EM 2012 – Spieltag 7 – SPA : IRL – eine spanische Ballettaufführung

Spanien : Irland 4:0

Hm. Was mache ich nur mit den Spaniern? Ja, ja, sie spielen einen »Zauberfußball«, dessen Magie an den Zauberer von Oz erinnert: zum Gähnen. Freilich, wäre ich Spanier, würde ich mit der Zunge schnalzen und mit von Stolz geschwellter Brust vom Titel, von allen Titeln dieser Welt träumen. Aber weil ich nun mal kein Spanier bin, sondern ein neutraler Beobachter, wünsche ich mir ein Fußballspiel nach althergebrachtem Muster. Aber scheinbar ist das nicht mehr möglich. Nicht mit Spanien. Bitte machen Sie nicht den Fehler, dieses Kurzpassspiel als Offensiv-Fußball anzupreisen. Wenn sieben oder acht Spanier um und im gegnerischen Strafraum herumtricksen, dann hat es mehr mit einem Trainingsspiel als einem Pflichtspiel zu tun. Gewiss, die Iren gedachten durch eine Defensiv-Taktik den Spaniern den Nerv zu ziehen. Dumm, dass bereits nach wenigen Minuten Torres (aha, ein gelernter Stürmer) den Ball ins irische Tor knallte. Von diesem Zeitpunkt an war jede Spannung wie weggeblasen. Die Spanier wurden noch sicherer und entspannter, die Iren unsicherer und unentspannter. Tja.

In der zweiten Halbzeit gab es – immerhin, immerhin – einen gefährlichen Schuss der Iren aufs Gehäuse von Casillas. Punkt. Mehr war von den Iren nicht zu bekommen. Die Tore der Spanier natürlich fein herausgespielt, erstklassig verwertet. Wobei, es mag keine große Kunst gewesen sein, sieht man sich die behäbigen Nordmänner an, die sogar ihre raue Art auf der Insel zurückließen. Von einem aufopfernden Kampfeswillen war da nichts zu spüren. Vermutlich wollten sie nicht die Buhmänner der Fußballwelt werden, hätten sie den einen oder anderen Spanier unsanft daran erinnert, dass auf dem Platz Männer, keine Weicheier stehen.

Eine passende Analogie hätte ich auch noch im Ärmel: Sie freuen sich auf ein ordentliches Fußballspiel, gehen mit Freunden ins Stadion, trinken Bier, rülpsen, stänkern, schreien und dann, dann sehen sie eine spanische Ballett-Aufführung. Bravo. Könnte man sagen, dass dieses Tiki-Taka den Fußball verweichlicht, diesen sozusagen feminisiert? Moment! Ich habe vor einem Jahr ein paar Spiele der Frauenfußball WM beobachtet und darf sagen, dass es dort einige super spannende Spiele gab, die das Herz eines Fußballfans höher schlagen ließen. Ja, ja.

Mein Vorschlag zur Güte: die spanische Nationalelf bekommt ein Engagement in der Wiener Staatsoper. Primaballerina Iniesta (oder doch Xavi?) wird sich freuen.

EM 2012 – Spieltag 7 – ITA : CRO – alte Zeiten, neue Zeiten

Italien : Kroatien 1:1

Ja, die Italiener hatten alles im Griff. Eigentlich. Aber es fehlte ein wenig der Nachdruck. In der ersten Hälfte, da war Kroatien bemüht, diese italienische Taktik mit einer 3er Kette in der Verteidigung und zweier Flügelverteidiger, die sich bei Ballbesitz zu Mittelfeldspieler verwandeln, zu verstehen. In der zweiten Halbzeit schien dann das italienische Pulver verschossen, wobei, wenn ich mich recht entsinne, vergaben die Italiener dann doch ein paar Chancen. Alles in allem eine muntere Partie. Jetzt kommt es für die Kroaten darauf an, gegen Spanien zu bestehen. Vermutlich wäre ein Sieg gegen die Italiener einfacher gewesen, wenn sie es darauf angelegt hätten und damit der Einzug ins Viertelfinale. Aber bei aller Sympathie für die Kroaten, ihre spielerischen Qualitäten sind nicht mehr auf Top-Niveau. Aber die Einstellung, ja, die Einstellung dürfte stimmen. Auch schon was, nicht?

Für die Italiener heißt es jetzt die Schuss-Stiefel schnüren. Weil nur ein hoher Sieg mit 3 Toren gegen die Iren einen sicheren Aufstieg bedeuten. Freilich, wenn Spanien die Kroaten aus dem Stadion kurzpassspielt, sprich, besiegt, dann reicht den Italienern auch schon mal ein Unentschieden. Also, ich für meinen Teil, ich sehe bereits ein giftiges Angriffsfuriosum der italienischen Nationalelf im nächsten Spiel. Die Kroaten werden sich vor ihrem nächsten Spiel gegen die Spanier sicherlich Tabletten gegen Seekrankheit einwerfen, um nicht schwindlig gespielt zu werden. Ja, man wünschte sich die Kroaten einfach besser, stärker. Tja, ihr Zenit scheint längst überschritten. Vermutlich geschah es in jenem denkwürdigen Spiel, EM 2008, als sie ein gewonnenes in allerletzter Minute aus der Hand gaben. Dieser Treffer, diese plötzliche Niederlage, sozusagen unter der Gürtellinie, musste einfach Folgen haben. Und diese Folgen spüren die Kroaten noch heute. Leider.

Die Italiener wiederum, sie erinnern bereits ein wenig an alte Zeiten, als man mit ihnen rechnen musste, auch wenn ihre Taktik zum Einschlafen war: hinten absichern, vorne hoffen. Heute ist es eher: hinten hoffen, vorne loslegen.