richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

EM 2012 – Spieltag 7 – SPA : IRL – eine spanische Ballettaufführung

Spanien : Irland 4:0

Hm. Was mache ich nur mit den Spaniern? Ja, ja, sie spielen einen »Zauberfußball«, dessen Magie an den Zauberer von Oz erinnert: zum Gähnen. Freilich, wäre ich Spanier, würde ich mit der Zunge schnalzen und mit von Stolz geschwellter Brust vom Titel, von allen Titeln dieser Welt träumen. Aber weil ich nun mal kein Spanier bin, sondern ein neutraler Beobachter, wünsche ich mir ein Fußballspiel nach althergebrachtem Muster. Aber scheinbar ist das nicht mehr möglich. Nicht mit Spanien. Bitte machen Sie nicht den Fehler, dieses Kurzpassspiel als Offensiv-Fußball anzupreisen. Wenn sieben oder acht Spanier um und im gegnerischen Strafraum herumtricksen, dann hat es mehr mit einem Trainingsspiel als einem Pflichtspiel zu tun. Gewiss, die Iren gedachten durch eine Defensiv-Taktik den Spaniern den Nerv zu ziehen. Dumm, dass bereits nach wenigen Minuten Torres (aha, ein gelernter Stürmer) den Ball ins irische Tor knallte. Von diesem Zeitpunkt an war jede Spannung wie weggeblasen. Die Spanier wurden noch sicherer und entspannter, die Iren unsicherer und unentspannter. Tja.

In der zweiten Halbzeit gab es – immerhin, immerhin – einen gefährlichen Schuss der Iren aufs Gehäuse von Casillas. Punkt. Mehr war von den Iren nicht zu bekommen. Die Tore der Spanier natürlich fein herausgespielt, erstklassig verwertet. Wobei, es mag keine große Kunst gewesen sein, sieht man sich die behäbigen Nordmänner an, die sogar ihre raue Art auf der Insel zurückließen. Von einem aufopfernden Kampfeswillen war da nichts zu spüren. Vermutlich wollten sie nicht die Buhmänner der Fußballwelt werden, hätten sie den einen oder anderen Spanier unsanft daran erinnert, dass auf dem Platz Männer, keine Weicheier stehen.

Eine passende Analogie hätte ich auch noch im Ärmel: Sie freuen sich auf ein ordentliches Fußballspiel, gehen mit Freunden ins Stadion, trinken Bier, rülpsen, stänkern, schreien und dann, dann sehen sie eine spanische Ballett-Aufführung. Bravo. Könnte man sagen, dass dieses Tiki-Taka den Fußball verweichlicht, diesen sozusagen feminisiert? Moment! Ich habe vor einem Jahr ein paar Spiele der Frauenfußball WM beobachtet und darf sagen, dass es dort einige super spannende Spiele gab, die das Herz eines Fußballfans höher schlagen ließen. Ja, ja.

Mein Vorschlag zur Güte: die spanische Nationalelf bekommt ein Engagement in der Wiener Staatsoper. Primaballerina Iniesta (oder doch Xavi?) wird sich freuen.

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