John F. Kennedy oder 50 Jahre und kein bisschen Weise

Orwell_Liberty_Quote

In meinem bald 600-seitigen neuen Sachbuch Con$piracy, vollgepfropft mit Fakten, ist das Attentat auf John F. Kennedy nur eine Randnotiz. Freilich, es gäbe viel, sehr viel darüber zu schreiben. Aber das Dumme ist, dass es den Behörden, dank des Mainstream-Medienapparates, über die Jahre und Jahrzehnte gelungen ist, die löchrigste aller Theorien (= die offizielle Version) als DIE Wahrheit zu postulieren. Stellt man diese Version zur Diskussion, da man auf Ungereimtheiten, Widersprüche und Unmöglichkeiten stößt, wird einem die kalte Schulter oder der Vogel gezeigt.

Deshalb begehe nicht den Fehler, an dieser Stelle irgendeine Behauptung aufzustellen. Für mich liegt klar auf der Hand, dass heute, vor 50 Jahren, in Dallas/Texas ein globaler Staatsstreich durchgeführt wurde, der dem amerikanischen Präsidenten das Leben und kein Jahr später dem sowjetischen Regierungschef sein Amt kostete. Überhaupt, man muss sich nur ansehen, wie sich die geopolitische Welt nach 1963/64 verändert hat, um zu erkennen, dass an diesem sonnigen Novembertag eine Verschwörung größten Ausmaßes ihren Anfang nahm. Nun, nein, das stimmt so nicht. Die Verschwörung einer elitären Gruppe, wenn man so will, begann bereits viel früher. Ja, das Übel kam offiziell im Dezember 1913 in die Welt. Kein halbes Jahr später stand die Welt zum ersten Mal in Flammen und das „goldene Zeitalter der Sicherheit“ (Stefan Zweig) war endgültig dahin.

Wie dem auch sei, das Attentat rund um JFK wird man nicht mehr vollständig lösen können. Falls Sie anderer Ansicht sind, dann sehen Sie mit Sicherheit zu viele Kinofilme oder lesen die falschen Bücher. Ein historisches Ereignis ist ein Puzzle: Es gibt nun mal nicht DIE Wahrheit, sondern nur viele Interpretationen. Falls Sie jetzt meinen, ich hätte keine Ahnung, nun, dann lesen wir, was beispielsweise ein gewisser Thomas Jefferson im Jahr 1815 an John Adams schrieb, in Bezugnahme auf die Frage, wer die Historie der Amerikanischen Revolution von 1776 festhalten sollte:

On the subject of the history of the American Revolution you ask who shall write it? Who can write it? And who will ever be able to write it? Nobody; except merely its external facts; all its councils, designs, and discussions having been conducted by Congress with closed doors, and no member, as far as I know, having even made notes of them. These, which are the life and soul of history, must for ever be unknown.

Monticello, August 10, 1815
entnommen: ›Memoir, Correspondence, And Miscellanies, From The Papers Of Thomas Jefferson‹,
Gray and Bowen, New York 1830, link

Natürlich ist es nicht im Sinne einer (orwellschen) Obrigkeit, dass sich Bürger über vergangene geschichtsträchtige Ereignisse ihren Kopf zermartern, Nachforschungen anstellen und am Ende vielleicht einen Erklärungsversuch publizieren, welcher der „offiziellen Wahrheit“ konträr gegenübersteht. Deshalb werden solche Leute gemeinhin als „Verschwörungstheoretiker“ bzw. „Revisionisten“ gebrandmarkt, lächerlich gemacht und – wenn sie uneinsichtig sind – vor Gericht gestellt. Darüber sollte man sich vielleicht eher Gedanken machen, als darüber, was am 22. November 1963 auf der anderen Seite des Atlantiks vor sich ging. Sehen Sie, am Ende reduziert sich alles auf zwei Fragen, nämlich wann ein Beweis als Beweis gilt und – vor allem – ob man Vertrauen in die legitimierte Obrigkeit hat.

For the great enemy of the truth is very often not the lie – deliberate, contrived, and dishonest – but the myth – persistent, persuasive, and unrealistic. Too often we hold fast to the cliches of our forebears. We subject all facts to a prefabricated set of interpretations. We enjoy the comfort of opinion without the discomfort of thought.
John F. Kennedy
Yale University Commencement (June 11, 1962) link

Wie ein Buch gemacht wird – anno 1906

buchwien_stand2111
‚Books are in the class of luxuries; most books at least‘

Durch Zufall auf ein Sachbuch gestoßen, das sich anno 1906 mit dem (amerikanischen) Verlagsgeschäft en detail befasst und der Frage nachgeht, wie ein Buch entsteht bzw. gemacht wird. Das E-Book ist auf Gutenberg zu finden: THE BUILDING OF A BOOK: A Series of Practical Articles Written by Experts in the Various Departments of Book Making and Distributing. 

Beeindruckend, wenn man sich vor Augen führt, dass sich in den hundert Jahren zwar so gut wie alles im (technischen) Herstellungsprozess geändert hat, das Verlagsgeschäft aber nahezu unverändert blieb. Noch immer werden Kataloge (Herbst/Frühling) gedruckt und versandt, noch immer reisen Vertreter im Land herum und preisen die neuen Bücher an, noch immer verkaufen sich allseits bekannte Autoren besser als neue, noch immer soll das (komplizierte) Urheberrechtsgesetz vor Piraterie schützen, noch immer verkaufen Buchhändler jene Bücherberge, die sie auf Lager und zu einer Pyramide gestapelt haben, noch immer betragen die Rabatte – je nach Menge – zwischen 30 und 50 Prozent und noch immer weiß niemand, was einen Bestseller ausmacht und wie viel Werbung dafür überhaupt notwendig ist. Hier ausgesuchte wohlfeile Quotations, die den Nagel auf den Kopf treffen:

A publisher once made the statement, in the presence of a number of men interested in the book-publishing business, that, by advertising, he could sell twenty thousand copies of any book, no matter how bad it was. The silence of the others indicated assent to the doctrine. But one inquiring mind broke in with the question,

„But can you make a profit on it?“

„Ah! That is another question,“ answered the publisher.

*

There is another reason for this extra quantity. Two hundred and fifty copies of [das angepriesene, neue Buch] „Last Year’s Nests,“ piled in a pyramid, is a gentle reminder to the bookseller’s customers that it is a mighty important book. Such an argument is often more potent than the disagreeing opinions of critics.

*

Two arguments and two only comprise the salesman’s stock in trade; if he can say that „Last Year’s Nests“ is by the well-known author whose name is a household word and whose previous book sold so many thousand copies, he has the bookseller on the mourner’s bench; if he can (and he frequently does) add the clinching argument that his firm will advertise the book heavily, he can leave the bookseller with that thrill of triumph we all feel when we bend another’s will to our own.

*

The argument of advertising carries with it a certain persuasiveness that the customer cannot resist. Not always does a liberal use of printer’s ink land a book among the six best sellers; but it does it so often that the rule is proved by the exception.

*

Listed in the publisher’s catalogue at $ 1.50 [über $ 25/2013], the ordinary discount to a dealer ordering two or three copies is thirty-three and one-third per cent, or $1.00 net, the bookseller paying transportation charges. Competition, however, has increased this discount to forty per cent, so that we shall assume that in small quantities the book can be had at $ 0.90 net. In larger quantities extra discounts are given; some publishers give forty and five per cent on fifty copies and forty and ten per cent on one hundred copies; others increase the quantities to one hundred and two hundred and fifty copies respectively for the extra discounts.