richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM2014: Gedanken zum Achtelfinale

Uh. Die Zeit drängt. Keine zehn Minuten bis zum ersten Achtelfinalspiel. Die Spannung steigt. Hier meine Überlegungen zu den Spielen. Nur für den Fall, dass ich mich nicht mehr erinnern (möchte). Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Heute, beispielsweise, stehen die Chancen für eine solche gar nicht mal sooo schlecht. Freilich nur im ersten Spiel. Sodala. Jetzt aber volle Konzentration.

 

Brasilien : Chile  Überraschungsfaktor: 30 %. Chile hat Spanien, wenn man so will, den Todesstoß versetzt. Das alleine sollte eigentlich als Eintrittskarte für ein Viertelfinale reichen. Aber der Gegner heißt Brasilien und beinahe die ganze Welt (inkl. der FIFA) möchte den WM-Gastgeber im Finale sehen. Somit sollte sich Brasilien knapp gegen Chile durchsetzen können.

 

Kolumbien : Uruguay  Überraschungsfaktor: 1 %. Kolumbien hat eine beeindruckende Leistung in den drei Gruppenspielen geboten und es wäre eine groooße Überraschung, könnten die zahn- und suarezlosen Urus Kolumbien schlagen. Wir sprechen hier übrigens von jenem südamerikanischen Team, das von Costa Rica im ersten Gruppenspiel vorgeführt wurde. Zugegeben, Uruguay kickte Italien aus dem Turnier, aber das spricht nicht für Uruguay, sonder vielmehr gegen Italien, die in drei Spielen eine erbärmlich schwache Leistung zeigten. Aber viel wichtiger ist die Frage: Wer hegt überhaupt noch Sympathien für das Team von Uruguay? Der einzige Wermutstropfen ist vielleicht, dass Kolumbien im Viertelfinale auf Brasilien/Chile trifft. Ein Jammer, dass sich die spielfreudigen Teams gegenseitig rauskicken müssen.

 

Niederlande : Mexiko Überraschungsfaktor: 30 %. Ach, die Niederländer, was habe ich mir da nicht schon den Mund und Blog fusslig geredet respektive geschrieben. Blenden wir das berühmt-berüchtigte Spiel gegen Spanien aus, dann ist das gewohnte Spiel der Niederländer, äh, nicht Fußball zu spielen, sondern vielmehr das (flüssige) Spiel des Gegners im Ansatz zu stören bzw. zerstören und gleichzeitig mit dem Offensivtrio Robben- Sneijder – van Persie zu mindest ein Tor zu machen. Nun ist Mexiko ja nicht auf der sogenannten Nudelsuppe dahergeschwommen, haben sie doch gegen Brasilien eine ansprechende Leistung geboten und mit ordentlichem Pressing gepunktet. Und dann haben sie auch noch mit Francisco Guillermo Ochoa einen Wunderwuzzi im Tor stehen, der bereits Neymar & Co zur Verzweiflung brachte. Aber ob das gegen die ausgekochten Niederländer reichen wird? Ich bezweifle es. Die Statistik bestätigt jedenfalls mein Bauchgefühl: geht es nämlich um den Ballbesitz während eines Spiels, so hat die Niederlande den zweitschlechtesten Wert (vor Iran); den „besten“ Wert haben die Oranjes hingegen bei den begangenen Fouls. [link]

 

Costa Rica : Griechenland Überraschungsfaktor: 100 %. Hätten Sie vor der WM mit den beiden Mannschaften im Achtelfinale gerechnet? Sehen Sie, ich auch nicht. Aber was dem Ganzen die Krone aufsetzt, ist der Umstand, dass eine der beiden Teams ins Viertelfinale aufsteigen wird. Unvorstellbar und doch entspricht es der Realität. Während also die Teams von Spanien, Italien, England, Kroatien, Bosnien, Portugal, Ghana, Russland, der Elfenbeinküste und Kamerun allesamt ausgeschieden sind, kämpfen diese beiden Underdogs ums Viertelfinale. Absurd, nicht? Wobei, Costa Rica hat in der Gruppenphase eine gute Vorstellung abgeliefert und sich dieses Achtelfinalspiel redlich verdient. Das kann man von Griechenland nicht behaupten. Von den gespielten 270 Minuten überzeugten mich nur die letzten 20 Minuten im Krimi gegen die Elfenbeinküste – ansonsten war das Spiel der Griechen, äh, ja, unattraktiv bis zum Abwinken. De facto sind sie in der Achtelfinalbegegnung mit Sicherheit die spielerisch schwächere Mannschaft, aber Erfahrung und Beton-Taktik sprechen für sie. Ehrlich gesagt, ich hege ein klein wenig Sympathie für die Kicker des Olymp. Warum? Weil sie im letzten Spiel dem Schicksal trotzten. Beinahe glaubte man sich in einem antiken Theaterstück. Wie dem auch sei, wenn sie auch gegen Costa Rica die Betonmauer aufziehen, dann werde ich mit Zeus wohl ein ernstes Wörtchen zu reden haben. Jawohl.

 

Frankreich : Nigeria Überraschungsfaktor: 1 %. Vive la France! Oui, oui. Mir gefallen sie, die Mannen des sympathischen Trainers Didier Deschamps (hach, lange scheint es her zu sein, als Zidane, Barthez & Co für Furore sorgten). Die Leistungen in der Gruppenphase waren ordentlich, man sollte aber den Kantersieg gegen die Schweiz nicht überbewerten und die Pferde im Stall lassen. Gegen Nigeria werden sie wohl noch nicht an ihre Grenzen gehen müssen – dafür wartet dann im Viertelfinale Deutschland.

 

Deutschland : Algerien Überraschungsfaktor: 10 %. Ja, das deutsche Nationalteam hat mit Sicherheit den unangenehmsten Gegner des Viertelfinales zugelost bekommen, spielen die Algerier doch einen ähnlich körperintensiven Fußball wie Ghana. Sie sind mental stark und ihr Pressing, das sie in der ersten Halbzeit gegen Südkorea praktizierten, war atemberaubend. Jetzt haben die algerischen Wüstenfüchse sogar die einmalige Chance, sich für die „Schande von Gijon“ zu revanchieren. Am Ende, davon muss man ausgehen, wird das deutsche Team als Sieger vom Platz gehen. Natürlich wird ihnen diese Schlacht viel, sehr viel Substanz kosten. Auf der anderen Seite wird es die Löw-Truppe abhärten und mental stärken. Weil, was einen nicht umbringt, macht einen Härter. Das gilt nicht nur im Leben, sondern auch im Fußball. Wir dürfen uns jedenfalls auf eine intensive Partie freuen.

 

Argentinien : Schweiz Überraschungsfaktor: 25 %. Vermutlich übersehen viele den Umstand, dass die Schweiz in der FIFA-Weltrangliste den sechsten Platz belegt – gerade einmal einen Platz hinter Argentinien. Mit anderen Worten, das Achtelfinalspiel ist am Papier eine Begegnung auf Augenhöhe. Und das wird es m. E. auch Die Leistungen Argentiniens in der Gruppenphase waren, äh, beschaulich und nicht gerade weltmeisterlich, jene der Schweizer freilich auch nicht gerade überwältigend. Schlussendlich wird die Partie wohl oder übel von einem Mann entschieden werden: Lionel Messi.

 

Belgien : USA Überraschungsfaktor 30 %. Sollte die Klinsmann-Truppe tatsächlich in der Lage sein, den Geheimtipp aus dem Rennen zu kicken? Ich kann es mir nicht vorstellen. Was aber nicht heißen soll, dass es einfach für Belgien werden wird. Ganz und gar nicht. Die US-Boys sind tough und mental superstark. Gegen die Löw-Truppe haben sie m. E. mit angezogener Handbremse gespielt, eine andere Erklärung für den plötzlichen Formabfall gibt es nicht. Belgien wird alle Kraft und spielerischen Qualitäten benötigen, um gegen die USA zu bestehen. Denn berauschend haben sie nicht wirklich gespielt, in der Gruppenphase. Beinahe enttäuschend, wenn man sich vor Augen führt, wer da aller auf dem Feld stand.

 

 

 

 

 

 

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