richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM2014: Tag #4

Der vierte Spieltag barg keine Überraschungen. Frankreich und Argentinien, genauso wie die GoalControl zeigten, dass sie ordnungsgemäß funktionierten. Einzig die Schweiz zitterte sich zu einem Sieg in letzter Sekunde. Nicht verdient, aber bei einer WM zählt nun mal nur das Ergebnis. Take it or leave it.

 

Schweiz : Ecuador  2 : 1

Das Glück ist ein Vögli! Meine Güte, was müssen die Eidgenossen auch in der letzten Sekunde der Spielzeit noch den Siegestreffer erzielen. Weil sich Ecuador gut verkauft hat, weil sie sich einen Punkt verdient hätten, so aufopfernd, so lauffreudig, wie sie sich präsentiert haben. Und sah es nicht sogar lange Zeit so aus, als würden die Schweizer noch gar nicht in Brasilien angekommen sein? Viele Abspielfehler, viel Nervosität, viel Unsicherheit. Ecuador, ganz im Gegenteil, witterte die Chance und presste gegen das schweizer Tor. Die logische Folge war der Führungstreffer – der aber dem Spiel der Südamerikaner gar nicht so gut getan haben dürfte, schalteten sie einen Gang zurück und lauerten primär auf Konter. So verging die erste Halbzeit, ohne dass die Schweiz unter Druck geriet und sich so mental aufrichten konnte. Die logische Folge – obwohl im Fußball ja bekanntlich nichts logisch ist – war der Ausgleich, knapp nach Beginn der zweiten Halbzeit. Nun waren es die Schweizer, die das Spiel in den Griff bekamen und den Gegner, der sich immer weiter zurückzog, dominierten. Spielerisch und kämpferisch war Ecuador natürlich noch immer präsent, zeigten die Spieler gute Aktionen, aber das Momentum ging lange Zeit auf die Schweizer über, die sich viele Chancen erarbeiteten. Doch gegen Ende des Spiels schlich sich bei den Eidgenossen wieder die Unsicherheit ein – nicht wissend, ob man noch einmal alles riskieren oder mit dem Unentschieden zufrieden sein sollte. Ecuador setzte nach, erkämpfte sich wieder Chancen (was die Schweizer wohl noch nervöser machte) und das Spiel stand auf Messers Schneide. Und dann, bereits in der Nachspielzeit, ein Konter von Ecuador … und um Haaresbreite wäre der Siegestreffer für die Südamerikaner gefallen; tja, dumm gelaufen, weil im Gegenzug (und der letzten Aktion im Spiel), man will es gar nicht erst glauben, die Schweizer den Ball ins gegnerische Tor beförderten. Schlapperlot. Sollten sich die Eidgenossen gegen Honduras keine Blöße erlauben, sind sie im Achtelfinale. So einfach kann es gehen.

 

Frankreich : Honduras  3 : 0

Die GoalControl funktioniert! Vive la France! Oh lala, wer hätte gedacht, dass die Franzosen so fulminant in eine WM starten würden. Zugegeben, die ersten zehn Minuten musste man das Schlimmste für die Deschamps-Mannen fürchten, da spielte Honduras frech und fröhlich nach vorne und ließ die Équipe Tricolore ziemlich alt aussehen. Aber nach zehn Minuten war die Hackordnung wieder hergestellt und die Franzosen legten einen Gang zu. Im Besonderen hat mir der kleine Valbuena gefallen, der auf der rechten Angriffsseite ordentlich wirbelte. Respect! Aber so ganz abschütteln konnten die Franzosen ihre (vermutlich in der Muttermilch aufgesogene) Undiszipliniertheit nicht – kurz gingen die Wogen hoch, als Paul Pogba, bereits am Boden liegend, nach seinem Gegenspieler trat. Der Schiedsrichter hätte hier durchaus die rote Karte zeigen können. Und wer weiß, was dann geschehen wäre. Nein, nicht das Honduras wirklich eine Chance gehabt hätte (sie mussten ihrerseits ab der 43. Minute einen Mann vorgeben), vielmehr hätte das fragile Gefüge der Franzosen ordentlich gelitten. Es wird sich im Laufe der WM zeigen, ob Trainer Deschamps, mehr Republikaner als Despot, seine multinationale Truppe im Griff haben wird. Falls ja, dann können sie weit kommen. Honduras? Ambitioniert. Ob sie, wie vor vier Jahren, den Schweizern ein Unentschieden abringen können, hm, bezweifle ich. Aber im Fußball soll ja bekanntlich alles möglich sein. Ach ja, die Torlinientechnologie, von mir ein wenig belächelt, hat in diesem Spiel gezeigt, dass sie funktioniert und in einer strittigen Situation richtig zu entscheiden weiß. Freilich, wäre das reguläre Tor nicht gegeben worden, es hätte in diesem Spiel keinen Unterschied gemacht – die Franzosen dominierten so und so. Aber gut zu wissen, dass die Technik auf der Seite der Gerechtigkeit ist. Oui, oui.

 

Argentinien : Bosnien-Herzegowina 2 : 1

Messi? Messi! Auch das zweite kakanische Team, neben Kroatien, nicht gerade vom Glück verfolgt. Ist es ein habsburgischer Fluch, der auf ihnen lastet? Nach wenigen Minuten prallt der Ball von einem Bosnier ins eigene Tor. Dumm, so ein frühes Eigentor. Noch dazu gegen Argentinien und Superstar Messi – der über weite Strecken recht lustlos wirkte, aber dann und wann seinen Turbo zündete und – äh, ja, die logische Schlussfolgerung – ein Tor erzielte. Der Anschlusstreffer, fünf Minuten vor dem Ende, ließ einen Hauch von Spannung aufkommen, aber irgendwie hatte man das Gefühl, dass die Bosnier nicht wirklich wollten (oder konnten?). Wie dem auch sei, die Vorstellung des kakanischen Teams hat mir gefallen – mehr Kollektiv, denn Einzelspieler, spielten sie in der ersten Hälfte gut mit, ließ sich Argentinien von ihnen zu sehr in die Defensive drängen. Mit dieser Leistung sollten die Bosnier ohne Probleme die Gruppenphase (gegen Iran und Nigeria) überstehen und im Achtelfinale (höchstwahrscheinlich) auf die Franzosen treffen. Die Argentinier werden es wohl mit der Schweiz zu tun bekommen. Wirklich überzeugt haben mich die Südamerikaner nicht. Ihr Prunkstück ist natürlich die Offensive und falls diese – gut geölt – funktioniert, zerlegen sie mit Sicherheit jede Mannschaft. Doch die Defensivabteilung – und da vor allem  Torhüter Romero, der nur zweite Wahl beim AS Monaco ist – mag das Zünglein an der Waage sein. Die Bosnier zeigten, wie man gegen Argentinien ein Tor macht und mit Pressing die Spiellaune der Stars vermiest. Aber wehe, du gibst einem Messi, einem Aguero, einem DiMaria oder einem Higuain zu viel Platz, dann heißt es: bitte anschnallen, Zug fährt ab. In den nächsten beiden Spielen werden sich die Argentinier natürlich noch mehr einspielen, noch mehr zeigen, was sie können. Erst wenn sie es im Viertelfinale mit Frankreich zu tun bekommen, wird man sehen, wie stark die argentinische Mannschaft wirklich ist.

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