richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM2014: Tag #12

Der 12. WM-Spieltag stellte die althergebrachte Hackordnung wieder her. Brasilien lässt Kamerun keine Chance, Mexiko macht gegen Kroatien alles klar, die Niederlande besiegen Chile recht unspektakulär und Spanien rehabilitiert sich – ein klein wenig – mit einem klaren Sieg gegen Australien. Die ersten beiden Achtelfinalpaarungen lauten deshalb:

Brasilien : Chile und Niederlande : Mexiko.

***

Niederlande : Chile 2 : 0……………….Australien : Spanien  0 : 3

Niederlande! Ach ja, da sind sie wieder, die Oranjes. Nach ihrem knappen und unverdienten Sieg gegen Australien ließen sie gegen harmlose Chilenen nichts anbrennen. Das (allseits bekannte) Rezept der Niederländer heißt: hinten dicht und den Raum eng machen, das Spiel des Gegners zerstören – sei es mit kleineren Fouls oder größeren Härteeinlagen – und warten, warten, warten, bis man dem Gegner in seiner Vorwärtsbewegung den Ball abnehmen und Robben bedienen kann. Der Rest ist ein Selbstläufer, sozusagen. Zwar hatte Robben seine Beine beim Führungstreffer nicht im Spiel, dafür legte er den zweiten Treffer mustergültig auf. Kurz und gut: die einen versuchen (ein wenig genervt) Fußball zu spielen und die Niederländer schießen die Tore. Das Rezept ging schon vor vier Jahren auf und brachte die Niederländer bis ins Finale. Jetzt hoffen wir mal, dass die Niederländer doch noch zum Fußballspielen anfangen. Sollte man mir nun entgegen halten, sie hätten gegen Spanien groß aufgespielt, so ist das natürlich richtig, aber nach dem ich sie gegen Underdog Australien straucheln gesehen habe, imponieren sie mir nicht mehr. Im Achtelfinale werden sie es wohl mit den Kroaten Mexikanern zu tun bekommen und ich gehe davon aus, dass sich die Niederländer einfach mal anschauen, was die Kroaten Mexikaner können.

Chile! Gegen die diszipliniert und gut eingestellte Defensive in Orange, die die Räume eng machte, war für die sonst so lauf- und spielfreudigen Chilenen kein Blumentopf zu gewinnen. Natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass die Spannkraft im Spiel gefehlt hatte, waren doch beide Mannschaften bereits fix qualifiziert. Chile hätte einen Sieg gebraucht, um die Niederländer vom ersten Platz zu verdrängen. Damit war die defensive Marschroute der Niederländer bereits vor Anpfiff vorgegeben. Die Niederlage sollte Chile m. E.  mental stärker gemacht haben – hätten sie gewonnen, wer weiß, ob sie nicht überheblich geworden wären. Jetzt wissen sie, dass da draußen, in der Ko-Phase, unangenehme Gegner auf sie warten, die vielleicht gar nicht erst die Absicht haben, Fußball zu spielen, sondern einfach nur darauf bedacht sind, das chilenische Gefüge empfindlich zu (zer)stören. Da werden sich die Mannen aus Chile wohl etwas einfallen lassen müssen. Ja, geschenkt wird einem bei einer WM wahrlich nichts.

Australien! Sie hätten sich gegen die Niederländer zu mindest einen Punkt verdient. Schade. Weil ich nun mal der Meinung bin, dass ambitionierte Leistungen belohnt gehör(t)en. Wo kämen wir hin, wenn im Fußball nicht mehr die Leidenschaft, sondern nur noch eiskalte Effizienz die gewichtigste Rolle spielen würde? Wie dem auch sei, im „Freundschaftsspiel“ gegen Spanien gab es für die Australier nicht mehr viel zu holen – ohne Spannkraft konnten die Aussies dem spielerisch überlegenen Gegner nicht Paroli bieten. Stören dürfte es die „FIFA-Asiaten“ sicherlich nicht – ihr Fokus liegt bereits auf den Asia-Cup, der in ihrem Heimatland im nächsten Jahr ausgetragen wird. Ich denke, die Socceroos werden dort eine gute Figur machen.

Spanien! Sag zum Abschied leise Servus, heißt es jetzt auf spanisch. Wenigstens haben sie ihre Pflicht brav erledigt und sich gegen Australien keine Blöße gegeben. Die Anfangsaufstellung zeigte, dass die beiden Niederlagen ein Umdenken im spanischen System ausgelöst haben dürften – oder können Sie sich noch erinnern, wann die Spanier das letzte Mal von Beginn an mit Villa und Torres aufliefen? Eben. Wie dem auch sei, ich hoffe, dass mit dem blamablen Ausscheiden des amtierenden Weltmeisters der unansehnliche Tiki-Taka zu Grabe getragen wird. Es wird Zeit, endlich wieder einmal Fußball zu spielen. Die Ironie mag sein, dass die Spanier von Niederländern vorgeführt wurden, die auch nicht gerade für ansehnlichen Fußball berühmt sind. Höchstens berüchtigt, wenn es um die Schwalbentänze von Robben geht. Na, bleiben wir besser bei Spanien, die sich nun auf die kommende EM-Qualifikation vorbereiten dürfen. Gegen die Ukraine und Slowakei sollte es möglich sein, neue Spieler, neue Systeme zu erproben, ohne dass der Gruppensieg deshalb in Gefahr geriete. Gut möglich, dass wir zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich ein Spanien sehen, das fußballerisch zaubert, vielleicht sogar bezaubert. Ich würde es uns allen wünschen.

 

***

 

Kamerun : Brasilien 1 : 4……………….Kroatien : Mexiko 1 : 3

Mexiko! Kroatien! Tja. Das war wohl nix. Derweil hätt ich – wie Herbert Prohaska – den Kroaten Chancen gegen Mexiko eingeräumt. Weil sie das bessere Spiel gegen Brasilien machten als die Mexikaner, weil sie Kamerun förmlich zerlegten und bei tropischer Hitze noch in den letzten Minuten anstürmten. Aber die Mexikaner, die mit einem Unentschieden gut leben konnten, machten es den Kroaten äußerst schwer. Von der ersten Minute an pressten sie gegen die kroatischen Spielmacher, stellten die Räume zu und warteten auf die Konterchancen. Kein Wunder also, wenn die Mexikaner in der ersten Hälfte die besseren Torchancen vorfanden. Schlussendlich haben sie das Spiel für sich entscheiden können, weil sie das erste Tor im Spiel machten, die Kroaten noch offensiver werden mussten und sich dadurch noch mehr Räume und Konterchancen ergaben. Tja. Dumm gelaufen. Scheinbar ist das Konterspiel mit forschem Pressing und disziplinierten Abwehrketten das Maß aller Dinge. Interessant, dass im Achtelfinale die Mexikaner auf die Niederländer treffen, die ein ähnliches Spielkonzept an den Tag legen. Mit anderen Worten, wir müssen uns auf ein Geduldsspiel einstellen. Es sei denn, eine der beiden Mannschaften glaubt das Momentum auf ihrer Seite und gibt gleich von Beginn an ordentlich Gas. Aber das wäre dann wohl zu schön um wahr zu sein. Beide Trainer wissen, dass, wer der anderen Mannschaft auch nur ein bisschen Raum zugesteht, böse bestraft wird. Die Kroaten hingegen, sie sind noch vom alten Schlage, das heißt, sie wollen druckvoll offensiv spielen, handhaben dabei aber ihre defensive Ordnung ein wenig lockerer. Die kroatische Laufwilligkeit stellte sich primär dann ein, wenn sie in Ball hatten und den Weg zum Tor suchten. Das ist heutzutage natürlich zu wenig. Kollektives Pressing heißt, dass die ganze Mannschaft die Passwege zustellt und auf den gegnerischen Spielführer Druck ausübt. Mit anderen Worten: laufen, laufen, laufen und pressen, pressen, pressen. Der moderne Fußball, wenn man so will, ähnelt eher einer schwierigen Geburt als einer heißen Liebesnacht.

Brasilien! Kamerun! Brasilien hat ihre Pflicht erfüllt. Zwar dürften sie kurzzeitig ein wenig gewackelt haben – Kamerun konnte zum 1:1 ausgleichen – aber schlussendlich setzte sich dann doch die spielerische Klasse der Südamerikaner durch. Und dann ist da noch einen gewissen Neymar, der immer für Tore oder Torvorlagen gut ist (im Spiel machte er zwei Tore). Respekt. Für das Achtelfinale gegen laufstarke Chilenen wird die Kondition der Spieler genauso eine wichtige Rolle spielen wie deren Nervenstärke respektive Nervenschwäche. Können sich die Brasilianer vom Druck, der auf ihren Schultern lastet, befreien, ist ein Sieg durchaus möglich. Aber einfach wird es für Brasilien nicht. Die Chilenen spielen ja am besten gegen offensive Mannschaften, mit anderen Worten: wir dürfen einen Schlagabtausch erwarten. Und Kamerun? Ohne ihren (in die Jahre gekommenen) Superstar Etoo gab es nicht viel zu holen bei dieser WM. Gegen Mexiko hätte er beinahe (s)ein Tor gemacht, aber das war’s dann auch schon. Von allen afrikanischen Mannschaften im Turnier (Elfenbeinküste, Nigeria, Ghana und Algerien) ist für mich Kamerun die schwächste gewesen (oder waren es die übermächtigen Gegner in der Gruppe A?). Kameruns Ausscheiden ist somit gerechtfertigt. Immerhin.

 

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