richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Huxleys Schöne neue Welt

update: In diesem Artikel werden Huxleys und Orwells Zukunftsszenarien gegenübergestellt: link

Zugegeben, es hat seine Zeit gebraucht, bis ich für Huxleys Klassiker Brave New World aus dem Jahr 1932 bereit war. Das Büchlein über eine Gesellschaft in ferner Zukunft hat mich letzten Endes  in keiner Weise überzeugt. Die Art und Weise, wie Huxley die Zukunft dramatisiert, ist, mit Verlaub, stümperhaft. Gewiss, die »Message« des Buches über eine moderne Kasten-Gesellschaft, die Menschen nach ihrem zukünftigen Tätigkeitsfeld formt und sie mit dem Alkohol-Drogen-Ersatz »Soma« bei Laune hält, hat etwas für sich. Aber der Leser wird sich nie sicher sein können, wie »ernst« es Huxley überhaupt meinte. Ich gehe davon aus, dass sich der Autor einfach nur an einer leichtfüßigen Parodie versuchte. Dass diese Parodie ein ernstzunehmenden Klassiker der Utopieliteratur werden würde, zumeist daherkommend im Tandem mit Orwells exzellent durchdachten Zukunftsdrama 1984, dürfte Huxley vermutlich selber nicht geglaubt haben. But who knows?

Gemein ist beiden Büchern, dass eine zukünftige Elite davon ausgeht, dass die breite Masse »gesteuert« und »gelenkt« werden müsse. Zum Wohle der Welt und – vor allem – der Elite. Diese Ansicht ist nicht neu – vermutlich gibt es sie seit Anbeginn der Zivilisation -, aber die eingesetzten Mittel, um die breite Masse zu lenken, die haben sich mit der Zeit geändert. Gewalt, Angst und Schrecken (Peitsche) sind – wenigstens kurzfristig – die effektivsten Mittel, um eine Mehrheit in Zaum zu halten. Längerfristig wählt die Elite freilich ein System, in dem Propaganda, Materialismus, Idealismus, Modernismus, Süchte bzw. Abhängigkeiten, konditionierte Wahrheiten (Zuckerbrot) für die nötige Stabilität sorgen.

Aldous Huxley, der im imperialen England Ende des 19. Jahrhunderts geboren und im elitären Eton College erzogen wurde, konnte sich unmöglich eine Zivilisation vorstellen, in der niemand mehr Shakespeare lesen würde (by the way: Der Titel ist einem Shakespeare-Stück entnommen). Das ist freilich die Paradoxie des Buches. Weil es für eine Leserschaft geschrieben wurde, die ihren Shakespeare in und auswendig kennt. Und – ich gebe es zu – zu dieser Leserschaft gehöre ich nicht. Ich gehe davon aus, dass es wohl auch seine Zeit brauchen wird, bis ich für den englischen Dichter bereit sein werde. Und wer weiß, wenn ich dann all die vielen Werke Shakespeares in- und auswendig kenne, vielleicht beginnt mir der Huxley Klassiker zu gefallen. Hm. Unwahrscheinlich, but who knows?

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