richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM2014: Tag #15

Der 15. WM-Spieltag konnte – wie schon die Tage zuvor – mit keiner Überraschung aufwarten – alles wie gehabt: die Deutschen gewinnen gegen unbeflügelte Amerikaner und die Portugiesen erkämpfen sich zum Abschluss ihres Sommer-Alptraums noch einen Sieg gegen Ghana. Nun, vielleicht gab es doch noch eine Überraschung. Hätte man nämlich vor Beginn der WM die Algerier im Achtelfinale gesehen, man wäre ausgelacht worden. Doch da wusste noch niemand, dass die Russen in der Gruppenphase vollends enttäuschen würden. Die Belgier sind zwar im Turnier noch nicht angekommen, trotzdem reichte ihre beschauliche Leistung für den Gruppensieg. Somit sind die nächsten Achtelfinalpaarungen:

Deutschland : Algerien und Belgien : USA

***

USA : Deutschland 0 : 1……………….CPortugal : Ghana 2 : 1

USA/Deutschland! Wieder ein “Freundschaftsspiel”. Wieder stellt sich die Frage, welche Aussagekraft es bezüglich der Stärke der beiden Mannschaften hat. Das deutsche Team gewohnt spielstark, mit den besseren Einzelspielern (Thomas Müller macht Tor um Tor) und der besseren Physis. Erinnern wir uns, dass Ghana, mit körperlich starken Spieler, die bestens motiviert waren, die Deutschen beinahe an den Rand einer Niederlage gebracht hätten. Die Amerikaner auf der anderen Seite konnten – so scheint es – die Deutschen nie ernsthaft in Gefahr bringen. Wollten sie nicht? Oder konnten sie nicht? Die beiden vorangegangenen Spiele der US-Boys zeigten, dass sie es mit jedem Gegner aufnehmen könnten – vorausgesetzt, es geht um die Wurst. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Klinsmann-Truppe in den vorangegangenen Gruppenspielen nicht verausgabt hat. Gegen Belgien, das ähnlich spielstark wie das deutsche Team ist, braucht es jedenfalls mehr Feuer, mehr Leidenschaft, mehr Kampf, mehr von allem. Ansonsten dürfen die US-Boys die Heimreise antreten.

Und die Deutschen? Sie werden es im Achtelfinale mit unangenehmen Algeriern zu tun bekommen. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob die Nordafrikaner ihr Pulver nicht schon in den Gruppenspielen verschossen haben. Wie oft musste man in Turnieren erkennen, wie ambitionierte, in den Vorrunden gut aufspielende Mannschaften, im Achtelfinale sang- und klanglos untergingen. Das ist ja die (welt)meisterliche Leistung der Deutschen seit jeher gewesen, dass sie es immer gut verstanden haben, mit ihren Kräften hauszuhalten; so konnten sie immer noch einen Gang zulegen, wenn Not am Manne war. Die Italiener waren in dieser Disziplin über die Jahre die vielleicht bessere Mannschaft – da es ihrer defensiven Spielweise entgegenkam – kein Wunder also, dass die Deutschen oft vom Angstgegner sprachen, wenn es gegen Italien ging. Aber die Zeiten haben sich wohl geändert. Die Italiener bemühen sich um einen Neuanfang und die Deutschen sind am Weg zur Weltspitze. Was ihnen dazu noch fehlt, ist vielleicht die Konstanz, die Physis und damit die Bereitschaft, mit vollem Körpereinsatz zu spielen. Viele der Offensivspieler sind fragile Techniker, die gegen kampfstarke Gegner, die eng am Mann stehen, ihre Probleme haben. Freilich, davon gibt es in den oberen Klassen nicht gar so viele – Niederlande mag wohl das beste Beispiel für diesen Mannschaftstypus abgeben. Algerien gehört natürlich auch dazu, wenngleich sie nicht die Qualität der niederländischen Einzelspieler erreichen. Aber wenn man das algerische Pressing gegen die sonst so quirligen und technisch guten Südkoreaner gesehen hat, muss man einfach beeindruckt sein. Die Sache funktioniert natürlich nur so lange, so lange die Algerier nicht einem Tor nachlaufen oder einen Führungstreffer mit Mann und Maus verteidigen müssen. Paradox? Nein, Fußball.

Läuft jedenfalls alles nach Plan, sollte es zum Viertelfinalschlager Deutschland : Frankreich kommen. Gut möglich, dass in Zukunft die Franzosen der neue Angstgegner der Deutschen werden. Umgekehrt gilt das natürlich auch, wenngleich das deutsche Nationalteam für jede andere Mannschaft sowieso ein Angstgegner ist.

Portugal/Ghana! Die letzten zwanzig Minuten dieses Spiels – nach dem Ausgleich der Afrikaner – live mitverfolgt, da im Löw-Klinsmann-Duell kaum Emotionen zu finden waren. Ja, es war ein munteres, durchaus spannendes und emotional erhitztes Spielchen. Das gefällt mir. Ronaldo, wäre er auch nur einigermaßen fit gewesen, er hätte die Afrikaner im Alleingang aus dem Stadion schießen müssen. Aber so ist das (Fußballer)Leben. Am Ende gewinnen die Portugiesen verdient und dürfen mit Verlierer Ghana, deren beherzte Spielweise mir sehr gefiel, nach Hause fliegen.

 

Südkorea : Belgien 0 : 1……………….CAlgerien : Russland 1 : 1

Südkorea/Belgien! Die Südkoreaner mühten sich in ihren Gruppenspielen redlich, aber schlussendlich müssen sie sich eingestehen, dass sie gegenwärtig im internationalen Fußball keine Rolle mehr spielen. Das trifft auch auf die anderen (FIFA-)asiatischen Mannschaften im Turnier zu, sei es Japan, Australien oder der Iran (der aber eine überraschend gute Figur machte). Mit der Leistung und der Qualität vor zwölf Jahren hätte Südkorea sicherlich den Aufstieg ins Achtelfinale fixieren können. Aber die Zeiten sind vorbei, als man ein starkes Trappatoni-Italien (mit ein wenig Schiedsrichterhilfe und dem Heimvorteil im Rücken) biegen und ins Halbfinale einziehen konnte. Gegenwärtig ist es Belgien, das alle Blicke auf sich zieht und vor der WM der offizielle Geheimtipp war. Obwohl sich das belgische Team im letzten Spiel gegen Südkorea selber schwächte – rote Karte für Defour nach einem hässlichen und überaus dummen Foul – und als Fixaufsteiger ein wenig die Motivation fehlte, holten sie sich den Sieg und das Punktemaximum. Das schafften übrigens neben Belgien nur die Niederlande, Argentinien und Kolumbien. Respekt. Der Achtelfinalgegner für Belgien ist die Klinsmann-Truppe und falls sie eine ähnliche Leistung wie gegen Deutschland zeigen, dürfen sie nach Hause fahren. Leicht wird es für Belgien nicht, aber mit solch einem spielerischen Qualitätsvorteil wäre ein Ausscheiden eine böse Überraschung.

Algerien/Russland! Ehrlich, ich hege Sympathien für das russische Team und ihren Trainer Fabio Capello, aber was sie in den Gruppenspielen zeigten, war, nun ja, mäßig. Es mag bezeichnend sein, dass es zwei Tormannfehler des sonst so routinierten Akinfeev waren, die Russland auf die Verlierstraße brachten. Aber wie man es auch dreht und wendet, die Capello-Truppe enttäuschte. Kein Feuer, keine Leidenschaft, keine Offensivanstrengungen. In der Defensive klappte es überraschend gut – und hätte Akinfeev nicht zwei Mal daneben gegriffen, sie hätten in drei Spielen nur ein Tor kassiert. Wie dem auch sei, eine gute Defensivleistung alleine reicht in einem Turnier nicht aus. Ich schätze, es gibt noch viel zu tun, für Capello. Die Algerier, auf der anderen Seite, haben gezeigt, wie Fußball aussehen kann: druckvoll, technisch hochwertig, körperlich, diszipliniert und – vor allem – leidenschaftlich. Deutschland hat mit Algerien wohl einen der unangenehmsten Zweitplatzierten des Achtelfinales zugelost bekommen. Noch dazu, es muss erwähnt werden, ist die Schmach von Gijon bei der WM 1982 sicherlich noch nicht vergessen. Somit steht für mich fest, dass dieses Achtelfinalspiel zu einer Schlacht ausartet, in der mit allen Mitteln gekämpft und gespielt wird. Die Algerier werden keine Gefangenen machen wollen. Ja, Deutschland bekommt es mit einem weiteren „Ghana“-Spiel zu tun. Es wird sich zeigen, wie Löw seine Mannen auf dieses Spiel einstimmen wird. Spannend.

 

 

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