Reichtum und Schmutz, anno 2012

Je größer der Reichtum, desto größer der Schmutz.
John K. Galbraith

Heute Morgen in die Augenambulanz der Barmherzigen Brüder im 2. Wiener Gemeindebezirk gefahren. Nichts allzu Schlimmes, nur eine Infektion, die aber doch unangenehm zwickte. Ich wusste schon was folgen würde und so war es auch. Die (hübsche und junge) Augenärztin verschrieb mir Augentropfen und entließ mich. Während ich die rund 1 Stunde zuwartete, aufgerufen zu werden, las ich in Galbraiths Gesellschaft im Überfluss aus dem Jahr 1957. Wenn man seine langen und breiten Ausführungen zur Seite schiebt, dann kristallisieren sich Fragen heraus, die wir in den letzten 50 Jahren verabsäumt haben, zu beantworten. Galbraith sah den amerikanischen Wirtschaftsaufschwung mit Sorge. Weil die (damalige) herrschende Obrigkeit ihr Hauptaugenmerk auf den (privaten) Produktionszuwachs legte und dabei die (öffentlichen) Aufgaben vernachlässigte. Auf den Punkt gebracht: neue Automodelle, die sich nur noch im Design unterscheiden, werden dem potenziellen Konsumenten unter viel Getöse aufgeschwatzt, während die Straßen, Schulen und Gärten vernachlässigt werden, weil dafür kein Geld vorhanden ist. Am beeindruckensten seine über viele Zeilen gehende – zynisch-ironische – Gegenwarts- und Zukunftsdeutung eines Familienausflugs:

»Die Familie, die ihr lilakirschrotes, automatisch geschaltetes, automatisch gebremstes, mit raffinierter Luftheizung und -kühlung ausgestattes Auto aus der Garage holt, um einen Ausflug zu machen, fährt durch Orte mit schlecht gepflasteten und ungereinigten Straßen, verfallenen Häusern, scheußlichen Reklameschildern und Hochspannungs- und Telegrafenmasten, deren Leitungen man längst schon unter die Erde hätte verlegen müssen. […] Unsere Familie genießt am Ufer eines verdreckten Flusses die köstlichen Konserven […] entschlummert unter dem Dach ihres Nylonzeltes, umgeben von dem Gestank faulender Abfälle […]« [entnommen: John K. Galbraith, Gesellschaft im Überfluss, Droemersche Verlagsanstalt, München, 1959]

Natürlich können wir in Europa – vorrangig auf der Insel der Seligen – davon ausgehen, dass die Angelegenheit, dank Sozialpartnerschaft und Sozialismus nicht auf die schiefe (sprich: profit-orientierte) Bahn geriet. Aber ich befürchte, wie man an Griechenland und Italien gut sehen kann, die (sozialistische) Watte ist aufgebraucht – von nun an ist es der technokratisches Terror, der über die Welt hereinbricht und sich seinen Weg bahnt. Wenn es keine Zeitungsente ist, dann soll Rom bereits daran denken, altehrwürdige und geschichtsträchtige Bauten, wie das Kolosseum, privatwirtschaftlich auszuschlachten. Unter der Hand werden ja sowieso bereits in Gemeindebesitz stehende Objekte verkauft und zurückgepachtet (Lease back). Ja, was soll man sonst tun, heißt es achselzuckend, wenn das Geld fehlt. Ja, Geld scheint immer zu fehlen. Ist das Wirtschaftssystem, das wir uns ausgesucht haben, auch nicht besser, als jenes, das 1989 im Osten dieser Welt zu den Akten gelegt wurde? Es steht zu befürchten.

Galbraith sah bereits in den 1950ern dunkle Wolken am Horizont aufziehen. Das soziale Gleichgewicht lag ihm am Herzen. Mit anderen Worten: Wenn der Fokus hauptsächlich auf privatwirtschaftlich orientierter Produktion liegt (Wirtschaftswachstum!) und die öffentlichen Einrichtungen verknappt werden, dann leben wir zwar in einem materiellen Überfluss, aber die breite Masse degeneriert ungesund und unmotiviert dahin. Gut, vielleicht ist das auch in Ordnung für eine elitäre Obrigkeit, die sich mit dem Pöbel nicht befassen will. Apropos. Als ich heute Früh in der U-Bahn stand, da musste ich bemerken, dass viele der Fahrgäste mit ihrer Nase in der Gratiszeitung steckten. Tja. Auch so kann man das kulturelle und geistige Niveau einer Bevölkerung auf lange Sicht senken. Diesbezüglich kann ich nur Günter Wallraffs Zeugen der Anklage empfehlen, der zeigt, wie das deutsche Boulevardblatt BILD Nachrichten macht – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Dass die österreichische Kronen Zeitung erwischt wurde, ein ge-photoshoptes Foto zu veröffentlichen, um Öl ins syrische Feuer zu gießen, zeigt, wo die Presse gegenwärtig steht.

Übrigens, laut einer Studie besitzen rund 92.ooo Privatpersonen ein (vermutlich unversteuertes) Vermögen von etwa 8 Billionen Euro, geparkt auf anonymen Konten in der Schweiz, den Cayman Inseln usw. Die unversteuerten Beiträge machen zwischen 15 und 26 Billionen Euro aus. Nur für den Fall, dass Sie meinen, es ginge alles mit rechten Dingen zu, in der Welt der seriösen Anzugträger. Ja, vielleicht war es wirklich längst an der Zeit, mit meinem Con$piracy Buch ein Statement abzugeben. Immerhin, ich habe eines abgegeben. Dabei sein ist bekanntlich alles, nicht?

P.S.: Wenn Sie sich jetzt sagen, dass alles nicht so schlimm wäre, weil Sie den Schmutz nicht sehen können, der von all dem Überfluss herrühren soll, dann würde ich sagen, dass es damit zu tun hat, dass wir die schmutzig-gefährlichen Produktionsstätten ausgelagert haben. Globalisierung heißt das Zauberwort. Sieht man sich in China, Indien, Pakistan, Malaysia, Vietnam und so weiter um, dann könnte einem richtig gehend kohlenschwarz vor Augen und übel vor Gestank werden. Freilich, das ist weit weg und geht uns nichts an. Ich weiß.

Nach der Überarbeitung ist vor der Überarbeitung

Gestern endlich die 3. Überarbeitung zum Sachbuch Con$piracy zu einem Abschluss gebracht. Vieles, was ich in der 2. Überarbeitung kurzerhand hinauswarf, wurde nun wieder eingearbeitet, anderes mit gutem Gewissen gelöscht. Im Moment sieht die Struktur recht brauchbar aus, scheint der rote Faden endlich gefunden, wenngleich ich das Buch im Subtitel als »Mosaik« kennzeichnen werde. Weil man korrupte Machenschaften – unter einem verschwörungstheoretischen Gesichtspunkt betrachtet – niemals erschöpfend analysieren wird können Trotzdem glaube ich, den richtigen Weg eingeschlagen und die Indizien sorgfältig abgewogen zu haben. Aber nur die Zukunft wird zeigen, ob man einigermaßen richtig gelegen ist.

Ansonsten wieder bemerkt, wie asozial so ein Schriftstellerleben sein kann. Im Besonderen, wenn man in den Text hinabtaucht und für lange Zeit nicht an die Oberfläche kommen möchte. Jede äußere Störung möchte vermieden werden und man setzt alles daran, dass diese auch vermieden wird. Wer sich also zum Schreiberling berufen fühlt, der sollte in erster Linie Ausdauer, Sitzfleisch und ein dickes Fell haben. Ob seine kreativen Ergüsse das Herz (und den Geldbeutel) der Leserschaft öffnen, mag nicht in erster Linie von der Qualität seiner Arbeit abhängen. Es verhält sich nicht anders, als würde man im Lotto spielen und Nummern ankreuzen. Wie man die Nummern ermittelt hat, spielt am Ende keine Rolle. Die Wahrscheinlichkeit ist es, die den Gewinner wählt.

Das wollte ich gesagt haben. Jetzt werde ich mir eine türkische Sachertorte gönnen. Ja, ja.

Die Phantasie der Frau und ihre revolutionären Grauschattierungen

Vor einer Woche wusste man nicht, wie man der subtropischen Hitze entfliehen sollte. Und jetzt? Bitterkalt. Gräulich. Wolkig. Verhangen. Beinahe wünschte man sich in die Tage des Sommers zurück. Andererseits, würde die Sonne ihren Job machen, ich könnte unmöglich um diese Uhrzeit hier, am Schreibtisch sitzen, und diese Zeilen schreiben. Die Helligkeit im Zimmer (Ostseite!) würde mich blenden. Und mit einer kühlen Sonnenbrille schreibt es sich auch nicht besser. So viel einmal dazu.

Am 14. Juli, dem Nationalfeiertag der Franzosen, muss ich auf meine Tiret-Saga hinweisen. Als ich vor 5 Jahren den ersten schmalen Band schrieb, da war es nur ein vages Gefühl, dass die Vergangenheit von 1789 in die Gegenwart um 2012 hineinspielen würde. Langsam sickert es aber ins allgemeine Bewusstsein, dass wir, das gewöhnliche Volk, drauf und dran sind, eine unsichtbare Obrigkeit herauszufordern. Hier ein Artikel des alternativen Magazins alternet, das Vergleiche zwischen 1789 und den gegenwärtigen Occupy-Aktionen zieht: What the French Revolution Tells Us About Today’s Activist Movements (link). Der dritte Band Madeleine und sein Crowd-Funding-Modell Club der 99 blieb auf halber Strecke liegen und sollte hinlänglich beweisen, dass von nichts auch nichts kommen kann. Ich hätte hundert Mal mehr einbringen, sprich: aufdringlicher, selbstbewusster, erfolgreicher agieren müssen. Aber das wollte ich tunlichst vermeiden. Ich wollte sehen, wohin eine einmal angestoßene Kugel rollt. Ja, nicht allzu weit. Deshalb werde ich im Herbst das Buch endlich in gedruckter Form der Öffentlichkeit vorstellen. Vielleicht schon September.

Ebenfalls im Herbst sollte Der Fetisch des Erik van der Rohe präsentiert werden. Nach 9 Jahren geht die autobiographische Fiktion in Druck. E-Book wird es keines geben. Aus Gründen. Aus Prinzip. Dass das Thema, der Inhalt, die Umsetzung durchaus Potenzial hat, zeigen zwei Bücher. Das eine ist Glattauers Gut gegen Nordwind Mega-Erfolg, wo es eigentlich nur um die Annäherung zwischen Mann und Frau mittels E-Mail-Schreiberei geht (früher hieß das: Briefroman). Das andere ist der gehypte US Bestseller Fifty Shades of Grey, in der die übliche Romanze abgehandelt wird, wie frau es schon seit Jahr und Tag gerne liest: junges, attraktives und vor allem naives (sprich: jungfräuliches!) Mädchen (nennen wir sie Aschenputtel) lernt einen um viele Jahre älteren (und wohl ausgestatteten) Herrn kennen (nennen wir ihn Prinz), der sie nach Strich und Faden in den Bann zieht. Das junge Mädchen liebt, der sonore Herr verfällt. So ist das. Nichts Neues am romantischen Herz-Schmerz-Himmel. Neu ist vielleicht der Umstand, dass im besagten Buch nun BDSM-Ansätze zu finden sind: da wird das junge Ding verhandschellt und gezüchtigt – natürlich in ihrem vollen Einverständnis (das muss natürlich so sein! – der gute Marquis de Sade sah es ein wenig anders, aber das ist eine ganz andere Geschichte – auch wenn er die Bastille von innen sah). Und dieser Umstand (eigentlich auch nicht neu) dürfte gegenwärtig einen Nerv getroffen haben – vor allem bei Frauen. Vielleicht wird mit dieser Fifty Shades of Grey-Trilogie (gewiss, im dritten Band wird natürlich geheiratet) die weibliche Unterwerfungs-Phantasie salonfähig. Bis dato hieß es ja, dass es nur einem männlichen Wunschgedanken entspringen könne, diese sadistischen Anwandlungen gegenüber (reinen, unschuldigen) Frauen. Dass Frauen vielleicht so unschuldig nicht sind, in Bezug auf sexuelle (sadomasochistische) Phantasien, nun ja, diesen Umstand sollte man tunlichst in Betracht ziehen. In meiner autobiographischen Fiktion wird davon zu lesen sein. Mit anderen Wort: Ich bin am Puls der (literarischen) Zeit. Noch mehr, wenn man diese Abhandlung liest, wo es darum geht, dass Kapitalismus und Sadismus nicht von ungefähr Hand in Hand  gehen (der Prinz im besagten US Bestseller ist übrigens ein milliardenschwerer Unternehmer, vulgo Tycoon). Auch hier kann ich mit einem passenden Text dienen, arbeite ich doch gerade an einem Sachbuch über die Welt und was sie zusammenhält: Con$piracy.

Das klingt alles natürlich ausgezeichnet. Jetzt muss ich nur noch diese Informationen in die Welt posaunen. Social Media sei Dank, ist es im Bereich des Möglichen. Hoppla. Dahingehend bin ich auf Sparflamme gegangen. Sieht so aus, als würde ich im Herbst wieder ordentlich nachlegen müssen. Hat jemand Zunder?

Die Eckpfeiler der Gesellschaft oder Konspiratives am Vormittag

Die letzten Tage also – manchmal mehr, manchmal weniger – am Sachbuch Con$piracy gearbeitet. Ein neuer Ansatz. Der dritte. Alle guten Dinge, wie wir wissen, sind drei. Warum mühe ich mich dermaßen ab? Woran liegt es? Vielleicht, weil das Thema so ausufernd und breit ist, dass man es zwar fassen, aber nicht festhalten kann. Man beginnt hier, im Wiener Zuhause und findet sich hundert Seiten später in einem fernen Land wie Guatemala wieder. Wie jeder Kritiker – zu recht – die Nase rümpft, wenn er sieht, wie ich ahnungslos von einem historischen Ereignis zum nächsten stolpere – immer mit erhobenem Zeigefinger und dem Glauben, der Wahrheit am nächsten zu sein. Gewiss, ein lächerlicher Gedanke. Besser, jedenfalls verkaufsfördernder, man würde den ewig gleichen Kalauer wiederholen. Aber wenn ich eines auf den Tod nicht ausstehen kann, dann ist es, bereits gegangene Wege ein weiteres Mal gehen zu müssen.

Gut. Ein neuer Zugang also. Die Einführung geschrieben. Diesmal gleich in medias res gegangen und nicht lang und breit um den heißen Brei schwadroniert. So gehört sich das. Das nächste Kapitel über die Entwicklung des Geld- und Finanzadels und deren Einfluss ist stimmig und richtig. Die „Lösung“ (was soll eigentlich gelöst werden?) für die globale Misere fand ich in der Abschaffung des Geldes. Das klingt einfach, logisch und zwingend. Freilich, nicht durchführbar, ich weiß. Trotzdem muss es als Gedankenexperiment gedacht werden. Unbedingt. Aber bitteschön ernsthaft. Die lapidare Feststellung, dass die Gesellschaft dann wieder zum Tauschhandel degenerieren muss, lasse ich so nicht gelten. Im Übrigen, falls Sie es nicht wissen, gab es schon vor rund 5000 Jahren – ein „Geldsystem“, welches auf tönernen Schuldtafeln beruhte. Ja, so ist Geld (und vermutlich die Sprache) entstanden. Weil einer zu wenig hatte, es sich borgte und versprach, es später zurückzuzahlen. Mit einem entsprechenden Aufschlag. Wenn nun eine dieser tönernen Schuldtafeln als „Bezahlung“ einer fremden Leistung bzw. eines anderen Gutes verwendet wurde, dann, voilà, haben wir Geld. Vor 5000 Jahren hat sich vermutlich kaum jemand den Kopf darüber zerbrochen. Man hat getan, was die Logik und der Menschenverstand vorgaben. Heute sieht es dahingehend ja recht düster aus. Denn die Überlegung, die Sie nun anstellen müssten, wäre, dass Geld nicht durch eine hübsche Fee in die Welt geworfen wird. Die Druckerpresse, ja, die druckt die Scheine (wobei Barmittel sowieso nur noch einen Bruchteil des umlaufenden Geldes ausmacht – oder sind Sie der Meinung, dass Bauherren mit großen Geldkoffern herumlaufen?). Also? Wer bekommt die druckfrischen Scheine?

Zurück zur Gegenwart. Heute Morgen, noch am Küchentisch, habe ich versucht, die Eckpfeiler, auf der unsere Gesellschaft ruht, auszuformulieren. Ich bin ja der Meinung, dass auch die komplexesten Strukturen so lange aufgebrochen und reduziert werden können, bis am Ende der Kern, simpel und wahr, übrig bleiben muss (andererseits, haben sich dahingehend Physiker nicht auch schon ziemlich verrannt?). Wer sich in der Welt so umhört – vorrangig bedient er sich dabei anderer (Medien, Augenzeugen, Bücher, …) – erfährt nur das, was er erfahren soll. Die Zusammenhänge bleiben einem immer verborgen. Deshalb sind Mainstream-Medien tunlichst zu meiden – sie sind nur gut gemachte Propaganda der Obrigkeit (und damit meine ich nicht etwaige politische Gremien, sondern eine Klientel, das im Hintergrund Fäden zieht). Alternative Medien sind wiederum auch nur gut gemachte Gegen-Propaganda der Zukurzgekommenen. Wäre der Autor dieser Zeilen ein vielbeachteter und gefeierter Stern am Literatenhimmel, er würde sich vermutlich gerade mit seinem Manager über Gewinnmargen heftigst auseinandersetzen und die Welt mit einem Schulterzucken abtun („Läuft ja eh alles, nicht?“). Deshalb ist immer der erste Versuch einer Obrigkeit, den Dissidenten, der unangenehm auffällt, einen veritablen Erfolg zu verschaffen. Und Erfolg, wie wir wissen, korrumpiert. Das geht von ganz allein. Sollte er dann aber noch immer nicht mit der Agitation aufhören, naja, dann gibt es immer noch Überredungsmöglichkeiten. Zu guter Letzt, wenn nichts mehr fruchten will, wird auf die „9 Cent Lösung“ zurückgegriffen.

Also Zusammenhänge! Hier sind die Pfeiler, auf der die Gesellschaft tatsächlich ruht:

  • Finanz- und Geldwesen — die neue Religion, für die Menschen töten, Staaten in den Krieg ziehen und Könige abdanken; gegen sie ist de facto kein Kraut gewachsen. Man muss sich nur ansehen, was in Griechenland gerade abgeht. In Zeiten des Friedens gehören bereits finanzielle und polizeiliche Ausnahmezustände zur Tagesordnung. Das griechische Volk – eigentlich souverän – duckt sich unter den erpresserischen Wutausbrüchen der Finanz-Priesterschaft. Ja, der Gottglaube des Mittelalters nimmt sich dagegen beinahe kindlich aus.
  • Geheimdienste — nicht von ungefähr entwickelte und installierte der Papst einen geheimen Dienst, der in seinem Namen zu allerlei weltlichen  Taten bereit war. Die straff organisierten Jesuiten waren im Spanien des 16. Jahrhunderts sicherlich kein Kind von Traurigkeit. Deren Gründer, ein gewisser Ignatius von Loyola, konnte auf bestechende Erfahrungen zurückgreifen, war er doch ein Illuminaten-Schüler. Wir sehen, wie sich aus geheimen (und oft verbotenen) Bünden eine legalisierte Organisation entwickelte.  Kein Wunder, dass früher oder später auch die weltliche Obrigkeit auf diese geheime „Konfliktlösungsanordnung“ zurückgreifen würde. Der Erfolg gibt einem immer Recht, nicht? Heutzutage sind die weltweit agierenden Geheimdienste eine Gesellschaft in der Gesellschaft, die ihre eigenen Regeln, ihre eigenen Gesetze, ihre eigenen Riten haben. Wer auch nur an der Oberfläche geheimdienstlicher Machenschaften kratzt, müsste eigentlich die zivilisierte Welt für gescheitert betrachten. Keine Rebellion, keine Revolution, keine Aufstände, keine Konflikte, keine Kriege, keine Terrorakte sind ohne dieser Geißel der Menschheit vorstellbar. Teile der Geheimdienste bedienen sich höchst illegaler Methoden, kooperieren mit den Verbrechersyndikaten (die Trennlinie, zwischen Geheimdiensten und Syndikaten, ist schwerlich zu ziehen) und verfahren nach jener Rezeptur, die schon immer Tod und Verderben über die gewöhnlichen Menschheit gebracht hat: Der Zweck heiligt die Mittel! – oder heutiger ausgedrückt: Der Erfolg gibt einem im Nachhinein immer Recht! – oder zynisch formuliert: Die Geschichte schreibt der Gewinner! Seltsam ist nur, dass diese offiziellen Geheimgesellschaften den gewöhnlichen Bürger nicht die Bohne interessieren – während all diese obskuren, zum Mythos erhobenen illuminierten und vermauerten Geheimbünde, Gänsehaut erzeugen. Hollywood und Dan Brown sei Dank.
  • Militär — Eisenhower prägte den Begriff des „militärisch-industriellen Komplex“, der für allerlei weltpolitische Sauerein zu verantworten sei. Und jeder (demokratisch gewählte) „Führer“ muss sich im Klaren sein, dass dieser Komplex alles tun wird, um Konflikte nicht friedlich zu besänftigen. Es geht um viel, sehr viel Einfluss und noch mehr Geld. Noch hält sich das Militär und der industrielle Komplex zurück. Noch tut es brav, was man von ihm verlangt. Ein wenig erinnert es an die Legionen des Römischen Imperiums, die angehalten waren, nicht das Flüsschen Rubikon zu überschreiten – denn dann wäre das Hirn des Impierums (Rom) dem militärischen Führern hilflos ausgeliefert gewesen. Späthin war es vermutlich mehr Bauch und After, aber das ist natürlich eine andere Geschichte. Das Militär war schon seit jeher Garant für Freiheit oder Knechtschaft. Das wird sich in Zukunft nicht ändern.
  • Organisiertes Verbrechen — Verbrechen zahlt sich aus! Jedenfalls, so lange man sich mit den richtigen Leuten einlässt und ihnen nicht ans Bein pinkelt. Das organisierte Verbrechen wird – insgeheim – von den Geheimdiensten unterstützt – man weiß ja nie, wann man einen dreckigen Job zu erledigen hat. Als die Talibans Afghanistan überrannten, war die Opium-Produktion (Mohn!) zum Erliegen gekommen. Dann kamen die GIs, stocherten in Afghanistan herum, vertrieben die Taliban, besetzten das Land (eigentlich ist es umgekehrt: Afghanistan hat die Besatzungstruppe besetzt) und führten eine Fastfood-Demokratie ein. Heute ist Afghanistan der weltgrößte Opiumproduzent und die blutigen Konflikte gehen munter weiter.

Das sind also die Eckpfeiler unserer Gesellschaft. Nice, nicht? Um die Eckpfeiler herum finden sich dann Politik, Medien und große Unternehmen (multinationale Corporations), die dazu benutzt werden, um Ablenkung, „Wahrheit“ und Brot & Spiele frei Haus zu liefern.

So. Ich denke, damit habe ich meine Gedanken hübsch auf den hässlichen Punkt gebracht.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Schreibens im subtropischen Klima Wiens, anno 2012

Der Kaffee steht am Herd. Italienisches Espresso-Kännchen. Ein Klassiker, wenn man so will. Die Espresso-Kaffeemaschine, ein „Erbstück“, vulgo „du kannst es vielleicht brauchen“-Geschenk meiner Eltern, stand zwar hübsch auf der Küchenanrichte, aber war nie im Gebrauch. Der logische und notwendige Schritt musste getan werden. Und wurde getan. Jetzt dürfte die Maschine irgendwo da draußen hoffentlich jemand anders zufrieden machen.

Die Europameisterschaft vorbei. Der Stress, beinahe täglich am Abend zu Freunden, dort mit allerlei Leckereien verköstigt zu werden („Eis zur Pause!“) und mit gefülltem Magen die Heimreise anzutreten, ja, dieser Stress kann einen brotarmen Dichter schon einigermaßen zu schaffen machen. Dass es gerade so kam, dass besagte Freunde zum Finaltag bereits im wohlverdienten Urlaub weilten, war natürlich ein unglücklicher Zeitpunkt. Deshalb ließ ich mich von F. breitschlagen, am Donaukanal das Finale  zu gucken, sprich: „Public Viewing“. Als ich die mitgebrachte Bierdose von X. – wie hieß er doch noch gleich? – ablehnte und statt dessen zum Mineralwasser griff, erntete ich einen misstrauischen Blick. Ich wiederum säte einen misstrauischen Blick, als ich F. und X. sagen hörte, dass sie sich aus Fußball nicht viel machen. Aha! Deshalb störte sie es auch nicht, dass der Trubel minütlich zunahm und ich meine anti-sozialen Ressentiments bestätigt fühlte. Fürs Bad in der Menge bin ich nicht geboren – noch dazu bei kreislaufschwächendem Schwülstwetter. Wie dem auch sei, obwohl ich einen einigermaßen guten Blick auf die „Videowall“ (Leinwand klingt vermutlich old school, nicht?) hatte, nur hin und wieder gestört von Leutchen, die vor mir ihre sozialen Begrüßungstänze aufführten, entschloss ich mich – spät, aber doch – für die Heimreise fliehenden Schrittes. Übrigens, die U2 Station Schottenring – der Ausgang Donaukanal führt unter diesem vorbei – ist ein famos langgestrecktes Kühlschränkchen. Da könnte man sicherlich so manche Hitzewelle aussitzen.

Zurück zur hitzig heißen Normalität, die einen schon schwer zu schaffen machen kann. Besser, man verlässt erst gar nicht das Haus. Privates Swimmingpool kann sich jedermann für ein paar Münzen ins Wohnzimmer und unter den Tisch stellen. So ein Kunststoff-Pottich, gefüllt mit kalt-klarem Wiener Wasser, in dem die Füße schiwmmen gehen können, ist schon eine Wohltat für Körper und Geist. Mehr Abkühlung geht vermutlich nicht. Kneipp hatte bei seinen Kaltwasserkuren natürlich anderes im Sinne, aber wer weiß, wer weiß …

Am Dienstag die EM-Blog-Beiträge in ein kindle-E-Book gepackt – trotz einer übellaunigen Hitze-Kopfweh-Attacke – und wieder einmal festgestellt, wie mühsam es ist, solch ein elektronisches Buch zu fabrizieren, vorausgesetzt, man hat gewisse qualitative Ansprüche (ich hasse zum Beispiel diese amerikanisierten Absatzeinzüge, die einen Text so unruhig werden lassen – vor allem bei Dialogen -, das einem das geplagte Auge schwirrt!).

Ein Geständnis ist natürlich noch anzubringen und nachzuholen, habe ich doch die letzten Wochen – immer wieder – mit großem Vergnügen DIABLO II gespielt. Das Game hat zwar schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, aber es ist wohl noch immer als Meilenstein der kurzen Game-Historie zu betrachten. Ausgelöst wurde mein Fieber durch den Nachfolger mit der Nummer III, den es im Mai endlich zu kaufen gab. Ich kaufte natürlich nichts. Natürlich nicht. Erstens ist meine Hardware (die meines PCs, bitteschön) dermaßen veraltert (das war sie schon damals beim Neukauf), dass ich mich noch jetzt wundere, wie gut ich mit ihm auskomme. Nicht einmal das subtropische Klima im Arbeits- und Wohnzimmer macht ihm zu schaffen. Sein Ventilator schnurrt brummig vor sich hin. Respekt. Jedenfalls sind nicht nur die technischen Anforderungsvoraussetzungen ein Hemmschuh, mir das neue Game zu gönnen, sondern auch die sicherheitsrelevante Voraussetzung, die da lautet, dass man zum Spielen eine ständige Internet-Verbindung  benötigt. Aha. Auch wenn ich nicht mit anderen realen Getreuen durch die virtuellen Dungeons ziehe (auch im Virtuellen hege und pflege ich meine anti-sozialen Ressentiments), verlangt der Hersteller Blizzard (gab’s da nicht mal eine österreichische Skimarke? Und hätte man den Namen geschützt, könnte man jetzt das amerikanische Multi-Milliarden-Unternehmen verklagen? Ich bitte um juristische Einwürfe!), also verlangt der Hersteller, dass man ständig mit dem Web verbunden sein muss. Also, jetzt mal ehrlich: Soll man (also Sie und ich und all jene, die so in der westlichen Welt herumschlurfen) es wirklich gut heißen, solch einen auferlegten Zwang? Nope. So gut kann dieses Game gar nicht sein (und scheint es auch nicht zu sein – in der Community wird lang und breit und heftig diskutiert, ob der Vorgänger nicht besser ist). Aber noch ein weiterer, nicht uninteressanter Aspekt gilt es kurz zu erwähnen: das leibhaftig echte Auktionshaus in der Diablo-Virtuality. Dort können Leute wie du und ich (also Schlurfs) virtuelle Gegenstände, die sie im Game finden/gefunden haben (Fantasy, you know – da wimmelt es selbstjafreilich von verzauberten Schwertern, Helmen, Zauberstäben und dergleichen mehr und dergleichen weniger) verhökern. Entweder gegen virtuelles Geld (Goldmünzen, nicht?) oder gegen echtes! Aha! Da haben wir also den Salat. Nun geht es also endgültig los, mit dem Schröpfen des Plebs (pardon, ich habe gerade Joachim Fernaus joviale Erzählkunst über die Geschichte Roms verschlungen) – wie genial diese Idee ist, zeigte eigentlich schon „Second Life“. Erinnert sich noch jemand an diesen Versuchsballon (merke: heiße Luft ist nötig, damit er in die Höhe schwebt!), der eine erstaunliche Zahl an Glücksrittern und Goldgräbern anlockte. Zur Blütezeit gaben die Erfolgreichen Seminare („Wie werde ich reich …“) und der Plebs (pardon) hörte gespannt zu. Man hoffte, aus dem binären Nichts echtes Geld zu schöpfen. Ach so, echtes Geld wird ja de facto aus dem Nichts geschöpft. Wussten Sie das? Sollten Sie aber. Immerhin macht Geld aus freien Menschen Sklaven. Entweder, weil man keines hat (im alten Rom wurden die Bankrotteure – mitsamt der Familie – versklavt; heutzutage dürfen sie Bestseller-Bücher schreiben) oder weil man zu viel hat. Wie man es auch dreht und wendet, Geld ist der unerschöpfliche Motor, der unsere hochstehende (ach?) Zivilisation antreibt. Die Fehlzündungen, die sie hören, haben nichts zu bedeuten. Sagen die Autobauer und Mechaniker – und die müssen es ja, angeblich, wissen, nicht?

Sie sehen, Abschweifung ist meine Spezialität. Das ist ja das schöne, dass man zufrieden und wohlig motiviert schreiben kann, wohin einen die Gedanken führen, wenn man frei ist (oder es wenigstens glaubt, zu sein). Jedenfalls, zum Thema „Geld“ und „System“ sollte ich ja endlich mit meinem Manuskript weitermachen, diese neuerliche Überarbeitung meines populären Sachbuchs über konspirative Machenschaften in unserer hochstehenden (ach?) Zivilisation. Zwar wurde gegen Ende Mai damit begonnen, mit der Überarbeitung, aber die EM kam dann dummerweise dazwischen – und damit war auch für mich ein Ausnahmezustand an- und ausgebrochen. Jetzt ist die EM vorbei – aber die Wiederaufnahme des Schriftsteller-Alltags will nicht so recht gelingen. Was natürlicht mit dieser Hitzewelle zu tun hat, die einen nur träge werden lässt. Aber hier, am schattigen Küchentisch, hält man es bestens aus. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle mein Sommerdomizil aufschlagen. Analog den Königen und Kaisern mit ihren Sommerresidenzen. Der Schlosspark Schönbrunn – keine vier U-Bahnstationen von hier entfernt – erinnert ein wenig an einen Glutofen. Nur die leichte Bewaldung an den Park-Rändern bietet einigermaßen Kühle. Und der Neptun-Brunnen – beeindruckende Ausmaße – bietet einen einzigen Schattenplatz von rund 1 m². Ein wenig dürftig, nicht? Die Touristen sind nicht zu beneiden, die den Weg zur Gloriette – bei grellstem Sonnenschein und abartigster Hitze – in Angriff nehmen. Dem Nilpferd im nur wenige Schritte entfernten Tiergarten sind die heißen Temperaturen sowieso schnurz – es verharrt regungslos im Schlammwasser und wartet. Vermutlich hat so ein Koloss mehr Zen in sich als jeder Dauerläufer, der seine Runden im Schlosspark dreht. Apropos Koloss. Die Eichkätzchen in Schönbrunn sind wahrlich süße Geschöpfe. In meiner Kindheit waren Sichtungen dieser flinken und schwanzbebuschten Kätzchen eine Sensation. Der gewohnte Dialog verliefe zumeist wie folgt:

„Dort! Ein Eichkätzchen!“
„Wo?“
„Dort! Beim großen Baum!“
„Welcher Baum?“
„Na, der große dort!“
„Der da?“
„Nein, der da hinten!“
„Seh keins!“
„Na, jetzt ist es weg. Du bist auch ein blindes Hendel!“

Vor wenigen Tagen verlief dieser Dialog ganz anders. Es gab keinen. Weil ein Eichkätzchen geradewegs aus den Gebüschen auf den Schotterweg kam und uns den Weg versperrte. Auf uns hinaufsehend, mit großen Äuglein, bettelte es um Essbares. Da wir nichts hatten, zuckten wir nur mit der Schulter. Aber der kleine Bengel ließ sich nicht so einfach abschütteln und folgte uns auf Schritt und Tritt. Ja, die Zeiten haben sich geändert. Wahrlich.

Wo war ich stehen geblieben? Sie merken, ich schweife nicht nur ab, ich verliere auch leicht den roten Faden, was wiederum ein roter Faden in meinen Blog-Beiträgen darstellt. Das ist natürlich paradox – ein roter Paradox-Faden, sozusagen. Ach ja. Vor wenigen Tagen schrieb mir C., dass sie für mich gerne eine Lesung in einem hübschen Lokal organisieren würde. Der Haken bei der Sache ist, dass dieses Lokal und C. viele hunderte Kilometer entfernt von hier sind. Und Reisepass habe ich mir auch noch keinen neuen ausstellen lassen. Jedenfalls meinte C., ich könnte in einer trauten Freundesrunde etwas aus 88/6 lesen. Vor einem Jahr  (oder vielleicht gar schon zwei?) schickte ich ihr das Manuskript, welches ihr ausnehmend gut gefiel und sie von all meinen schreibenden Ergüssen recht weit nach vor reihte (was mich wiederum nachdenklich stimmte, hatte ich doch das Büchlein innerhalb eines Wochenendes runtergetippt – mehr eine literarische Versuchsanordnung, denn ernsthafte Schreibe). Gut möglich, dass ich mir diese „Versuchsanordnung“ wieder zur Brust nehme. Es ist ja eigentlich leichte Kost (mit einer bitteren Note im Abgang) – jedenfalls nicht sonderlich schweißtreibend (im Gegensatz zum Sachbuch). Hm?!

Erik liegt beim Korrektorat. F. schrieb mir, dass es noch ein Weilchen dauern wird. Es liegt aber nicht an „Erik“, vielmehr am persönlichen Durcheinander. Ja, so ist das, im Leben. Da gibt es keinen Anfang und kein Ende (an beides kann sich der Mensch natürlich nicht erinnern!). Irgendwann beginnt es, irgendwann hört es auf. Nicht von ungefähr habe ich Rezzoris „Greisengemurmel“ neben mir am Lesetisch (= Esstisch und Schreibtisch an heißen Sommertagen) liegen. Überhaupt dürfte Rezzori (wie Ustinov) ein Kosmopolit, ein Welten- und Epochenbürger im besten Sinne gewesen sein. Epochenbürger? Ich nenne es mal so (Sie dürfen diese Wortkreation gerne verwenden). Ein Mensch, der im Kaiserreich aufgewachsen ist (Bukowina), dann zum Rumänen erklärt wurde – um wenig später festzustellen, dass die Gegend zum deutschen Reichsgebiet zugeschlagen und dann russisches Hoheitsgebiet wurde. Ukraine, sozusagen. Jedenfalls hatte der gute Rezzori ein Wechselbad an epochalen Umwälzungen zu ertragen (kalt – warm, nicht?). Während die gegenwärtigen jungen Generationen (dazu zähle ich mich natürlich auch, bitteschön!) allesamt in Watte „getaucht“, völlig den schönen Geist verlieren und tagtäglich nur noch Rechenoperationen ausführen, so stemm(t)en sich die schriftstellernden Alt-Gardisten gegen diese musische und ästhetische Versumpfung und Verstopfung. Dahingehend muss man nur mit ehrlichen Augen durch die Bezirke schlendern oder mit der U6 zur Stoßzeit den Gürtel entlang fahren (so manche der hübsch groß verglasten U-Bahn-Garnituren hat noch keine Klimaregulierung!). Ja, alte Kulturen hatten noch kein Internet, keine Nixpresso-Maschine oder DIABLO III, aber sie wussten Bauten zu errichten, die einen in den Bann ziehen (es sei denn, man sitzt wie blöde vor dem Internet oder spielt DIABLO II oder III). Sie wussten, was ästhetisch nötig und lebens-notwendig war (zum Beispiel schattige Arkaden-Gänge im Hochsommer!). Während wir, die Bürger dieser hochstehenden (ach?) Zivilisation, Billionen an Geld, das es eigentlich gar nicht gibt, einen Banken- und Finanzapparat überantworten, die damit wie besoffene Matrosen auf Landurlaub wirken, verlieren wir die Balance zwischen Notwendigem und Lebenswertem. Es scheint, als würden wir immer mehr in die Richtung lebens-unwerterem Notwendigen tendieren. Nein, nicht die Bürger, nicht der Plebs, sondern die Macht- und Schaltzentralen, irgendwo da draußen, in den gekühlten Büros. Würden diese gezwungen werden, zur Stoßzeit in einer überfüllten U6-Garnitur von Floridsdorf bis Westbahnhof zu fahren, sie würden nicht wieder Billionen ins Börsenspielcasino  tragen, sondern lebenswerterere Verbesserungen durchsetzen. Also! Um zu einem fröhlichen Abschluss zu kommen, würde ich vorschlagen, dass wir korrupte Politiker und lügende  Bankiers nicht am nächsten Laternenpfahl aufknüpfen (das ist zu französisch, non?), sondern sie lebenslänglich zwischen den „egalitären Außenrandbezirken“ hin- und herfahren  lassen. Erlaubt sind: Bus, Bim, U-Bahn und sonst nichts.

So. Meine Füße gehen jetzt eine Runde schwimmen.