richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Goldstein und seine Irrlehren anno 2015

Eine Welt, wie sie sein könnte …

Ehrlich gesagt, ich habe keine Idee, wie man den gewöhnlichen Bürger dazu bringen kann, über den Tellerrand zu schauen. Mit einem dicken aufklärerischen Wälzer – so richtig und wahr der Inhalt auch sein mag – ist es nicht getan. Die Emotion wird die Vernunft immer ausstechen. Social-Media – so viel ist mir jetzt klar geworden – verstärkt und schürt die (gemeinsam gefühlten) Gefühlswallungen in eine gezielte Richtung. Es braucht nicht viel, höchstens ein kleiner Hinweis, und schon verlangt die aufgebrachte Menge die Köpfe der (vermeintlich) Schuldigen. Langsam dämmert mir, wie die Agitatoren und Agent Provocateure der Französischen Revolution von 1789 vorgegangen sein dürften, um ‚das Volk‘ auf ihre Seite zu ziehen. Wahrlich, es braucht nicht viel, um das Herz eines gewöhnlichen Bürgers auf eine Weise zu erweichen, um ihn für die ‚gute Sache‘ zu gewinnen. Die Manipulation bei alledem ist nicht die Erweichung des Herzens, vielmehr die Darstellung einer Sache als ‚gut und richtig‘.

Man lese hierzu ein weiteres Mal George Orwells 1984 um zu begreifen, wie eine Obrigkeit die Massen manipuliert. Das Proletariat, die breite Masse, wird mit Nonsens abgelenkt:

»Es gab eine ganze Reihe von Abteilungen [im Ministerium für Wahrheit], die wertlose Zeitungen produzierten, die nur Sport, Verbrechen und Horoskope enthielten.«

Und jene Minderheit, die das manipulative System aufrecht erhält, wird mit Hassparolen und Patriotismus bei der Stange gehalten. Sie erfahren, wer Feind, wer Befehlshaber ist:

»Nie verging ein Tag, an dem nicht nach seinen Weisungen tätige Spione und Saboteure von der Gedankenpolizei entlarvt wurden. [Goldstein] war der Befehlshaber einer großen Schatten-Armee, eines Untergrund-Verschwörernetzes, das sich den Sturz der Regierung zum Ziel setzte. Der Name der Organisation sei Die Bruderschaft, so hieß es.«

Erst am Ende der Geschichte erfährt der Protagonist, dass Goldstein und die Organisation Die Bruderschaft nur eine Erfindung der Partei war. Diese kontrollierte Opposition konnte von der Partei nach Belieben ausgeschlachtet werden:

»Je mächtiger die Partei ist, desto weniger duldsam wird sie sein: je schwächer die Opposition, desto unerbittlicher die Gewaltherrschaft. Goldstein und seine Irrlehren [lies: Terrorismus] werden ewig in der Welt sein. Jeden Tag, jeden Augenblick werden sie zunichte gemacht, beschimpft, verlacht, bespuckt werden – und doch werden sie immer bleiben.«

Auf den Punkt brachte es 2003 der damalige britische Umweltminister Michael Meacher in seinem Kommentar im Guardian:

This war on terrorism is bogus

 

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