richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

WM2014: Tag #21 Viertelfinale

Schön langsam entwickelt sich die so fulminant begonnene Weltmeisterschaft zu einem langweiligen Turnier, wo die „üblichen Verdächtigen“ eins ums andere Mal ein Spiel für sich entscheiden. Schön spielen ist nicht mehr. Effektiv muss es sein. Nur das kleine Costa Rica, dieser Underdog aus der „Todesgruppe“, machte es ein letztes Mal spannend und stemmte sich mit Mann und Maus gegen den haushohen Favoriten, die Niederlande, und hätte beinahe das Unmögliche möglich gemacht – aber im Elfmeterschießen war Schluss mit dem Costa Ricanischen Sommermärchen. Leider. Andererseits geht es ja darum, dass die bessere Mannschaft im Halbfinale gegen Argentinien antritt, nicht?

 

Argentinien : Belgien 1:0

Argentinien, wie schon zuvor Deutschland und Brasilien, gingen früh in Führung. Ein Zuckerpass von Di Maria zu Higuain – der nur deshalb so perfekt gekommen ist, weil er von Komapny abgefälscht wurde – jener Higuain, der bis zu diesem Zeitpunkt mit einer imposanten Torungefährlichkeit glänzte, knallte den Ball volley ins lange Eck. Respekt. Man könnte meinen, Higuain hätte wieder zu seiner alten Form gefunden. Aber in der 55. Minute bestätigte er seine schwache Form: er vergab eine Riesenchance, als er alleine auf Torhüter Courtois zulief (andererseits vergab in einer ähnlichen Situation der große Messi). Damit wäre das Spiel vorzeitig entschieden gewesen und man hätte den Fernseher ausmachen können. Weil die Belgier nicht mehr die Kraft, den Willen und die Ideen hatten, diesen argentinischen Defensivverbund zu knacken. Ich behaupte, dass die belgischen Spieler mit zu viel Ehrfurcht in das Viertelfinale gegangen sind und sich nicht getrauten, aufs Ganze zu gehen. Im Unterschied zum Spiel gegen die USA, wo sie sich als überlegene Mannschaft fühlten und auch so spielten. In den 90 Minuten hatte man als neutraler Zuschauer nie das Gefühl, dass die Belgier die Argentinier fordern hätten können. Dass die Argentinier einen ihrer besten Offensivspieler neben Messi, nämlich Di Maria, in der 33. Minute austauschen mussten, war eigentlich gar keine Schwächung, da der Fokus nur noch auf er Defensive lag. Argentinien, wenn man so will, ist eines der Armutszeugnisse dieser Weltmeisterschaft. Mit minimalstem Aufwand, wenigen Einzelleistungen und kompaktem Stellungsspiel (acht Mann hinter dem Ball) haben sie bis jetzt jede Aufgabe gemeistert. Nur dort, wo man noch kompakter und defensiver gestanden ist (Iran, Schweiz) hatten Messi & Co ihre größten Probleme. Ich wage die Behauptung, dass die US-Boys von Klinsmann ein besseres, spannenderes Spiel geboten hätten als die Belgier. Gewonnen hätten die Amerikaner sicherlich auch nicht, aber sie hätten dagegen gehalten. Ganz bestimmt. Dass Trainer Wilmots von Beginn an auf den langen Fellaini setzte, war in meinen Augen ein entscheidender Fehler. Weil er weder defensiv noch offensiv etwas zuwege brachte, er zumeist ins Abseits stolperte, Sicherheitspässe bevorzugte und unbeholfen Fouls beging. Wilmots hätte einen der spielstärkeren Ersatzspieler an seiner Stelle auflaufen lassen müssen. Alles in allem enttäuschten die Belgier – nicht anders als die Franzosen gestern. Aber vielleicht ist es auch diese brachiale Defensivbollwerke-Taktik – nicht von Underdogs, sondern von „Weltklassemannschaften“ perfektioniert, die (unerfahrenen) Offensivmannschaften den letzten Nerv ziehen und ihnen keine Chance geben. Die Folge ist ein unansehnlicher Schlafwagenfußball. Hat Argentinien nun verdient gewonnen? Nun, sie haben, genauso wie die Löw-Truppe, das gemacht, was notwendig war, ein Viertelfinalspiel zu gewinnen. Mehr kann man nicht von ihnen erwarten, oder?

 

 

Niederlande : Costa Rica 0:0 4:3 i.E.

Wer hätte das gedacht? Der krasse Außenseiter machte es 120 Minuten spannend. Äußerst spannend. So fragte man sich, als neutraler Zuseher, wann die Oranjes den Führungstreffer endlich schießen würden. Aber egal, was sie versuchten, das Tor wollte nicht gelingen. Nicht in 90, nicht in 120 Minuten. Nur im Elfmeterschießen, da hauten die niederländischen Superstars alle ins Netz – während zwei Spieler von Costa Rica „daneben hauten“ besser: so schwach schossen, dass ihn der Ersatztorhüter, der extra für das Elfmeterschießen eingewechselt wurde (gab es das schon mal?) in beiden Fällen halten konnte. Respekt. Was uns weniger gefallen hat, waren die Mindgames des niederländischen Torhüters, der versuchte, die zum Elfmeter antretenden Spieler Costa Ricas mit Mätzchen und Provozierungen aus der Fassung zu bringen. Ist das fair play? Warum der Schiedsrichter hier nicht eine Verwarnung gegenüber dem Torhüter aussprach, bleibt eines der großen Rätsel dieser Weltmeisterschaft.

Die Niederlande wird nun im Halbfinale auf Argentinien treffen. Ich denke, das ist nur fair, dass die beiden Defensivteams gegeneinander antreten müssen. Wir können davon ausgehen, dass das Halbfinale deshalb zu einem Geduldsspiel werden wird – besser: Schlafwagenfußball, Hin- und Hergeschiebe des Balles, dann der Versuch, einen tödlichen Pass in die Spitze zu spielen. Da die Argentinier wissen, dass man einen Robben nicht mehr stoppen kann, wenn er in Fahrt kommt, werden sie ihre Abwehrreihen sehr weit zurückziehen und den Raum eng machen. Gleiches gilt für die Niederlande, die um die Gefährlichkeit eines Messis wissen. Sie werden eng am Mann stehen und wenn nötig einen möglichen Angriffsschwung mit Härteeinlagen bremsen. Dass die niederländischen Verteidiger im eigenen Strafraum nicht gerade vorsichtig zu Werke gehen, um den Offensivspieler vom Ball zu trennen, ihren Körper gegen den Mann stellen/wuchten, ist ein wenig befremdlich – im Spiel gegen Costa Rica hätte man gut und gerne einen Elfmeter gegen die Niederländer pfeifen können. Machen sie das auch gegen einen Messi wird dem Schiedsrichter wohl nichts anderes übrig bleiben, als das Foul zu ahnden. Die Niederländer dürfen sich freuen, dass Di Maria, einer der besten Argentinier, ausfällt. Ob Aguero fürs Halbfinale fit gemacht werden kann, wird sich zeigen. Wünschen tät ich’s mir. Einen flinken und torgefährlichen Außenspieler könnten die Argentinier schon brauchen. Wie dem auch sei, Hut ab vor der Leistung Costa Ricas, deren Spieler sich immer sympathisch und aufopfernd zeigten. Natürlich reichte es am Ende nicht für den Halbfinaleinzug – ich führe es vorrangig auf ihre mangelnde Erfahrung, Abgebrühtheit und Kaltschnäuzigkeit zurück. Während sie noch im Achtelfinale gegen Griechenland alle Elfmeter staubtrocken und absolut sicher verwandelten, ließen sie gegen die Niederlande aus. Die Nervenschlacht ging klar an die Niederlande.

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