richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Die Phantasie der Frau und ihre revolutionären Grauschattierungen

Vor einer Woche wusste man nicht, wie man der subtropischen Hitze entfliehen sollte. Und jetzt? Bitterkalt. Gräulich. Wolkig. Verhangen. Beinahe wünschte man sich in die Tage des Sommers zurück. Andererseits, würde die Sonne ihren Job machen, ich könnte unmöglich um diese Uhrzeit hier, am Schreibtisch sitzen, und diese Zeilen schreiben. Die Helligkeit im Zimmer (Ostseite!) würde mich blenden. Und mit einer kühlen Sonnenbrille schreibt es sich auch nicht besser. So viel einmal dazu.

Am 14. Juli, dem Nationalfeiertag der Franzosen, muss ich auf meine Tiret-Saga hinweisen. Als ich vor 5 Jahren den ersten schmalen Band schrieb, da war es nur ein vages Gefühl, dass die Vergangenheit von 1789 in die Gegenwart um 2012 hineinspielen würde. Langsam sickert es aber ins allgemeine Bewusstsein, dass wir, das gewöhnliche Volk, drauf und dran sind, eine unsichtbare Obrigkeit herauszufordern. Hier ein Artikel des alternativen Magazins alternet, das Vergleiche zwischen 1789 und den gegenwärtigen Occupy-Aktionen zieht: What the French Revolution Tells Us About Today’s Activist Movements (link). Der dritte Band Madeleine und sein Crowd-Funding-Modell Club der 99 blieb auf halber Strecke liegen und sollte hinlänglich beweisen, dass von nichts auch nichts kommen kann. Ich hätte hundert Mal mehr einbringen, sprich: aufdringlicher, selbstbewusster, erfolgreicher agieren müssen. Aber das wollte ich tunlichst vermeiden. Ich wollte sehen, wohin eine einmal angestoßene Kugel rollt. Ja, nicht allzu weit. Deshalb werde ich im Herbst das Buch endlich in gedruckter Form der Öffentlichkeit vorstellen. Vielleicht schon September.

Ebenfalls im Herbst sollte Der Fetisch des Erik van der Rohe präsentiert werden. Nach 9 Jahren geht die autobiographische Fiktion in Druck. E-Book wird es keines geben. Aus Gründen. Aus Prinzip. Dass das Thema, der Inhalt, die Umsetzung durchaus Potenzial hat, zeigen zwei Bücher. Das eine ist Glattauers Gut gegen Nordwind Mega-Erfolg, wo es eigentlich nur um die Annäherung zwischen Mann und Frau mittels E-Mail-Schreiberei geht (früher hieß das: Briefroman). Das andere ist der gehypte US Bestseller Fifty Shades of Grey, in der die übliche Romanze abgehandelt wird, wie frau es schon seit Jahr und Tag gerne liest: junges, attraktives und vor allem naives (sprich: jungfräuliches!) Mädchen (nennen wir sie Aschenputtel) lernt einen um viele Jahre älteren (und wohl ausgestatteten) Herrn kennen (nennen wir ihn Prinz), der sie nach Strich und Faden in den Bann zieht. Das junge Mädchen liebt, der sonore Herr verfällt. So ist das. Nichts Neues am romantischen Herz-Schmerz-Himmel. Neu ist vielleicht der Umstand, dass im besagten Buch nun BDSM-Ansätze zu finden sind: da wird das junge Ding verhandschellt und gezüchtigt – natürlich in ihrem vollen Einverständnis (das muss natürlich so sein! – der gute Marquis de Sade sah es ein wenig anders, aber das ist eine ganz andere Geschichte – auch wenn er die Bastille von innen sah). Und dieser Umstand (eigentlich auch nicht neu) dürfte gegenwärtig einen Nerv getroffen haben – vor allem bei Frauen. Vielleicht wird mit dieser Fifty Shades of Grey-Trilogie (gewiss, im dritten Band wird natürlich geheiratet) die weibliche Unterwerfungs-Phantasie salonfähig. Bis dato hieß es ja, dass es nur einem männlichen Wunschgedanken entspringen könne, diese sadistischen Anwandlungen gegenüber (reinen, unschuldigen) Frauen. Dass Frauen vielleicht so unschuldig nicht sind, in Bezug auf sexuelle (sadomasochistische) Phantasien, nun ja, diesen Umstand sollte man tunlichst in Betracht ziehen. In meiner autobiographischen Fiktion wird davon zu lesen sein. Mit anderen Wort: Ich bin am Puls der (literarischen) Zeit. Noch mehr, wenn man diese Abhandlung liest, wo es darum geht, dass Kapitalismus und Sadismus nicht von ungefähr Hand in Hand  gehen (der Prinz im besagten US Bestseller ist übrigens ein milliardenschwerer Unternehmer, vulgo Tycoon). Auch hier kann ich mit einem passenden Text dienen, arbeite ich doch gerade an einem Sachbuch über die Welt und was sie zusammenhält: Con$piracy.

Das klingt alles natürlich ausgezeichnet. Jetzt muss ich nur noch diese Informationen in die Welt posaunen. Social Media sei Dank, ist es im Bereich des Möglichen. Hoppla. Dahingehend bin ich auf Sparflamme gegangen. Sieht so aus, als würde ich im Herbst wieder ordentlich nachlegen müssen. Hat jemand Zunder?

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5 Antworten zu “Die Phantasie der Frau und ihre revolutionären Grauschattierungen

  1. R.C.N. Montag, 16 Juli, 2012 um 10:46

    Kannst du bitte in Zukunft bei Verallgemeinerungen über Frauen in Klammern schreiben (außer Frau N. in Oz) – hähä.

  2. R.C.N. Dienstag, 17 Juli, 2012 um 0:49

    Naja, ist ja nicht so als hätte ich keine mittelgroße „Männerschublade“, aber was ich richtig lästig finde, sind Verlage, die Frauen erzählen, was sie angeblich gerne lesen. Wenn sie jetzt noch hingehen und uns erzählen (wollen), wie wir Sex haben wollen, dann sträuben sich mir die Nackenhaare. Speiübel wird mir bei Reizwörtern wie jungfräulich oder Jungfrau. Immer schon, wird sich auch nie etwas dran ändern.

    Viel Erfolg mit deinen Projekten.

  3. R.C.N. Dienstag, 17 Juli, 2012 um 4:47

    Füge noch „unschuldig“ hinzu, „rein“ fällt zwar in die gleiche Schublade, ist mir aber zu antiquiert – boh – eine Wortwahl im Zusammenhang mit Frauen und Sex, da bleibt mir die Luft wech.
    Ich möchte aber nicht falsch verstanden wissen, ich greife nicht dich an, ich greife ein Denkschema an 🙂

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