richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Wenn ich über ein besonders schwieriges Thema zu schreiben habe …

Bertrand Russell schreibt in seinem 1930 veröffentlichten Büchlein Eroberung des Glücks, dass die beste Methode, möchte man über ein besonders schwieriges Thema schreiben, darin bestünde, dass man »Stunden oder auch Tage lang intensiv – so intensiv wie man überhaupt kann – darüber nachdenkt und nach Ablauf dieser Zeit sozusagen dem Unterbewusstsein den Befehl gebe, die Arbeit im Stillen fortzusetzen.« »Nach einigen Monaten«, so Russell, »kehre man bewußt zu seinem Gegenstand zurück und wird feststellen, dass die Arbeitet geleistet ist.«

Yep. Ich denke, dass Russell die einzig richtige Methode beschreibt, will man ein komplexes Thema bei den Hörner packen oder einfach nur seiner wahren Kreativität freien Lauf lassen. Das Unterbewusste ist beinahe unerschöpflich, nimmt es doch jedes Wort, jede Geste, jedes Bild auf und verknüpft es mit anderen, vergangenen und längst abgelegten Info-Bits. Diese Verknüpfungen sind nicht erklärbar, wir können sie nur aus unserem Kopf schütteln, besser: sie werden aus unserem Kopf geschüttelt. Der Autor, wenn er alles richtig macht, ist nur noch der Stenograph seines Unterbewusstseins.

Ich erzähle es deshalb, weil ich seit März meinem Unterbewusstsein den Befehl gegeben habe, im Stillen die Arbeit an Con$piracy fortzusetzen. Eigentlich, ich will ehrlich sein, verlor ich Faden und Begeisterung. Ich musste befürchten, das Konvolut an Fakt und Fiktion als gescheitertes Experiment in meinem Lebenslauf aufzunehmen. Doch letzte Woche, als ich daran ging, die ersten einführenden Kapiteln zu glätten – mehr aus einer sachbüchlichen Notwendigkeit, denn aus innerem Antrieb – meldete sich das Unterbewusstsein und bedrängte mich, endlich ernst zu machen. Ich lehnte mich nur kurz zurück, dann krempelte ich die Ärmel hoch (bei tropischen Temperaturen!) und wütete wie ein Berserker in den Kapitel-Strukturen. Ich hätte mit diesem Wüten vielleicht schon vor einem Jahr beginnen sollen, aber – wie ich immer zu sagen pflege – man kann ES nicht erzwingen. Ich war mir freilich bereits damals im Klaren, dass dieses Kapitelwirrwarr früher oder später aufgelöst und in eine zufriedenstellende neue Ordnung gezwungen werden müsste. Aber die Aussicht, sich mit beinahe 600 Seiten, unzähligen Sub-Kapiteln, 1000 Fußnoten und neuen Zwischentexten herumzuschlagen, behagte mir nicht sonderlich. Also tat ich … nichts und feilte stattdessen an Sätzen und Beistrichen und fügte noch die eine oder andere Fußnote ein.

Ja, Con$piracy ist – im besten Sinne zu verstehen – a pain in the ass. Ich würde gerne über all die Zusammenhänge bloggen, die ich bis dato herausgefunden zu haben glaube, ich möchte auf Webseiten verweisen, die sich weder Mainstream noch Wahnsinn hingeben und ich will Bücher beim Namen nennen dürfen, die mir aufrichtig scheinen. Aber ich muss all das zurückstellen, weil die Gefahr besteht, dass ich mich zu weit aus dem Fenster lehne oder einen Stein ins Rollen bringe, den ich nicht mehr aufzuhalten im Stande bin. Ist das Sachbuch in einer ersten lesbaren Version fertig gedruckt, um Interessierte daran mitarbeiten zu lassen, dann ist vielleicht die Zeit gekommen, um zu tun, was getan werden muss.

Advertisements

2 Antworten zu “Wenn ich über ein besonders schwieriges Thema zu schreiben habe …

  1. zip Sonntag, 11 August, 2013 um 5:06

    Du solltest es noch einmal überarbeiten. Es wird niemals fertig werden. Die Arschlöcher sind dir immer ein paar Schritte voraus.

    • Richard K. Breuer Sonntag, 11 August, 2013 um 21:30

      George Orwell scheint immerhin ähnlich gedacht zu haben …

      »Alle paar Minuten wiederholte der alte Mann: ›Wir hätten denen nicht trauen dürfen. Ich hab’s gesagt, Ma, nicht? Das hat man davon, dass man denen vertraut hat. Ich hab’s immer gesagt. Wir hätten diesen Scheißkerlen nicht trauen sollen.‹«
      Übersetzt nach George Orwell, 1984, The New American Library, New York 1961, S.31.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: