richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM2014: Tag #7

Der siebente (WM-)Spieltag wartet mit der ersten Sensation auf: Spanien ist draußen. Eine zweite Sensation wäre beinahe Australien gelungen, in dem sie die erfolgsverwöhnten Niederländer beinahe niedergerungen hätten. Aber am Ende hatten die Niederländer die besseren Einzelspieler. Und das Glück, tja, das war für diesmal ein holländisches Vogerl. Keine Sensation ist, dass Kamerun die Koffer packen muss. Die Kroaten zeigten ihnen, wie man Fußball spielt – Mitleid dürften die Kroaten nur vom Hörensagen kennen. Wer den amtierenden Weltmeister zu Fall bringt, muss als neuer Thronanwärter gelten. Somit darf sich Chile für kurze Zeit in der Hoffnung baden. Im letzten Gruppenspiel prallen die beiden Thronanwärter aufeinander. Aber da geht es nicht mehr um die Wurst. Gut möglich, dass in diesem Spiel das Gewinnen sogar verboten ist, falls der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass Brasilien nur den zweiten Platz in der Gruppe A belegt. Absurd, nicht?

 

Australien : Niederlande  2 : 3

Die Niederländer sind die neuen Deutschen! Mäßig gespielt, trotzdem gewonnen. Hätten die Australier einen Robben oder van Persie in ihren Reihen, das Spiel wäre anders ausgegangen. Wie dem auch sei, die Australier haben sehr guten Fußball geboten, haben jene Mannschaft, die zuvor noch den Weltmeister mit 5:1 abgefertigt hatte, schlecht aussehen lassen. Lange Zeit hat man von den Niederländern nichts gesehen. Und dann – zackprack – schlägt Robben zu. Eiskalt. Doch postwendend (im wahrsten Sinne des Wortes) gleichen die Aussies durch einen Volley-Hammer von Cahill aus (muss man gesehen haben!). Ja, die Australier liefen, arbeiteten, kämpften – als gäbe es kein morgen. Herrlich anzuschauen. Man fieberte mit dem Underdog mit. Wollte den holländischen Goliath fallen sehen. Kurz durfte man darauf hoffen. Führungstreffer der Australier durch einen (wohlwollenden) Elfmeter. Dann ein Blackout in der australischen Hintermannschaft – und van Persie schlägt Eiskalt zu. Ausgleich. Schlagabtausch. Dann ein Blackout in der niederländischen Hintermannschaft – doch statt den Ball mit dem Kopf über die Linie zu wuchten, nimmt der Australier seine Brust. Kläglich. Im Gegenzug hält einer der jungen Niederländer einfach mal drauf, zieht ab. Tja. Es kommt, wie es kommen muss. Den scharfen Aufsitzer kann der australische Torhüter nicht bändigen. Tor. Führung für Niederlande. Fünfzehn Minuten vor Schluss. Die Australier bäumen sich noch einmal auf. Vergebens. Auch müssen sie ihrem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Unverdient verloren, die einen. Unverdient gewonnen, die anderen. So ist das Leben. So ist nun mal Fußball.

Einschub: Da Chile gewonnen hat, sind die Niederländer fix im Achtelfinale. So schnell kann es gehen.

 

Spanien : Chile 0 : 2

Die Epoche des Tiki-Taka ist offiziell zu Ende! Hipp Hipp Hurraaaa! Spanien? Müde. Unkonzentriert. Laufunwillig. Kurz und gut, die Spanier waren in zwei Spielen völlig von der Rolle. Erinnerte es nicht an die WM 2002, als Frankreich – Weltmeister von 1998 – ohne seinem Superstar Zidane in den ersten beiden Gruppenspielen so grottig und lustlos spielten, dass man schon an eine Spielerverschwörung dachte? Wahrlich, die Bilder ähneln sich: in beiden Fällen fehlten den weltmeisterlichen Maestros das innere Feuer (Rocky, anyone?). Und das ist m. E. unentschuldbar.  Hier werden wohl Köpfe rollen und ein Neuanfang gemacht werden müssen. Barcelona war gestern, Athletico bzw. Real Madrid (oder auch Bayern München) ist heute. Fein, fein.

Chile? Zum Zunge schnalzen! Weil die südamerikanischen Spieler ambitioniert und agil die große Chance nutzten. Da funktionierte so gut wie alles. Aber vor allem pressten sie – beinahe pausenlos – gegen den ballführenden Spanier. Das ist ja eigentlich die Ironie der Sache, dass man das Pressing Spaniens respektive Barcelonas kopierte und gegen den Erfinder selbst einsetzte. Warum klappte es früher nicht damit? Weil die Gegner Angst vor der eigenen Courage hatten und weil sie nicht die Physis und Konzentration hatten, dieses Pressing über 90 Minuten aufrechtzuerhalten. Während also die Gegnerschaft Spaniens respektive Barcelonas sonst immer nur in Ehrfurcht erstarrte und mit Mann und Maus brav in der eigenen Hälfte blieb, dachte Chile gar nicht daran und gab ordentlich Gas. Yeah. So gefällt uns das. Interessanter Aspekt ist vielleicht, dass Australien gegen die Niederlande ein ähnliches Konzept beinahe erfolgreich umsetzten konnte. Wir sehen: für den modernen Fußball braucht es nun eine Pferdelunge.

 

Kamerun : Kroatien 0 : 4

Kroaten machen keine Gefangenen! Hui. Die Kroaten ließen nichts anbrennen und zogen ihr offensives Spiel von der ersten bis (im wahrsten Sinne des Wortes) letzten Minute durch. Respekt. Andere Mannschaften hätten nach dem zweiten oder zu mindest dritten Tor drei Gänge runter geschalten und nur noch Stehfußball gezeigt. Nicht so die Kroaten. Sie schienen wie von der Leine gelassen. Vielleicht haben sie auch nur Blut geleckt. Wie auch immer, die Afrikaner müssen sich nun verabschieden. Die dümmste Aktion des Spiels steuerte Routinier Alex Song von Kamerun bei, in dem er den vor ihm laufenden Mandzukic mit der Faust in den Rücken schlug. Selten dämlich. Weil Faustattacken immer strenger geahndet werden als beispielsweise Beinattacken. Es heißt ja Fuß- und nicht Faustball. Der Ausschluss in der 40. Minute beim Stand von 1:0 war wohl der letzte Sargnagel für die Afrikaner, die wohl so oder so unter die kroatischen Räder gekommen wären – aber vielleicht wäre die Niederlage nicht so klar ausgefallen. Nun kommt es am Montag zum kroatisch-mexikanischen Schlagabtausch. Die Kroaten sind heiß. Die Mexikaner nach ihrem ertrotzten Unentschieden gegen Brasilien sowieso. Als Ex-Habsburger muss ich natürlich den Kroaten die Daumen halten. Dass sie einen sichtlich angezählten Gegner mit Volldampf aus dem Stadion schießen wollten, ist wohl vornehmlich ihrer Brasilien-Elfmeter-Frustration zuzurechnen. Aber wer weiß, vielleicht machen die Kroaten einfach keine Gefangenen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: