richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

EM 2012 – Spieltag 6 – GER : NL – Holländischer Käse, der zum Himmel stinkt

Deutschland : Niederlande 2:1

Meine Güte, was für ein trostloses Fußballspiel. Immer dieser gekünstelte Hype um das eine oder andere Spiel und dann, wenn es los geht, merkt man nichts davon. Jedenfalls nicht am Fußballfeld. Da wird der Ball hin- und hergeschoben, da wird abgewartet, da wird taktiert. Derweil hätte die Niederlande ordentlich Gas geben müssen. Gerade gegen eine erstarkende deutsche Mannschaft. Aber die spielerischen Qualitäten ließen zu wünschen übrig. Im Besonderen in der Defensive. Erinnern wir uns daran, dass noch vor Jahren ein Flügelverteidiger namens van Bronckhorst die linke Seite ordentlich bestürmte. Dass es die Niederländer waren, die das moderne Flügelspiel perfekt beherrschten. Tja. Die Zeiten sind wohl endgültig passé. Was nutzen ein (ego-zentrierter) Robben, ein (ver)spiel-machender Snijder und ein (un)glücklicher van Persie, wenn die Defensivabteilung völlig verblasst. Van Bommel, dieser sonst so emotionsgeladene Sechser (die Position liegt zwischen Verteidigung und Offensives Mittelfeld und soll den Raum für mögliche Angriffe im Zentrum eng machen), von ihm war nichts zu sehen, nichts zu hören, nichts zu spüren. De Jong? Der zweite Sechser! Auch nicht besser. Und die Vierer-Kette? Zum Vergessen.

Wäre ich Niederländer, ich würde weinen. Weil man es scheinbar verabsäumte, rechtzeitig frisches Blut in das Althergebrachte zu pumpen. Ich sagte es schon vor zwei Jahren, als die Niederländer im Finale der WM spielten. Sie hatten mehr Glück als Qualität, so weit zu kommen. Jetzt rächt es sich, immer nur auf die Offensiv-Abteilung vertraut zu haben. Während der Trainer vorne zwischen Huntelaar und van Persie wählen muss, kann er hinten nur nehmen, was einigermaßen robust aussieht, tätowiert ist und laufen kann. Rein theoretisch könnten es die Niederländer sogar noch ins Viertelfinale schaffen – dazu müssten sie »nur« gegen die Portugiesen gewinnen und die Dänen verlieren. Schwupp, schon sind sie dabei. Wir wollen es zwar nicht hoffen, aber es gibt ja bekanntlich nichts tristeres als einer Mannschaft zusehen zu müssen, wie sie sich redlich abbmüht, eine gute Leistung abzurufen, obwohl es ja um nix mehr geht. Es sei denn, die Mannschaft kann einer anderen noch ans Bein pinkeln. Da kommen die Portugiesen vielleicht gerade recht. Legendär das Spiel, besser: Schlacht von Niederlande gegen Portugal bei der WM 2006, als der Schiedsrichter zwölf gelbe und vier gelb-rote Karten austeilte. Das war Emotion auf höchstem Niveau. Noch jetzt habe ich auf meinem PC eine TV-Zusammenfassung dieses Spiels und sehe es mir hin und wieder an.

Und die deutsche Elf? Hat gewonnen. Nicht überragend gespielt. Schnörkellos. Durchaus mit Fehlern im Defensiv-Spiel. Aber Gomez macht Tore, die andere vernebeln. Beinahe unheimlich, wie man solch einen Lauf haben kann. Im nächsten Spiel, da reicht ja schon ein Unentschieden, geht es gegen die Silvesterkracher aus Dänemark. Gut möglich, dass die Nordmänner ein ernsthafterer Test für die Löw-Truppe wird, als es am Papier steht. Vielleicht ist hier auch der Wunsch Vater des Gedanken. Aber die dänische Effizienz ist nicht von schlechten Eltern.

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