richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Übrigens, dein Fernseher lügt

Gestern endlich den Film Free Rainer – Dein Ferseher lügt (imdb) gesehen. Ein unterhaltsamer Aufklärungsspielfilm aus dem Jahr 2007, wenn man so will, der einem die Farce und den Zynismus der einflussreichen Medien-TV-Welt vor Augen führt. Ich gehe davon aus, dass dieser Film an die Grenze des Erlaubten gegangen ist – mehr Kritik dürfte gegenwärtig nicht möglich sein. Natürlich ist der Plot ein Märchen mit Happy End! [SPOILER:] So erwacht am Ende die (deutsche) Gesellschaft aus ihrer Dummheit, die ihr ein Establishment verordnet hat. Huh. Ich denke, es ist an der Zeit, sich kurz zurückzulehnen und sich zu fragen, ob die breite Masse dumm gehalten wird oder dumm gemacht wurde. Das mag jetzt nach Haarspalterei aussehen, ist aber tatsächlich ein wesentlicher, wenn nicht sogar DER wesentliche Aspekt für eine gegenwärtige Bestandsaufnahme. Ich versuche, diese Überlegung anschaulicher darzulegen: Stellen Sie sich vor, ein Junge sitzt im Rollstuhl und seine Umwelt gibt ihm zu verstehen, dass er nie wieder auf seinen eigenen Füßen stehen, geschweige denn gehen würde können. Die Frage, die sich nun stellt, ist jene, ob er tatsächlich nicht in der Lage ist, seine Beine zu bewegen (weil man in jungen Jahren dafür gesorgt hat) oder ob es eine Art von verordneter Einbildung ist (remember die Zeichentrick-Serie Heidi?). Im ersteren Falle ist jeder Versuch, ihn wieder ans Gehen zu gewöhnen, zum Scheitern verurteilt, im zweiteren Fall ist eine ›Heilung‹ möglich, mag sie mühsam und langwierig sein. Im Film stehen sich diese beiden Ansichten gegenüber. Zum einen der TV-Chef, der davon ausgeht, dass die breite Masse dumm ist und von der Straße ferngehalten werden muss, zum anderen der ›von den Toten auferstandene Prophet‹ und ehemalige TV-Produzent, der zur Überzeugung gelangt ist, dass die breite Masse nur dumm gehalten wird und sich in Wirklichkeit nach Qualität und Wahrheit sehnt.

Vor wenigen Tagen stieß ich übrigens in einem Text auf Gustave Le Bon, der in seinem Buch Psychologie des Foules (1. Auflage 1895) über das Wesen der Masse geschrieben haben soll. Darin heißt es, dass man Massen hauptsächlich gewinnen könne durch:

1. affirmation pure et simple [Bestätigung, Bejahung, Bekräftigung],
2. durch répétition [Wiederholung].

Hingegen, so der Autor, würde man durch Beweise für Behauptungen die Massen nur langweilen und sie schließlich teilnahmslos machen.

Jetzt wissen Sie, warum ich mir mit Con$piracy so schwer tue. Ich staple Beweis auf Beweis (oder wenigstens Fakten bzw. Indizien), um meine Behauptungen zu untermauern. Aber je höher dieser Beweis-Stapel wird, umso höher werden meine Zweifel, etwas damit zu erreichen. Vielleicht, denke ich mir dann und wann, sind wir gar nicht mehr in der Lage, unsere Beine zu bewegen – auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen.

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