WM2014: Tag #8

Am achten WM-Spieltag dürfen wir Kolumbien im Achtelfinale begrüßen. Fein, fein. Die Südamerikaner spielen guten Fußball und haben sich den Aufstieg – analog Chile – redlich verdient. Die Elfenbeinküste kann es aus eigener Kraft schaffen, aber bekommen es im letzten Gruppenspiel mit den Maurern aus Griechenland zu tun. Auweia. Apropos. Die Engländer dürfen sich von der WM verabschieden. Von Suárez zerlegt, sozusagen. Damit lebt Uruguays Aufstiegsschance. Leider. Andererseits konnten die Engländer nicht wirklich überzeugen. Nun heißt es abwarten, wie sich Costa Rica gegen Italien schlägt. Spannend.

 

Kolumbien : Elfenbeinküste  2 : 1

Kolumbien will’s wissen! Hui. Die Weltmeisterschaft in Brasilien gefällt mir immer mehr. Weil im Moment jene Mannschaften oben auf sind, die offensiv-lauffreudigen Fußball bieten. Kein Hin- und Hergeschiebe, kein Stehfußball-Abwarten, keine Hick-Hack-Härte, keine griechische Abwehrmauer, keine Taktiererei. Es wird Fußball gespielt. Yeah. Kolumbien gehört zum Klub der lauffreudigen Offensivgeister. Die Elfenbeinküste, nun, sie versuchte mit Kolumbien mitzuhalten – aber ihre Grenzen wurden in diesem Spiel klar aufgezeigt. Im ersten Spiel gegen Japan konnten sie noch das Spiel herumreißen, weil die Asiaten konditionell und mental gegen Ende des Spiels sichtlich nachließen. Bei Kolumbien war dies nicht der Fall, im Gegenteil. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass süd- und mittelamerikanische Mannschaften mit dem Klima in Brasilien besser zurecht kommen. Wie dem auch sei, die Elfenbeinküste könnte trotz der heutigen Niederlage noch ins Achtelfinale kommen, ein Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Griechenland vorausgesetzt. Die Hoffnung lebt. Und Kolumbien? Können sie es weit bringen? Ich denke nicht. Dazu fehlt es ihnen letzten Endes an Konstanz und Erfahrung – kurz: an einer kaltschnäuzigen Abgebrühtheit. Davon haben – vor allem – europäische Mannschaften mehr als genug. Bestes Beispiel mag da wohl Italien, dicht gefolgt von Deutschland und Niederlande sein. Mit anderen Worten: grottig spielen und trotzdem gewinnen, das ist der Schlüssel zum Erfolg. Leider. Aber so ist Fußball. So ist das Leben.

 

Uruguay : England  2 : 1

Luis Suárez? Der Robben Uruguays ! Erst mit dem Ausgleich der Engländer in der 75. Minute wurde es jenes Spiel, das man von Anfang an erhofft hatte. Da ging ein Ruck durch die englische Mannschaft, bei der man zuvor den Eindruck hatte, sie würden nur mit angezogener Handbremse spielen. Aber zehn Minuten später war es erneut Luis Suárez, der alleine aufs Tor zog und eiskalt verwertete. Tja. Somit haben die Urus ihre Chance, ins Achtelfinale aufzusteigen, um ein paar Tage gewahrt. Im letzten Spiel bekommen sie es dann mit Italien zu tun. Ich gehe davon aus, dass Pirlo & Co nichts anbrennen lassen – Suárez hin oder her. Freilich, die Mannen aus Südamerika – von mir längst abgeschrieben – haben noch mal Blut geleckt. Aber in Summe reichen die Qualitäten Uruguays nicht aus, um ganz vorne mitzuspielen. Und die Engländer? Haben – wie so oft – enttäuscht. Sie wirken auf mich wie ein zusammengewürfelter Haufen guter Einzelspieler, die auf dem Feld nicht funktionieren, nicht harmonieren. Gewiss, immer wieder gibt es Lichtblicke, gibt es Ansätze – aber das reicht nicht. England muss wohl dem Umstand Tribut zollen, dass in ihrer Liga zumeist Legionäre (wie Suárez) ihre Brötchen verdienen und somit englische Fußballer erst gar nicht zum Zug kommen. Noch immer ist beispielsweise der 34-jährige Steven Gerrard der klassische Ballverteiler – aber im Gegensatz zum ein Jahr älteren Andrea Pirlo fehlt es ihm einerseits an der Technik, andererseits an geeigneten Mitspielern, die ihn abschirmen, die ihm die nötigen Freiräume verschaffen können. Die Engländer spielen ihr behäbiges, ideenloses Spiel seit eh und je. Kreativität? Fehlanzeige! Ihre einstmals so bewunderte starke Physis, ihr brachialer Körpereinsatz, ihr Wille zum Sieg, all das ist bei ihnen nur noch in Spurenelementen vorhanden – da hatten die Urus mehr im Blut und im Urin. Was soll nur aus England, der einstigen Fußballmacht, nur werden? Den Genickbruch, wenn man so will, erhielten sie 2010 von Deutschland und einem regulären Tor, das nicht gegeben wurde. Hätte man damals bereits die Torlinientechnologie eingesetzt, hätte man das Tor gegeben, die Engländer hätten sich ein schlimmes Trauma erspart. Oftmals ist es nur ein bestimmter Moment, der eine Niederlage besiegelt und am Ende eine Nationalmannschaft für Jahre und Jahrzehnte zurückwirft. Natürlich gilt es auch umgekehrt: jeder Sieg macht eine Mannschaft stärker, manchmal bis zum Anschlag. Spanien mag ein gutes Beispiel dafür (gewesen) sein, die Deutschen und Italiener sowieso.

 

Japan : Griechenland  0 : 0

Ermauete Hoffnung! Die Griechen sind für mich eines der sonderbaren Phänomene des Weltfußballs. Weil ich noch immer nicht verstehen kann, wie man sich mit einer Beton-Konter-Taktik für eine Weltmeisterschaft qualifizieren kann. Als vor zehn Jahren die Rehakles-Truppe überraschend Europameister wurde, da konnte man von einer glücklichen Fügung sprechen – oder davon, dass die gegnerischen Mannschaften von dem äußerst effektiven griechisch-deutschen Catenaccio überrumpelt wurden. Vielleicht hatte damals das griechische Nationalteam die richtigen Spieler dafür (Kopfballungeheuer Dellas!) – aber davon kann 2014 nicht mehr die Rede sein. Es ist ein Jammer, dass beispielsweise Australien oder Kamerun bereits vorzeitig ausgeschieden sind, wo diese einen ambitioniert-emotionalen Fußball spiel(t)en. Im griechischen Team brennt hingegen kein Feuer, keine Leidenschaft. Höchstens, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen und eine Abwehrschlacht liefern können, dann wachen sie auf, dann kämpfen sie bis zum Umfallen. Gestern konnten sie zeigen, dass sie auch nur mit zehn Mann ein Unentschieden verteidigen können. Gewiss, die Japaner, so quirlig und lauffreudig sie auch sein mögen, Spielwitz gehört nicht zu ihrer Grundausstattung. Ergo tun sich Honda & Co schwer, wenn sie das Spiel machen müssen, wenn sie vor der (für sie wohl unlösbaren) Aufgabe stehen, die griechische Betonabwehr auszuspielen. Dass die kleinen Japaner es immer wieder mit hohen Bällen in den Strafraum versuchten, nun, das zeugt von Ideenlosigkeit, vielleicht sogar schon von Verzweiflung. Und als Zuschauer hofft man nur noch, dass die Taktik endlich aus den Bewerben verschwindet. Zugegeben, für Underdogs (beispielsweise Iran) und kleine Fußballnationen (Honduras), die es nicht besser können, mag das Mauern und Kontern deren einzige Chance sein, um international einigermaßen zu bestehen. Aber Griechenland? Wollen sie sich wirklich als Fußballzwerg outen? Wie dem auch sei, die Griechen haben ihre Chance auf den Aufstieg ins Achtelfinale gewahrt. Wir werden dem Fußballgott wohl ein paar Tango-Bälle opfern müssen, damit er es verhindert. Im schlimmsten Fall kicken die Griechen die Ivorer aus dem Turnier. Das wäre dann wohl ungerecht. Aber, hey, wir reden hier von Fußball.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s