Vier Besprechungen für eine Madeleine

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An dieser Stelle möchte ich auf vier Besprechungen zu meinem alten neuen Wurf MADELEINE Anatomie einer Tragödie aufmerksam machen. Da hätten wir einmal die aktuellste Rezension beinahe druckfrisch von flattersatz. Zwillingsleiden, die sich bereits im Vorjahr die E-Book-Version zu Gemüte führte, hat ihre Rezension abgestaubt und erneut in die Auslage gestellt. Dann wäre da noch die Literaturwissenschaftlerin FB., die ebenfalls die E-Book-Version gelesen und besprochen hat. Ja, für jeden Autor sind Besprechungen und Erwähnungen das Salz in der Suppe. Vielleicht sind sie sogar die Suppeneinlage. Backerbsen täten mir gefallen. Last, but not least: Madame Anonym, eine junge österreichische Autorin, hat übrigens in grauer Vorzeit eine Vorabversion gelesen und mit Verve kommentiert. Herausgekommen ist eine unbekümmert frische Auseinandersetzung mit dem Inhalt in zwei Teilen. Hier geht es zu Teil 1. So. Kostproben der oben angeführten Beiträge dürfen freilich nicht fehlen. Viel Vergnügen.

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Es fließt Blut in diesem Buch, oh ja. Die Waffen jener Zeit sind weniger präzis als daß sie klaffende Wunden schlagen. Man ist nicht zimperlich in diesen Tagen, da wird man schon man aufgeknüpft, weil man zur falschen Zeit am falschen Ort ist, es wird geschossen und mit Säbeln um sich gehauen, es fliegen Wurfmesser und da das Gift schon ein wenig alt ist, wirkt es nicht ganz so schnell wie gewohnt. Weiblich sein heißt, einer besonderen Risikogruppe anzugehören, leicht geht der brutalen Schar auch in dieser Hinsicht der Gaul durch, vor allem, wenn das baldige Ableben des Opfers eh in Aussicht steht, ist man doch genau behufs dessen vor Ort…  LINK

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Den Gegensatz zu den brutalen Szenen bilden einige wenige, beinahe philosophische Überlegungen über die Liebe. Da gibt es zum einen das zu Beginn des Buches eingeführte Liebespaar Bialy und Hebanowy, das, aus ungleichen Verhältnissen stammend, flieht um für immer vereint zu sein. Diesen Wunsch bekommt es auch erfüllt, jedoch nicht so wie erhofft.  LINK

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Doch wird diese Brutalität erzählerisch gebrochen bzw. aufgelockert. Die gewalttätigen Szenen sind mit Witz und einigen Zwischentönen verstärkt, die den Leser schmunzeln lassen können. So folgen einige Szenen dem Slapstick, schlechten Westernfilmen und auch einige Kampfszenen wirken wie witzige Reminiszenzen an Zombiefilmen, in denen die Totgeglaubten immer wieder aufstehen. Generell erinnert die Ausführung von Themen und Szenen an Filme wie die von Quentin Tarantino oder an den Film Natural Born Killers (Oliver Stone, 1994 – imdb)sowie durch der Einführung des italienischen Killerpaars Lorenzo und Stella an Bonnie and Clyde (Arthur Penn, 1967 – imdb). Mit dieser Art filmischer Schreibweise wirkt Madeleine lebendig und modern.  LINK

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Standig Ovations! Sweet Jesus on a pogo stick. Das kam… überraschend. Yay. […] So blöd es klingt, aber die Beiläufigkeit der Gewaltdarstellungen “gefällt” mir; und ich glaube, ich kann mittlerweile benennen, was ich an der Serie so beeindruckend finde: Du erzählst (in meinen Augen wenigstens) mit dieser zynischen, etwas gelangweilten Leichtigkeit und Understatement, die, nun ja, einem “Intellektuellen” des Ancièn Regime gut zu Gesicht gestanden hätte; Du bist irgendwie auch auf der Metaebene der Erzählstimme in der Zeit, und das ist faszinierend. Übrigens bitte nicht misszuverstehen: ich rede nur von den Implikationen der Erzählstimme! Die “Gebet”szene, ist übrigens, in all ihrer Absurdität – und eingebettet in die Grauslichkeiten links und rechts – irgendwie ein humoristisches Meisterstück.  LINK

Die Wahrheit und die Mehrheit

Meine Angst um Deutschland ist namenlos – Österreich, unser Vermögen, meine Gefahr ist mir nicht halb so viel. […] In den Zeitungen entsetzen mich die Berichte über die Vertreibung der Deutschen aus Paris: so müßte ein Capitel eines Romans beginnen, eines Anti-Romain Rolland, wie eine Liebe plötzlich Haß wird. Ich sehe die gemeine Gaminerie gegen die armen, die doch Frankreich so lieben, sehe wie man sie an den Bahnhöfen höhnt und in die Züge pfercht, halb verhungert und verschreckt. Es ist wie ein böser Traum.

Stefan Zweig
Tagebucheintrag vom 5. August 1914

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Die letzten vier Monate intensivst an Con$piracy gearbeitet. Ich sagte es bereits. Die nächsten Tage werde ich mich wieder mit weltlichen Dingen auseinandersetzen müssen. Vielleicht gut so. Abstand schadet in diesem Falle nicht, wo die Gedanken immer wieder zwischen einem Adlernest und einem Wolkenkratzer und einer Stadt pendeln. Damit meine ich vor allem den Größenvergleich. Das heißt, zuerst stochere ich in einer längst vergangenen Angelegenheiten en detail herum, dann schwinge ich mich in die historischen Lüfte und versuche mit den gefundenen Details gewisse Zusammenhänge herzustellen, die eine Welt von morgen erklärt. Vielleicht.

Mit F. bis in die frühen Morgenstunden geplaudert, sozusagen monologisiert, und ihn über all diese Indizien und Zusammenhänge aufgeklärt. Es ist erstaunlich, wie wenig wir wissen, obwohl wir uns als gebildete Klasse darstellen. Der bildungsferne Teil der Gesellschaft lässt sich durch einen Konsumismus ver-blöden, der bildungsnahe Teil durch einen Konformismus ver-bilden. Die Ironie ist, dass es schwieriger sein würde, die letztgenannten »aufzuklären«, weil, jeder, der sich eine feste Meinung gebildet (aha) hat auch weiß, dass die Mehrheit derselben ist und ihm damit recht gibt. Dabei darf man die Wahrheit nicht mit der Mehrheit verwechseln. Sagte Jean Cocteau. Wobei, ich habe es nicht geprüft. Vielleicht hat es auch jemand anders gesagt. Aber korrekt ist der Inhalt der Aussage noch allemal. Und Goethe soll ja im Gespräch mit Eckermann verdeutlicht haben, dass man das Wahre immer wiederholen müsse, weil der Irrtum nicht nur vom Einzelnen, sondern von der Masse gepredigt werde.

Wer sich mit einer anderen Wahrheit beschäftigen möchte, der ist angehalten, die Bücher auf der Sachbuch-Bestsellerliste sofort zu vergessen. Es spielt keine Rolle, ob die Liste vom deutschen Wochenmagazin Der Spiegel oder von der amerikanischen Tageszeitung New York Times zusammengestellt ist. Die darin enthaltenen Bücher spiegeln nur jene Zeit wider, die ein Establishment für uns konstruiert hat. Gut vielleicht sollte ich jetzt nicht so harsch mit den Mainstream-Büchern ins Gericht gehen. Es gibt immer Perlen, die sich im, pardon, Sauhaufen finden lassen. Manchmal ist die Perle auch nur eine einzige Zeile, eine einzige Aussage, in einem sonst unwichtigen und unrichtigen Buch. Ich bin mir im Moment gar nicht sicher, ob man überhaupt einem jungen Mitbürger den Rat geben soll, sich an ältere ver-bildete Leute zu wenden, falls sie Zusammenhänge und Historie verstehen wollen.

Ach, was ist es für ein Wohlgenuss einen Autor zu finden, der sich erdreistet hat, den unbekleideten König nackt zu nennen. Zumeist geht es übel für den Autor aus, nicht für den König, weil die Mehrheit noch immer der Meinung ist, dass der König ein edles Gewand trüge. »Lügner«, sagen sie dann mit voller Überzeugung. Und Lügner werden in einer ehrlichen Gesellschaft nicht geduldet, sie werden ignoriert.

Illusorischer Lug, traumhafter Trug

Sehen Sie sich den kurzen Videoclip an und staunen Sie. Also, mich hat dieser illusorische Trug sehr fasziniert.

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Wenn Sie also meinen, Sie hätten etwas mit eigenen Augen gesehen und damit muss es so gewesen sein, dann denken Sie darüber kurz nach. Ihre Augen nehmen Informationen im Sichtbereich auf. Diese Info-Bits werden dann im Großrechner (Gehirn) in ein 3D-Bild umgewandelt. Mit anderen Worten, ihr räumliches Sehen ist nur eine gut gemachte Computer-Simulation, die im Gehirn abläuft. Deshalb tut sich der Mensch schwer, mit nur einem Auge räumlich zu sehen, da die Informationen für das Umrechnen nicht ausreichen.

Nach dem ich Ihnen das so im Vorbeigehen unter die Nase gerieben habe, möchte ich gerne von Ihnen wissen, ob am 11. September 2001 tatsächlich zwei Flugzeuge in zwei Türme geglitten, pardon, geflogen sind. Natürlich werden Sie sagen, sie hätten es mit eigenen Augen gesehen. Nun, das stimmt mal so nicht. Sie haben ein Fernseh-Bild mit eigenen Augen gesehen. Dass Fernsehbilder technisch manipuliert werden können, sollte bereits einem Volksschulkind klar sein – schließlich gibt es eine eigene Effekte-Branche. Gut, werden Sie sagen, theoretisch wäre es möglich, TV-Bilder zu verändern, aber es war schließlich LIVE. Ach? Sie können sich im Internet die LIVE-Berichterstattung zu diesem Ereignis angucken und Sie werden sich wundern, wie wenig da von den Flugzeugen zu sehen ist. Erst im Nachhinein wurden die tollen Effekt- pardon, Echt-Aufnahmen ausgestrahlt und wiederholt und dabei so getan, als wären diese LIVE gesendet worden. Aber Ihr Killer-Argument, ich weiß, ich weiß, ist, dass solch eine monströse Verschwörung nicht denkbar sei. Hm. Würde ich nicht wie blöd an Con$piracy arbeiten und mit jeder Seite, die ich schreibe und recherchiere, mehr über den Lug und Trug dieser Welt erfahren, ich täte Ihnen sicherlich recht geben. Aber, es tut mir Leid, Sie irren. More to come!

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