richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Eine Unterstützungserklärung für F.

F. ist bei der Piratenpartei und bat mich, eine Unterstützungserklärung für diese abzugeben. Gut, gut, dachte ich, hin und wieder sollte der Bürger ja von seinem demokratischen Recht Gebrauch machen. Die Prozedur ist freilich nicht mit einem ‚like‘-Klick im virtuellen Internetz zu vergleichen – ganz im Gegenteil! Man muss seine sterbliche Hülle in eines der Wiener Magistratsgebäude bewegen, dort einen Beamten ausfindig machen, sich ausweisen, vor  ihm die Unterschrift auf der ausgedruckten Erklärung leisten und diese schließlich der real existierenden Parteizentrale zukommen lassen. In der gegenwärtigen Smartphone-Ära mutet dieser Unterstützungs-Ritt sicherlich kafkaesk an – damit meine ich nicht, dass ein Unterstützer am nächsten Morgen als Käfer aufwacht, sondern vielmehr, dass er im Magistratsgebäude umherirrt und niemals den Beamten findet, der ihm die Unterschrift beglaubigt. Freilich, tendieren Sie zu einer pessimistisch-orwellschen Einstellung, gehen Sie vermutlich davon aus, dass der Unterstützer am nächsten Morgen von stummen Herren zwar nicht verhaftet, aber trotzdem fortgebracht wird.

Kommen wir wieder in die Realität zurück. Einen launigen und zuweilen den wahren Kern treffenden (Gast)Beitrag mit dem Titel ›Wie kommt die Partei auf den Zettel?‹ können Sie im Literaturteil (!) der Zeitung Der Standard lesen. Aus dem Inhalt geht hervor, dass der Schreiber des Beitrags, ‚Kommandant der Bewegung KOCMOC / Gruppe Gagarin‘, ein wenig Bauchweh mit der SPÖ und den Grünen hat und von einer neuen Partei spricht, die es probieren will: ›sozialdemokratisch, linksgrün, integre junge Leute‹. Da ich ja keine Tagespresse mehr lese und für die Innenpolitik nicht mal Interesse heucheln kann, weiß ich jetzt natürlich nicht, wer diese eine neue Partei sein soll – vielleicht entspringt sie aber auch nur dem Wunschdenken des Kommandanten, wer weiß, wer weiß.

Im Übrigen ist mir am Sonntag aufgefallen, dass sich die ›Qualität‹ der Sonntagszeitungen im Verkaufspreis widerspiegelt. Der Marketing-Trick – was teuer ist, wird vom Kunden als gut und qualitativ hochwertig angesehen – funktioniert also auch am freien Markt der Presselandschaft. Ja, freier Markt ist überall. Das gilt freilich auch in der Politik, wenn man so will. Darf man nicht laut sagen. Ist aber trotzdem so.

Als ›erklärender Unterstützer‹ einer Partei ist man freilich nicht gezwungen, diese am Wahltag zu wählen. Ich erwähne es deshalb, damit man mir später nicht einen Strick aus dieser einen Offenlegung dreht und meint, ich hätte mich jetzt politisch geoutet und politisch verortet. Als querdenkender und allseits skeptischer Verschwörungstheoretiker mit dem Hang zu einer pessimistisch-orwellschen Geisteshaltung habe ich mir untersagt, einer Gruppierung oder Partei oder Religion oder Anschauung meine Seele zu geben. Zumeist ist es schwierig, diese unbeschadet wieder zurückzubekommen.

Dass wir in Österreich in erster Linie in einer Republik und erst in zweiter Linie in einer Demokratie leben, dürfte ich sicherlich schon einmal erwähnt haben. Nach Chomsky bedeutet es nichts anderes, als dass in einer Republik die besitzende Minderheit alles unternimmt, um sich vor der besitzlosen Mehrheit zu schützen. Nun, würde ich etwas besitzen, tät ich vielleicht auch für eine Republik plädieren. Am Ende läuft die Historie dieser Welt – und damit die politischen Gegebenheiten – immer auf eines hinaus: der Kampf zwischen den Alleshabenden und den Habenichtsen.

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