richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

EM 2012 – Spieltag 10 – DEU : DNK und POR : NL – Revolution abgesagt

Deutschland : Dänemark 2:1           Portugal : Niederlande 2:1

Also gut. Es gab keine Überraschungen. Wobei, es dauerte ein Weilchen, bis die Sache für Deutschland und Portugal in trockene Tücher lag. Wenigstens, so viel steht fest, sind die beiden besseren Mannschaft in der Gruppe B aufgestiegen. Das ist ja nicht immer so – schlag nach bei Gruppe A.

Die Dänen sind ein ähnliches Faszinosum wie die Griechen. Hängt es damit zusammen, dass beide als Underdog eine Europameisterschaft für sich entscheiden konnten? Freilich, im Gegensatz zu den Griechen scheiterten die Dänen am Ende doch. Aber sie zogen sich recht anständig aus der, man könnte sagen: aussichtslosen Affäre und machten das Spiel gegen Deutschland noch spannend. Erst als der neue Mann, ein gewisser Bender (für den gesperrten Boateng aufgelaufen), den Konter vortrefflich abschloss, war die Sache gegessen. Dabei wäre der Stanglpass gar nicht für ihn gewesen. Hier sieht man wieder, wie wichtig es ist, wenn der Außenverteidiger nicht nur Mut und Entschlossenheit, sondern auch eine Lunge wie ein Pferd hat. Immerhin darf er die ganzen 90 Minuten rauf und runter laufen – so er gewillt ist, den Ball offensiv in die gegnerische Hälfte zu bringen. Deshalb sehe man sich bei der Aufstellung einer Mannschaft die Außenverteidiger an. Bei den Niederlanden konnte man gut erkennen, dass die zwei Spieler – einmal rechts, einmal links – nicht gerade zu den Auserwählten gehören. Kein Wunder also, wenn bei den Holländern irgendwie der Wurm drinnen steckt. Davon später mehr.

Bleiben wir bei den Deutschen, deren Spiel ich gestern livehaftig gesehen habe, während das der Portugiesen und Niederländer nur Ausschnittsweise zu bewundern war. Dass der ARD/ZDF beide Spiele live überträgt ist natürlich eine feine Sache, da man – je nach Spannungsgrad – hin und her springen kann. Welch Zufall, als in der gestrigen Fußballrunde auf das Portugalspiel gewechselt wurde und – schwupp – Ronaldo unnachahmlich nach vor sprintete und den – erlösenden – Führungstreffer machte. Das war in der 74. Minute. Damit hätte Deutschland, trotz zweier Siege, noch nach Hause fahren müssen, wäre den Dänen der Sieg gelungen. Wäre einer ihrer (wenigen) Schüsse nicht um Zentimeter am Tor vorbeigestrichen, hui, es hätte ein deutsches Tränenmeer gegeben. Na, spielerisch konnten die Dänen mit den Deutschen sowieso nicht mithalten. Was mich am meisten verblüffte, das war die dänische Abwehr, die Hühnerstall-Charakter hatte. Gerade in den Anfangsminuten, als man die Deutschen in den Strafraum kombinieren ließ und so Gomez und Müller die unglaublichsten Chancen auf den Fuß legte, die diese aber – ungeschickt – nicht zu nutzen wussten.

Im nächsten Spiel bekommen es die Deutschen mit den Griechen zu tun, die ähnliche Tugenden wie die Dänen aufweisen (immer für ein Tor gut), mit der Ausnahme einer löchrigen Abwehr (zugegeben, in den ersten beiden Spielen war sie in den Anfangsminuten zumeist indisponiert). Ich gehe davon aus, dass es ein eher verhaltenes, verkrampftes Spiel sein wird. Die Griechen, bestrebt das Spiel der Deutschen zu zerstören und in der Defensive nichts anbrennen zu lassen, werden auf ihre Chance im Konter und bei Standardsituationen warten. Die Deutschen, auch nicht blöd, werden aus einer gesicherten Abwehr spielen. Trainer Löw (ja, er trainierte einst den FC Tirol und die Wiener Austria!) hat den Mut nicht mit dem Löffel gefressen, wie man so schön sagt und wird wieder mit dem defensiveren Boateng, an Stelle von Lars Bender beginnen und diesen erst dann bringen, wenn die Kacke am Dampfen ist.

Die Portugiesen sind meines Erachtens zu recht aufgestiegen. Sie haben zwar gegen die Deutschen verloren, aber es war unglücklich und knapp. Den Portugiesen fehlt zumeist das letzte Quentchen Wille. Gegen die deutsche Nationalelf wurden sie erst munter, als sie den Treffer kassierten. Christiano Ronaldo konnte das Glück zwingen und avancierte gegen die Niederländer zum Matchwinner. Im nächsten Spiel, gegen mittelmäßige Tschechen, dürfte er wieder Gelegenheit bekommen, sich in Szene zu setzen. Es müsste schon mit dem tschechischen Teufel zugehen, sollten die Portugiesen scheitern. Wenn also alles nach Plan läuft, dann sehen wir eine dampfende portugiesische Nationalmannschaft, die sich – endlich, endlich – an den Deutschen revanchieren möchte. Da würde es mich nicht wundern, wenn sie in das teutonische Messer laufen. Aber lassen wir die Pferde besser noch im Stall.

Zu guter Letzt muss man sich natürlich über die Oranjes Gedanken machen. Schon 2010, als sie im WM Finale standen, war ich von ihrer Spielweise entsetzt. Hätte man meine damaligen Blog-Beiträge gelesen, vielleicht hätte man ein System gewählt, in der die neuen Spieler auch hineinpassen (O-Ton: »Weil sie ein Haufen von zusammengewürfelten Einzelspieler sind, die durch Einzelaktionen – Sneijders Weitschüssen sei Dank – den Sieg davontrugen.«) Tja. Warum die Niederlande vor zwei Jahren ins Finale kam, hatte damit zu tun, dass sie zumeist das glücklichere Ende für sich verbuchen konnten. Aber vorrangig war es ihre harte, destruktive Spielweise, die man ihnen zwischenzeitlich abgewöhnt hatte. Kein Wunder, dass ein sonst so heißblütiger Mark van Bommel absolut emotionslos auf dem Spielfeld dahintrabte – für mich ein sicheres Zeichen, dass es an der Zeit ist, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

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