Fearless oder Was machen meine 50 Trillionen Zellen eigentlich so?

Hin und wieder gibt es ein Aha-Erlebnis. Man erhält ein neues Puzzleteil und fügt es an andere an und plötzlich ergibt sich daraus ein Bild, das man vielleicht instinktiv geahnt, aber nicht vor einem liegen gesehen hat. Ich werde an dieser Stelle nur ein paar Informationen an den geschätzten Leser weitergeben, eventuell kann es dem einen oder anderen helfen, zu verstehen, wie unser Körper mit dem Bewussten und – vor allem – dem Unbewussten [subconcious] UND der Umwelt interagiert. Ich möchte auch nicht allzu sehr ins Detail gehen, weil ich weiß, dass Sie von klein auf „programmiert“ wurden und jede Information, die dieser Programmierung widerspricht, als „unwissenschaftlich“, „blödsinnig“, „esoterisch“ usw. abtun. Ich erinnere mich, vor vielen, vielen Jahren, dass es eine öffentliche „Diskussion“ über „Wunderheiler“ gab, die man vor Gericht stellte bzw. an den medialen Pranger. Ich kann mich jedoch nicht entsinnen, dass man in dieser Diskussion auch über den Placebo-Effekt gesprochen hätte. Keiner versteht, wie dieser Effekt funktioniert, er ist sozusagen ein wissenschaftliches Mysterium. Eine mögliche „Enträtselung“ dieses Mysteriums bietet uns der Zellularbiologe Dr. Bruce H. Lipton an. Seine profunden [wissenschaftlichen!] Erkenntnissen (Biology of Belief) bringen Licht ins Dunkle, ja, mit einmal versteht man, was es mit dem Heilungsprozess auf sich hat und warum Gedanken und Einstellungen einen Krankheitsverlauf verbessern bzw. verschlechtern, je nach dem, wie die Programmierung des Unbewussten einwirkt. Wie dem auch sei, der springende Punkt ist, dass der Film FEARLESS (imdb) die Überlegungen und Erkenntnisse von Bruce Lipton recht unterhaltsam eingearbeitet hat. Damals, im Jahr 1993, als ich mich im Hamsterrad der Zivilisation befand, konnte ich unmöglich die tiefere Bedeutung verstehen. Heute, zwanzig Jahre später, außerhalb des Hamsterrades und mit einem Rucksack an neuen Ideen, Gedanken und Informationen, beginnt sich in meinem Kopf eine Wirklichkeit abzuzeichnen, die mit jener aus der Vergangenheit nichts gemein hat und dieser sogar konträr gegenübersteht. Ich denke, es geht gar nicht so sehr darum, DIE Wahrheit herauszufinden – was vermutlich gar nicht möglich ist -, sondern vielmehr darum, DIE Programmierung in seinem Kopf zu entlarven und die „Filter der Wahrnehmung“ zu ändern. Jetzt habe ich aber schon zu viel gesagt. Am besten, Sie hören sich die launigen Vorträge von Dr. Bruce Lipton an.

*

Eine (fast) autofreie Mariahilferstraße und die Frage nach der humanen Stadt

Erich Lessing vor seinem Ladenlokal in der Weihburggasse 22

Heute, wie es der Zufall so bestimmt, die Mariahilferstraße aufgesucht, DIE Einkaufsstraße Wiens, wenn man so will. Das Novum, das jetzt zu bestaunen und zu begehen ist, ist die autofreie Zone, vulgo Fußgängerzone. Sie beginnt in der Höhe der Kirchengasse und endet in der Höhe der Andreasgasse, also ein kleines Stück humane Zone, die unsereins zu Fuß zurücklegen darf. Fein.

Dass ich den Autofetisch für so gut wie alles Böse und Teuflische in der Welt verantwortlich mache, hat sicherlich mit dem reifen Alter zu tun und der Nikolaus Laudaischen Einsicht, dass es wichtigere Dinge im Leben gäbe, als immer nur im Kreis zu fahren. Im Übrigen kommt die gegenwärtige politische Impotenz sicherlich auch daher, dass sich die Herrn Politiker niemals getrauen, ein Stück zu Fuß zurückzulegen oder – Gott bewahre – mit dem Pöbel in einem öffentlichen Transportmittel (Bim? Viel zu vulgär!) zu reisen. Für gewöhnlich fahren sie mit dem Lift in die Garage, steigen ins Auto, fahren durch „ihre“ Stadt, parken in der Tiefgarage, fahren mit dem Lift zu ihrem parlamentarischen „Arbeitsplatz“, schlagen eine Zeitung auf und stellen erstaunt fest, dass der Pöbel mit den Busverbindungen unzufrieden ist und eine kleine Gruppe Weltverbesserer um autofreie Zonen kämpft.

Wer sich ein Bild von einer humanen Stadt machen möchte, der muss sich nur an Sonn- und Feiertagen zum Franziskanerplatz, Judenplatz oder Museumsquartier begeben. Dort sollte einem hoffentlich bewusst werden, wie eine städtische Gemeinschaft aussehen könnte, die dem Mensch, nicht einem tonnenschweren Blechhaufen, Priorität einräumt.

Und weil ich heute auch die Hauptbücherei aufgesucht habe, kann ich die Ausstellung über den sozialen Wohnbau des roten Wien der Zwischenkriegszeit (1920 – 1935) sehr empfehlen. Irgendwie dünkt einem, dass sich damals die Herrn Politiker grundlegende Gedanken über das gemeinschaftliche Zusammenleben gemacht haben. Die Mietkosten („Zins“) der Wohnung entsprach etwa 5 bis 8 Prozent eines durchschnittlichen Arbeiterlohns (21 m² für den Singlehaushalt; Mehrpersonenhaushalte zwischen 35 m² und 47 m²), von Doppelverdienern wusste man damals freilich noch nichts.

Schlendere ich durch meine Stadt, bemerke ich die Zwei- vielleicht sogar Dreiklassengesellschaft. Ich denke, in anderen Städten verhält es sich nicht anders. Langsam, aber stetig vollzieht sich der Verfall. Es ist ein Verfall der Werte, der Kultur, der Sprache, der Geistesbildung. Gut zu sehen an der zunehmenden Verschmutzung. Als ich vor bald 40 Jahren das Fahrradfahren lernte, da wäre es einem revolutionären Akt gleichgekommen, hätte man ein kleines Papierstück fallen gelassen. Heutzutage bekümmert es niemanden, ob eine Gruppe Kinder mit voller Absicht die Straßen vermüllen oder Wände beschmieren. Irgendwann in den 1970ern dürfte die Mehrheit entschieden haben, dass Hygiene, Sauberkeit, Ästhetik, Höflichkeit, Respekt und so weiter als Relikt einer totalitären Epoche zu gelten hätte und mit sofortiger Wirkung aus der Erziehung zu verbannen sei.

Durch Zufall letzten Sonntag in der Weihburggasse das hübsche Lokal von Fotograf Erich Lessing bewundert, einem Doyen der althergebrachten Fotografie und mit seinen 90 Jahren sicherlich einer der letzten. Seine Bilder erzählen in beeindruckender Weise von einem Wien, das es so freilich nicht mehr gibt, vermutlich nicht mehr geben wird und – sehr wahrscheinlich – auch nie gegeben hat (ist’s ja doch nur Illusion, mein Kind). Wie dem auch sei, wenn man seine Fotos länger betrachtet – im Schaufenster zeigt ein Bildschirm die besten Schwarzweiß-Illusionen einer vergangenen Epoche – dann kann einem schon recht sentimental ums Herz werden. Ach so, Sentimentalität ist verdächtig, also streichen wir das Wort besser. Ja, eine seltsame Zeit, in der wir leben, nicht wahr?

Die Macht der Gewohnheit, die Angst vor dem Neuen

Wann war es, als ich meinte, dass mein alter PC mit XP läuft und läuft und läuft? In den letzten Tagen mehrten sich die Anzeichen von Altersschwäche. Justament dann, wenn ich gerade kreativst im Text wühle. Plötzlich wird einem wieder bewusst, schmerzlich bewusst, was man an einem einigermaßen einwandfreien „running system“ hat. Die Befürchtung, aus seiner kreativen Phase herausgerissen und um Stunden seiner Arbeit gebracht zu werden, macht einen zaudernd und nervös. Mit einmal wird einem völlig klar, warum ältere Schriftsteller auf ihre liebgewonnene mechanische Schreibmaschine beharren. Nichts, was einem aus dem Fluss bringen kann (wobei, vor technischen Abnützungen ist auch die Maschine nicht gefeit – und wie lange gibt es überhaupt noch Schreibmaschinenbänder?).

Vielleicht ist es auch der tiefe Wunsch des Künstlers und Kreativen, die Realität hinter sich zu lassen. Nur das Werk vor einem, hinter einem, um einen. Ganz und gar eingetaucht im Schaffensprozess. Beinahe könnte man hier sentimental werden, wenn man es nicht besser wüsste. Zumeist ist es nicht das Werkzeug, sondern die weltlichen und vor allem gesundheitlichen Rahmenbedingungen, die Anfang und – vor allem – Ende festlegen. Deshalb ärgert es mich, dass ich dieser – per se – lächerliche Problematik so viel Energie widme. Vielleicht ist es die Angst des Künstlers, nicht mehr künsteln zu können. Weil – so viel ist mir klar geworden – die Gewohnheit ein wesentlicher Aspekt im kreativen Prozess ist. Um beispielsweise einen Text aus dem Ärmel und aufs Papier zu schütteln, braucht es eine „unbewusste“ Mechanik. Nach jedem Halbsatz eine Ziffernkombination in den Äther rufen zu müssen, nun, das führt dazu, dass man keinen geraden Satz fertig denken und schreiben kann.

Der geneigte Leser wird mit alledem womöglich nicht viel anfangen können. Vielleicht weil er oder sie mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität steht und Probleme bei den Hörnern packt. Gut so. Ja, das ist die einzig richtige Herangehensweise. Der Kreative erträumt sich Lösungen, erhofft und erfleht sie. Ihm einen Vorwurf zu machen ist nicht möglich. Würde er mit allen Sinnen in dieser Realität verankert sein, er wäre kein Künstler. Entweder oder.

Vielleicht ist diese PC-Problematik auch nur eine Allegorie auf das Leben und den Hindernissen, die wir zu meistern haben. Niemand hat mich gezwungen oder gebeten, Texte und Bücher zu fabrizieren. Niemand. Jedenfalls niemand im Hier und Jetzt. Mein „Müslein Azadeh“, wenn man so will, hat mir eine Inspiration geschenkt, der Rest ist schließlich und endlich meinem unbändigen Wunsch nach mehr entstanden. Ich glaube, der Künstler und Kreative, er nimmt sich und sein Tun zu ernst, ja, er krämt grämt* sich, wenn er bemerkt, dass ihm niemand dankt.

Ich schreibe diesen Beitrag vor allem deshalb, weil ich daran erinnert werden möchte, an jene Tage, als ich ein wenig verzweifelt, ein wenig seufzend, ein wenig Kopf schüttelnd, kopfschüttelnd*, ein wenig nachdenklich, ein wenig reflektierend all diese und noch mehr Überlegungen anstellte. Einfach deshalb, weil mich ein Softwareprogramm und eine Hardwareteil aus meinem Elfenbeinturm rissen und in die Wirklichkeit stießen. Nun ist es an der Zeit, um sich zu neuen Ufern und brauchbaren Lösungen aufzumachen. Aber zuvor werde ich noch Kaffee trinken und abwarten.

* L. war so freundlich, mich auf hässliche Fehler aufmerksam zu machen und nebenbei merkte sie an: „Die Freiheit des Künstlers ist unantastbar. Artikel 1.“ Na, da will ich nicht meckern 🙂

Wenn ich über ein besonders schwieriges Thema zu schreiben habe …

Bertrand Russell schreibt in seinem 1930 veröffentlichten Büchlein Eroberung des Glücks, dass die beste Methode, möchte man über ein besonders schwieriges Thema schreiben, darin bestünde, dass man »Stunden oder auch Tage lang intensiv – so intensiv wie man überhaupt kann – darüber nachdenkt und nach Ablauf dieser Zeit sozusagen dem Unterbewusstsein den Befehl gebe, die Arbeit im Stillen fortzusetzen.« »Nach einigen Monaten«, so Russell, »kehre man bewußt zu seinem Gegenstand zurück und wird feststellen, dass die Arbeitet geleistet ist.«

Yep. Ich denke, dass Russell die einzig richtige Methode beschreibt, will man ein komplexes Thema bei den Hörner packen oder einfach nur seiner wahren Kreativität freien Lauf lassen. Das Unterbewusste ist beinahe unerschöpflich, nimmt es doch jedes Wort, jede Geste, jedes Bild auf und verknüpft es mit anderen, vergangenen und längst abgelegten Info-Bits. Diese Verknüpfungen sind nicht erklärbar, wir können sie nur aus unserem Kopf schütteln, besser: sie werden aus unserem Kopf geschüttelt. Der Autor, wenn er alles richtig macht, ist nur noch der Stenograph seines Unterbewusstseins.

Ich erzähle es deshalb, weil ich seit März meinem Unterbewusstsein den Befehl gegeben habe, im Stillen die Arbeit an Con$piracy fortzusetzen. Eigentlich, ich will ehrlich sein, verlor ich Faden und Begeisterung. Ich musste befürchten, das Konvolut an Fakt und Fiktion als gescheitertes Experiment in meinem Lebenslauf aufzunehmen. Doch letzte Woche, als ich daran ging, die ersten einführenden Kapiteln zu glätten – mehr aus einer sachbüchlichen Notwendigkeit, denn aus innerem Antrieb – meldete sich das Unterbewusstsein und bedrängte mich, endlich ernst zu machen. Ich lehnte mich nur kurz zurück, dann krempelte ich die Ärmel hoch (bei tropischen Temperaturen!) und wütete wie ein Berserker in den Kapitel-Strukturen. Ich hätte mit diesem Wüten vielleicht schon vor einem Jahr beginnen sollen, aber – wie ich immer zu sagen pflege – man kann ES nicht erzwingen. Ich war mir freilich bereits damals im Klaren, dass dieses Kapitelwirrwarr früher oder später aufgelöst und in eine zufriedenstellende neue Ordnung gezwungen werden müsste. Aber die Aussicht, sich mit beinahe 600 Seiten, unzähligen Sub-Kapiteln, 1000 Fußnoten und neuen Zwischentexten herumzuschlagen, behagte mir nicht sonderlich. Also tat ich … nichts und feilte stattdessen an Sätzen und Beistrichen und fügte noch die eine oder andere Fußnote ein.

Ja, Con$piracy ist – im besten Sinne zu verstehen – a pain in the ass. Ich würde gerne über all die Zusammenhänge bloggen, die ich bis dato herausgefunden zu haben glaube, ich möchte auf Webseiten verweisen, die sich weder Mainstream noch Wahnsinn hingeben und ich will Bücher beim Namen nennen dürfen, die mir aufrichtig scheinen. Aber ich muss all das zurückstellen, weil die Gefahr besteht, dass ich mich zu weit aus dem Fenster lehne oder einen Stein ins Rollen bringe, den ich nicht mehr aufzuhalten im Stande bin. Ist das Sachbuch in einer ersten lesbaren Version fertig gedruckt, um Interessierte daran mitarbeiten zu lassen, dann ist vielleicht die Zeit gekommen, um zu tun, was getan werden muss.