richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Kurt Vonnegut und ‚The Firebombing of Dresden‘ im Februar 1945

In den nächsten Tagen jährt sich „The Firebombing“ der Stadt Dresden, damals noch liebevoll Elbflorenz genannt, zum 69. Male. Der spätere amerikanische Autor Kurt Vonnegut hielt sich während dieser Tage in Dresden auf. Nicht freiwillig, sondern auf Einladung der Deutschen Wehrmacht, will heißen: Vonnegut war Kriegsgefangener. Als gewöhnlicher Infantriesoldat (Private) musste er in den Dresdner Schlachthöfen (Slaughterouse) arbeiten, deren unterirdisch angelegten Kühlkammern ihm mit Sicherheit das Leben retteten. Während an der Oberfläche die alliierten Bomber Brandbomben regnen ließen und ein feuriges Mahnmal errichteten, wartete Vonnegut mit anderen Kriegsgefangen den Feuersturm ab. Jahrzehnte später sollte er über seine damalige Erfahrung das allseits bekannte Buch Slaughterhouse-Five schreiben.

Im Jahr 1995 trafen sich Kurt Vonnegut und US-Autor Joseph Heller, ebenfalls Weltkriegsveteran und Autor (Catch 22), um über ihre Weltkriegserlebnisse zu erzählen. Ich erlaube mir, nun einige der Passagen übersetzt wiederzugeben, die von Dresden handeln. Bedenken Sie, dass Vonnegut kein Historiker ist, sondern einfach nur ein Schriftsteller, der damals bereits 73 Jahre alt war und somit auf viele Erfahrungen zurückgreifen konnte, um sein jugendliches Erlebnis in Dresden, anno 1945, in einen reflektierten Kontext zu setzen.

0:24:50 Joseph Heller erzählt, dass er Kurt Vonnegut zum ersten Mal bei einer Rede kennen lernte, die von der Bombardierung Dresdens handelte. Er hatte bis dahin noch niemals etwas darüber gehört, und das war etwa 1966 oder 1967.

0:47:00 Vonnegut erzählt von einem Kameraden, der mit ihm in Dresden war und der später, dank einer guten Ausbildung, Staatsanwalt wurde. „Was hast du aus alldem gelernt?“, fragte Vonnegut seinen Kameraden, worauf dieser antwortete: „Nicht meiner Regierung zu trauen.“ Vonnegut führt aus, dass sie bis zu diesem Tag im Februar 1945 nicht wussten, dass „wir Zivilisten und Städte flächendeckend bombardierten (carpet bombing); es war allgemein nicht gerade sehr bekannt, dass wir das taten und dass unsere Politik darin bestand, Zivilisten zu töten und töten und töten um auf diese Weise den Krieg zu gewinnen.“

0:51:30 Der Grund für die Bombardierung? Vonnegut und Heller sind der Meinung, es wäre auf ein „bürokratisches Momentum“ (bureaucratic momentum) zurückzuführen. „Firebombing of Dresden, it was a shame. Und niemand, der darüber etwas sagen wollte.“

1:04:00  „Es ist das größte Massaker in der europäischen Geschichte“; „was in Dresden passierte, war lange Zeit ein Geheimnis, sogar top-secret noch Jahre nach dem Krieg; es wurde vor dem amerikanischen Volk geheim gehalten.“ „Was ‚Bomber Harris‘ [Oberkommandierender der britischen Luftstreiftkräfte] tat, das Bombardieren von Zivilisten, war unmoralisch; die Sache war hauptsächlich eine britische Operation.“

1:19:00 „Wir waren etwa 100 Kriegsgefangene und 3 Leute starben während der Gefangenschaft, das ist normal casualities von Kriegsgefangen von rund 3 %.“

Die Geschichtsfakultät der University of California in Santa Barbara ist so freundlich, einen 11-seitigen Essay der Nachkriegsdebatte – in Bezug auf die Bombardierung Dresdens – als PDF zur Verfügung zu stellen: The Post-War Debate by Richard Overy. Der Link befindet sich etwa in der Mitte des englischen Talk-Site des Wikipedia-Eintrages.

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