richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM2014: Tag #5

Der fünfte Spieltag zeigte Deutschland in (kurzfristiger) Spiellaune und Portugal mit bösen Aussetzern. Den US-Boys reichten zwei Aktionen zum glücklichen Sieg gegen Ghana. Iran und Nigeria sollen auch bei der WM sein, Fußball spielen hat man sie nicht gesehen.

 

Deutschland : Portugal  4 : 0

Die gesicherte Abwehr ist in Deutschland angekommen! Trainer Löw stellte gleich mal 4 Innenverteidiger und drei defensive Mittelfeldakteure gegen die Portugiesen auf. Scheinbar heißt es nun auch bei den sonst so offensiv ausgerichteten Deutschen, dass man aus einer gesicherten Abwehr heraus Spiele vielleicht nicht gewinnt, aber mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht verliert. Hatte Löw Angst vor der eigenen Courage? Oder war es nur die Ronaldo-Panikattacke vor dem Anpfiff? Vergessen wir nicht, dass Tags zuvor sein argentinisches Pendant der Welt zeigte, dass auch ein gelangweilter Superstar mit einer Aktion ein Spiel mir-nichts-dir-nichts entscheiden kann. Wie dem auch sei, die germanische Defensivtaktik zeigte gleich zu Beginn Wirkung und die Portugiesen sollten bis zum Ende gar nicht erst ins Spiel kommen. Freilich, das Spielglück war auf Seiten der Deutschen – zuerst wurde ihnen ein Elfmeter zugesprochen, 25 Minuten später auch noch Innenverteidiger Pepe ausgeschlossen, weil er Thomas Müller seinen Frust ins Gesicht schrie oder so ähnlich  (da stand es bereits 2 : 0; beim zweiten Tor, man muss es sagen, sah Pepe gar nicht gut aus). Dumm gelaufen, Portugal. Damit wurde die Sache zu einem deutschen Schaulaufen und Müller zeigte – wie bereits vor vier Jahren – warum er Tore wie am Fließband produziert: einfach dort stehen, wo es der gegnerischen Mannschaft weh tut. Aua.

Nach den drei Toren in der ersten Halbzeit war die zweite nur noch zum Gähnen. Die Portugiesen – demotiviert, beleidigt, verzweifelt – wollten nicht mehr und agierten nur noch trotzig auf die Stehfußballer-Angriffe der Deutschen. Wie stark das deutsche Nationalteam ist, lässt sich deshalb nicht sagen, da es ihnen zu einfach gemacht wurde. Auch die zwei nächsten Partien – gegen  die Klinsmann-USA und das Boateng-Ghana – sollten keine große Hürde für die Löw-Truppe darstellen, sind es doch Mannschaften, die mit Physis und Laufbereitschaft punkten, aber in Sachen Taktik und Spielqualität nichts mitzureden haben. Die Germanen können somit nur durch ihre eigene Nachlässigkeit, ausgelöst durch Überheblichkeit oder zu euphorischer Weltmeisterträumereien, auf die Schnauze fallen, sozusagen. Unwahrscheinlich, gewiss, aber ich wollte es nur gesagt haben. Somit steht einem Halbfinale Italien : Deutschland nichts mehr im Wege. Belgien? Ach ja, die könnten noch ein Wörtchen mitreden.

 

Iran : Nigeria  0 : 0

Eine Nullnummer ist eine Nullnummer ist eine Nullnummer. Die schwächste Partie der WM, wie der Kommentator des ZDF immer wieder betonte, war es m.E. nicht. Weil sich die beiden Mannschaften redlich bemühten und es ernst meinten. Ja, sie können es nun mal nicht besser. Aber man verteufle mir die Iraner bitteschön nicht. Sie agierten defensiv und zurückhaltend, gewiss, und trotzdem hätten sie beinahe ein Tor erzielt. Argentinien und Bosnien werden gegen den Iran wohl ein Geduldsspiel ertragen müssen. Geschenkt wird einem bei der WM kein Sieg. Und Nigeria? Ein Schatten ihrer selbst. Da zeigten die anderen zentralafrikanischen Mannschaften Kamerun, Ghana und – vor allem – die Elfenbeinküste einfach mehr. Man wird sehen, ob sie sich gegen Bosnien und Argentinien ihrer erfolgreichen Ahnen erinnern werden. Zu wünschen wäre es ihnen (und dem Zuschauer).

 

Ghana : USA  1 : 2

Amerikanische Tugend. Afrikanisches Los. Die US-Boys starteten fulminant und erwischten Ghana eiskalt. Dempsey netzte in der 1. Minute zur Führung ein. Es sollten 81 Minuten vergehen, bis Ghana der verdiente Ausgleich gelang. Ein Unentschieden, ja, es wäre gerecht gewesen – und hätte die Gruppe spannend gemacht. Doch fünf Minuten später waren es wieder die Amis, die aus dem Nichts zuschlugen und wohl alle Träume der Afrikaner begruben. Tragisch, tragisch. Trotz des Sieges überzeugte die Klinsmann/Herzog-Truppe in spielerischer Hinsicht keineswegs. Fighten und Laufen und Dagegenhalten, ja, das können sie, die Amis, aber sonst? Gegen Portugal wird sich zeigen, welche Qualitäten die US-Boys noch so im Gepäck haben. Mit einem Sieg wären sie im Achtelfinale und könnten dort auf – trara – Russland treffen. Hui. Weltpolitik meets Fußball. Es könnte natürlich auch ganz anders kommen. Im Fußball ist bekanntlich alles möglich. Einzig, wenn es um das deutsche Nationalteam geht, dann ist deren Aufstieg ins Achtelfinale so sicher wie das Amen im Gebet. Halleluja.

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