richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Revolutionäre Banalitäten

Plakat_Tiret_Brouille_Madeleine_PenlyWie jedes Jahr greife ich zum 14. Juli zur virtuellen Feder und kritzle ein paar Gedankengänge aufs Blogpapier. Wie es der Zufall so möchte, lese ich gerade Vincent Cronins ›ausgewogenes Doppelporträt‹ Ludwig XVI. und Marie Antoinette. Cronins Buch sympathisiert mit dem Königspaar und zeigt – nicht unähnlich Stefan Zweigs Marie Antoinette – wie eine bestehende alte Ordnung durch den ausufernden Hass und die grenzenlose Wut des Pöbels zerbricht. Dass dieser Hass und diese Wut von intellektuellen Berufsrevolutionären geschürt wurden – dank einer der wohl ersten großen Propagandaleistungen der Neuzeit – muss unbedingt erwähnt werden. Weil mein konspirativer Ansatz davon ausgeht, dass eine kleine elitäre Gruppierung die Finger im Spiel hatte. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass noch jede Revolution – damals wie heute – von einem gebildeten, bestens vernetzten und äußerst finanzstarken Establishment in die Wege geleitet wurde. Wie sagte Goethe einst zu Eckermann:  »Es ist in Frankreich alles durch Bestechungen zu erreichen, ja die ganze Französische Revolution ist durch Bestechungen geleitet worden.«

Zurück in die Gegenwart, in der auch eine Art von Revolution stattfindet – eine unblutige und unlustige, wenn man so will. Es ist die allgemeine Hinwendung des Pöbels genauso wie der Intellektuellen zur politischen Korrektheit, einhergehend mit dem strengen, zuweilen inquisitorischen Eifer jedwede Verfehlung streng zu ahnden. Somit bleibt dem gewöhnlichen Bürger nichts anderes übrig, als in den vorgegebenen Bahnen zu denken. Möchte er jegliches Risiko vermeiden, wiederholt er in einer Diskussion nur die Schlagworte der freien Presse – die natürlich ein Leuchtfeuer politischer Korrektheit ist. Alles in allem, davon können wir ausgehen, ist der Bürger in unserer Zeit so (un)frei und so (des)informiert wie niemals in der Geschichte der Menschheit – und trotzdem scheint es, als würden wir, wenigstens im Westen, in der banalsten aller Epochen leben. Gottlob finden sich im weiten Web hin und wieder Perlen politisch unkorrekter Gedanken – ob sie richtig  sind oder nicht, steht an dieser Stelle nicht zur Diskussion. Ja, diese gefährlichen Gedanken, sie sind Balsam auf den geschundenen Gehirnwindungen eines Verschwörungstheoretikers und erregen sein Zwerchfell auf angenehmste Weise. Vivre livre ou mourir* stand um 1790 auf den Messingknöpfen der Revolutionäre und jene, die sich dafür hielten. Welchen Slogan würden man wohl heute auf die Knöpfe, vulgo Buttons, prägen? Vielleicht La révolution donne des ailes** ?

*) »frei leben oder sterben«

**) Die Ironie funktioniert freilich nur, wenn man weiß, dass sich hinter dieser Phrase ein sehr bekannter Werbeslogan verbirgt. Aber da ich hier nicht unbezahlte Werbung machen möchte, noch dazu für ein Produkt, dass ich nicht goutiere, belasse ich es bei diesem Hinweis. Man möge es mir nachsehen.

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6 Antworten zu “Revolutionäre Banalitäten

  1. MarcelW Montag, 15 Juli, 2013 um 2:33

    Pöh, für den Nichtfranzosen hilft leo.org. 😉 Ich glaube, ich habe es verstanden und finde es ekelig. Vom Geschmack her sowieso!

  2. Gunar Dienstag, 14 Januar, 2014 um 17:36

    ich hoffe sehr…der letzte und viertel Teil von Tiret kommt in den nächsten Jahren noch heraus….! ☼
    Sonnst muss ich vielleicht wie einst der Freiherr von der Trenck ( Neffe des Panduren Trencks) auch nach Aachen fliehen und Weinhändler werden…

    “Parbleu, pas mal ” würde der sehr geehrter Herr Schriftsteller sagen! Aber….wir wissen wie es mit dem unglücklichen Trenck endete…
    Auf dem Scheiterhaufen….PAris…die Guillotine also….!
    Nichts für Ungut aber die Tiretische und Madeleinische Entzugserscheinungen schreiten bei mir rasch voran….☺☺☺

    Also wünsch ich Ricardo ( ist er vielleicht mit Homero Aridjis’ Juan Cabezon in die Neue Welt gezogen…? ) trotzdem viel Inspiration für 2014 !!!! (und bleib weiter hoffen…sollte es nicht gelinge: pas de problem, jeunhomme!) ☼

    LG aus NL

    Gunar

    • Richard K. Breuer Dienstag, 14 Januar, 2014 um 17:51

      Keine Sorge, nach Con$piracy muss ich mich wieder der fiktiven Realität von Tiret zuwenden. Und PENLY ist ja eine tarantinoeske Blutoper inklusive einem Detektivplot. Manchmal frage ich mich ja, wie mir all das einfallen konnte 😉 Merci für die Treue, Gunar!

      • Gunar Mittwoch, 15 Januar, 2014 um 21:28

        Da freut sich dieser Käseroller sehr und betreffs „Treue“…
        ist doch einfach….
        wenn so gut geschrieben über den Vorabend der Revolution! Appropos Revolution, den Paduren Trenck, Con$piracy und fiktive Realität …*kopfkratz* …wäre im 4. Teil klein Platz für den Urgroßvater eines gewissen Gavrilo’s…? :-)))
        Im Princip (what’s in a name…) gibts da ein Habsburgische Beziehung die 100Jahr alt ist wenn der 4. Teil dieses Jahr rauskommen sollte….
        Spass bei Seite und nichts für Ungut: deine Bücher und Webseite sind ein Genuss! ☼☼☼

      • Richard K. Breuer Donnerstag, 16 Januar, 2014 um 21:49

        Hm. Hätte ich gewusst, dass ich mit Penly erst 2014 fertig werde, hätte ich vielleicht tatsächlich dem Ururgroßvater Princip eine Rolle gegeben 😉

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