richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Über einen Flächenbrand auf dem blauen Sofa, FFM12

Freitag Morgen ist es auf der Messe einigermaßen angenehm, das Flirren der Besucher hat sich noch nicht ins Extreme gesteigert. Da sah es gestern schon ganz anders aus. Apropos Gestern. Am blauen Sofa wurde über die Befindlichkeit zwischen Iran und Israel befunden. Ich möchte in Wien noch im Detail darauf eingehen, deshalb notiere ich mir nur eine Hand voll Sätze, die ich aus dem Gedächtnis zitiere. Später werde ich sie, soweit möglich, richtig stellen oder verifizieren. Eventuell könnte man das Interview im Web oder im TV sehen. Eventuell.

Der iranische Autor im Exil, Bahman Nirumand, ein Dissident des gegenwärtigen Regimes/der gegenwärtigen Regierung, sprach Tacheles (pun intented) und hielt sich nicht mit Kritik zurück.

„Die Medienberichte über Israel und Iran sind falsch!“
„Israel hat 250 Atomsprengköpfe.“
„Was Israel in Palästina macht, ist nicht human.“
„Die damalige iranische Regierung unter Präsident Mussadegh, demokratisch gewählt, wurde durch einen CIA-Putsch gestürzt.“

Er kritisierte das „iranische Regime“ harsch, ließ aber auch kein gutes Haar an der israelischen Politik. In gut 30 Minuten hörte man endlich einmal jene Informationen, die einen sonst im Mainstream vorenthalten werden. Leider bremste auch Nirumand auf halber Strecke, aber seine Aussagen sind wohl das Höchste der Wahrheit, die man im Mainstream noch erreichen kann. Natürlich versuchte der Interviewer durch bestimmte Fragen Einfluss auf das Gespräch zu nehmen und eine übliche Tendenz herzustellen. Sollte ich ein Transkript oder eine Aufzeichnung des Interviews finden, werde ich das Gespräch Stück für Stück auseinander nehmen um aufzuzeigen, wie Mainstream funktioniert. Aus dem Stegreif solch ein brisantes Thema abzuhandeln ist nicht zu empfehlen.

Auf dem Schweizer Gemeinschaftsstand fragte ich nach dem eidgenössischen Professor Ganser und ob vielleicht sein neues Buch ausgestellt sei. Ein verschmitztes Lächeln konnte die Dame nicht unterdrücken, als sie meinte „Das werden sie hier nicht finden.“

Dafür in Halle 8.0 auf das Buch Addicted to Profit aufmerksam geworden. Gegen Ende des Messetags, als es bereits hoch her ging (ja, die Iren und Schotten wissen zu feiern) und ich das Buch gerade durchblätterte, hörte ich die süffisant-ironische Meldung, ob wir nicht alle „addicted to profit“ wären und dass wir deshalb ja hier wären. Darauf fragte ich, ob er das gut fände. Er antwortete mit einem kurzen Nein, dann ging er mit seinem Bierglas davon. Vielleicht treffe ich ihn ja heute beim Stand. Dazupassend natürlich Joseph Stiglitz, der heute ebenfalls am blauen Sofa Platz nehmen und über den „Preis der Ungleichheit“ sprechen wird. Und über die Occupy-Bewegung hört man am Vormittag auch nocht etwas. Hm. Hier im Herzen der Finanz- und Bankenwelt? Das sollte einen bereits ein wenig nachdenklich stimmen,nicht?.

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