WM2014: Tag #17 – Achtelfinale

Ausblick Viertelfinale Niederlande : Costa Rica Sollte es möglich sein, dass die Überraschungsmannschaft Costa Rica den nächsten Defensivwall knackt? Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass sie Uruguay, Italien, England und jetzt auch noch Griechenland in die Schranken wiesen. Niederlande ist jedenfalls gewarnt. Und falls sie – wie gegen Mexiko – auch gegen Costa Rica mit einer 7-er-Abwehrkette auflaufen, dann würde ich vorschlagen, die Holländer mit Schimpf und Schande aus dem Stadion zu jagen. Irgendwann reicht dieser, pardon, „aus-einer-gesicherten-Abwehr-spielen“-Scheiß ein für allemal.

 

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Niederlande : Mexiko 2:1

Ja, so kann es gehen, in einem Fußballspiel. Bis zur 88. Minute führt Mexiko mit 1:0 und dann kommt Sneijder und knallt den Ball mit Überschallgeschwindigkeit ins Netz. Gut. Das gibt dann halt Verlängerung, denkt der Zuschauer und das mexikanische Team, dabei machen sie allesamt die Rechnung ohne Robben. Schön langsam wird es wirklich langweilig. Robben sprintet in den Strafraum, führt den Ball eng am Fuß, tanzt wie auf Speed die Gegenspieler aus, sucht den gegnerischen Kontakt, findet ihn, fällt, Elfmeter. In der 90. + 4. Minute verwandelt Huntelaar den Strafstoß eiskalt. Mexikos Traum vom Viertelfinale wie eine Seifenblase zerplatzt. Aber seien wir mal ehrlich, die Niederländer haben schlussendlich mehr fürs Spiel gemacht, als es um die Wurst ging, während sich die Mexikaner zurückzogen und hofften, dass der Kelch und Robben an ihnen vorübergehen würden. Ein fataler Fehler. Hätten sie – wie in der ersten Hälfte vor dem Führungstreffer – konsequent die niederländische Defensive bearbeitet, hätten sie weiterhin im Mittelfeld Druck ausgeübt, die Sache wäre vielleicht anders für Mexiko ausgegangen. Aber was hilft ein Wenn und ein Aber. Fakt ist, die Niederländer stehen im Viertelfinale – und so lange Robben am Platz ist, können sie sogar Weltmeister werden. Die Taktik ist so einfach, dass sie sogar ein dressierter Oranje-Utan behirnt: 8 Mann sichern hinten ab, Robben und van Persie oder Sneijder warten auf einen Fehler der gegnerischen Abwehr bzw. auf den Konter und machen das entscheidende Tor – sei es aus dem Spiel oder durch einen Elfmeter. Punkt. Man stelle sich vor, die restlichen 31 Mannschaften hätten auch einen Robben im Team und würden die selbe Taktik anwenden. Das wäre dann wohl das Ende des Fußballs als Teamsport. Wer kann diese Niederländer überhaupt schlagen?  Besser: Welches Team kann Robben ausschalten? Wir müssen uns dabei immer vor Augen halten, dass diese „Taktik“ bei der WM 2010 prächtig funktionierte! Ehrlich gesagt, ich bin mit meinem fußballerischen Latein am Ende.

 

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Costa Rica : Griechenland 1:1  5:3 n. E.

Wer hätte gedacht, dass sich die Götter des Olymp einen Spaß mit der griechischen Mannschaft machen würden? Zuerst wird der Costa Ricaner Duarte ausgeschlossen (66. Minute) und dann gönnt man den anstürmenden Griechen – wie schon gegen die Elfenbeinküste – ein spätes, sehr spätes Ausgleichstor (90. + 1. Minute). Also in die Verlängerung. Auch hier zeigt sich, dass es die Griechen in der Hand respektive Fuß haben, den Sack zuzumachen. Aber Torhüter Navas ist immer zur Stelle und verhindert eins ums andere Mal die Entscheidung. Also geht es ins Elfmeterschießen. Allesamt zeigen sie keine Nerven, alle schießen scharf, platziert und trocken – oder verladen den Torhüter elegant. Tja. Dann, beim vierten Strafstoß der Griechen, der von Gekas nicht wirklich schlecht geschossen ist, ist die Hand von Navas zur Stelle. Pariert. Griechenland darf/muss nach Hause fahren, Costa Rica, ja, man kann es nicht oft genug schreiben, Costa Rica steht im  Viertelfinale. Respekt. Hochachtung. Die Fußballwelt zieht den Hut und die Götter des Olymp lachen sich ins Fäustchen. Sowas. Ich frage mich ja, warum die Griechen nicht ihre Taktik über den Haufen werfen. Als sie in den zwei letzten Spielen mit Mann und Maus stürmten, da merkte man, dass sie es können, dass sie das Spielermaterial haben, offensive Akzente zu setzen. Freilich, das Spiel machen, ist eine andere Geschichte, aber ihre Sturmläufe in den letzten Minuten der Spielzeit, also, ich muss sagen, das war schon beeindruckend. Wären sie nicht so eine defensive Minimalistentruppe (sie sind mit gerade einmal zwei geschossenen Toren und einer negativen Tordifferenz ins Achtelfinale aufgestiegen), man könnte sie beinahe ins Herz schließen, so beherzt haben sie aufgespielt, als es um die Wurst ging. Zugegeben, in diesem Spiel wählte der griechische Trainer eine offensivere Aufstellung als die Spiele zuvor, aber, naja, das blieb ja doch nur Stückwerk, weil in den Köpfen und Beinen der Spieler das Sicherheitsdenken förmlich eingebrannt ist. Ich denke, es ist jetzt auch für Griechenland an der Zeit, das Althergebrachte eines „Rehakles“ über Bord zu werfen und ganz neu zu beginnen. Vielleicht wollten Ihnen die Götter des Olymp genau das mitteilen. Also, ich habe die Botschaft verstanden.

 

WM2014: Tag#16 – Achtelfinale

Ausblick Viertelfinale Brasilien : Kolumbien die brasilianische Mannschaft, die es mit einer offensiv spielstarken kolumbianischen Mannschaft zu tun bekommt, wird sich nun überlegen müssen, ob sie – wie gegen Chile – versucht, das Spiel zu machen, es förmlich an sich reißt, oder (davon gehe ich aus) abwartet, das Tempo herausnimmt und auf Kontergelegenheiten wartet. Brasilien, das dürfen wir nicht vergessen, ist nach der Schlacht gegen Chile körperlich angezählt, nichtsdestotrotz top motiviert. Wir dürfen ein tolles Spiel erwarten.

 

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Brasilien : Chile 1:1  3:2 n.E.

Beinahe hätte Chile für die erste große Überraschung gesorgt. Aber der Chilene Pinilla traf in der letzten Minute der Verlängerung nicht ins Tor, sondern nur an die Latte. Beim Elfmeterschießen hatten die Brasilianer schließlich Neymar, der seinen Elfmeter sicher verwandelte, während Pechvogel Jara – er verschuldete den Führungstreffer der Brasilianer – nur die Stange traf. Tja. Dumm gelaufen, für Chile. Andererseits, so sympathisch mir die Chilenen auch sind, in diesem Spiel konnte man mit freiem Auge erkennen, dass sie nach einer Stunde ihr Pulver verschossen hatten. Schade. Bis dahin hatten sie durchaus mit Brasilien mithalten können, waren – wenigstens im Mittelfeld – obenauf, aber offensiv ging wenig. In der Defensive wiederum äußerst konzentriert – trotzdem hätten die Brasilianer ein- oder zwei Mal das Tor machen müssen. Zuweilen war ich ein wenig verwundert, über die kick-and-rush-Spielweise der Brasilianer. Wer hätte einmal gedacht, dass ein brasilianisches Nationalteam auf diese ideenlose britische Brachialspielweise zurückgreift, um sich gegen die quirligen, eng am Mann stehenden Chilenen durchzusetzen. Dass es Hulk oder Dani Alves mit Weitschüssen aus beinahe 30 Metern versuchten, obwohl eine Flanke die bessere Option gewesen wäre, zeigt, dass das Spielverständnis auch bei Qualitätsspielern zuweilen mangelhaft ist. Wie dem auch sei, ich bin mit dem Spiel und – vor allem – mit dem Ausgang des Spiels sehr zufrieden. Man wird sehen, wie viel Substanz dieses Spiel den Brasilianer gekostet hat und wie sich die Auswechselspieler in das Gefüge der Mannschaft einfügen werden. Der für den blassen Fred gekommene Jô, der eine hundertprozentige Torchance verstolperte, hat auch nicht sonderlich überzeugt – immerhin hat er die chilenische Abwehr mehr beschäftigt als Fred. Ich frage mich ja, warum die Brasilianer nicht mit Hulk in der Mitte als Stoßstürmer spielen – die Veranlagung und Spielanlage hätte er. Flinke Flügelspieler sollten im brasilianischen Spielerpool wohl leichter zu finden sein.

 

 

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Kolumbien : Uruguay 2:0

Huh. Ein wenig habe ich schon um Kolumbien gezittert, als das Team nach der Führung zum 2:0 in der 50. Minute durch den überragenden James Rodriguez, aufgehört hat, seinen offensiven Fußball zu spielen. Verkehrte Welt, als das sonst defensive Uruguay mit drei Stürmern am Feld stand und versuchte, das Unmögliche möglich zu machen. Nicht auszudenken, hätten sie den Anschlusstreffer gemacht. Weil man spürte, dass die Urus innerlich brannten – und nicht gerade zimperlich mit ihren Gegenspielern umgingen. Na, nichts Neues im Spiel von Uruguay, wenn man so will. Gottlob sind sie jetzt draußen. Fehlt nur noch, dass die Niederländer auch nach Hause fahren, dann könnte es eine tolle WM werden. Dass einer der Urus nicht ausgeschlossen wurde, als er ein Foul ohne Ball, also eine Tätlichkeit beging, ist mir nicht klar. Viel hätte vermutlich nicht gefehlt und die aufgeladene Stimmung hätte sich in hässlichen Aktionen entladen. Wie dem auch sei, Kolumbien hat in der Defensive keine großen Schwächen gezeigt, wenngleich mir die Abwehr nicht gerade diszipliniert und organisiert vorgekommen ist.

 

 

WM2014: Gedanken zum Achtelfinale

Uh. Die Zeit drängt. Keine zehn Minuten bis zum ersten Achtelfinalspiel. Die Spannung steigt. Hier meine Überlegungen zu den Spielen. Nur für den Fall, dass ich mich nicht mehr erinnern (möchte). Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Heute, beispielsweise, stehen die Chancen für eine solche gar nicht mal sooo schlecht. Freilich nur im ersten Spiel. Sodala. Jetzt aber volle Konzentration.

 

Brasilien : Chile  Überraschungsfaktor: 30 %. Chile hat Spanien, wenn man so will, den Todesstoß versetzt. Das alleine sollte eigentlich als Eintrittskarte für ein Viertelfinale reichen. Aber der Gegner heißt Brasilien und beinahe die ganze Welt (inkl. der FIFA) möchte den WM-Gastgeber im Finale sehen. Somit sollte sich Brasilien knapp gegen Chile durchsetzen können.

 

Kolumbien : Uruguay  Überraschungsfaktor: 1 %. Kolumbien hat eine beeindruckende Leistung in den drei Gruppenspielen geboten und es wäre eine groooße Überraschung, könnten die zahn- und suarezlosen Urus Kolumbien schlagen. Wir sprechen hier übrigens von jenem südamerikanischen Team, das von Costa Rica im ersten Gruppenspiel vorgeführt wurde. Zugegeben, Uruguay kickte Italien aus dem Turnier, aber das spricht nicht für Uruguay, sonder vielmehr gegen Italien, die in drei Spielen eine erbärmlich schwache Leistung zeigten. Aber viel wichtiger ist die Frage: Wer hegt überhaupt noch Sympathien für das Team von Uruguay? Der einzige Wermutstropfen ist vielleicht, dass Kolumbien im Viertelfinale auf Brasilien/Chile trifft. Ein Jammer, dass sich die spielfreudigen Teams gegenseitig rauskicken müssen.

 

Niederlande : Mexiko Überraschungsfaktor: 30 %. Ach, die Niederländer, was habe ich mir da nicht schon den Mund und Blog fusslig geredet respektive geschrieben. Blenden wir das berühmt-berüchtigte Spiel gegen Spanien aus, dann ist das gewohnte Spiel der Niederländer, äh, nicht Fußball zu spielen, sondern vielmehr das (flüssige) Spiel des Gegners im Ansatz zu stören bzw. zerstören und gleichzeitig mit dem Offensivtrio Robben- Sneijder – van Persie zu mindest ein Tor zu machen. Nun ist Mexiko ja nicht auf der sogenannten Nudelsuppe dahergeschwommen, haben sie doch gegen Brasilien eine ansprechende Leistung geboten und mit ordentlichem Pressing gepunktet. Und dann haben sie auch noch mit Francisco Guillermo Ochoa einen Wunderwuzzi im Tor stehen, der bereits Neymar & Co zur Verzweiflung brachte. Aber ob das gegen die ausgekochten Niederländer reichen wird? Ich bezweifle es. Die Statistik bestätigt jedenfalls mein Bauchgefühl: geht es nämlich um den Ballbesitz während eines Spiels, so hat die Niederlande den zweitschlechtesten Wert (vor Iran); den „besten“ Wert haben die Oranjes hingegen bei den begangenen Fouls. [link]

 

Costa Rica : Griechenland Überraschungsfaktor: 100 %. Hätten Sie vor der WM mit den beiden Mannschaften im Achtelfinale gerechnet? Sehen Sie, ich auch nicht. Aber was dem Ganzen die Krone aufsetzt, ist der Umstand, dass eine der beiden Teams ins Viertelfinale aufsteigen wird. Unvorstellbar und doch entspricht es der Realität. Während also die Teams von Spanien, Italien, England, Kroatien, Bosnien, Portugal, Ghana, Russland, der Elfenbeinküste und Kamerun allesamt ausgeschieden sind, kämpfen diese beiden Underdogs ums Viertelfinale. Absurd, nicht? Wobei, Costa Rica hat in der Gruppenphase eine gute Vorstellung abgeliefert und sich dieses Achtelfinalspiel redlich verdient. Das kann man von Griechenland nicht behaupten. Von den gespielten 270 Minuten überzeugten mich nur die letzten 20 Minuten im Krimi gegen die Elfenbeinküste – ansonsten war das Spiel der Griechen, äh, ja, unattraktiv bis zum Abwinken. De facto sind sie in der Achtelfinalbegegnung mit Sicherheit die spielerisch schwächere Mannschaft, aber Erfahrung und Beton-Taktik sprechen für sie. Ehrlich gesagt, ich hege ein klein wenig Sympathie für die Kicker des Olymp. Warum? Weil sie im letzten Spiel dem Schicksal trotzten. Beinahe glaubte man sich in einem antiken Theaterstück. Wie dem auch sei, wenn sie auch gegen Costa Rica die Betonmauer aufziehen, dann werde ich mit Zeus wohl ein ernstes Wörtchen zu reden haben. Jawohl.

 

Frankreich : Nigeria Überraschungsfaktor: 1 %. Vive la France! Oui, oui. Mir gefallen sie, die Mannen des sympathischen Trainers Didier Deschamps (hach, lange scheint es her zu sein, als Zidane, Barthez & Co für Furore sorgten). Die Leistungen in der Gruppenphase waren ordentlich, man sollte aber den Kantersieg gegen die Schweiz nicht überbewerten und die Pferde im Stall lassen. Gegen Nigeria werden sie wohl noch nicht an ihre Grenzen gehen müssen – dafür wartet dann im Viertelfinale Deutschland.

 

Deutschland : Algerien Überraschungsfaktor: 10 %. Ja, das deutsche Nationalteam hat mit Sicherheit den unangenehmsten Gegner des Viertelfinales zugelost bekommen, spielen die Algerier doch einen ähnlich körperintensiven Fußball wie Ghana. Sie sind mental stark und ihr Pressing, das sie in der ersten Halbzeit gegen Südkorea praktizierten, war atemberaubend. Jetzt haben die algerischen Wüstenfüchse sogar die einmalige Chance, sich für die „Schande von Gijon“ zu revanchieren. Am Ende, davon muss man ausgehen, wird das deutsche Team als Sieger vom Platz gehen. Natürlich wird ihnen diese Schlacht viel, sehr viel Substanz kosten. Auf der anderen Seite wird es die Löw-Truppe abhärten und mental stärken. Weil, was einen nicht umbringt, macht einen Härter. Das gilt nicht nur im Leben, sondern auch im Fußball. Wir dürfen uns jedenfalls auf eine intensive Partie freuen.

 

Argentinien : Schweiz Überraschungsfaktor: 25 %. Vermutlich übersehen viele den Umstand, dass die Schweiz in der FIFA-Weltrangliste den sechsten Platz belegt – gerade einmal einen Platz hinter Argentinien. Mit anderen Worten, das Achtelfinalspiel ist am Papier eine Begegnung auf Augenhöhe. Und das wird es m. E. auch Die Leistungen Argentiniens in der Gruppenphase waren, äh, beschaulich und nicht gerade weltmeisterlich, jene der Schweizer freilich auch nicht gerade überwältigend. Schlussendlich wird die Partie wohl oder übel von einem Mann entschieden werden: Lionel Messi.

 

Belgien : USA Überraschungsfaktor 30 %. Sollte die Klinsmann-Truppe tatsächlich in der Lage sein, den Geheimtipp aus dem Rennen zu kicken? Ich kann es mir nicht vorstellen. Was aber nicht heißen soll, dass es einfach für Belgien werden wird. Ganz und gar nicht. Die US-Boys sind tough und mental superstark. Gegen die Löw-Truppe haben sie m. E. mit angezogener Handbremse gespielt, eine andere Erklärung für den plötzlichen Formabfall gibt es nicht. Belgien wird alle Kraft und spielerischen Qualitäten benötigen, um gegen die USA zu bestehen. Denn berauschend haben sie nicht wirklich gespielt, in der Gruppenphase. Beinahe enttäuschend, wenn man sich vor Augen führt, wer da aller auf dem Feld stand.

 

 

 

 

 

 

WM2014: Tag #15

Der 15. WM-Spieltag konnte – wie schon die Tage zuvor – mit keiner Überraschung aufwarten – alles wie gehabt: die Deutschen gewinnen gegen unbeflügelte Amerikaner und die Portugiesen erkämpfen sich zum Abschluss ihres Sommer-Alptraums noch einen Sieg gegen Ghana. Nun, vielleicht gab es doch noch eine Überraschung. Hätte man nämlich vor Beginn der WM die Algerier im Achtelfinale gesehen, man wäre ausgelacht worden. Doch da wusste noch niemand, dass die Russen in der Gruppenphase vollends enttäuschen würden. Die Belgier sind zwar im Turnier noch nicht angekommen, trotzdem reichte ihre beschauliche Leistung für den Gruppensieg. Somit sind die nächsten Achtelfinalpaarungen:

Deutschland : Algerien und Belgien : USA

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USA : Deutschland 0 : 1……………….CPortugal : Ghana 2 : 1

USA/Deutschland! Wieder ein “Freundschaftsspiel”. Wieder stellt sich die Frage, welche Aussagekraft es bezüglich der Stärke der beiden Mannschaften hat. Das deutsche Team gewohnt spielstark, mit den besseren Einzelspielern (Thomas Müller macht Tor um Tor) und der besseren Physis. Erinnern wir uns, dass Ghana, mit körperlich starken Spieler, die bestens motiviert waren, die Deutschen beinahe an den Rand einer Niederlage gebracht hätten. Die Amerikaner auf der anderen Seite konnten – so scheint es – die Deutschen nie ernsthaft in Gefahr bringen. Wollten sie nicht? Oder konnten sie nicht? Die beiden vorangegangenen Spiele der US-Boys zeigten, dass sie es mit jedem Gegner aufnehmen könnten – vorausgesetzt, es geht um die Wurst. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Klinsmann-Truppe in den vorangegangenen Gruppenspielen nicht verausgabt hat. Gegen Belgien, das ähnlich spielstark wie das deutsche Team ist, braucht es jedenfalls mehr Feuer, mehr Leidenschaft, mehr Kampf, mehr von allem. Ansonsten dürfen die US-Boys die Heimreise antreten.

Und die Deutschen? Sie werden es im Achtelfinale mit unangenehmen Algeriern zu tun bekommen. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob die Nordafrikaner ihr Pulver nicht schon in den Gruppenspielen verschossen haben. Wie oft musste man in Turnieren erkennen, wie ambitionierte, in den Vorrunden gut aufspielende Mannschaften, im Achtelfinale sang- und klanglos untergingen. Das ist ja die (welt)meisterliche Leistung der Deutschen seit jeher gewesen, dass sie es immer gut verstanden haben, mit ihren Kräften hauszuhalten; so konnten sie immer noch einen Gang zulegen, wenn Not am Manne war. Die Italiener waren in dieser Disziplin über die Jahre die vielleicht bessere Mannschaft – da es ihrer defensiven Spielweise entgegenkam – kein Wunder also, dass die Deutschen oft vom Angstgegner sprachen, wenn es gegen Italien ging. Aber die Zeiten haben sich wohl geändert. Die Italiener bemühen sich um einen Neuanfang und die Deutschen sind am Weg zur Weltspitze. Was ihnen dazu noch fehlt, ist vielleicht die Konstanz, die Physis und damit die Bereitschaft, mit vollem Körpereinsatz zu spielen. Viele der Offensivspieler sind fragile Techniker, die gegen kampfstarke Gegner, die eng am Mann stehen, ihre Probleme haben. Freilich, davon gibt es in den oberen Klassen nicht gar so viele – Niederlande mag wohl das beste Beispiel für diesen Mannschaftstypus abgeben. Algerien gehört natürlich auch dazu, wenngleich sie nicht die Qualität der niederländischen Einzelspieler erreichen. Aber wenn man das algerische Pressing gegen die sonst so quirligen und technisch guten Südkoreaner gesehen hat, muss man einfach beeindruckt sein. Die Sache funktioniert natürlich nur so lange, so lange die Algerier nicht einem Tor nachlaufen oder einen Führungstreffer mit Mann und Maus verteidigen müssen. Paradox? Nein, Fußball.

Läuft jedenfalls alles nach Plan, sollte es zum Viertelfinalschlager Deutschland : Frankreich kommen. Gut möglich, dass in Zukunft die Franzosen der neue Angstgegner der Deutschen werden. Umgekehrt gilt das natürlich auch, wenngleich das deutsche Nationalteam für jede andere Mannschaft sowieso ein Angstgegner ist.

Portugal/Ghana! Die letzten zwanzig Minuten dieses Spiels – nach dem Ausgleich der Afrikaner – live mitverfolgt, da im Löw-Klinsmann-Duell kaum Emotionen zu finden waren. Ja, es war ein munteres, durchaus spannendes und emotional erhitztes Spielchen. Das gefällt mir. Ronaldo, wäre er auch nur einigermaßen fit gewesen, er hätte die Afrikaner im Alleingang aus dem Stadion schießen müssen. Aber so ist das (Fußballer)Leben. Am Ende gewinnen die Portugiesen verdient und dürfen mit Verlierer Ghana, deren beherzte Spielweise mir sehr gefiel, nach Hause fliegen.

 

Südkorea : Belgien 0 : 1……………….CAlgerien : Russland 1 : 1

Südkorea/Belgien! Die Südkoreaner mühten sich in ihren Gruppenspielen redlich, aber schlussendlich müssen sie sich eingestehen, dass sie gegenwärtig im internationalen Fußball keine Rolle mehr spielen. Das trifft auch auf die anderen (FIFA-)asiatischen Mannschaften im Turnier zu, sei es Japan, Australien oder der Iran (der aber eine überraschend gute Figur machte). Mit der Leistung und der Qualität vor zwölf Jahren hätte Südkorea sicherlich den Aufstieg ins Achtelfinale fixieren können. Aber die Zeiten sind vorbei, als man ein starkes Trappatoni-Italien (mit ein wenig Schiedsrichterhilfe und dem Heimvorteil im Rücken) biegen und ins Halbfinale einziehen konnte. Gegenwärtig ist es Belgien, das alle Blicke auf sich zieht und vor der WM der offizielle Geheimtipp war. Obwohl sich das belgische Team im letzten Spiel gegen Südkorea selber schwächte – rote Karte für Defour nach einem hässlichen und überaus dummen Foul – und als Fixaufsteiger ein wenig die Motivation fehlte, holten sie sich den Sieg und das Punktemaximum. Das schafften übrigens neben Belgien nur die Niederlande, Argentinien und Kolumbien. Respekt. Der Achtelfinalgegner für Belgien ist die Klinsmann-Truppe und falls sie eine ähnliche Leistung wie gegen Deutschland zeigen, dürfen sie nach Hause fahren. Leicht wird es für Belgien nicht, aber mit solch einem spielerischen Qualitätsvorteil wäre ein Ausscheiden eine böse Überraschung.

Algerien/Russland! Ehrlich, ich hege Sympathien für das russische Team und ihren Trainer Fabio Capello, aber was sie in den Gruppenspielen zeigten, war, nun ja, mäßig. Es mag bezeichnend sein, dass es zwei Tormannfehler des sonst so routinierten Akinfeev waren, die Russland auf die Verlierstraße brachten. Aber wie man es auch dreht und wendet, die Capello-Truppe enttäuschte. Kein Feuer, keine Leidenschaft, keine Offensivanstrengungen. In der Defensive klappte es überraschend gut – und hätte Akinfeev nicht zwei Mal daneben gegriffen, sie hätten in drei Spielen nur ein Tor kassiert. Wie dem auch sei, eine gute Defensivleistung alleine reicht in einem Turnier nicht aus. Ich schätze, es gibt noch viel zu tun, für Capello. Die Algerier, auf der anderen Seite, haben gezeigt, wie Fußball aussehen kann: druckvoll, technisch hochwertig, körperlich, diszipliniert und – vor allem – leidenschaftlich. Deutschland hat mit Algerien wohl einen der unangenehmsten Zweitplatzierten des Achtelfinales zugelost bekommen. Noch dazu, es muss erwähnt werden, ist die Schmach von Gijon bei der WM 1982 sicherlich noch nicht vergessen. Somit steht für mich fest, dass dieses Achtelfinalspiel zu einer Schlacht ausartet, in der mit allen Mitteln gekämpft und gespielt wird. Die Algerier werden keine Gefangenen machen wollen. Ja, Deutschland bekommt es mit einem weiteren „Ghana“-Spiel zu tun. Es wird sich zeigen, wie Löw seine Mannen auf dieses Spiel einstimmen wird. Spannend.

 

 

WM2014: Tag #14

Beim 14. WM-Spieltag gab es keine Überraschungen – die B-Elf der Franzosen erreichten das Achtelfinale mit einer Nullnummer gegen Ecuador; die Schweiz und Shakiri schossen sich gegen Honduras den Frust von der Seele und Argentinien konnte sich gegen – Aufsteiger – Nigeria durchsetzen. Somit sind die nächsten Achtelfinalpaarungen:

Frankreich : Nigeria und Argentinien : Schweiz

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Nigeria : Argentinien 2 : 3……………….CBosnien-Herzegowina : Iran 3 : 1

Nigeria/Argentinien! Das „Freundschaftsspiel“ zwischen den beiden Mannschaften hat natürlich keine Aussagekraft ob der Stärke der beiden Teams. Immerhin kann man so viel sagen, dass die Argentinier einen gewissen Messi in ihren Reihen haben, der im Moment nach Belieben trifft. Da fällt der (mögliche) Ausfall von Stürmer Aguero nicht sonderlich ins Gewicht (vielleicht passt sein Ersatz Lavezzi sogar besser zu Messi und DiMaria). Somit steht für mich fest, so lange Messi am Feld ist, ist Argentinien in jedem Spiel für ein oder zwei Tore gut und darf sich somit zum Favoritenkreis dieser Weltmeisterschaft zählen. Gut spielen muss Argentinien nicht, wie man in den vorangegangenen Gruppenspielen gesehen hat, um zu gewinnen. Das ist natürlich eine der weltmeisterlichen Eigenschaften, wenn man so will. Deshalb gilt für Agentinien die Faustregel: trifft Messi im Achtelfinale nicht, ist das Ausscheiden die zwangsläufige Folge. Dort bekommen es die Südamerikaner mit zähen Schweizern zu tun, die heiß sind, die Schlappe gegen Frankreich vergessen zu machen. Ich gehe davon aus, dass die Gauchos die Eidgenossen unterschätzen werden und tippe auf eine Überraschung oder einen glücklichen Sieg der Messi-Truppe.

Nigeria ist für mich ein großes Fragezeichen. Zwar schießen sie Tore, gewinnen Spiele, aber deren Mannschaftsgefüge kommt mir dann doch recht fragil vor. Weiters ist ihr Abwehrverhalten inkonsequent und ein wenig lasch – hätten sie nicht Torhüter Enyeama zwischen den Pfosten stehen, wer weiß, wie die Gruppenspiele ausgegangen wären. Wie dem auch sei, im Achtelfinale bekommen sie es mit dem übermächtigen Frankreich zu tun. Da ist dann ja wohl nur die Höhe des französischen Sieges ungewiss und wer sich von den Franzosen am Torreigen beteiligt. Überraschung ausgeschlossen. Oui, oui.

Iran/Bosnien-Herzegowina! Gegen Argentinien und Nigeria konnte Underdog Iran überzeugen. Aber gegen Bosnien dürfte der Iran sein Pulver bereits verschossen haben. Vielleicht hatten sie auch Angst vor der eigenen Courage. Wie dem auch sei, Iran und Bosnien haben sich gut präsentiert. Vor der WM hätte ich Bosnien als klaren Gruppenzweiten gesehen, nach ihrem ersten Spiel – der unglücklichen Niederlage gegen Argentinien – war ich noch mehr überzeugt davon, dass sie ins Achtelfinale aufsteigen würden. Tja. Gegen Nigeria gab’s aber nichts zu holen, auch wenn ihnen ein reguläres Tor in der ersten Hälfte aberkannt wurde. Aber ich bin sicher, wir werden von beiden Mannschaften wieder hören.

 

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Honduras : Schweiz 0 : 3……………….Ecuador : Frankreich 0 : 0

Honduras/Schweiz! Wie zu  erwarten, war diesmal Honduras keine Hürde für die frustrierten Schweizer. Shakiri meldete sich dabei mit einem Triplepack zu Wort und zeigt, dass der Edelreservist der Bayern für Höheres bestimmt ist. Ein Vereinswechsel würde sich demnach nach der WM anbieten. Vor allem dann, wenn die Schweizer Mitfavorit Argentinien Schwierigkeiten bereiten. Und das werden sie. Ich gehe davon aus, dass es ein Spiel auf Augenhöhe sein wird. Überraschung nicht ausgeschlossen.

Eucador/Frankreich! Für das letzte Gruppenspiel Frankreichs gegen Ecuador reichte eine B-Elf, um mit einer Nullnummer den Gruppensieg zu fixieren. Es wird sich zeigen, ob diese Sicherheitsvariante von Didier Deschamps ein Schuss ins Knie war. Weil es immer wieder vorkommt, dass Mannschaften, die im vorhergehenden Spiel mit einer B-Elf aufliefen, ihren Rhythmus verlieren und nicht mehr ins Spiel kommen (Kolumbiens „Ersatz-Elf“ ist freilich auch nicht von schlechten Eltern). Zwar mag es eine vernünftige Sache sein, Spieler zu schonen, andererseits ist jede Minute, in der die Mannschaft am Platz steht, äußerst wichtig. Es schweißt die Mannen zusammen und gewährt dem Einzelnen wichtige Erfahrungen und Einsichten. Freilich, der Achtelfinalgegner Nigeria, wie bereits erwähnt, sollte für Frankreich keine große Hürde darstellen. Damit steht dem möglichen Viertelfinalschlager Deutschland : Frankreich nichts mehr im Wege. Außer vielleicht die USA oder Algerien.