am Fuß gehabt, die Entscheidung herbeizuführen. Man stelle sich vor, dem eingewechselten Stürmer Varela gelingt nicht der (kuriose) Siegestreffer (zuerst tolpatschig den Ball verfehlen, dann sich um die Achse drehen und mustergültig den Ball ins Tor knallen), Ronaldo wäre der Buhmann der Nation gewesen. Aber jetzt mal ehrlich, ein Spieler von seinem Format, von seiner Klasse, war nicht in der Lage, ins Tor zu treffen, als er alleine auf den Tormann zulief. Solche Chancen darf man in einem Spiel, wo es um die Wurscht geht, einfach nicht vergeben. Aber so ist nun mal Fußball. Da ist nichts in Stein gemeißelt. Ja, deshalb lieben wir diesen Sport. Würde alles vorhersehbar sein, wozu noch so ein Spiel austragen?

Die Dänen, wieder einmal, überraschten. Weil sie kaltschnäuzig dagegen hielten. Vielleicht auch, weil sie mehr Glück als spielerische Qualitäten hatten. Aber im letzten und entscheidenden Spiel, wo es diesmal für die Dänen um die Wurscht geht, laufen sie gegen die deutsche Nationalelf auf. Und nur ein Sieg hilft ihnen da weiter – oder, wenn es die Portugiesen aus der Hand geben, ein Unentschieden. Aber wollen wir wirklich glauben, dass die Niederländer die Portugiesen ärgern können? Nach den letzten zwei Spielen zu urteilen, ist die Niederlande am Sande. Hübsches Wortspiel, nicht? Und so passend.

EM 2012 – Spieltag 5 – RUS : POL – Haut von Gans

Russland: Polen 1:1

Meine Herren, das war ein Spiel nach meinem Geschmack. Die Gänsehaut kann es einem da hochjagen. Furioses Spektakel. Freilich, da machten die polnischen Fans im Stadion ordentlich Lärm und Zunder. Ha, das konnte man sogar vor dem TV-Gerät noch spüren. Gott sei’s gedankt, dass die Dramaturgie half, die Stimmung immer am köcheln zu halten. Eigentlich spielten die Polen munter und frisch drauf los, gedachten erst gar nicht, die russische Offensiv-Abteilung ins Spiel zu bringen. Aber schließlich kam es, wie es kommen musste: die Russen machten den Führungstreffer. Ehrlich, ich dachte, dass es die Polen nicht mehr biegen würden können. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

In der zweiten Halbzeit spürte man den polnischen Willen, den Ausgleich zu machen. Angepeitscht von ihren Fans auf den Rängen, drängten sie und gaben sich an keiner Stelle des Spiels auf. Was für eine Erlösung das Ausgleichstor – und was für ein Tor. Der Weitschuss, der da im russischen Gehäuse einschlug, war wahrlich nicht von schlechten Eltern. Muss man gesehen haben, um es zu glauben. Von da an entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch – beide Mannschaften vergaßen ihre taktische Raumaufteilung und liefen mal da hin, mal dort hin, was dem Gegner Räume eröffnete. Ja, erst dann sieht man diese herrlichen Offensiv-Vorstöße, die mit Geschwindigkeit vorgetragen werden und zumeist in eine gefährliche Torchance münden. Einfach herrlich, das zu sehen. Von solchen Spielen gibt es leider zu wenig.

Jetzt bete ich zum Fußballgott, dass er ein Einsehen hat und die beiden Mannschaft aufsteigen lässt. Die Russen müssen diesbezüglich nur gegen die Griechen ein Unentschieden holen. Das sollte zu schaffen sein. Aber Zeus und die Götter des Olymp, die machen sich immer einen Spaß mit den Gegner der griechischen Nationalelf. Schlag nach bei der EM 2004. Und die Polen müssen gegen Tschechien einen Sieg einfahren. Unentschieden ist da zu wenig. Also, ich sehe es vor mir, wie die Polen anrennen und die Tschechen die Tore machen. Tja. Das wäre wahrlich blöd. Aber noch lebt die Hoffnung. Und jetzt mal ehrlich: wenn es die Russen und die Polen gegen solch schwache Gegner nicht schaffen, dann haben sie eigentlich in einer EM-Endrunde nichts verloren!

EM 2012 – Spieltag 5 – GRE : CZK – Wenige Minuten zum Glück

Griechenland : Tschechien 1:2

Machen wir es kurz und bündig: die Tschechen, nach der russischen Packung am ersten Spieltag, waren bemüht, es krachen zu lassen. Die Griechen waren noch nicht mal am Feld, wenigstens geistig, da klingelte es bereits in ihrem Tor. Na gut, sagten sich die Griechen, das war auch so gegen Polen und am Ende hätten wir das Spiel gewinnen müssen. Sie nickten sich aufmunternd zu und bemerkten gar nicht, dass es schon zum zweiten Mal in ihrem Gehäuse einschlug. Tja. Damit war eigentlich die Luft aus dem Spiel – und hätte der Super-Goalie Petr Cech nicht einen peinlichen Fehler gemacht und so das Tor der Griechen ermöglicht, man hätte schon früher das Spiel vergessen können. Aber so gedachte man, eine griechische Schluss-Offensive zu sehen, aber, naja, da kam nicht viel.

Und sonst? Die Tschechen haben es jetzt in der Hand. Berauschend haben sie nicht gespielt. Die Griechen waren von den beiden raschen Treffern so überrascht, dass sie nie ins Spiel fanden. Und mit zwei Toren im Rücken spielt sich sogar der Pensionistenverein Mödling in einen Rausch. Na, so einfach ist es auch nicht, schlag nach bei Portugal, die einen zwei Tore Vorsprung gegen die Dänen wegwarfen. Aber das sollte eigentlich erst am nächsten Spieltag passieren. Wie dem auch sei, ich drücke in der Gruppe den Polen und den Russen die Daumen. Wenn es das Schicksal freilich will, dann könnte es geschehen, dass die Griechen und die Tschechen aufsteigen. Gott bewahre!