richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Fury oder ein Herz aus Stahl

Ja, die Sache mit dem copyright ...

Ja, die Sache mit dem copyright infringement und so … aber im Film ist ein echter Panzerkampfwagen VI Tiger zu sehen – der einzige, der noch erhalten und funktionstüchtig ist (Bovington Museum). Vom Sherman gibt’s freilich noch ne Menge, da herrscht kein Mangel.

 

»Hey, Oddball, this is your hour of glory. And you’re chickening out!«
»To a New Yorker like you, a hero is some type of weird sandwich, not some nut who takes on three Tigers.«
Kelly’s Heroes/Stoßtrupp Gold
imdb/1970

 

*Spoiler-Alarm*

Aha. Das war er also, der neue Kriegsfilm von David Ayer (nope, den muss man nicht kennen) mit Brad Pitt (yup, den kennt man) und einem Sherman-Panzer in den Hauptrollen: Fury – Herz aus Stahl (imdb/2014). Nach Spielbergs Saving Private Ryan (imdb/1998) und seiner Mini-TV-Serie Band of Brothers (imdb/2001) liegt die Latte für – einigermaßen – realistische und mit Blut und Schmutz durchtränkte Kriegsfilme, die auch noch mit einer funktionierenden Handlung aufwarten können, recht hoch. Fury kann zwar mit Dreck und Gedärm und akkurater Militärausrüstung dienen, aber die Handlung, die Story, sie bleibt dann doch irgendwie auf der Strecke. Zu platt und ausgewalzt kommt sie daher. Ja, im Kampf werden Jungs zu Männer und Männer zu Helden. Sie gehen in den Tod. Aufrecht, mannhaft und dem Wissen, für die gerechte Sache ihr Leben gelassen zu haben. Die Feinde sind leblose Pappkameraden, die es zu treffen gilt. Nichts Neues unter der Spielberg-Hollywood-Sonne, wenn man so will. Die Action wirkt zuweilen surreal [äh, ein deutscher Offizier reitet auf seinem Schimmel aufs Schlachtfeld, als wär’s ein Sonntagsausflug?] und dann wieder wie aus einem B-Movie entnommen: Da planen die Bad Boys einen hinterlistigen Hinterhalt, aber knallen dann stümperhaft daneben, während die überraschten Good Guys – sozusagen aus der Hüfte – jedes noch so kleine und gut getarnte Ziel treffen. Und der Showdown, ja, der ist eigentlich nur als Hommage auf John Waynes Propagandaklassiker Alamo zu verstehen – ansonsten, wäre das wirklich ernst gemeint, man müsste Ayers die Lizenz zum Drehen entziehen oder den Film erst unter [IQ] 20 freigeben. Zack. Prack. Danke.

Ayers, man ahnt es spätestens beim Abspann, wollte sich an (Hollywood-Enfant-terrible) Sam Peckinpah orientieren. Hatte der nicht auch einen schmutzig-akkuraten Kriegsfilm gedreht (Steiner – Das Eiserne Kreuz (imdb/1977)? Und sind in seinem Spätwestern The Wild Bunch (imdb/1969) nicht auch die alternden Männer, die keinen Platz mehr in der modernen Welt hatten, gegen eine Übermacht angetreten und – am Maschinengewehr stehend – durchlöchert worden? Ach, was hätte ein trotzig-versoffener Peckinpah aus dem Stoff nur gemacht. Ayers spielt ein wenig mit dem Anti-Helden-Image, aber getraut sich dann doch nicht, den Bogen zu überspannen. So wird die Vergewaltigung einer jungen Frau in eine Liebeständelei mit einem noch unerfahrenen GI umgemünzt (Stockholm-Syndrom?) und ihr Tod vom Feind besorgt. Es bleibt alles wie gehabt: Die bösen Jungs sind böse*, die guten Jungs sind gut – wenngleich sie sich nach außen hart und gefühllos zeigen. So bietet uns der Film nur ein Ende mit Schrecken, obwohl, wir wissen es längst, in der Realität da draußen, damals, es ein Schrecken ohne Ende gewesen sein muss.

 

*) Definition des Bösen à la Hollywood: Falls ein unbewaffneter Kerl ne Kugel verpasst bekommt oder er mit nem Baseballschläger Bekanntschaft macht, dann ist dieser per Definition böse. quod erat demonstrandum

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