richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Papa Hemingway und die Sinnlosigkeit mancher Sätze

Ein Anfang, kein Ende

Im Dezember 1934 schreibt Ernest Hemingway im Magazin Esquire über die Schriftstellerei *) und was damit so einhergeht. Man solle sich darauf vorbereiten, heißt es, dass die Arbeit keinen Beifall finden wird, und wenn man eine Sache zum ersten Male hingeschrieben hätte, würde es einen gutgehen. Aber, so Hemingway weiter, man müsse das Geschriebene wieder und wieder durchgehen und überarbeiten und manche Sätze würden einem sinnlos vorkommen, nachdem man sie gelesen hätte. Ja, der gute Hemingway war ein Handwerker, keine Primaballerina – er wusste es und ließ es auch andere wissen. Wie dem auch sei, der Vollständigkeit halber möchte ich an dieser Stelle – wie so oft – festhalten, dass ich die Überarbeitung zum Sachbuch Con$piracy abgeschlossen habe. Der Text hat sich nun bei 586 Seiten eingependelt – ob dieses Konvolut überhaupt zu bändigen ist, mit einer Fülle an Querverweisen und Übersetzungen, sowie 927 Fußnoten, bleibt dahingestellt. Gut möglich, dass es nie zu einer offiziellen Publikation kommen wird. Was bleibt, ist die private Kleinauflage für interessierte und mitarbeitende Leser und die Gewissheit, wenigstens einen Kieselstein ins Rollen gebracht zu haben. Das mag wenig sein, aber bedenken wir, dass immer nur eines zum anderen führt.

Nun gilt es, das überarbeitete Werk erneut zu lesen. Von der ersten bis zur letzten Seite. Ein kleiner Widerwille macht sich in mir breit. Dabei geht es gar nicht so sehr um all diese Sätze, die einem nun »sinnlos vorkommen« oder nicht funktionieren, sondern es ist diese Angst, dass sich ganze Passagen an anderer Stelle wiederholen oder dass längere Abhandlungen in einem gedanklichen Wirrwarr geschrieben wurden. Einzelne Sätze können geschliffen oder geändert, aber ineinander verwobene Gedankengänge nur schwerlich auf- bzw. herausgelöst werden. Ich bemerke immer wieder, dass ich es mir nicht leicht mache. Hätte ich nicht ein feines kleines Sachbuch schreiben können? Zu einem bestimmten Thema, mit einer exakt festgelegten Struktur? Stattdessen ging ich naiv und mich unverwundbar fühlend an die schreibende Front. Genauso hat sich dann das erste Ergebnis gelesen – es war der Versuch eines Dilettanten. Banal der Ansatz, platt die Gedanken. Es waren schlussendlich die von mir aufgeworfenen Fragen, in denen ich das Potenzial des Textes erkannte. Gewiss, ich wollte zu viel. Von Anfang an. Später, als ich es merkte, konnte ich nicht mehr zurück. Zu sehr war ich davon besessen, die Wahrheit – oder wenigstens eine Wahrheit – zu finden. Am Ende der Reise wird einem schließlich bewusst, dass es die Wahrheit (oder den sagenumwobenen Piratenschatz) gar nicht gab, nie gegeben hat. Der Schatz – und die Wahrheit – sie versteckten sich in der Reise selbst. In einem Hollywoodfilm mag solch ein Ende unbefriedigend sein – im wahren Leben jedoch, da gibt es kein klassisches Happy Ending. Weil der Moment und die Wahrheit nicht eingefroren werden können. Sie sind zu einem Zeitpunkt richtig, zu einem anderen falsch.

Hier die vorläufigen Kapitelüberschriften [per 8.3.2013]:

  • Vier Hypothesen
  • Ein Vorwort für die 99,99 Prozent
  • Eine längere Einführung
  • Der manipulierende Mainstream
  • Demokratie auf Abwegen
  • Die Herrschaft Mammons
  • Nur der militärisch-industrielle Komplex
  • Der Terror in der Badewanne
  • Fakt und Fiktion
  • Ein persönlicher Epilog, 2013

*) Ernest Hemingway, 49 Depeschen, Rowohlt 1969, ‚Ein alter Fuchs schreibt‘, S. 157

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6 Antworten zu “Papa Hemingway und die Sinnlosigkeit mancher Sätze

  1. viktor staudt Samstag, 9 März, 2013 um 23:24

    voraussichtliche Veröffentlichung noch bevor Weihnachten…. 2014? In bocca al lupo!!

  2. bernhard Sonntag, 10 März, 2013 um 3:00

    Richard, zu deiner Beruhigung sei gesagt: als ich nach den Ereignissen des 11. September 2001, die mir – gelinde gesagt – merkwürdig vorgekommen sind, daran gegangen bin, „die Wahrheit“ herauszufinden, ist es mir nicht anders gegangen, als du es so treffend in deiner Selbstoffenbarung beschrieben hast: ich war überzeugt davon, dass es „die Wahrheit“ gibt.

    Nach Jahren der Recherche habe ich mich einem Dickicht von Täuschungen, öffentlich unbekannten Tatsachen, fehlenden Quellen, verbreiteten Irrtürmern, absichtlich gelegten falschen Spuren und was da noch sonst auftaucht, wiedergefunden. Alles, was ich heute sagen kann, ist: nichts ist so, wie es erscheint.

    Es bedarf mehrerer Menschenleben, um dieses Dickicht jemals annähernd zu beschreiben. Diese Arbeit überlasse ich gerne fleissigen Historikern der nächsten Generationen.

    Was hat das alles für mich persönlich gebracht? Ich habe keine Angst mehr, abweichende Meinungen zu äußern. Ich weiß, dass die Leute fest schlummern, aber ich mache ihnen keinen Vorwurf. Die öffentlich und medial inszenierte Politik interessiert mich nicht mehr: ich lächle nur noch müde darüber.

    Ich halte es mittlerweile mit einem nicht quellenidentifizierten Diktum eines mir unbekannten Mystikers: arbeitet ohne Unterlass an eurem (persönlichen) Heil! Alles andere ist mir wurscht.

    Würde mich freuen, dich wieder persönlich zu sehen,
    Liebe Grüße,
    Bernhard

  3. bernhard Sonntag, 10 März, 2013 um 3:09

    Nichtsdestotrotz großes Kompliment und Chapeau! für die Arbeit, die du dir angetan hast, und die ein wichtiger Beitrag für die Systematisierung und Strukturierung all der vermeintlich undurchdringlichen Rätsel ist, die letztendlich darauf zurückzuführen sind, dass tausend weise Menschen den Stein nicht vom Grund eines Meeres heben können, den einige bösartige und verwirrte Geister hineingeworfen haben.

    • Richard K. Breuer Montag, 11 März, 2013 um 10:07

      Merci für den Applaus. Liest man gerne. Und ja, bei dieser „Tauchaktion“ sind schon so manch weise Menschen in einer Informationsflut ertrunken 😉 „bösartig und verwirrte Geister“, ja, das trifft es sehr gut.

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