richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Wir brauchen einen neuen Journalismus oder Adam Curtis tells the Story

Quote_Confused_1938

Gestern spät Abends noch diesen sehr langen und ausführlichen Artikel What the Fluck? von BBC-Dokumentarfilmer Adam Curtis gelesen. Der Text beginnt ein wenig träge, nimmt aber schließlich Fahrt auf und trifft punktgenau ins Schwarze. Worum geht es? Nun, Curtis vergleicht unsere gegenwärtige verworrene Situation mit jener vor rund hundert Jahren, als die gesamte US-Gesellschaft in die Fänge von sogenannten Robber Barons, skrupellosen Entrepreneuren, geriet. Damals verglich man die Unternehmen dieser Robber Barons mit einem riesigen Oktopus, dessen Tentakel jede Institution fest im Griff hielt. Die Korruption zog sich wie ein roter Faden durch die amerikanische Gesellschaft – Justiz, Politik, Presse, Behörden, allesamt waren sie korrumpiert und arbeiteten gegen das Volk und für ihre Taschen – die wiederum von den »Raubtierkapitalisten« gut gefüllt wurden. Es brauchte schließlich einen Schriftsteller, der bereit war, den gewöhnlichen Bürger über die korrupten Machenschaften aufzuklären. Im Jahr 1901 wurde das Buch von Frank Harris unter dem Titel The Octopus publiziert, welches die Geschichte der kleinen Farmer im amerikanischen Westen erzählt, die sukzessive in die Abhängigkeit der Eisenbahngesellschaften gerieten und schlussendlich Land und Freiheit aufgeben mussten. Das Buch löste in der Gesellschaft ein Aha-Erlebnis aus und die Bürger begannen zum ersten Mal die großen wie kleinen Zusammenhänge zu begreifen. Der Erfolg des Buches bekräftigte schließlich einen Verleger, ebenfalls die kleinen wie großen Zusammenhänge offenzulegen. In der Ausgabe seines McClure′s Magazine aus dem Jahr 1903 wurden drei lange und ausführliche investigative Artikel abgedruckt die ganz Amerika schockierten und als Startschuss fungierten, um der Korruption den Kampf anzusagen. Einer der Artikel beschäftigte sich übrigens mit den illegalen und amoralischen Praktiken der Rockefeller-Öl-Dynastie und wurde von einer gewissen Ida Tarbell nach zweijähriger Recherche zu Papier gebracht.

update 8.12.2013: Durch Zufall auf jenes Emblem gestoßen, welches die Hülle eines Spionagesatelliten der NSA ziert. Faszinierend, nicht?

Die Robber Barons sind dank mutiger Journalisten, Autoren und Politiker längst Geschichte – aus deren Unternehmen erwuchsen »seriöse« Konzerne, deren Eigentumsverhältnisse freilich im Dunkel bleiben (und deren gesellschaftlichen Einfluss als enorm zu betrachten ist). In meinem Buch Con$piracy versuche ich nun – wie anno dazumal – , größere und kleinere Zusammenhänge aufzuzeigen. Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, so leben wir in einer durch und durch korrumpierten Welt, die den Einzelnen abhängig und unfrei macht. Wir sehen es deshalb nicht klar und deutlich, weil uns ein  potemkinsche Dorf umgibt, das uns eine simple Märchenwelt vorgaukelt. Damals wie heute ist es deshalb die Aufgabe mutiger Bürger, diese Märchenwelt zu entlarven und einen Blick hinter das potemkinsche Dorf (Studiofassade) zu machen. Oder in den Worten von Adam Curtis:

[…] and we need a new journalism to explain what is really going on.

Advertisements

3 Antworten zu “Wir brauchen einen neuen Journalismus oder Adam Curtis tells the Story

  1. Wortman Dienstag, 24 Dezember, 2013 um 9:53

    [OT] Ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest wünsche ich dir 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: